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Brotherhood of Blessed Gérard

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Pater Gerhard Lagleder hat vor 25 Jahren ein Hilfswerk in Südafrika gegründet. Dort hilft er Menschen, die an Aids erkrankt sind. Seine Arbeit ist eine Erfolgsstory. Mit uns hat er darüber gesprochen.

Als Pater Gerhard als Missionar nach Südafrika ging, da tobte in dem Land noch die Apartheid. Nach der Wende kam die nächste Geißel über das Land: Aids verbreitete sich rasend schnell – und die Menschen müssen irgendwie damit leben. Inzwischen ermöglicht die Behandlung ein nahezu normales Weiterleben trotz Infektion.

In der Brotherhood of Blessed Gérard, die der Benediktiner gegründet hat, bekommen Infizierte Medikamente, werden unterernährte Kinder aufgepäppelt, es gibt einen Stipendien-Fonds, einen Nothilfe Fonds, ein Hospiz und vieles mehr.

Pater Gerhard ist in Regensburg aufgewachsen, war als Rettungssanitäter bei den Maltesern und ist dann Missionar in Südafrika geworden. Dort hat er mitbekommen, wie sich Aids immer weiter verbreitet hat. In seinem Care-Zentrum hat er angefangen, die Menschen zu behandeln, ihr Sterben zu begleiten und sich um die Aids-Waisen zu kümmern.

Eine Erfolgsstory in Südafrika

Heute kann er stolz sagen: „Als wir angefangen haben, haben wir fünf Jahre Weiterleben rausschlagen können. Jetzt gehen wir davon aus, dass infizierte Menschen ca. 35 Jahre mit dem Virus gut weiterleben können und nach einem halben Jahr Behandlung nicht mehr ansteckend sind.“ Eine echte Erfolgsstory, die an einer ganz banalen Geschichte sichtbar wird: „Wir feiern immer den Welt-Aids-Tag. Jetzt müssen wir umdenken. Denn der fällt oft mitten in die Woche. Und weil unsere Infizierten wieder arbeiten gehen, können die sich dann oft nicht freinehmen.“ Es gibt wohl keinen besseren Grund, eine Feier auf das Wochenende zu verlegen.

Was sich noch verändert hat in den letzten 25 Jahren, wie Pater Gerhard sich fühlt, wenn er in Deutschland auf Betteltour geht (so nennt er seinen Einsatz selbst) und warum er nicht rot wird, wenn ihn jemand fragt, wieviel Kinder er hat – darüber spricht er mit Brigitte Strauß in der Talksendung "Huaptsache Mensch" gesprochen.

Die Spendenkontonummer von Pater Gerard: Kontoinhaber: Bruderschaft des Seligen Gerhard e.V. IBAN: DE37 7215 2070 0000 0120 21 SWIFT-BIC: BYLADEM1NEB


Südafrika – Katholische Kirche im Kampf gegen AIDS (30.9.2012)

 

Südafrika – Katholische Kirche im Kampf gegen AIDS

Ein Interview von Pater Niggewöhner
mit  dem Missionsbenediktiner Pater Gerhard Lagleder OSB,
Gründer des Hilfswerks “Brotherhood of Blessed Gérard”

Sendung am 30. September 2012, ausgestrahlt bei

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Grüß Gott und willkommen bei „Weltkirche aktuell“. Aus dem Studio der päpstlichen Stiftung „Kirche in Not“ begrüßt sie Volker Niggewöhner. Mit Südafrika wollen wir uns heute beschäftigen und mit einem Mann der vor 20 Jahren mit der „Brotherhood of Blessed Gérard“ eine Gemeinschaft gegründet hat, die mittlerweile die größte katholische Hilfsorganisation Südafrikas ist. Freuen Sie sich mit mir auf den Missionsbenediktiner Pater Gerhard Lagleder.

-          Musikeinlage -

Grüß Gott, Pater Gerhard!
Herzlich willkommen bei uns in der Sendung!

Grüß Gott, Herr Niggewöhner und liebe Zuhörer.
Dankeschön, dass Sie mich zum Gespräch eingeladen haben.

Pater Gerhard, man nennt sie in Südafrika „Father Gérard“, benannt nach dem seligen Ordensgründer der Malteser, denen Sie auch angehören.
Sie sind aber weder Franzose noch Südafrikaner, sondern ein waschechter Bayer. Richtig?

Ja das stimmt.
Ich bin in Regensburg geboren und ich bin in Regensburg aufgewachsen.
Ich habe auch dort studiert und bin dort zum Priester geweiht worden.
Nach meiner Priesterweihe 1982 bin ich dann wieder in Bayern geblieben und zwar in das oberbayerische St. Ottilien bei den Missionsbenediktinern eingetreten.
Also ich bin wirklich ein waschechter Bayer.

Also dort in St. Ottilien haben Sie dann auch 1986 ihre Feierliche Profess abgelegt und sie sind bereits wenige Monate danach als Missionar nach Südafrika gegangen.
War das eigentlich ein Wunsch von ihnen?
Hat Sie das Land vorher schon beschäftigt?

Ja, ein Missionar zu werden das war schon mein Wunschtraum.
Sonst wäre ich ja sicher nicht in einen Missionsorden gegangen.
Und dies ist gottlob in Erfüllung gegangen.
Allerdings war ich erst vorgesehen für eine Neugründung auf den Philippinen, aber dann sind im Zululand so viele meiner Mitbrüder gestorben, dass der Erzabt zu mir gesagt hat: „Gerhard, könntest Du nicht nach Südafrika gehen in das Zululand?“
Ich habe momentan etwas die Nase gerümpft, denn damals war es noch die Zeit der Apartheid und als Weißer ins Land der Apartheid zu gehen, dachte ich mir, das ist nicht ganz so günstig.
Aber heutzutage bin ich mehr als froh, dass ich hierher ausgesandt wurde, und ich habe darin die Erfüllung meines Lebens gefunden.

Sie haben die Apartheid angesprochen.
Das war also noch ein ganz anderes Südafrika als heute.
Was waren denn ihre ersten Eindrücke in dieser neuen fremden Welt?

Es war eigentlich ganz interessant.
In den ersten drei Jahren, als ich in der Mission war, von 87-1990 war ich in einer Buschpfarrei – und wenn ich "Buschpfarrei" sage – dann meine ich damit dass im ganzen Landkreis der Pfarrer und ich als  der Kaplan die einzigen Weißen waren.
Ich bin einmal auf eine Außen-Station gefahren und hab mir gedacht: „Jetzt musst Du die Leute mal fragen, wie es ihnen denn so geht mit dieser Ungerechtigkeit der Apartheid.“
Und ich habe sie gefragt: „Ja, wie fühlt Ihr Euch denn mit dieser Apartheid?“
Dann haben
  sie gefragt: „Was ist denn Apartheid?“
Dann habe ich das  zu erklären versucht und sie hatten noch nie etwas gehört von der Apartheid, denn die haben so in einer heilen Stammeswelt gelebt.
Der Häuptling bestimmt, wo es lang geht und alle folgen „wie es war im Anfang …“ und damit ist die Welt in Ordnung und die waren sich gar nicht bewusst, dass sie eigentlich ja keine Rechte hatten.

Als ich dann aber 1990 nach Mandeni gekommen bin, habe ich die Apartheid so richtig intensiv erlebt.
Ich erzähle Ihnen gern ein kleines Beispiel:
Und zwar hatte ich mit meinem Fahrzeug einen psychiatrischen Patienten, der sich mit einer Rasierklinge schwer verletzt hatte an der Hand mit schwer blutenden Wunden in eine Arztpraxis gebracht und habe gesagt: „Bitte, Herr Doktor, schnell helfen Sie! Der Mensch verblutet uns sonst!“
Und dann hat er gesagt: „Nein, das tut mir leid, aber das ist ein Schwarzer. Den darf ich hier in der ‚weißen‘ Praxis nicht behandeln.“
Dann habe ich gesagt: „Wo ist denn Ihr ärztliches Ethos?“
Dann sagte er: „Ja, die entziehen mir meine Konzession wenn ich dem Schwarzen hier in der ‚weißen‘ Praxis helfe.“
Also, so habe ich die Apartheid damals erlebt und das war also schon ein mehr als unmenschliches System und gottlob ist dies vorbei.

Sie sind ja da in eine Region gekommen, die noch vom Tribalismus geprägt ist.
Hat das auch Auswirkung auf die Seelsorge?

Ja, natürlich hat dies Auswirkungen auf die Seelsorge.
Selbstverständlich, denn man muss die Leute ja dort abholen wo sie sind.
Mit philosophischen Weisheiten kommt man bei den Leuten nicht weit.
Und so muss man in der Seelsorge es genauso machen – eigentlich am Beispiel Jesu, und Jesus hat sich ja auch immer auf seine Zuhörer eingestellt.
Der hat auch keine philosophischen Vorlesungen gehalten, sondern er hat in ganz einfachen Gleichnissen aus der Lebenserfahrung seiner Zuhörer seine Botschaft verständlich gemacht.
Und hat sich konkret um die Hilflosen und Ausgegrenzten und die Ausgestoßenen und die Sünder angenommen, auf die andere mit dem Finger gezeigt haben, und ich denke, dies ist auch in der missionarischen Seelsorge so das ganz Wichtige, dass wir in konkreter Hilfe das Reich Gottes sichtbar etablieren dass wir den Menschen das Wort Gottes durch unsere liebende Tat verkünden.

Sie haben dann im Zululand viele Jahre zunächst als Kaplan, später als Pfarrer gearbeitet.
Welchen Nöten sind sie da konkret begegnet?

Ich meine, das Schlimmste ist eigentlich die schreiende Armut der Menschen.
Ich habe er sehr viele zerrissene Familien erlebt.
„Zerrissene Familien“ heißt Wanderarbeiter: Der Vater arbeitet Hunderte von Kilometern weg von Zuhause, die Mutter ist allein zuhause mit ihren Kindern.
Aber auch das Verschwinden der Familie: Es gibt bei uns kaum noch Familien. Erstens mal heiratet kaum noch einer und zum zweiten sind fast alle Kinder, die geboren wurden, dann außerhalb der Ehe geboren.
Das hat natürlich verschiedenste Gründe, aber die Auswirkung ist natürlich, dass die jungen Frauen dann überleben müssen, gerade wenn die Männer dann weit weg sind von zuhause, und wenn sie dann nicht verheiratet sind, dann ist es gleich zweimal schlimmer: Einfach um überleben zu können produzieren manche Frauen Kinder, (a) weil sie von ihren Freiern Geld für den Geschlechtsverkehr bekommen, aber auch zum anderen, man produziert Kinder damit man dann Kindergeld bekommt und von diesem Kindergeld leben kann und so aus dieser Promiskuität resultiert natürlich dann auch die höchste HIV Infektionsrate der Welt, die es bei uns im Zululand  gibt.
Man nennt uns die „AIDS-Hochburg der Welt“.
Dies ist natürlich eine Riesen-Herausforderung.

Und die Erfahrungen, die sie da in der Seelsorge gemacht haben, die haben Sie dann dazu bewogen, eine Hilfsorganisation zu gründen, nämlich die „Brotherhood of Blessed Gérard“.
Was verbirgt sich hinter diesem Namen und gab es so etwas wie eine Initialzündung für diese Gründung?

Ja, wie Sie am Anfang gesagt haben, der Selige Gerhard ist der Gründer des ältesten Hospitalordens der Kirche, der eben der Malteserorden ist, und die „Brotherhood of Blessed Gérard“ ist die von mir gegründete Hilfsorganisation des Malteser Ordens in Südafrika.

Initialzündungen gab es eigentlich zwei:

Die eine Initialzündung war die, dass ich als Priester zu einer sterbenden Frau gerufen wurde, um ihr einfach die Krankensakramente zu bringen. Ich habe ihr dann die Krankenkommunion gegeben und ich habe ihr die Krankensalbung gespendet und habe dann gesagt: „Sie, ich bin nicht nur Priester, sondern ich bin auch im Rettungsdienst und in der Krankenpflege versiert. Was fehlt Ihnen denn? Warum sind Sie denn so krank?“ Und dann hat sie gesagt: „Ja, mein Rücken tut mir so weh.“ Dann habe ich gesagt: „Darf ich mir den Rücken mal anschauen?“
 und dann habe ich sie zur Seite gedreht und dann war der ganze Rücken eine einzige Wunde, man hat die Wirbelsäule offen liegen sehen, also die Dornfortsätze der Wirbelsäule in diesen Bettgeschwüren, die sie hatte. Und da sagte ich: „Ja, um Gottes willen! Sie müssen unbedingt sofort zum Doktor damit Ihnen da geholfen wird!“ Und dann habe ich sie nach einiger Überredung auf meinen Pick-up geladen und zum Arzt gebracht, der der Pfarrgemeinderatsvorsitzende unserer Gemeinde war, und  der hat sie dann ins Krankenhaus eingewiesen und da starb sie in derselben Nacht. Und dann hat mich der Doktor angesprochen und gesagt: „Mensch, Pater, könnte man denn da gar nichts machen, dass man den Menschen helfen kann, die einfach aus Vernachlässigung sterben?“ Und da hat er natürlich bei mir als langjährigem Malteser offene Türen eingerannt.

Und die zweite Initialzündung war die, dass wir mal einen Anruf bekamen in der Pfarrei, dass zwei Familien an unserem Ort, dass es denen sehr schlecht geht, dass die beiden Väter die Arbeit verloren haben und jetzt die Miete nicht mehr zahlen können und dass man sie rauswerfen will aus dem Haus, in dem die gewohnt haben. Die Kinder wurden aus der Schule entlassen weil die Eltern das Schulgeld nicht bezahlen konnten. Sie hatten nichts zu essen. Sie hatten gar nichts mehr. Und dann habe ich in der Kirche eine Verkündigung gemacht nach dem Gottesdienst und habe gesagt: „Mensch, könnte uns nicht jemand von euch helfen, dass wir dieser Familie ein bisschen unter die Arme greifen und dann kam eine Dame des Pfarrgemeinderates, die Frau Kalkwarf, auf mich zu und hat gesagt: „Ja, machen Sie sich keine Sorgen, das organisiere ich schon.“ Dann habe ich gesagt: „Ja, tun wir uns morgen treffen.“ Dann hat sie gesagt: „Nein, nein, tun Sie sich nicht runter, das mache ich schon.“ Und innerhalb von zwei/drei Tagen hat die die ganze Gemeinde organisiert. Die einen haben zu Essen gebracht, die anderen haben Kleidung gebracht, andere haben das Geld aufgebracht, das die in der Schule schuldig waren, und ein anderer hat für die beiden Väter Arbeit gefunden. Und das war für mich dann so eine Initialzündung, so ein Aha-Effekt: Es gibt also hier vor Ort Leute, die (a) das Herz am richtigen Fleck haben, aber die (b) auch das Organisationstalent haben, das Herz in die richtige Richtung einzusetzen.

Dann habe ich eben mit diesen Leuten gesprochen, mit diesem Arzt und seiner Frau, die Krankenschwester ist, und mit dieser Geschäftsfrau und ihrem Mann und dann haben wir die Idee geboren, eben eine katholische Hilfsorganisation zu gründen, um eben den Menschen vor Ort zu helfen durch Leute vor Ort, und zwar nicht, dass man Leute aus Europa irgendwo holt und jetzt in Afrika so richtig aufräumen lässt, sondern dass man die Leute vor Ort selber befähigt, begleitet und ihnen die Begeisterung schenkt, dass sie sich für andere Menschen einsetzen.

Vielen Dank! Bis hierher, Father Gérard.
Nach einer ganz kurzen Musik werden wir dann von Ihnen hören, wie Ihre Organisation den Menschen in Südafrika ganz konkret hilft.

-          Musikeinlage -

Ja, Pater Gerhard, dann schauen wir uns im zweiten Teil unseres Gesprächs mal einige dieser Aufgaben ihres Hilfswerks genauer an.
Sie haben das Stichwort AIDS schon genannt.
Das ist ja ein Thema in ganz Afrika, aber ich glaube in Südafrika besonders schlimm.
Wie groß ist dieses Problem?
Kann man das in Zahlen ausdrücken?

Ja, laut UNAIDS, also der AIDS-Organisation der Vereinten Nationen, und das heißt, dass das immer sehr konservative Angaben sind, die dort gegeben werden, und die neueste AIDS-Statistik dort sagt, dass es im Jahr 2009 5,6 Millionen HIV-positiver Menschen in Südafrika gab.
Das sind von den 15-49-jährigen sind 17,8 % HIV-positiv.
310 000 sind 2009 infolge von AIDS verstorben, das heißt auf Deutsch ungefähr 1000 pro Tag.
Und es gibt 1,9 Millionen Kinder, die ihre Eltern durch AIDS verloren haben, so genannte AIDS-Waisen.
Und dies ist natürlich eine unheimliche Herausforderung an die ganze Gesellschaft und an die Kirche natürlich auch.

Ich habe mal irgendwo gelesen, dass gewissermaßen fast jeder in Südafrika in irgendeiner Weise von diesem Thema betroffen ist, aber wo liegen die tieferen Gründe?
Sie haben eben schon einen genannt, nämlich die Promiskuität.
Die Menschen binden sich nicht mehr in einer Familie.
Aber gibt es noch weitere Gründe?
Wie lässt sich das erklären?

Ja, neben der mangelnden Bildung, dass die Leute einfach nicht Bescheid wissen über die Gefahren der Ansteckung und auch der Verdrängung, dass sie Leute sagen: „Ach, mir kann schon nichts passieren“, ist es in erster Linie die Armut der Menschen und zum anderen die Ungleichheit der Geschlechter.
Dies ist auch das Forschungsergebnis eines Doktoranden der University of Berkeley in Kalifornien, der mal herausfinden wollte, warum gerade KwaZulu/Natal und dort speziell Mandeni, der Ort, in dem ich lebe, die AIDS-Hochburg der Welt ist.
Und er hat da herausgefunden, dass die Leute, weil sie so arm sind, vor allem die Frauen, die weniger verdienen und auch, wenn sie was verdienen, weniger Geld in der Tasche haben, eben um zu überleben Ihren Körper an die Männer verkaufen, und zwar jetzt nicht so in einer – ich sage immer – Handtäschchen-Straßeneckenprostitution, so dass man so in Einzelfällen mal sich ein bisschen Zubrot verdient, sondern da geht es um das so genannte „Sugar Daddy System“.
Und ein Sugar Daddy ist ein mittelfristiger Geschlechtspartner, den sich die Leute anheuern.
Und wenn ich „mittelfristig“ sage, dann meine ich, dass die für Wochen oder Monate mit dem liiert sind, und der bezahlt auch nicht pro Geschlechtsakt, sondern er gibt sozusagen eine Art Taschengeld und für die muss die Frau dann eben ihm ihre sexuellen Dienste leisten.
Aber jetzt reicht einer dieser Sugar Daddys nicht aus, um zu überleben.
Jetzt brauche ich einen Sugar Daddy um Nahrung zu kaufen. Dann brauche ich einen anderen Sugar Daddy, um die Schulgebühren zu bezahlen, einen für die Miete und einen für die Lebensmittel und so ist also diese unendlich hohe Promiskuität, und die Sugar Daddys sind ihren Freundinnen mit treu, die Freundinnen den Sugar Daddys nicht, und dies ist der wirkliche Hintergrund, warum wir diese extrem hohen HIV-Infektionsraten bei uns haben, die in KwaZulu/Natal zwischen 50 und 66 % der Bevölkerung angesetzt werden.

Wie gehen Sie jetzt dieses Problem in ihrem karitativen Zentrum an, bei diesen enormen Zahlen, bei dieser enormen Herausforderung?

Ja, wir haben auf der einen Seite Gesundheitspflegeprojekte: Also unser Hospiz, wo wir uns um Sterbende kümmern, wo wir sowohl eine Inpatient-Unit, also ein stationäres Hospiz haben.  Wir haben das größte stationäre Hospiz Südafrikas mit 40 Betten. Dann haben wir ein AIDS-Behandlungsprogramm begonnen, schon im Jahr 2003, noch zu einer Zeit, wo unsere Regierung – sagen wir mal sehr höflich – nur halbherzig sich mit dem Problem AIDS beschäftigt hat, und dort haben wir jetzt knapp 1000 Leute in diesem AIDS-Behandlungsprogramm, von denen über 600, etwa 650 in der Behandlungsphase sind, und der Rest in der Vorbereitungsphase, ein AIDS-Aufklärungs-Programm,

und zum zweiten haben wir Kinderpflege Projekte: Eine Klinik für unterernährte Kleinkinder, ein Kinderheim, einen Kindergarten und einen Stipendienfonds, um begabten Kindern armer Eltern zu helfen, dass sie sich die Schulgebühren leisten können.
Und, um das ganze große Projekt abzurunden, wir sind auch in der Nothilfe tätig, einen Erste Hilfe und Notdienst, einen Nothilfefonds, auch in der Katastrophenhilfe waren wir schon tätig.
Und ein soziales Projekt haben wir noch als i-Tüpfelchen, und dies ist ein Seniorenclub.
Also, sie sehen schon, es ist ein sehr umgreifendes System der Hilfe, das wir hier vor Ort anbieten wollen und jedes einzelne dieser Projekte war eine konkrete Antwort auf eine konkrete Not, die sich aufgetan hat, und wo wir eben da helfen wollten oder helfen können.

Also eine sehr umfassende Hilfe, wie sie gerade gesagt haben.
Wie gehen Sie das Problem denn von der seelsorgerischen Seite an?
Was sagen Sie denn zum Beispiel einem Menschen, der unter AIDS leidet, als Priester?

Ich denke, das Wichtigste an der Seelsorge ist das Zuhören.
Das Wichtigste an der Seelsorge ist das Da-Sein.
Das Wichtigste an der Seelsorge ist, dass man nicht verurteilt.
Und dass man so ist, wie eben Jesus Christus auch war, der den Menschen, so wie er war, angenommen hat, und ihm durch seine Liebe geholfen hat, auf den rechten Weg zu kommen.
Und genau darum geht es in der Seelsorge.
Die Seelsorge drückt sich in der Leib-Sorge aus und geht über die Leib-Sorge hinaus, dann natürlich hinaus daraufhin, dass man es den Menschen ermöglicht und dass man Möglichkeiten schafft, dass er eben Gott begegnet und dies ist die Aufgabe, die wir als Missionare natürlich in ganz besonderer Weise haben.

Es gibt nicht wenige, die sagen, dass der Kampf gegen AIDS in Afrika überhaupt nicht zu gewinnen sei.
Stimmt das, oder haben Sie auch konkrete Erfolge erzielen können in ihrer Arbeit?

Die Mutter Theresa wurde mal von einem sehr kritischen Pressemann gefragt, und der hat gesagt: „Ja, Mutter Theresa, Sie kümmern sich hier um Hunderte von Ausgestoßenen und um Hunderte von Schwerkranken in Kalkutta, aber es gibt ja Zehntausende. Sie können ja doch nicht allen helfen.“
Und da hat die Mutter Theresa dann eine sehr kluge Antwort gegeben und
hat gesagt: „Schauen Sie, wir können nicht diese ganze Welt retten, aber für jeden einzelnen den wir retten, bedeutet das die ganze Welt.“
Also jedes gerettete Menschenleben ist unendlich viel wert.
Und ich habe Ihnen gerade schon gesagt,  wir haben ja knapp 1000 Patienten im AIDS-Behandlungsprogramm und denen können wir das Leben retten.
Denn Sie müssen ja wissen: In Afrika ist die Lebenserwartung sehr gering und wenn ich durch die AIDS-Behandlung einem Patienten noch weitere – sagen wir mal – 25-30 Jahre lebenswerten Lebens bei guter Gesundheit weiter schenken kann, ist das so viel wie ihm ein ganzes Leben zu schenken …

Also das ist mittlerweile möglich, das Leben so weit zu verlängern?

Gottlob ist es so und dies ist wirklich ganz großartig und deshalb setzen wir uns ja gerade in der AIDS-Behandlung mit ganz großem Nachdruck ein, und die Leute rennen uns Tür und Tor ein.
Unsere Patientenzahlen haben sich innerhalb des ersten Halbjahres um etwa 30 % erhöht.
Also es kommen immer mehr, immer mehr, immer mehr, und es wird immer schwieriger, dass wir diesen Anforderungen gerecht werden, aber bislang haben wir noch keinen wegschicken müssen.

Es gibt ja unterschiedliche Ansätze wie man dieser Pandemie beikommen kann.
Die Kirche, die setzt auf Enthaltsamkeit, setzt auf Familie und Treue, die Vereinten Nationen zum Beispiel die setzt vor allem auf die Verteilung von Kondomen.
Was halten Sie von diesem Ansatz?

Ich möchte behaupten, dass 99% unserer Patienten gar nicht wissen, was die UN ist und was deren Politik sein mag.
Aber ich möchte sogar so weit gehen und sagen: „Wer nur Kondome verteilt, macht sich der unterlassenen Hilfeleistung schuldig!“
Denn die Leute brauchen mehr als ein Kondom.
Das Problem mit dem Kondom ist nämlich: Es ist keine Lösung, schon gar nicht bei uns, weil fast keiner ein Kondom verwenden will.
Es gibt massenweise Kondome in jedem öffentlichen Gebäude, in jedem Postamt, in jeder öffentlichen Gesundheitseinrichtung, Ämtern, Behörden.
Überall können Sie sich die Taschen voll stopfen mit den Gummis, aber die Leute verwenden sie nicht.
Sie wollen ihre Virilität beweisen, dadurch, dass sie viele Kinder zeugen, und sie wollen fürs Alter vorsorgen und sie meinen: „Wenn ich viele Kinder habe, dann können die im Alter mal für mich sorgen.“
  
Also, wer nur aufs Kondom setzt, der tut zu wenig und deshalb bieten wir eben so ein Komplettpaket an an Hilfe, nämlich die Aufklärung, die Behandlung und die Begleitung, so dass die Patienten dann auf lange Frist ihre Medikamente einnehmen und nicht aufhören, die Medikamente einzunehmen.
Das ist die Voraussetzung, dass sie eben noch sehr lange bei guter Gesundheit weiterleben können.

-          Musikeinlage -

“Weltkirche aktuell” auf Radio Horeb, Radio Maria und Radio Gloria.
Wir sprechen heute über Südafrika und die größte katholische Hilfsorganisation des Landes, die „Brotherhood of Blessed Gérard“.
Telefonisch verbunden sind wir mit ihrem Gründer, dem Missionsbenediktiner Pater Gerhard Lagleder.
Pater Gerhard, Sie haben gerade schon gesagt, ein großer Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt bei den Kindern.
Es gibt viele Waisenkinder, viele AIDS-Waisen.
Warum haben es aus ihrer Sicht Kinder in Afrika, in Südafrika, besonders schwer?
Liegt das vielleicht daran, dass es so etwas wie Kindheit, wie wir sie bei uns in Europa kennen, gar nicht gibt?

Ich denke, Sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen:  Bei uns ist die Familienstruktur zusammengebrochen. Es gibt viele allein erziehende Mütter.
Und die Kinder, die laufen daheim nur einfach rum, so wie die Hühner und die Ziegen draußen herumlaufen, so laufen die Kinder rum.
Die Mütter haben gar keine Zeit, um sich um die Kinder zu kümmern, oder sie werden von irgendwelchen Nannys, also sagen wir mal Kinder-Betreuerinnen, die man bittet, sich um die Kinder zu kümmern, oder von der Großmutter großgezogen.
Oft sind auch die Mütter sehr jung.
Wir haben oft diese Teenage-Pregnancies, also wo Kinder als Teenager bereits Mütter werden.
Und die müssen natürlich weiter zur Schule gehen.
Also die meisten Kinder werden hier von der Oma großgezogen.
Und dann kommt natürlich dazu, wenn die Mutter dann stirbt infolge von AIDS, dann
hat die Oma vielleicht zehn, 15, 20 Kinder ihrer verstorbenen Kinder, also 20 Enkelkinder, um die sie sich kümmern muss, und irgendwann stirbt die Oma und dann gibt es die von Kindern geleiteten Haushalte, wo zwölf-, 13-, 14-jährige oft Haushaltsvorstand sind und alles tun müssen, was sonst die Eltern tun würden, aber das große Problem ist, dass diese Kinder ja keine Einkünfte haben.
Sie bekommen ja kein Kindergeld für ihre Geschwister und müssen dann auf krummen Touren irgendwie schauen, wie sie überleben können, sei es durch Stehlen oder sei es, dass die jungen Mädel wieder ihren Körper an die Männer verkaufen, und das ist eigentlich eine ganz fatale Situation, in der wir hier stehen.


Pater Gerhard, sprechen wir auch noch über Kirche in Südafrika ganz allgemein.
Bei uns in Deutschland ist die Kirche ja strukturiert bis ins Kleinste, sie ist gut organisiert, sie verfügt trotz steigender Kirchenaustrittszahlen ja noch immer über viele Mittel finanzieller Art.
Das ist ja in den meisten Kirchen auf der Welt überhaupt nicht der Fall.
So etwas wie Kirchensteuer gibt es da nicht.
Was zeichnet aus Ihrer Sicht Kirche in Südafrika aus?

Ich denke eine sehr große Spontaneität: Es ist bei uns alles nicht so kompliziert, und alles nicht so, wie Sie sagen, strukturiert.
Wenn ich etwas vom Bischof brauche, zum Beispiel, dann rufe ich ihn einfach mal am Handy an oder ich komme kurz bei ihm auf einen Kaffee vorbei, oder umgekehrt.
Es ist also nicht ungewöhnlich, dass der Bischof auch mal ganz unangemeldet an der Tür läutet und sagt: „Na, wie geht’s Dir denn?“
Unser Bischöfliches Ordinariat ist ein Einmannbetrieb.
In Deutschland leben die meisten Pfarrer weitaus herrschaftlicher als unser Bischof lebt, in einem ganz einfachen Häuschen.
Geld haben wir keines.
Die Diözese lebt von der Hand in den Mund und auch wir selber als Hilfsorganisation sitzen auch nicht auf irgendwelchen Geldern, sondern wir sind zu 100% auf Spenden angewiesen und dies macht einen riesengroßen Unterschied zu einer Kirche aus, die sehr viele Rücklagen, wie zum Beispiel die Kirche in
 Deutschland hat.

Sie sagen, sie sind zu 100 % auf Spenden angewiesen.
Wie kommen Sie denn dann zu dem Geld das sie für ihre segensreiche Arbeit benötigen?

Ich sage immer ein bisschen spöttisch: „Ich bin Bettler von Beruf.“
Und das heißt auf Deutsch, dass leider ein Großteil meiner Arbeit darin besteht, Spendenwerbung zu betreiben.
Ich bin der einzige in unserer Organisation hier vor Ort, der Deutsch spricht, also den deutschen Bereich muss ich eben selber abdecken und
 aus dem deutschen Bereich bekommen wir 69% all unserer Spenden-Einnahmen.
Also es ist sehr wichtig, dass man die Spenderpflege betreibt und dass man neue Spender gewinnt und insofern ist es also ganz wichtig, dass ich mich da einsetze, dass wir diese Spendengelder auch akquirieren können und das wissen Sie ja selber, es wird ja immer schwieriger, dass man Spenden bekommt in der heutigen Zeit, (a) weil es auf der einen Seite Berichte gibt über Dinge, die schieflaufen in anderen Organisationen und weil (b) natürlich auch die wirtschaftliche Situation nicht mehr ganz so rosig ist, wie sie schon mal war.
Allerdings, die Deutschen jammern oft auf sehr hohem Niveau, und es geht einem Hartz-4-Empfänger in Deutschland besser, als einem der Vollzeit in einer Fabrik in Südafrika arbeitet.

Eines würde mich noch interessieren, Pater Gerhard:
Sie sind ja Missionsbenediktiner und der Begriff Mission ist ja so ein bisschen missverständlich heute, oder teilweise auch sogar negativ besetzt.
Was bedeutet für Sie persönlich Mission heute?

Um ganz ehrlich zu sein, was für mich Mission heute bedeutet ist, den Menschen die Liebe Gottes einfach spürbar zu machen und gar nichts anderes.
Es geht also nicht darum, jetzt mit der Weihwasserspritze die Massen alle zu taufen oder Leute zu überreden, dass sie ihren Glauben ändern.
Dies kommt ganz von selber, wenn die Leute sehen, dass die Kirche glaubwürdig ist und ich denke, das ist auch ein ganz wichtiges Element und gottlob ist es in Südafrika so, dass die Katholische Kirche ist zum Beispiel der größte Anbieter an AIDS-Hilfe und AIDS-Behandlung neben der Regierung in Südafrika und so – obwohl wir nur 4,8% Katholiken haben landesweit gesehen – und damit haben wir diese Glaubwürdigkeit, dass wir nicht nur reden und fromme Sprüche machen, sondern dass wir eben – wie gesagt – die Liebe Gottes in die Tat umsetzen und dies spricht die Leute an und da lassen sie sich dann auch gewinnen.
Und wenn die Leute dann kommen und sagen, sie wollen katholisch werden, ist uns das natürlich recht.
Allerdings ist es genauso wie in Deutschland, dass man dazu natürlich eine lange Vorbereitungszeit braucht, aber bei der Mission geht es nicht nur darum, dass man jetzt möglichst viele Leute tauft, sondern es geht einfach darum, dass man die Kirche gegenwärtig macht, die Kirche in ihrem vollen Umfang ihrer Tätigkeit, nicht nur in der Liturgie und in der Verkündigung, sondern eben auch im karitativen Dienst, und dies ist unsere Aufgabe.

Seit 26 Jahren leben und arbeiten Sie jetzt in Südafrika.
Gab es in dieser langen Zeit Schicksale, gab es Menschen, die Ihnen besonders nahestanden, die Ihnen besonders nahegegangen sind?

Da gibt es viele:

Ein Schicksal war der Siphosenkosi, ein Junge, den wir nicht mit AIDS-Medikamenten behandeln konnten, weil damals die Regulierung noch so war, dass Sie das Sorgerecht über einen Menschen haben müssen, bevor Sie die Unterschrift leisten dürfen, dass er die AIDS-Behandlung bekommt. Und weil wir das damals nicht hatten, und deshalb musste er sterben, weil wir ihm die Medikamente aus rechtlichen Gründen nicht geben konnten. Damals wäre ich fast explodiert und
  damals haben wir uns eben dann entschlossen, dass wir ganz rigoros in der AIDS-Behandlung diese anbieten.

Was mir natürlich auch sehr an die Leber geht, das sind natürlich sterbende Kinder. Es ist ganz klar,

oder eine Patientin – erinnere ich mich – die erstickt ist, weil ihre Tuberkulose die ganze Lunge zerfressen hatte;

eine andere Patientin, die auch Tuberkulose hatte, und die ein großes Blutgefäß in der Lunge angefressen hatte, und dieses Blutgefäß ist dann geborsten und sie ist an einer Massenblutung gestorben;

oder ein Patient mit einem Polytrauma, das heißt, dass er alles gebrochen hatte und aus jeder Wunde am Körper geblutet hat und den habe ich dann schwerstverletzt ins Krankenhaus gebracht im Krankenwagen – ich bin auch Rettungssanitäter – und musste dann mit dem Arzt streiten, dass er sich um den Patienten überhaupt gekümmert hat. Natürlich ist der dann sehr bald verstorben.

Und, was mir auch unheimlich an die Nieren gegangen ist, das war vor sechs Jahren die Ermordung meiner Stellvertreterin, die zuhause erschossen worden ist durch einen, der einen Überfall auf ihr Privathaus gemacht hat.

Pater Gerhard, Sie haben aus bescheidenen Anfängen die größte katholische Hilfsorganisation des Landes geformt.
Haben Sie noch Wünsche, Träume für die Zukunft?

Hmmh, da gibt es viele Wünsche und Träume für die Zukunft:

Auf der einen Seite ist mein ganz großer Traum, dass die medizinische Forschung endlich mal ein Medikament finden könnte, das das HI-Virus im menschlichen Blut töten könnte und damit AIDS Geschichte wird. Trotz intensiver Forschungen ist man immer noch nicht so weit und ich hoffe und bete, dass dies irgendwann mal geschieht.

Ein zweiter ganz großer Wunsch wäre der, dass die Menschen einfach offen werden, dass die Menschen auch hier in Südafrika noch mehr ihre Verantwortung erkennen, um für andere da zu sein und da ist eben gerade das Beispiel dann sehr wichtig, dass es eben Menschen gibt – man sagt immer: „Die Afrikaner sind faul“ und „die Afrikaner tun nichts“ – und, wie Sie sagten, wir sind mit unseren weit über 1000 ehrenamtlichen und 76 hauptamtlichen Mitarbeitern die größte katholische Hilfsorganisation – und das sind alles Südafrikaner, die etwas tun. Also, dass dieses Beispiel dieser Menschen hineinstrahlt in die Umgebung und die Menschen zu Menschen werden, die sich mehr um ihre Mitmenschen annehmen.

Natürlich ist ein anderer großer Wunsch der, dass wir irgendwann mal unsere Arbeit auch finanziell langfristig absichern können, aber das bleibt momentan eben immer noch ein Kampf, jedes Jahr die Spenden aufzubringen, die wir brauchen, um unsere Dienste in dem Umfang weiter leisten zu können, wie wir das heute tun.

Und wer sich über diese Arbeit informieren möchte, wer sie unterstützen möchte, der kann das tun auf Ihrer Net-Seite.
Ich werde gleich dazu noch einige Angaben in der Abmoderation machen.
Pater Gerhard, ich sage ganz herzlichen Dank für dieses Gespräch, wünsche Ihnen Gottes Segen für Ihr weiteres Wirken und ich darf Sie ganz zum Abschluss noch um Ihren priesterlichen Segen für unsere Hörer bitten.

… und den gebe ich Ihnen gerne und erst möchte ich mich bedanken für die liebe Einladung zum Gespräch und zum anderen gebe ich Ihnen jetzt den Segen in der Zulu-Sprache:

Wunderbar!

Der Herr sei mit Euch!

Und mit Deinem Geiste!

Makanihlahlamelise uNkulunkulu uSomandla, uYise, beneNdodana noMoya ocwebileyo! Amen!

Amen!

Jetzt wünsche ich Ihnen und den Hörern von ganzem Herzen Gottes reichsten Segen, alles Liebe und Gute, und vielen Dank, dass Sie mir zugehört haben!

Vergelt’s Gott!

Segne es Gott!

-          Musikeinlage –

Das war „Weltkirche aktuell“ über Südafrika und die Hilfsorganisation „Brotherhood of Blessed Gérard“ haben wir heute gesprochen mit ihrem Leiter Pater Gerhard Lagleder. Über seine Arbeit können Sie sich im Internet informieren unter der Adresse bbg.org.za 


Ein Sieg im Kampf gegen AIDS in Afrika (29.8.2012)

© bbg.or.za
 Ein Sieg im Kampf gegen AIDS in Afrika.

Südafrika ist eines der Länder mit der höchsten AIDS-Rate weltweit, fast jeder 5. dort ist HIV positiv.
Das sind beinahe 6 Millionen Menschen.
Jährlich gibt 390.000 Neuinfektionen.

Im Interview mit Radio Stephansdom erzählt Pater Gerhard Lagleder über die Schicksale hinter diesen Zahlen
und verrät, warum er einen Sieg im Kampf gegen AIDS in Afrika verkünden kann.

Mittwoch, 29. August 2012, 19.00 Uhr.
Eine Sendung von Johannes Tanzler.

Perspektiven

Reportagen und Berichte, Gespräche und Hintergründe

heute mit Johannes Tanzler.

Zu Gast im Radio Stephansdom Studio ist heute aus Südafrika Pater Gerhard Lagleder. Grüß Gott!

Grüß Gott, ich freue mich, dass ich da sein darf.

Pater Gerhard, Sie sind Gründer und Leiter der Malteser in Südafrika und dort seit 25 Jahren als Missionar im Zululand tätig.

Stimmt! Ja.

Dort haben Sie eines der größten AIDS-Hilfe-Projekte des Landes aufgebaut und Südafrika ist eines der Länder mit der höchsten AIDS-Rate weltweit.
Fast jeder fünfte dort ist HIV-positiv. Das sind fast 6 Millionen Menschen. Jährlich gibt es 390.000 Neuinfektionen. Das sind zumindest die offiziellen Zahlen.
Sie arbeiten täglich mit den Kranken und den Infizierten zusammen. Wie erleben sie das, was hinter diesen Zahlen steht? Wie erleben sie die Schicksale der AIDS-Kranken?

Ja, was wir erleben ist, dass in unserm Hospiz täglich bis zu fünf Patienten an AIDS sterben und dass wir, wenn wir rausfahren in den Busch und die Leute besuchen, dass wir die in einer oft sehr desolaten Situation auffinden und wir erleben dieses AIDS eben nicht als statistische Zahl oder in Bildern oder in Filmen sondern als unsere Lebensrealität die hineingeht bis in unseren eigenen Bereich, das heißt dass natürlich von dieser hohen HIV-Infektions-Rate auch unsere haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter nicht ausgeschlossen sind, und dass AIDS allgegenwärtig ist, dass es eine Pandemie ist, also nicht mehr eine Epidemie, wo nur sehr viele davon betroffen sind, sondern wo eigentlich jeder im Land davon betroffen ist, und wenn unsere Mitarbeiter uns erzählen, zum Beispiel dass sie Ferien hatten und dass sie in den Ferien nichts anderes getan haben, als auf Beerdigungen zu gehen, wo Verwandte und Bekannte und Freunde von ihnen an AIDS gestorben sind, dann ist dies so ein Hineintauchen in die Realität von AIDS, in der wir eben leben.

Und dennoch, sie verkünden jetzt, dass es einen Sieg im Kampf gegen AIDS in Afrika gibt.
Kann man wirklich jetzt schon von einem Sieg sprechen?

Was ich „Sieg im Kampf gegen AIDS“ nenne, das ist die Tatsache, dass inzwischen die AIDS-Behandlung so gut geworden ist, dass sie einem Patienten selbst wenn er anfängt mit einem CD4-Helferzellen Wert von Null, das heißt, wenn er praktisch gar keine Abwehr im Körper mehr hat, dass wir ihm trotzdem noch helfen können und dass viele dieser Leute - man geht heute davon aus - bis zu 30 Jahren weiterleben können, und zwar bei guter Gesundheit.
Und jetzt müssen Sie natürlich wissen: Die Lebenserwartung in Afrika ist sehr gering, und 30 Jahre länger leben ist so viel wie eine Lebenszeit dort, und insofern spreche ich durchaus von einem Sieg.
Ich spreche nicht von einem gloriosen Sieg, dass wir AIDS besiegt hätten, im Sinne dass man das Virus im menschlichen Blut töten könnte, aber man kann es an der Vermehrung hindern und damit geht’s den Leuten wirklich wieder gut.
Jeder der sich behandeln lässt, dem kann geholfen werden, dass es ihm wieder gut geht und das auf Jahrzehnte hinaus, und dies ist wirklich ein großer Sieg, wenn man dies vergleicht eben mit den Menschen, die massenweise vorher gestorben sind an AIDS.
Natürlich werden sie nach diesen 25-30 Jahren auch sterben, aber sie können in dieser Zeit ihre Kinder groß ziehen. Sie können wieder arbeiten und dies ist natürlich eine großartige Sache, die wir nicht nur volkswirtschaftlich sehen, sondern auch emotionell sehen, dass die Menschen wieder lachen können und dass die Menschen sich des Lebens freuen können, und wenn wir dann am
Welt AIDS Tag zum Beispiel ein Fest des Lebens machen für alle Überlebenden, die in unserem AIDS Behandlungsprogramm sind, und wenn man da in die Reihen von Dutzenden oder hunderten von Patienten schaut, die tanzen und lachen und sich des Lebens freuen, dann können einem sogar fast die Tränen kommen, wenn man sieht, dass die Leute eigentlich mausetot wären, wenn sie die Behandlung nicht hätten, aber überleben können und dies nennen wir dann einen „Sieg im Kampf gegen AIDS“.

Und die Behandlung bekommen die AIDS-Kranken in den Einrichtungen, die Sie gegründet haben.

Nein, nicht nur in unseren Einrichtungen.
Die südafrikanische katholische Bischofskonferenz war ein Pionier in der AIDS-Behandlung in Südafrika.
Wir waren im Jahr 2003 die vierte Einrichtung bundesweit würde man es hier nennen, also landesweit für ganz Südafrika, die mit der AIDS-Behandlung angefangen hat, zu einer Zeit als unsere Regierung noch sehr halbherzig sich um AIDS angenommen hat, und deshalb haben wir eben dann angefangen, vor diesen neun Jahren, mit der AIDS-Behandlung, und sind jetzt ein sehr großes AIDS-Behandlungsprogramm.
Das AIDS Behandlungsprogramm der südafrikanischen katholischen Bischofskonferenz war einmal das größte Nicht-Regierungs-AIDS-Programm auf der Welt, wo unendlich viele Patienten in Behandlung waren, und wir sind Teil davon und da sind wir sehr stolz drauf und sind sehr dankbar dafür.

Wir werden darauf ein bisschen später nochmal zu sprechen kommen.
Jetzt möchte ich noch gern auf die Ursachen von AIDS und der hohen Infektionsrate zu sprechen kommen.
Wenn man nach diesen Ursachen fragt, dann bekommt man oft drei Antworten, dass es die drückende Armut dort ist, die Unterdrückung der Frauen und die vielen wechselnden Sexualpartner.
Sind das Ursachen gegen die man leicht ankämpfen kann?

Leider nicht!
Gegen Armut anzukämpfen ist natürlich nicht nur eine Lebensaufgabe, sondern dies ist die Aufgabe für den ganzen Staat.
Es ist die Aufgabe für das ganze Land und es wird ja unendlich viel getan, und dies muss man auch wirklich sehen, aber es ist natürlich ein unendliches Fass ohne Boden.
Wenn man eine Nation, von denen die meisten Einwohner unter der Armutsgrenze leben, wenn man denen eine Lebensgrundlage schaffen will, die es verhindert, dass sie durch alternative Einkunfts-Methoden, durch die sie sich eben dann mit HIV anstecken, ihr Geld verdienen, um überleben zu können, und dies ist das ganz bittere, vor dem wir immer wieder stehen, dass wir Menschen treffen, die uns sagen: „Ja mir ist ja nichts anderes übrig geblieben. Ich wäre sonst verhungert. Würde ich meinen Körper jetzt nicht verkaufen an die Männer, dann als hätte ich nichts zu essen und lieber werde ich jetzt AIDS krank und kann dann noch vielleicht zehn Jahre leben.“
Auch ohne Behandlung kann man ja etwa zehn Jahre leben bis dann das AIDS ausbricht, und die sagen: „Dann lebe ich lieber jetzt noch zehn Jahre als dass ich jetzt momentan sofort verhungere.“
Und dies ist eine ganz bittere Realität.

Pater Gerhard, Sie sind im Zululand tätig.
Wenn ich, so wie es heute gemacht habe, im Internet nach Bildern von Zulu sucht, man findet immer so Fotos von traditionellen Kriegern in ihren traditionellen Trachten.
Jetzt weiß ich nicht genau wie die Situation dort wirklich ist, wie die Menschen dort leben und wie sie diese Menschen dann dort überzeugen können, dass es sich behandeln lassen.

Nicht jeder Österreicher läuft im Dirndl rum, oder jede Österreicherin, und mit einem Trachten-Anzug, und so ist es eben auch bei uns.
Es gibt durchaus traditionelle Zulu, die mit der alten Stammestracht - nämlich dem Lendenschurz - bekleidet sind und gerade bei Festen zieht man sich dann gerne mit solchen Dingen an, aber insgesamt sind die Leute schon mehr - wenn sie es so nennen wollen - zivilisiert und sind eben - wie wir es nennen - westlich gekleidet, aber es gibt immer mehr ein Herausgehen aus den ländlichen Gebieten, was man so im Volksmund den Busch nennt, und die Leute werden von den Ballungszentren angezogen und dort verstädtert, und dann geht natürlich auch die alte Tradition zu Ende bzw. wird nicht mehr so wahrgenommen und wird nicht mehr so gelebt, und dies hat auch moralische Konsequenzen, denn in der alten Stammestradition hat man sich durchaus gefürchtet vor den Sozialzwängen dort und vor den
Ahnengeistern, die einem eins draufgeben, wenn man sich nicht so verhält, wie es sein sollte, und dies ist dann weg, wenn die Leute in den Elendsvierteln der Großstädte leben, weil da die Ahnengeister weit weg zuhause sind und das nicht sehen, was man tut, und das hat also sehr große Konsequenzen sowohl für das moralische Verhalten, als auch für die Befindlichkeit der Leute, die eben aus einem relativen Wohlbefinden im ländlichen Bereich herausgezogen wurden, mit den Geldscheinen angelockt wurden, um in der Industrie zu arbeiten, und dann eben diese was ich Wohlstandsverarmung nenne erlebt haben, dass sie zwar mit Geld entlohnt wurden für ihrer Hände Arbeit, aber dass jetzt auf einmal sie Miete zahlen mussten, dass sie jetzt sich Essen kaufen mussten, was sie vorher angebaut hatten, und unterm Strich eigentlich dann ärmer sind als sie vorher waren.

Und diese moralische Verwahrlosung die sie angesprochen haben, ist dann auch Grund, warum sich AIDS noch weiter ausbreitet.

Ja ganz eindeutig.

Es ist auch in vielen Ländern in den HIV und AIDS so weit verbreitet ist die Krankheit gleichzeitig ein absolutes Tabuthema.

Ja.

Wie schaut das bei den Zulu aus?

Ja, dies ist bei uns genauso.
Man spricht von einem Stigma, dass die Leute eben, wenn sie diagnostiziert werden, Angst haben, dass man mit Fingern auf sie zeigt und es werden dann auch diese Geschichten erzählt, wo irgendjemand gesagt hatte: „Ich bin HIV positiv getestet worden“, und er wurde von der Familie ausgestoßen.
Oder es gab mal so einen ganz tragischen Fall vor vielen Jahren wo so ein Mädchen dann auch ermordet wurde deshalb.
Aber jetzt in der Regel ist es doch so, dass immer mehr, vor allem unserer Patienten, die dann in Behandlung sind, den Mut bekommen aufzustehen und sich vor eine Gruppe ihrer eigenen Leute hinzustellen und sagen: „Jetzt pass mal auf! Jawohl ich bin HIV-positiv, aber ich bin in Behandlung und mir geht's jetzt so gut weil ich die Behandlung nehme. Um Himmels willen, lasst euch testen! Um Himmels willen, nehmt die Hilfe an, die euch angeboten wird! Ich kann’s nicht mehr anschauen, wie so viele sterben. So, kommt zur Behandlung, dann müsst ihr nicht sterben!“
Und dies ist eigentlich die beste Werbung, die man haben kann, wenn die Betroffenen selber dieses „Peer-Counselling“ machen, also diese Beratung ihrer Menschen, die in der gleichen Lebenssituation sich befinden, und denen sagen: „So wild ist es ja gar nicht! Man kann was tun und mir wird geholfen und weil mir geholfen wird geht's mir jetzt gut!“
Und dies ist wirklich eine großartige Sache.
Und da sind wir natürlich auch sehr dran und sehr interessiert, dass dies weitergeht.

Dieses „Peer-counselling“, also dass Betroffene anderen helfen?

Ja!

Das ist etwas, das sie mit ihrer Bruderschaft des Seligen Gerhard betreiben, aufbauen, dieses Programm?

Ganz genau!
Wir sind natürlich nicht die einzigen.
Dies ist eine Sache, die jeder macht, der in der AIDS-Behandlung tägig ist, aber wir haben damit auch vor langer Zeit schon begonnen und mit großem Erfolg.

Es ist ja überhaupt erstaunlich,  dass gerade die katholische Kirche ein Vorreiter, ein Pionier ist, was die AIDS-Behandlung angeht.
Sie haben das heute ja schon angesprochen.
So eine Vorreiterrolle, man hätte sie ja eigentlich von öffentlichen Einrichtungen erwartet.
Warum hat da die Kirche dieses Problem als erste erkannt und angepackt?

Ich denke, einfach aus der Erfahrung heraus, dass man nicht zuschauen kann, wie die Leute sterben, und aus dem Angebot, das uns die amerikanische Regierung gemacht hat.
Wenn ich von „uns“ spreche, meine jetzt die katholische Bischofskonferenz.
Die haben nämlich einen verlässlichen Projektpartner gesucht, der übers Land verteilt funktionierende Gesundheitseinrichtungen hat, und von da her eine derartige Aufgabe übernehmen kann.
Und die amerikanische Regierung hat eben damals – 2003 – gesagt: „Wir verlassen uns auf die katholische Kirche, die mit ihrem funktionierenden Netz von Kliniken - wie wir es nennen - und anderen Gesundheitseinrichtungen - auch Hospizen - diese Behandlung durchführen kann und durchführen wird.“ Und man hat sich da nicht so sehr nur auf Regierungspartner verlassen sondern eben auf die Nichtregierungsorganisationen.
Und das war eben in Form der katholischen Kirche der Fall.
Und die katholische Kirche hat es einfach als den Ruf der Zeit empfunden, dass wir bei einer AIDS-Rate, die in den neunziger Jahren ja unendlich angestiegen ist –
Ich kann mich erinnern,
1993 in einem Film, habe ich mal von einer zehnprozentigen HIV Infektionsrate gesprochen und wir wären froh, wenn es so wenig wäre dann erst so ab 93, 94, 95 ist diese Infektionsrate enorm gestiegen bis Ende der Neunzigerjahre und wir sind jetzt gottlob da angelangt, dass es etwas verflacht diese Anstiegsrate -
Und „Warum hat die Kirche dies gemacht?“
Ich denke aus unserer Berufung heraus, dass wir den Menschen, denen es schlecht geht, helfen.
Und Jesus Christus war auch derjenige, der immer auf die Kranken zugegangen ist, und die Kranken geheilt hat, und der uns gesagt hat: „Wie mich der Vater gesandt hat, zu sende ich euch!“
Und dies ist unsere Sendung, den Menschen dort zu helfen, wo sie der Schuh drückt, den Menschen dort zu helfen, wo sie die Nöte haben.
Und in Südafrika gibt's eine große Not, und die heißt AIDS, und da ist die Kirche gerufen.
Und wenn sie davon ausgehen, dass in Südafrika etwa 4,8 % Katholiken nur gibt landesweit, und die katholische Kirche der größte Nichtregierungsanbieter von AIDS-Hilfe und AIDS-Behandlung ist, dann ist dies durchaus eine Sache, wo man sehr stolz darauf sein kann, und wo wir eben auch froh sind, dass wir daran mitwirken konnten von Anfang an.

Zu Gast im Studio ist Pater Gerhard Lagleder, Gründer und Leiter eines AIDS-Hilfe-Programms der Malteser in Südafrika.
Sie haben gerade erzählt, was die Kirche alles tut und getan hat für die AIDS-Kranken, die HIV-Infizierten in Südafrika.
Die Regierung dort hat in der Regierungszeit von Thabo Mbheki allen Ernstes noch Knoblauch und Rote Rüben als Mittel gegen AIDS empfohlen.
Das war ab 1999.
Eigentlich kann man da nur fassungslos zuhören, wenn man so etwas hört.

Sie haben Recht: Jeder war fassungslos.
Auch wir waren fassungslos und es hat uns natürlich unheimlich geschadet, in dem Sinn, dass wir den Leuten wirklich gesagt haben, worum es bei AIDS geht und sie eben dann sagten: „Ja, aber die Regierung sagt so und so!“, nach dem Motto „Wer seid ihr, dass ihr etwas sagt, was gegen die Meinung der Regierung ist?“
Aber in dem Fall ging es einfach um die Verkündigung der Wahrheit und um die Hilfe, die eben notwendig war.
Und wir wurden geduldet in unserer Arbeit.
Aber wir haben jetzt eine neue Regierung.
Wir haben einen neuen Staatspräsidenten.
Unsere Gesundheitsministerin, die eben damals mit den roten Beeten und mit dem Knoblauch auf internationale AIDSkongresse fuhr und einen Stand aufbaute damit, die ist inzwischen selbst verstorben.
Und wir haben einen neuen Gesundheitsminister.
Und es gibt einen großartigen AIDS-Plan für Südafrika und der wird auch sukzessive jetzt in die Tat umgesetzt und die Regierung ist natürlich jetzt wirklich - so gut sie konnte - eingestiegen und tut was sie kann.
Aber das große Problem ist, dass nur etwa 20 % von denen, die die Behandlung brauchen, sie auch bekommen.
Also wir haben einen Riesen-Aufholbedarf und dies ist natürlich eine enorme Herausforderung, wenn man bei diesen Millionen von AIDS Kranken, die es gibt in Südafrika, die behandeln soll.
Und die AIDS Behandlung eines Patienten – wir haben das mal ausgerechnet im letzten Jahr, als wir in einer Finanzkrise waren – und da kamen wir etwa drauf, dass sie etwa 1100 € pro Jahr kostet.
Die kostet in Europa das zehnfache von dem, aber selbst wenn es nur 1100 € pro Kopf sind, aber wenn sie dies mal ein paar Millionen rechnen, ist es natürlich eine enorme Herausforderung, auch finanzieller Natur, und es ist natürlich nicht leicht, aber unsere Regierung tut was sie kann.
Die Kirche tut was sie kann, und mit gemeinsamen Kräften schaffen wir's.
Wir haben jetzt auch seit 1. April eine Partnerschaft eingegangen mit der südafrikanischen Regierung, mit unserem Landesgesundheitsministerium, das jetzt unsere Arbeit unterstützt, weil die Hilfe durch die amerikanische Regierung schwer reduziert werden musste wegen Budgetschwierigkeiten der amerikanischen Regierung, und so sind wir eben jetzt dankbar, dass auf diese Art und Weise die Behandlung weitergeht.
Und wenn ich ihnen sage, dass in den ersten fünf Monaten dieses Jahres unsere Gesamt-Patientenzahl sich um 25 % erhöht hat, dann sehen sie, was es für eine enorme Herausforderung ist, vor der wir stehen.
Und wir müssen also auch jetzt unser ganzes Budget neu überdenken, weil keiner damit gerechnet hat, dass er jetzt ein Viertel der gesamten Behandlungskosten mehr aufbringen muss.
Und drum bin ich eben schon wieder in Europa auf einer – wenn ich’s so nennen darf – Bettelreise, auf einer Fundraising-Tour, um Leute anzusprechen, uns zu helfen.

Wenn in Südafrika nur jeder Fünfte, der es braucht, auch die AIDS-Behandlung bekommt, liegt es da nur am Geld?

Nein, es liegt auch daran, dass es unsere größte Schwierigkeit eigentlich ist, dass wir die Leute nicht hinterm Ofen hervor locken können, dass sie sich endlich mal testen lassen.
Dies ist eine unserer größten Schwierigkeiten.
In Südafrika ist eine zwangsweise HIV Testung juristisch nicht möglich.
Also auf Deutsch gesagt: Sie können keinen zwingen, sich testen zu lassen.
Jetzt müssen wir die Leute überreden und wir tun dies, so gut wir können.
Und wenn sich dann testen lassen, dann kann man ihnen helfen, aber es gibt eben diese riesengroße Dunkelziffer von Leuten, die dann erst sich testen lassen, wenn sie mit dem Kopf unterm Arm ins Hospiz oder ins Krankenhaus kommen, weil sie so sterbenskrank sind, und dann eben der Doktor sagt: „Jetzt passen Sie mal auf,
 wir sollten Sie jetzt einfach sicherheitshalber auch auf HIV testen und da findet man eben dann heraus, das dies eigentlich die Ursache des Übels ist.
Also - wie gesagt - unser größtes Problem ist, die Leute zu überreden, sich testen zu lassen.

Pater Gerhard, wir haben heute schon gesprochen über die großartige Rolle die die Kirche in Afrika in der Bekämpfung von AIDS hat.
Hier in Europa erntet die Kirche aber immer wieder Kritik, weil sie sich gegen das Kondom ausspricht.
Diese Haltung der Kirche hat Papst Benedikt erst letzten November anlässlich seiner Reise nach Benin wieder betont – da hat er das Abschlussdokument zu Afrika Synode präsentiert - und darin heißt es im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit seien vor allem eheliche Treue, sexuelle Enthaltsamkeit und eine Ablehnung sexueller Freizügigkeit wirksame Mittel.
Aus ihrer Sicht als Ordensmann und als Missionar, der täglich mit HIV-Infizierten zu tun hat: Hat er Recht, der Papst?

Ja, der hat wirklich Recht.
Das einzige Hundertprozentige ist wirklich die Enthaltsamkeit.
Es ist allerdings natürlich eine Schwierigkeit, weil Enthaltsamkeit zu predigen zwar korrekt und richtig ist, aber es ist nicht sehr erfolgreich.
Die eheliche Treue ist das Zweite.
In Südafrika, wenigstens für die Zulu kann ich es sagen, da gibt's ja die Mehr-Ehe, die Polygamie, und von daher ist der Mann gar nicht so auf eine Treue zu einer Frau hin angelegt bzw. es ist Teil seines kulturellen Selbstverständnisses, dass er mit mehreren Frauen geschlechtliche Beziehungen hat, und natürlich die Promiskuität ist eines unserer größten Probleme.
Also dort anzusetzen ist natürlich der richtige Ansatz.
Aber es gibt auch eine Aussage, die der Heilige Vater gemacht hat in einem Interviewbuch, das der Peter Seewald herausgegeben hat, wo er dann auch sagt, dass unter ganz bestimmten Ausnahmefällen das Kondom auch ein Mittel der Wahl sein kann, wenn dadurch eben verhindert wird, dass ein Mann seine Partnerin, seine Ehefrau, mit einer tödlichen Krankheit ansteckt, und drum bin ich eben froh, dass es da auch ein gewisses Verständnis gibt, und dass es da auch einen Konsensus jetzt gibt.
Allerdings muss ich auch sagen, dass was immer die Kirche über Sexualmoral sagt, im Zululand wirklich verhallt, denn ich hatte schon gesagt: Es gibt ja nur 4,8 % Katholiken landesweit, und von denen weiß keiner was „Humanae Vitae“ ist, geschweige denn, was da drin steht und dass es moralische Verlautbarungen gibt in diese Richtung, ist also dem Gros der Bevölkerung völlig unbekannt, und von daher kann man also wirklich nicht mit Fingern auf die Kirche zeigen, die Kirche sei daran schuld, dass es so viel AIDS gibt.
Ganz im Gegenteil: Die Kirche ist dran „schuld“, dass es jetzt weniger AIDS gibt, weil wir eben die Leute behandeln, und wenn die Leute behandelt werden, dann fahren wir ja die Zahl der Viren im menschlichen Blut von über 1 Million pro mm³ auf unter 50 zurück, und damit ist der (Kranke) kaum noch ansteckend.
Also, wenn sie den Patienten richtig behandeln, haben sie damit auch eine relative Sicherheit, dass sich der Patient nicht ansteckt.
Und dies ist natürlich auch eine Sache, die man wirklich nicht außer Acht lassen darf.

Pater Gerhard, wir haben heute viel über AIDS in Afrika gesprochen und – nur damit jetzt nicht der Eindruck entsteht, dass das ein Problem ist, das ganz weit weg ist – AIDS ist ja ein globales Problem und können wir Erfahrungen, die es im Kampf gegen AIDS in Afrika gibt, kann man da auch was für Europa lernen, wenn ich daran denke, dass in Russland oder in der Ukraine die HIV Infektionsraten massiv in die Höhe gehen?

Stimmt, ja!
Ich denke, was man lernen kann ist,
 dass man AIDS nicht mehr als eine Krankheit sieht, gegen die man nichts machen kann.
Und dies ist also in vielen Fällen so gewesen, dass die Leute eben meinten, es könnte ihnen nicht geholfen werden und was man auch lernen kann ist, dass man dadurch, dass man die Behandlung anbietet, dadurch dass man an dem Stigma arbeitet, dass die Menschen aus sich heraus gehen, dass die Menschen offen werden und sich behandeln lassen, ich denke, dies könnte man lernen.
Und was man noch lernen könnte wäre ein selbstverständlicherer Umgang mit AIDS-Kranken.
In Europa habe ich den Eindruck, dass sie noch viel mehr ausgegrenzt werden und noch viel mehr eine Randgruppe sind, als Sie bei uns sind.
Na gut, bei einer Ansteckungsrate von den astronomischen Ausmaßen bei uns, sind ja eben die meisten HIV-positiv und die wenigsten HIV-negativ, aber dass man die Leute mehr integriert und dass sie sich nicht ausgestoßen fühlen, ich glaube das könnte man wirklich auch lernen von Afrika.

Pater Gerhard Lagleder, vielen Dank für das Gespräch!

Danke für die liebe Einladung!

 


Portrait: P. Gerhard Lagleder - Missionsbenediktiner im Einsatz für die Ärmsten Südafrikas (13.8.2011)

Menschen im Portrait - Eine Sendereihe von Radio Maria Österreich.

Portrait: P. Gerhard Lagleder -
Missionsbenediktiner im Einsatz für die Ärmsten Südafrikas

Ein Interview, das am 13. August 2011 in Radio Maria ausgestrahlt wurde.

Liebe Freunde und Hörer von Radio Maria, Herzlich willkommen zur Sendung Portrait, heute mit und über Pater Gerhard Lagleder. Pater Gerhard ist Missionsbenediktiner von St. Ottilien und schon seit 25 Jahren in Südafrika tätig, im Zululand. Jetzt ist er derzeit in Europa und es freut mich, dass wir sie auch hier begrüßen dürfen im Studio von Radio Maria. Herzlich willkommen, Pater Gerhard!

 

Dankeschön, es ist sehr lieb, dass sie mich eingeladen haben. Ich freue mich, dass ich mit ihnen ein bisschen plaudern darf.

 

Ja, im Laufe der Sendung werden wir auch erfahren, was ihr Grund des Kommens nach Europa ist. Wie gesagt, 25 Jahre leben sie im Zululand in Südafrika. Wenn Sie sich unseren Hörerinnen und Hörern vorstellen bitte!

 

Ja, ich bin der Pater Gerhard. Ich bin in Regensburg geboren und in Regensburg in Bayern zum Priester geweiht worden, im Jahr 1982, und bin dann erst ins Kloster eingetreten und zwar eben in die Erzabtei St. Ottilien und bin von dort am 6. Januar 1987 als Missionar ausgesandt worden, und zwar in das Zululand in Südafrika. Dieses Zululand liegt an der Ostküste. Vermutlich kennen die Hörer von der Fußballweltmeisterschaft den Austragungsort Durban. Das ist eine 4 Millionen Stadt am Indischen Ozean, und etwa 100 km nördlich von diesem Durban liegt der Ort Mandeni, und in diesem Ort bin ich seit 21 Jahren tätig und versuche dort eben mich um die Menschen zu kümmern, denen es schlecht geht. Ich bin dort der Diözesan Caritasdirektor in unserer Diözese Eshowe. Und ich habe vor 20 Jahren in Südafrika die südafrikanischen Malteser gegründet, die wir nach dem Gründer des Malteserordens, dem seligen Gerhard, eben die „Bruderschaft des Seligen Gerhard“ nennen auf Deutsch und auf Englisch würde dies die „Brotherhood of Blessed Gérard“ sein, deren Leiter und Gründer ich bin.

 

Ein großes Missionsgebiet. Wie viele Menschen zählen sie zu ihrer Pfarre bzw. zum Einzugsgebiet?

 

Ja, unser Einzugsgebiet, in dem leben ungefähr 250.000 Menschen und von diesen 250.000 Menschen leben 10.000 in dem kleinen Dorf Mandeni. Das sind etwa 10.000. Und um dieses Gebiet herum gibt es ein großes Elendsviertel, oder ein Elendsgebiet eigentlich. Das Zentrum ist die Township Sundumbili, und etwa 10 km im Norden gibt es ein Industriegebiet. Das heißt iSithebe. Und in dieses Industriegebiet hat man Leute abgezogen oder abgeworben aus dem Busch, in dem die Menschen eigentlich in einem sozial intakten Gefüge leben, und hat sie da angeworben, damit sie in Fabriken arbeiteten, aber die Leute haben dann oft, von weit her sind sie zu uns gekommen und haben dann ihre Heimat sozusagen verloren und haben sich dann außerhalb dieser Fabriken selber irgendwelche Hütten gebaut, teilweise aus Autowrackteilen, aus Abfallmaterial, aus Plastikplanen, aus Holzbrettern. Und in diesen Bretter-Buden leben sie. Und so gibt es ein großes Elendsviertel. Wir nennen das ein „informal settlement“, außerhalb dieses Industriegebietes, das sich um Mandeni herum zieht. Und dort leben eben dann diese 160.000 in dem Township und der Rest eben in diesen Elendsvierteln außen rum. Und im weiteren Bereich gibt es dann auch noch ein landwirtschaftliches Gebiet, in dem auch nochmal etwa 10-15.000 Menschen in Streu-Siedlungen leben, wie wir das im Zululand kennen, dass also die einzelnen Kraale in Rufverbindung voneinander entfernt sind.

 

Vor 25 Jahren sind sie nach Südafrika. Also 1987 sind sie ausgesandt worden, haben dann dort die Hilfsorganisationen, die Bruderschaft des Seligen Gerhard gegründet, innerhalb auch der Gründung des Malteser Ordens in Südafrika, sind dessen Präsident jetzt, und in späterer Folge auch zum Caritasdirektor der Diözese Eshowe geworden, wie sie erzählt haben. Wo ist denn da jetzt die Not am größten?

 

Ich denke, die Not ist am größten einfach in dem Bereich, wo die Menschen von AIDS betroffen sind. Südafrika ist ja das Land in dem es die meisten HIV-positiven Menschen und AIDS-kranken Menschen auf der ganzen Welt gibt. Ich war mal eingeladen zu einem Aidssymposion der bayerischen Staatsregierung mit der Regierung des West-Kaps. Das ist das Gebiet um Kapstadt. Und da hat uns der Herr Regierungsdirektor einen Vortrag gehalten, dass in Bayern null-komma-null-nochwas Prozent HIV-positiv sind. Und wir haben uns alle nur so angeschaut, weil eben in Südafrika ein Drittel der Bevölkerung, also ein Drittel von 43 Millionen, und das ist ungefähr so viel, wie Österreich Einwohner hat, HIV-positiv sind bzw. AIDS-krank sind und das ist das zentrale Problem, mit dem wir es zu tun haben. Es gibt nämlich dann auch ein Bundesland, würden sie es in Österreich nennen, was wir eine Provinz nennen, in kwaZulu/Natal, da sind etwa zwei Drittel der Bevölkerung HIV-positiv und dann gibt es „pockets of high infection rate“, also was wir im Deutschen vielleicht ein endemisches Gebiet nennen könnten, mit sehr hoher Ansteckungsrate. Und da hat das Gebiet um Mandeni leider diese traurige Berühmtheit erlangt, die AIDS-Hochburg der Welt zu sein, wo im Januar 2004 76 % der HIV-Tests positiv ausgefallen sind. Und „positiv ausfallen“ heißt, dass die Menschen das Virus in ihrem Blut tragen und damit im Lauf von maximal zehn Jahren dann AIDS entwickeln. Also das ist das zentrale Problem, mit dem wir in Südafrika konfrontiert sind, denn wir haben eine negative Geburtenrate bereits, d.h. es sterben mehr Menschen in Südafrika als geboren werden, und da muss man was tun und da hat auch die Kirche gesagt: „Wir dürfen den Leuten nicht nur fromme Predigten halten.“ Das tun wir natürlich auch, und den Glauben verkünden in Worten, sondern die Glaubensverkündigung muss eben einfach auch durch die liebende Tat geschehen. Der heilige Paulus sagt ja schon, dass unser Glaube tot ist, wenn er keine Werke aufzuweisen hat. Also, der Glaube muss uns so durchdringen, dass er in die Tat sich umsetzt. Ich kann nicht einen Rosenkranz beten und nachher ganz bös und unwillig sein meiner Familie gegenüber. Und genauso sehen wie das auch in unserem Bereich, dass wir einfach uns um die Menschen kümmern müssen, denen es schlecht geht. Und in Südafrika spricht man ja nicht mehr von einer Epidemie von AIDS, sondern von einer Pandemie. Und „Pan“ ist Griechisch und heißt „alle“. Also, dass alle in irgendeiner Weise von HIV und Aids betroffen sind. Und da muss ich jetzt auch mal ganz offen sagen, dass die römisch-katholische Kirche eigentlich der Vorreiter war und bereits vor acht Jahren begonnen hat mit der AIDS Behandlung als es von der südafrikanischen Regierung her noch überhaupt nicht erwünscht war, als die südafrikanische Regierung ihren Kopf in den Sand gesteckt hat sozusagen, und so getan hat, als ob es AIDS nicht gäbe. Und unsere Gesundheitsministerin damals auf internationale Aidskongresse fuhr und einen Stand aufgebaut hat mit roten Beeten und mit Knoblauch und sagte, dass dies viel gesünder sei als die giftige AIDS-Medizin und so hat sich dann Südafrika sozusagen lächerlich gemacht auf dem internationalen Parkett, obwohl wir das Land sind mit der höchsten HIV Infektionsrate in der ganzen Welt. Das hat sich gottlob geändert. Südafrika hat jetzt einen großartigen AIDS-Behandlungsplan, der allerdings erst langsam sukzessive umgesetzt wird. Es sind also nur etwa 10-15 % derer, die die Behandlung eigentlich bräuchten, bereits in Behandlung. Es ist also ein enormer Nachholbedarf und da hat eben die katholische Kirche bereits vor acht Jahren begonnen mit dieser Ausbildung der Leute, die in der AIDS Behandlung tätig waren, und dann selber mit der AIDS-Behandlung begonnen. Und ich kann auch ganz stolz Ihnen sagen, dass eben die katholische Kirche am Anfang auch der Regierung geholfen hat, ihre eigenen Programme aufzubauen, weil wir einfach die Erfahrung hatten, weil wir erst begonnen haben und dann unsere Erfahrungen an Sie weitergeleitet haben, unsere Lehrpläne für die Aidsvorbereitung der Patienten und für die Patientenbegleitung und damit also auch sehr viel tun konnten, das die Aidshilfe in ganz Südafrika einfach auf eine breitere Basis gestellt werden konnte.

 

Sie haben jetzt schon ein bisschen begonnen, konkret zu sagen, wie hier die Hilfe ausschaut. Welche Hilfe leistet denn die Bruderschaft des Seligen Gerhard, eine Hilfsorganisation des Malteserordens in Südafrika? Wie schaut denn hier Hilfe konkret aus bzw. vielleicht beantworten sie vorher auch noch die Frage. „Warum sind sie denn jetzt auch längere Zeit, wie ich von ihnen schon gehört habe, in Europa?

 

Ja, wenn Sie mich fragen, warum ich jetzt in Europa bin, dann ist das ganz einfach der Grund, dass wir riesengroße finanzielle Probleme haben mit der AIDS Behandlung. Ich hab in unserem Interview vorher gesagt, dass die südafrikanische katholische Bischofskonferenz der Vorreiter in der Aids-Behandlung in Südafrika war, und diese AIDS-Behandlung in Südafrika durch die Bischofskonferenz wurde großenteils finanziert von der amerikanischen Regierung, also der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika. Die mussten aber wegen finanzieller Schwierigkeiten ihre Hilfszusage reduzieren auf ein Minimum, was zur Folge hat, dass das AIDS-Behandlungsprogramm nicht mehr finanziert werden kann und wir haben Anfang Januar, eigentlich müsste ich sagen Ende Januar haben wir eine E-Mail bekommen: „Es tut uns schrecklich leid, aber wir können Ihnen ab Ende Mai kein Geld mehr für die Aids-Behandlung zur Verfügung stellen weil eben die Amerikaner die Gelder für die Aids-Behandlung in Afrika wesentlich reduziert haben.“ Und jetzt müssen wir einfach selber irgendwie schauen, wie wir an Gelder herankommen, dass uns die Leute nicht sterben müssen, denn des Problem mit der Aids-Behandlung ist: Wenn sie einmal begonnen haben, müssen Sie Ihre Medizin regelmäßig jeden Tag einnehmen, je nach Behandlungsschema einmal oder zweimal pro Tag, je nachdem welche Medikamente sie bekommen, aber sie müssen die täglich einnehmen, und wenn sie nur ein - zweimal hintereinander vergessen, die Medizin einzunehmen, hat das Virus die Chance zu mutieren, und das heißt auf Deutsch, sich zu verändern, dass es resistent wird, also dass es gegen die Medizin resistent wird, und damit auch, wenn man nachher die Medizin wieder einnehmen würde, die Medizin nichts mehr hilft. Also, wir müssen verhindern, dass der Patient aufhört, die Medikamente zu nehmen. Wenn wir ihm aber die Medikamente nicht mehr geben können, und die Menschen, um die wir uns kümmern, sind ja Menschen, die haben keinen Knopf Geld in der Tasche, die könnten dies nie selber leisten, und die Regierung ist auch völlig überfordert. Wir können einfach nicht tausende von AIDS Patienten jetzt in die Hände der Regierung geben und sagen: „Jetzt seid ihr dran. Wir haben kein Geld mehr.“ Das können die nicht, weil die Infrastruktur fehlt, weil das Geld fehlt, weil das Personal fehlt. Also müssen wir irgendwie weitermachen und das ist der Grund, warum ich zur Zeit hier bin, um an die Herzen so vieler Menschen als nur möglich zu klopfen, und zu sagen: „Bitte helft uns, dass wir diese Aids-Behandlung weiterführen können!“
Die erste Frage war die, was wir alles tun. Die Aids-Behandlung ist nur eines unserer Projekte, um die es uns in unserem Bereich geht. Wir betreiben diese Aids-Behandlung in dem größten stationären Hospiz Südafrikas, und in diesem stationären Hospiz leisten wir Palliativpflege, d.h. wir kümmern uns um Menschen, für die es medizinisch keine Heilung mehr gibt, um Ihnen zu ermöglichen, ein menschenwürdiges Sterben zu haben, d.h. wir kümmern uns um sie. Wir können die stationär aufnehmen. Wir nehmen uns sowohl medizinisch an und die Patienten, nehmen ihnen die Schmerzen, aber wir kümmern uns auch menschlich um sie, die psychosoziale Betreuung, aber auch die seelsorgerische Betreuung, so dass die Menschen in einer Atmosphäre sterben können, wo man sich um sie kümmert, wo sie geliebt werden, wo man sie mag. Jetzt muss ich Ihnen aber noch erzählen, warum das so wichtig ist: Weil es im Zululand die Überzeugung gibt, bei vielen Menschen, vor allem bei Menschen aus den ländlichen Gebieten, dass Krankheit hervorgerufen ist durch Verhexung, Verwünschung und Verzauberung. Also hat man Angst sich um einen Kranken zu kümmern, weil man dann befürchtet, wenn man sich um diesen Kranken kümmert, dass man dann bestraft würde von den bösen Geistern, die ja genau das Gegenteil erreichen wollen, nämlich dass es dem Patienten schlecht geht. Und damit werden sehr viele Patienten vernachlässigt. Man kümmert sich nicht um die Patienten. Wir haben Patienten erlebt, die auf dem mit Kuhdung gemachten Hütten-Boden liegen, auf einer Grasmatte, die dort in ihren eigenen Ausscheidungen liegen, die nicht weggeputzt werden. Wir haben Patienten erlebt, sie wissen ja, dass ein Patient der dauernd auf dem Rücken liegt und sich nicht bewegt, sehr leicht Bettgeschwüre, also einen Dekubitus bekommen kann, und ich habe Patienten erlebt mit Bettgeschwüren, wo der ganze Rücken eine einzige Wunde war, wo man die Dornfortsätze der Wirbelsäule sehen konnte, wo man die Rippen sehen konnte, und auch Wunden erlebt, in denen Maden und Würmer und Ameisen waren, die Patienten völlig ausgezehrt und ausgemergelt, dass man jede einzelne Rippe zählen konnte, und solche Patienten holen wir dann aus den Elendsvierteln raus. Und wenn die dann zu uns ins Hospiz kommen, ist es ein absoluter Kulturschock, ein Kulturschock einmal, dass sie in einem sauberen Bett liegen, was sie vorher nicht kannten, dass sie fließend Warm- und Kaltwasser im Badezimmer haben, dass sie eine gute abwechslungsreiche, vitaminreiche Ernährung bekommen, das sie volle medizinische Behandlung bekommen, aber es gibt auch so diesen Kulturschock der Liebe, wo die Patienten auf einmal geliebt werden, wo man sie mag, sich um sie kümmert, wo man sie fragt „Wie geht’s ihnen denn? Was kann ich noch für Sie tun? Darf ich Ihnen das Kissen nochmal aufschütteln? Brauchen Sie noch was? Haben sie noch Hunger?“ Und da haben uns manche Patienten schon gesagt: „Mensch, also so lieb wie ihr war noch keiner zu mir in meinem Leben!“ Und dies ist eigentlich das schönste Kompliment, das man bekommen kann. Also, es geht uns um die Palliativpflege, und in unserem Hospiz sterben pro Tag bis zu fünf Patienten an AIDS, und oft ist das Bett noch gar nicht kalt, kommt der nächste schon wieder rein. Aber es geht nicht nur eben um diese stationäre Hospizpflege. Wir machen auch ambulante Hospizarbeit, d.h. wir haben Hauskrankenpflegeteams, die in den Busch rausfahren und die Kranken zuhause betreuen, um ihnen eben zu ermöglichen, dass sie dort ordentlich behandelt werden und wo man dann auch die Familie anleiten kann und denen helfen kann.

 

(Musikeinlage)

 

Sie versuchen auch die Angehörigen davon zu überzeugen, dass sie nicht von diesem bösen Zauber weiter befallen werden, wenn sie sich um die Angehörigen oder die einfach auch noch zu Hause gepflegt werden können, kümmern. Sie versuchen auch die Bevölkerung aufmerksam zu machen und ein Bewusstsein hervorzurufen sich hier um die HIV Ansteckung auch zu sorgen, eben im katholischen Wege usw. Also, das Programm ist einfach grösser gefächert. Sie haben jetzt ja schon angesprochen das Hospiz. Wie versuchen sie denn vor Ort hier noch entgegenzuwirken?

 

Was die Aidsaufklärung betrifft, da geht's natürlich in erster Linie darum, dass man überhaupt ein Verständnis bei den Leuten wecken will. Was ist denn HIV-Infektion überhaupt, dass es also nicht von den bösen Geistern kommt, sondern den Leuten erst mal zu erzählen: Was ist denn eigentlich ein Krankheitskeim? Wo gibt’s diesen Krankheitskeim? Wo kommt er her? Wie kommt in den Körper rein? Was passiert, wenn er im Körper drin ist? Und jetzt, was macht die Medizin, um zu verhindern, dass der Krankheitskeim im Körper das tun will, was er tut, und warum ist es deshalb so wichtig, die Medizin zu nehmen? Was sind mögliche Nebenwirkungen, um eben damit vorzubeugen, dass der Patient irgendwann, wenn es ihm mal übel wird, wenn er die Medizin einnimmt, die Medizin absetzt und damit sozusagen, wenn Sie so wollen, Selbstmord begeht. Denn sie dürfen nicht aufhören, die Behandlung zu nehmen. Wenn sie aufhören, dann wird der Patient sehr bald versterben und da ist es einfach ein Kampf, den man aufnehmen muss, und wo man nicht nachgeben darf, und wo man die Leute immer neu erinnern muss. Und deshalb ist uns auch die Nachsorge im AIDS so wichtig oder die, wir nennen es die Therapiebegleitung, wo der AIDS-Patient dann sowohl aus der Familie wir einen Begleiter mit ausbilden, der dann genau weiß, worum es geht in der Aids-Behandlung, und der den Angehörigen dann erinnert: „Hast du heute deine Medizin schon genommen?“ Und zweitens, dass wir selber Therapie-Begleiter zu den Patienten schicken. Und der Patient bekommt dann einen Hausbesuch, einmal pro Monat mindestens, von so einem Therapiebegleiter, der ihn dann fragt: „Na, klappt alles? Gibt’s irgendwelche Schwierigkeiten? Vertragen sie die Medizin? Gibt es sonstige Probleme?“ Und wenn's Probleme gibt, kann man eben sehr schnell eingreifen, und dort helfen, um zu verhindern, dass der Patient aufhört, die Medizin zu nehmen.

 

Sie haben jetzt bereits erzählt über das Hospizprogramm bzw. auch die Aufklärungsprogramme innerhalb der Hilfsorganisation des Malteserordens in Südafrika. Was wird denn noch geleistet?

 

Aus dem Hospiz heraus ist eigentlich unser Kinderheim entstanden. Der Hintergrund ist der, dass sehr viele Väter sich sehr schnell nachdem sie herausfinden, dass ihre Freundin schwanger ist, aus dem Staub machen, damit sie keine Unterhaltsleistungen zahlen müssen. Es werden ja über 95% der Kinder in unserem Bereich außerhalb der Ehe geboren, und jetzt stirbt irgendwann die Mutter an AIDS und dann bleibt das Kind übrig. Und damit wir dieses Kind nicht auf die Straße schicken müssen – kann man ja nicht – haben wir dann schon vor zehn Jahren begonnen mit einem Kinderheim, d.h. wir haben Kinder aufgenommen, wo die Mama eben an AIDS gestorben ist oder an Infektionskrankheiten die sie aufgrund ihrer Aids-Krankheit bekommen hat. Und so haben wir diese Kinder dann aufgenommen, haben dabei natürlich auch einige Kinder, die selber infiziert sind mit HIV und die dann AIDS entwickelt haben, und die sind natürlich bei uns auch im AIDS-Behandlungs-Programm. Wir haben aber im Kinderheim auch sehr viele ausgesetzte Kinder und wir haben auch leider viele missbrauchte Kinder. Und das muss ich ihnen jetzt eine ganz schlimme Sache erzählen, die leider wirklich ein ganz großes Problem ist bei uns: Und zwar gibt es so ein Ammen-Märchen, das sagt, dass ein HIV-positiver Mann sein Virus losbekommen könnte durch Defloration und das heißt auf Deutsch, dass er Geschlechtsverkehr mit einer Jungfrau hätte. Nun ist aber das große Problem, dass in unserem Bereich die jungen Leute sehr früh beginnen, geschlechtlich aktiv zu sein, und zwar mit 12-13 Jahren bereits. Also gibt es kaum noch eine Jungfrau über zwölf oder 13. Also werden immer jüngere Mädchen vergewaltigt von HIV-positiven Männern, weil die meinen, dass sie damit ihr HI-Virus losbekommen könnten. Ich habe meinen eigenen beiden Händen ein neun Monate altes Baby gehalten, das vom eigenen Vater vergewaltigt worden war. Das Kind starb an den barbarischen Verletzungen und der Vater starb kurz darauf an AIDS. Und das ist ein wirklich ganz schlimmes Problem, mit dem wir zu kämpfen haben, dass also Kinder vergewaltigt werden, weil HIV-positive Leute meinen, sie könnten das Virus los bekommen. Und wir haben in unserem Kinderheim eben auch solche Kinder, die früher vergewaltigt worden sind, und um die muss man sich natürlich dann in einer ganz besonderen Weise kümmern, a) um die HIV-Infektion, die sie bekommen haben, was in vielen Fällen der Fall ist, aber natürlich auch dass man sich psychiatrisch und psychologisch um sie annimmt, dass man überhaupt wieder ein Vertrauen in ihnen wecken kann, dass sie einem Menschen wieder trauen können, und es dauert lang-lang-lang, bis man die Leute, bis man diese Kinder dann wieder so hinbringt, dass sie ein relativ normales Leben führen können, aber es ist uns bislang in jedem Einzelfall auch wirklich gelungen, dass die nach vielen Jahren dann auftauen und über diese Erlebnisse hinwegkommen, wenn man sie natürlich entsprechend fachlich auch begleitet und behandelt. Und das ist die Aufgabe unseres Kinderheimes.
Und ein weiteres Programm haben wir angefangen, und zwar schon sehr früh, die Organisation wurde vor 20 Jahren gegründet und eines der ersten Programme war eigentlich unsere Klinik für unterernährte Kleinkinder und Säuglinge. Südafrika ist eigentlich kein armes Land was jetzt Bodenschätze oder was die Landwirtschaft betrifft, aber das Problem ist dass eine HIV-positive Mutter ihr Kind nicht stillen soll weil die Konzentration des HI-Virus in der Muttermilch so hoch ist, dass sich das Kind durch das Trinken an der Mutterbrust anstecken kann. Also soll die Mami ihr Kind mit der Flasche aufziehen. Jetzt ist aber diese Flaschennahrung sehr teuer und viele verdünnen dann dieses Pulver zu sehr mit Wasser oder sie können sich dies überhaupt nicht leisten und geben den Kindern dann so verdünnten Maisbrei, oder sie geben ihnen verdünnten Pudding, oder einfach nur Zuckerwasser zum Trinken und das sind natürlich reine Kohlenhydrate und kein Eiweiß, und so sterben die Kinder dann an einer Eiweißmangelkrankheit, die man in der medizinischen Fachsprache Kwashiorkor nennt, und damit sie eben daran nicht sterben müssen, haben wir diese Klinik für unterernährte Kleinkinder und Säuglinge eingerichtet, wo wir sowohl die Kinder versorgen, und zwar medizinisch versorgen, aber auch, wo wir ihnen Milch und einen speziellen Brei geben, der so gemischt ist, dass er sehr eiweißreich ist und die Kinder damit das bekommen, was ihnen vorher gefehlt hat, und in dieser Klinik haben wir also mindestens immer etwa 50-60 Kinder. Und wenn die einen wieder herausgefüttert sind, und wenn es ihnen wieder gut geht, dann kommen andere nach und so ist es also ein dauerndes Programm, wo wir eben diesen Kinder dann wirklich auch das Leben retten können weil sie sonst an dieser Unterernährung sterben würden. Und das ist auch eine ganz wichtige Aufgabe, die wir erledigen.
Wir haben noch einige andere Programme, in denen wir uns um Menschen annehmen, die in Notsituationen geraten sind, und wir versuchen eben auf diese Art und Weise, den Menschen zu zeigen, dass der liebe Gott für sie da ist. Wir versuchen, ihnen zu zeigen, dass die Kirche wirklich ihre Verantwortung ernst nimmt, dass man für andere Menschen da ist, und dass man ihnen sozusagen die Liebe Gottes auch spürbar macht, in dem was wir tun, und darum geht‘s summa summarum in unserer Organisation und in all den Programmen, die der angeschlossen sind.

 

Pater Gerhard Lagleder, ja ein kurzer Einblick in ihre Arbeit in Südafrika in der Diözese Eshowe. Ich danke ihnen für die Vorstellung ihrer Person, dieses Projekts, wünsche ihnen Gottes Segen und vor allem die Hilfe vieler vieler Menschen, und ich darf noch abschließend noch um ihren priesterlichen Segen bitten.

 

Den kriegen Sie sehr gerne und ich möchte mich auch ganz herzlich bedanken, dass sie mich eingeladen haben, mit ihnen etwas über meine Arbeit und die mir anvertrauten Menschen zu plaudern und so möchte ich Ihnen jetzt auch den Segen der Sprache spenden, die ich im Zululand spreche, nämlich in der Zulu-Sprache:

Der Herr sei mit euch!

 

und mit deinem Geiste

 

Makanihlahlamelise uNkulunkulu uSomandla, uYise, beneNdodana noMoya ocwebileyo!

 

Amen.

 

Ganz herzlichen Dank! Und behüte sie Gott und Gottes Segen auch für Radio Maria und all deren Hörer.

 

Liebe Freunde und Hörer von Radio Maria, das war die Sendung Portrait von Pater Gerhard Lagleder, Missionsbenediktiner von St. Ottilien, seit 25 Jahren in Südafrika. Er leitet die Hilfsorganisation des Malteserordens in Südafrika und ist auch Caritasdirektor der Diözese Eshowe.

Nähere Informationen zum Projekt www.bbg.org.za

 


Die Kirche als Vorreiter im Kampf gegen Aids. (29.7.2011)

Kampf gegen Aids.

Mandeni an der Ostküste Südafrikas ist die Aids-Hauptstadt der Welt: Fast 80 Prozent der Bevölkerung dort ist HIV-positiv.

Der Benediktinerpater Gerhard Lagleder hat dort die Bruderschaft des Seligen Gerhard aufgebaut, eine Hilfsorganisation des Malteserordens.

Kinderheim- und Hospiz-Einrichtungen geben den Kranken Hoffnung:

Die Kirche als Vorreiter im Kampf gegen Aids.

  • Mittwoch, 27. Juli 2011, 19.00-19.25 Uhr.
    Eine Sendung von Johannes Tanzler.

© Radio Stephansdom, Wien

 

Mandeni im Zululand an der Ostküste Südafrikas ist die AIDS-Hauptstadt der Welt. In keiner anderen Region der Erde ist die Infektionsrate so hoch wie hier. Mehr als zwei Drittel der Bevölkerung ist HIV-positiv. Pater Gerhard Lagleder hat in Mandeni eine Hilfsorganisation gegründet, die Bruderschaft des Seligen Gerhard. Sie hilft Aidskranken, Waisen und Armen.

Es kam daher, dass ich als Pfarrer in Südafrika tätig war, und jetzt wenn ich es mal übertrieben sage, dass mir die Leute während der Predigt verhungert sind.

Als Missionar wird Pater Gerhard Lagleder nach Südafrika geschickt. Er will den Glauben verkünden, doch bald findet er sich dort von Menschen umgeben, die viel mehr brauchen, also nur gute Worte.

Ich kann die schönste Predigt halten, aber wenn mir die Leute während der Predigt verhungern, hilft's nichts. Also muss ich als Priester in einer Gemeinde, in der krasse Armut herrscht, einfach mehr tun als nur fromme Worte zu predigen und das Evangelium wirklich in die Tat umsetzen.

Gemeinsam mit der einheimischen Bevölkerung gründet Gerhard Lagleder 1992 die Bruderschaft des Seligen Gerhard, eine Hilfsorganisation des Malteserordens.

Wir wollten nicht den Fehler machen, der der Mission so häufig vorgeworfen wird, nämlich dass man irgendwo Riesenprojekte aufbaut als Satellitenprojekte, die vom Ausland her gesteuert werden, und irgendwann zieht man sich aus dem Land dann zurück und alles bricht zusammen, sondern was wir tun wollten ist von Anfang an die Einheimischen dazu befähigen und zu motivieren sich selbst zu helfen.

In Südafrika ist landesweit rund ein Drittel der Bevölkerung mit dem HI-Virus infiziert: In der Provinz kwaZulu/Natal an der Ostküste sind es etwa zwei Drittel der Bevölkerung. Dort wiederum ist die Infektionsrate in Mandeni am höchsten. Fast 80 % aller HIV-Tests dort sind positiv, so viele wie sonst nirgends. Ein trauriger Weltrekord, auf dem keiner stolz ist und den auch keiner zur Aufnahme in das Buch der Rekorde vorschlagen wird.

Also das ist unser ganz massives Problem, und da muss die Kirche was tun, und da hat die Kirche was getan. Ich weiß nicht, ob sie sich bewusst sind, dass die katholische Kirche in Südafrika der größte Träger der Aidsarbeit nach der Regierung ist, und wir waren des vierte Programm überhaupt, im ganzen Land Südafrika, das antiretrovirale Behandlung eingeführt hat, d.h. auf Deutsch die Behandlung von AIDS Kranken mit Medikamenten, die das Virus war leider nicht töten können, aber an der Vermehrung hindern und damit geht's dem Patienten wieder gut und er kann 10, 15, 20 vielleicht 25 Jahre weiterleben bei guter Gesundheit.

Die Ursachen für die hohe Infektionsrate sind erforscht: Hohe Armut, Unterdrückung von Frauen und viele wechselnde Sexualpartner breiten Aids unter südafrikanischen Zulu in Mandeni in dieser Dichte aus.

Es war mal ein Doktorand der University of Berkeley in Kalifornien bei uns und wollte herausfinden, warum ist Mandeni bekannt als die AIDS Hauptstadt der Welt? Er hat eine dreijährige Studie betrieben mit sehr vielen Patienteninterviews und sehr viel Hintergrundforschung und er ist zu zwei Ergebnissen gekommen, das erste Ergebnis ist die Ungleichheit der Geschlechter und das zweite ist die Armut; mit anderen Worten: Frauen bekommen sehr viel seltener eine Arbeit und wenn sie Arbeit bekommen kriegen sie auch weniger Geld dafür. Mit anderen Worten: Die Frauen haben kein Geld in der Tasche und die Männer haben das Geld in der Tasche, und diese armen Mädel und die armen Frauen müssen jetzt irgendwie versuchen, sich Geld zu verdienen und das geht eben mit dem ältesten Gewerbe der Welt, weil das oft die einzige Möglichkeit ist in ihren Augen sich Geld zu verdienen. Es ist aber nicht so die übliche Prostitution, sondern es geht darum, dass sich ein Mädel oder eine Frau einen Freier sucht, einen Freund sucht auf mittelfristiger oder längerfristiger Ebene, der dann, je nachdem wenn er es fühlt, dass er mit der Frau beieinander sein will, sie ruft und für seine sexuellen, und die Frau wird dann für ihre sexuellen Dienste damit belohnt, dass dieser Freier dann ihr zum Beispiel die Miete zahlt, oder das Schulgeld für die Kinder, oder die Kleidung, oder die Nahrung. Jetzt reicht aber einer dieser, wir nennen diese Freunde „Sugar Daddys“, jetzt reicht einer dieser Sugar Daddys nicht aus, um überleben zu können, und jetzt haben leider diese Frauen oft 3, 4, 5 verschiedene Sugar Daddys, und sind aber ihren so genannten Freundinnen auch wieder nicht treu, und insofern hat man also diese unendlich hohe Promiskuität, und das hat er herausgefunden, ist der Grund, warum bei uns die HIV-Infektionsrate so wahnsinnig hoch ist und immer noch im Steigen ist.

Pater Gerhard Lagleder hilft Hilfsbedürftigen sich selbst zu helfen, in der Hilfe für Aidspatienten, die meisten von ihnen sind mittellos, nimmt die Bruderschaft in Südafrika heute eine Vorreiterrolle ein. Dennoch kann nicht allen geholfen werden, sagt Pater Gerhard, das liege aber nicht nur am Geld.

Ja natürlich sind wir begrenzt in unseren Ressourcen aber bislang haben wir unsere Kapazität nicht erreicht, d.h. wir könnten sehr viele mehr behandeln, aber das Problem ist, dass die Leute Angst haben, wir nennen das Stigma, d.h. der HIV Patient hat Angst, wenn eher die Diagnose bekommt, ich bin HIV-positiv, dass er von seiner Familie, von seinen Freunden, von seiner Umgebung gemieden wird, dass er schief angeschaut wird, dass man mit dem Finger auf ihn zeigt, und davor haben die Leute Angst. Und den Leuten kommt‘s, wird’s gar nicht klar, dass es eine Sache von Leben und Tod ist, und dass, ob jetzt da einer mit dem Finger auf mich zeigt oder nicht, wenn ich dann nachher überleben kann sollte mir das eigentlich egal sein. Und genau daran arbeiten wir, dass wir jetzt versuchen, die Leute zu überreden. Wir haben so genannte „peer counsellors“ und „peer counsellors“ sind Patienten, die selber im Behandlungsprogramm sind, die wir zu Therapieberatern ausbilden und die dann von ihrer Seite her, selber als Betroffene mit ihren Freunden und Kollegen sprechen und sagen: „Komm, hab dich nicht so! Das ist doch überhaupt kein Problem! Schau mich an! Mir ist es genauso dreckig gegangen, wie es dir jetzt geht, und jetzt geht’s mir wieder prima, und kein Mensch zeigt mit dem Finger auf mich, sondern ich bin wieder voll in meiner Gemeinschaft, in meiner Gesellschaft, in meiner Familie integriert. Und damit erreicht man sehr viel.

Das öffentliche und private Gesundheitssystem Südafrikas ist durch die riesige Anzahl von HIV-Patienten aber absolut überfordert. Die Kirche könne und dürfe da nicht achselzuckend daneben stehen, sondern müsse alle Kräfte mobilisieren, sagt Pater Gerhard. Er und seine 1500 Mitstreiter in der Bruderschaft des Seligen Gerhard klären die Öffentlichkeit über HIV und Aids auf, und zeigen HIV-Positiven wie sie trotz der Infektion gut leben können.

Unsere Organisation hat das größte stationäre Hospiz Südafrikas aufgebaut das seit 3. September 1996 betrieben wird. Wir haben dort 40 Betten in unserer Krankenstation, in der wir Hospizpatienten stationär aufnehmen können, aber das ist ein kleiner Bereich unserer Arbeit. Der größte Bereich unserer Arbeit ist im ambulanten Bereich zu sehen, und zwar einmal, was man im südafrikanischen Bereich einen Tagespatienten nennt, also einen ambulanten Patienten, der ins Hospiz kommt, dort beraten, behandelt wird und dann wieder nachhause geht. Aber dann haben wir auch, was wir einen Heimpatienten nennen, im Sinn von, dass er daheim behandelt wird. Wir besuchen die Kranken zuhause in ihren Hütten, in ihren Behausungen, wo sie leben, durch unsere Krankenpflegeteams und machen dort dieselbe Beratung, dieselbe Behandlung, und wenn's nötig ist, dass der Patient reinkommt, kommt er auch rein. Und wir betreuen Hunderte von Patienten in dieser häuslichen Krankenpflege bzw. in diesem häuslichen Hospizbereich.

Außerdem bildet das Zentrum Therapieberater aus. Sie besuchen jeden Patienten mindestens einmal pro Monat zuhause, denn jeder Infizierte muss zweimal täglich seine Medikamente einnehmen, ansonsten kann das Virus mutieren und resistent gegen die Behandlung werden.

Das heißt auf Deutsch, was wir mit den Leuten machen ist, dass der Therapieberater ihn zu Haus besucht: „Na, wie geht's? Gibt‘s irgendwelche Sorgen und Probleme?“ Wenn es gesundheitliche Probleme sind, dass man die adressiert, wenn‘s soziale Probleme sind, dass man die adressiert. Wir haben auch eine Sozialarbeiterin hauptamtlich angestellt, die dann helfen kann wenn's finanzielle Sachen sind oder wenn's Beziehungs-Probleme sind, und dass man damit einfach dem Patienten hilft, dass er die Behandlung auf keinen Fall unterbricht. Man hat keine zweite Chance. Man muss das einfach durchziehen.

Dennoch sterben alleine im Malteser-Hospiz in Mandeni pro Tag bis zu fünf Patienten an AIDS. Tausende wurden dort schon gepflegt und betreut und im Sterben begleitet. Viele von ihnen wären erst in der Mitte ihres Lebens gestanden. Ihre Kinder blieben allein zurück. So viele Eltern sind schon tot, dass man bei den jungen Leuten von Afrikas verwaister Generation spricht.

Die wenigsten Eltern sind verheiratet, und es ist dann in fast allen oder in sehr vielen Fällen so: Sobald der Freund erfährt seine Freundin oder seine Geschlechtspartnerin ist schwanger, macht er sich aus dem Staub damit er nichts zahlen muss. Und jetzt kriegt das arme Mädel dann ihr Kind, und das Kind wird dann vermutlich bei der Geburt infiziert oder auch nicht, aber irgendwann stirbt die Mutter mal an AIDS. Die südafrikanische Gesellschaft, ich kann jetzt speziell nur für die Zulu-Gesellschaft reden, da habe ich Erfahrung, ist eigentlich eine ganz toll, hat eine ganz tolle Sozialstruktur bzw. eine Art und Weise, wie man füreinander sorgt. Und zwar ist es dort so: Nehmen wir mal an, ich wäre kein Priester, sondern ich wäre verheiratet, hätte Frau und Kinder, und wenn ich jetzt sterben würde, müsste mein Bruder meine Frau und alle meine Kinder automatisch übernehmen. Die muss man gar nicht fragen. Das ist selbstverständlich. Und jetzt ist aber des großen Problem, und es funktioniert auch, aber das große Problem jetzt ist, dass all diese Brüder und Schwestern schon gestorben sind, auch an AIDS, und dass also die Generation ausstirbt der jungen Leute die sozusagen dann als Ersatzeltern tätig sein könnten, und jetzt kriegt die Oma die, die hat oft 10, 15, 20 Enkelkinder von ihren verschiedenen verstorbenen Kindern, und jetzt, die kriegt aber nur so eine Alterspension. Es gibt bei uns so eine Alterspension, die ist zu viel zum Sterben und zu wenig zum Leben. Und von diesem geringen Geld muss sie dann diese Stube voller Kinder durch füttern. Und jetzt stirbt die Oma. Und jetzt haben wir die von Kindern geführten Haushalte, wo also 13, 14, 15-jährige Kinder für ihre jüngeren Geschwister sorgen und sich um die kümmern und um die annehmen. Die haben aber wieder keine Einkunfts-Möglichkeiten. Und jetzt kommt es zu einer zweiten AIDS-Welle, wo dann manche dieser älteren Mädchen einfach wiederum ihren Körper verkaufen damit sie Geld bekommen, um für ihre jüngeren Geschwister sorgen zu können und das ist eigentlich furchtbar bitter.

Das Hospiz vom Pater Gerhard Lagleder hat deshalb vor mehr als zehn Jahren auch ein Kinderheim aufgebaut. Mittlerweile leben dort 42 Kinder. Nicht alle sind Aidswaisen. Einige sind HIV-positiv und im Behandlungs-Programm. Andere wurden ausgesetzt, denn die Angst vor der Stigmatisierung durch die Diagnose Aids treibt viele zur Flucht. Ihre Kinder lassen sie zurück.

Die Kinder im Hilfszentrum der Malteser haben ihre Eltern verloren, viele sind HIV-positiv, und ein großer Teil von ihnen wurde auch misshandelt und missbraucht.

Es gibt leider ein fürchterlich schlimmes Ammenmärchen in Südafrika, ich glaube auch in anderen afrikanischen Ländern, und zwar, dass ein HIV-positiver Mann das Virus verlieren könnte, wenn er Geschlechtsverkehr mit einer Jungfrau hätte. Jetzt beginnt aber der Durchschnitts-Zulu mit etwa zwölf Jahren sexuell aktiv zu sein. Also Jungfrauen über zwölf gibt’s kaum. Und jetzt werden immer jüngere Kinder vergewaltigt, weil der HIV-Positive meint, er würde das Virus los bekommen, wenn er Geschlechtsverkehr mit einer Jungfrau hätte.

Ich hab ein neun Monate altes Baby in diesen Händen getragen, das vom eigenen Vater vergewaltigt wurde, um das Virus los zu bekommen. Das Kind ist gestorben und der Vater auch. Und das ist eine unendlich schlimme Sache. Ich habe gemeint es sei, ja gut, ich habe schon gehört davon, aber wenn man selber die Erfahrung macht, dann ist es ganz bitter. Und als ich dieses Kind dann ins Krankenhaus gebracht habe, sagt die Krankenschwester zu mir, selber eine Zulu: „Herr Pater, dies verstehe ich nicht.“ Dann sagte ich: „Was verstehen Sie denn nicht?“ Dann sagte sie: „Schauen sie mal“ - es war ein Kinderzimmer wo etwa 20 Kinderbetten waren – und dann sagte sie: „Dieses Kind vergewaltigt, dieses nicht, dieses vergewaltigt, dieses nicht, dieses, dieses vergewaltigt, dieses vergewaltigt, dieses nicht, dieses vergewaltigt“, da waren über die Hälfte dieser Kinder vergewaltigte Kinder. Und dass es so schlimm ist, auch zahlenmäßig, ist mir erst damals bewusst geworden. Das ist unglaublich und unsagbar, aber wahr. Das ist eine unendlich schlimme Sache und es zeigt auch, dass wir in unserer AIDS Aufklärung sehr aggressiv vorgehen müssen, um den Leuten die Wahrheit über den HIV-Virus zu erzählen, dass man nicht mit irgendwelchen Zaubereien den loskriegt oder mit derartigen Praktiken, sondern dass man das Virus wirklich nur mit einer richtigen Behandlung im Zaum halten kann.

In keinem Land der Welt leben mehr Menschen mit dem HI-Virus als in Südafrika. Über 5 Millionen sind dort infiziert. Die katholische Kirche hilft und ist ein Vorreiter bei der Behandlung von Aidspatienten. In Europa wird die Rolle der Kirche gern auf die Kondomfrage reduziert und von manchen kritisiert. Pater Gerhard Lagleder meint jedoch, das Wichtigste sei, den Menschen klarzumachen, das Virus nicht weiterzugeben.

Deshalb sagen wir den Leuten ja auch: Es ist unbedingt notwendig, dass sie einen Partner nicht anstecken, denn in dem Fall geht's ja und das fünfte Gebot „Du sollst nicht töten!“ und wenn ich als HIV-positiver Mensch meinen Ehepartner anstecke mit der Krankheit, obwohl ich weiß, dass sie eine tödliche Krankheit ist, dann würde er ihn sozusagen im übertragenen Sinne zu seiner Tötung beitragen und das wollen wir ja nicht. Und deshalb muss man den Leuten eben sagen, dass sie das verhindern müssen und die einzige Art und Weise, wie man es wirklich hundertprozentig verhindern kann ist natürlich die Enthaltsamkeit. Das natürlich einem Ehepartner zu sagen, ist eine sehr schwierige Sache und es wird auch sehr große Probleme aufwerfen, aber da gibt's eben dann mechanische Barrieren, eben das Kondom, und ich bin persönlich sehr froh, dass eben der Heilige Vater in diesem Interviewbuch von Peter Seewald, auch sehr deutlich dazu Stellung genommen hat und gesagt hat,  dass „in einem oder anderen Fall kann es in der Absicht Ansteckungsgefahr zu verringern jedoch ein erster Schritt sein auf dem Weg hin zu einer anders gelebten menschlichen Sexualität“ und er spricht vom Kondomgebrauch. Und darum bin ich also unendlich froh, dass der Heilige Vater selber da einen Ausspruch getan hat in dieser Richtung, denn ich persönlich empfinde es als ein Gebot der Nächstenliebe, dass ich, wenn ich HIV-positive wäre, meine Krankheit nicht an einen anderen weitergebe, und mich da eben entsprechend verhalte, um dies zu verhindern.

1994 hat Gerhard Lagleder mit dem HIV/Aids Aufklärungs-Programm begonnen und die Öffentlichkeit in Fabriken oder in Jugendgruppen und über die Medien über Aids informiert und darüber wie man trotz HIV-Infektion ein gutes Leben führen kann. 1996 eröffnete die Bruderschaft des Seligen Gerhard ein neugebautes Hospiz das bis heute das größte Hospiz Südafrikas ist. Später kamen das Kinderheim dazu und die Behandlung von Aidspatienten. Aber ursprünglich ging Pater Gerhard als Missionar nach Südafrika.

Wir versuchen, die Liebe Christi den Menschen erfahrbar zu machen und wir haben … aus unserer Tätigkeit heraus immer wieder die Erfahrung gemacht, dass Leute zu uns kommen und sagen: „Mensch, sag mal, warum machst du denn das? Du verdienst kein Geld, du arbeitest wie ein Stier“, und nicht nur ich, sondern auch unsere Mitarbeiter. „Warum macht ihr das?“ Und wenn man ihnen dann sagt: „Ja, du ich glaube an diesen Christus und dass dieser Christus sich den Menschen zugewandt hat, denen es schlecht geht, dass sie geheilt hat. Und ich denke, dass ist das auch tun soll. Dass Christus mich zu dir geschickt hat, dass ich dir seine Liebe erfahrbar mache, in dem dass ich jetzt zu dir lieb und freundlich und nett bin, und dir helfe mit einer Situation besser zurecht zu kommen.“

Ich wurde mal von einem unserer Krankenpfleger gerufen: „Im Zimmer drei ist ein Patient, der möchte dich gern sehen, der möchte unbedingt jetzt mit dem Priester sprechen.“ Ja, na gut, dann komme ich zu ihm runter, zum Patienten, und grüße ihn freundlich und sage: „Ja, was hätten sie denn gern? Was kann ich für sie tun? Ich bin gerufen worden.“ Dann sagte er zu mir: „Ja, ich möchte Brot.“ Da denk ich mir, das hätte ihm ja der Pfleger auch bringen können, und gehe in die Küche, bringe ihm eine Scheibe Brot und dann sagt er zu mir: „Nein, nein, nein, ich möchte nicht dieses Brot. Ich möchte dieses Brot, das du den Menschen immer in diesem, in dieser Gebetsversammlung gibst.“ Dann sage ich: „Meinst du unserem Gottesdienst?“ Ja, ja den meine ich, ja, und du gibst doch denen immer ein Brot und ich hab mit den anderen gesprochen und die haben mir gesagt, dass dies der Leib Christi sei und dass wer dieses Brot isst, das der ewig leben wird und ich möchte auch ewig leben und ich will nicht sterben gib mir doch bitte dieses Brot. Und dann hab ich gesagt: Ja, dieses Brot kannst du aber nur empfangen wenn du Katholik bist. Ja dann mach mich doch zum Katholiken. Ja so einfach geht das auch nicht. Und an dieses Gespräch hat sich dann ein etwa zweistündiges Taufgespräch im Grunde angeschlossen ich wusste dass der Patient nicht mehr viel Zeit zum Leben hat, also, und so hab ich dann in einer etwa zweistündigen Katechese mit ihm gesprochen und hatte wirklich von ihm erfahren oder ich, es wurde mir klar, dass er es wirklich ernst meint, und dass seine Information eigentlich von den anderen Christen, die mit ihm im Zimmer waren, rüber kam. Für mich war das ein unheimlich schönes Erlebnis, zu sehen, dass Mission nicht mehr nur Sache von uns Berufsmissionaren ist, die mit theologischer Ausbildung dort hingehen, sondern dass die Kirche sich selber weiter trägt, dass die Kirche in sich missionarisch geworden ist und den Glauben weiter trägt. Und ich habe den Patienten dann getauft, habe ihm im selben Taufgottesdienst  die Erstkommunion gespendet und die Firmung in Todesgefahr und, nachdem ich fertig war mit ihm, bin ich wieder in mein Büro hoch und nach etwa einer Stunde ruft mich der Pfleger an, dass der Patient gestorben ist. Und es war ein Erlebnis, wo mir heute noch die Gänsehaut kommt, wenn ich mich daran erinnere wie dieser Patient sich bekehrt hat aufgrund dessen was ihm die anderen erzählt haben über den Glauben.

Weltweit wird ein Viertel der Hilfe für Aidskranke von katholischen Einrichtungen getragen. Nur 30 % der Infizierten auf der ganzen Welt können mit wirkungsvollen Medikamenten versorgt werden. In Teilen Südafrikas sind es gar nur 10 %. Deshalb müsse im Kampf gegen Aids der Zugang für alle Menschen zu Behandlung und Therapie sichergestellt werden.

Ich glaube, es wäre wichtig, dass man sich noch mehr zusammensetzen würde und einen gemeinsamen Plan entwickeln würde wo alle Regierungen zusammen helfen und nicht nur jetzt Gelder sondern auch Know-how weitergegeben wird und wo man, ich könnte mir vorstellen, dass reiche Nationen durchaus sagen könnten: „Und wir helfen jetzt den armen Nationen, die sich‘s nicht leisten können.“ Ich meine, für mich war's eine ernüchternde Erfahrung, dass ich mit Leuten aus anderen afrikanischen Ländern gesprochen habe, sie mir sagten: „Bei uns gibt's keine Aidsbehandlung.“ Und vielleicht in den Hauptstädten, in den Privathospitälern für die, die sich‘s leisten können, aber keine großen Programme für die ganze Bevölkerung, und wenn da die ganze Welt mal zusammenhalten würde, dass man flächendeckend diese Aidsbehandlung anbieten könnte, da wäre riesig was gewonnenen. Ich denke, dass dies so ein ganz großes Ziel sein sollte und sein müsste für die Aidsarbeit in die Zukunft.

Pater Gerhard Lagleder kann mit seiner Bruderschaft des Seligen Gerhard in Mandeni in Südafrika nur wenigen helfen, doch für diese wenigen bedeutet das unglaublich viel.

Man hat die Mutter Theresa einmal gefragt, warum sie nicht allen Menschen in Indien helfen kann, wo es doch so viele Arme gibt, und sie hat geantwortet, dass die Menschen, denen man helfen kann, für die das die ganze Welt bedeutet, wenn man ihnen hilft, und wenn sie gerettet werden, und man kann nicht die ganze Welt retten, aber die gerettet werden, für die bedeutet es die ganze Welt. Und so sehen wird das auch. Wir können einiges tun. Wir haben sehr große Erfolge, vor allem in unserer AIDS Behandlung. Dies ist immer wunderschön am Welt-AIDS-Tag. Am 1. Dezember machen wir immer ein Fest des Lebens, d.h. auf Deutsch, wir laden die AIDS Patienten, die bei uns in Behandlung sind, und das in Hunderte, die laden wir ein zu einem Fest. Und die kommen dann alle und die singen und tanzen und freuen sich des Lebens und es können einem die Tränen dabei kommen wenn man dann so eine große Gruppe von Leuten sieht und genau weiß, wenn die nicht in unser Behandlungsprogramm wären, dann wären die längst tot. Und dann sind die lebensfroh und haben wieder Kraft und haben Freude und erfreuen sich des Lebens und genau das ist was wir erreichen wollen, dass wir eben möglichst vielen Menschen diese Möglichkeit eröffnen und daran arbeiten wir, dass ebenso viele Leute als möglich zum HIV-Test kommen und wenn sie eben dann HIV-positiv sind, dass man ihnen die Aidsbehandlung anbietet.

 


Die Bruderschaft des sel. Gerhard (2.6.2011)

Bei uns zu Gast – Eine Sendereihe von Radio Maria Österreich.

Die Bruderschaft des sel. Gerhard

Sendung am 2. Juni 2011, 13:00

 

Wir dürfen heute bei uns Pater Gerhard Lagleder aus Bayern in unserem Studio von Brixen begrüßen. Pater Gerhard ist derzeit in Europa, arbeitet aber seit 25 Jahren in Südafrika. Er ist dort Präsident der Malteser und der Bruderschaft des Seligen Gerhard. Guten Tag!

Guten Tag und Grüß Gott, liebe Hörer von Radio Maria. Dankeschön, dass Sie mich eingeladen haben, dass ich Ihnen etwas über mich und meine Arbeit erzählen darf.

Pater Gerhard, sie waren ja nicht immer Benediktiner, sondern haben ihren geistlichen Weg als Diözesanpriester begonnen, haben dann aber unmittelbar zum Benediktinerorden gewechselt. Ist das richtig so?

Es ist richtig so. Ich war erst Diözesanpriester in der Diözese Regensburg. Allerdings bin ich am Tag der Priesterweihe bereits zum Ordenseintritt beurlaubt worden und die Idee, Ordensmann zu werden, und nicht nur Diözesanpriester zu bleiben, ist mir eigentlich während des Studiums gekommen; und zwar haben wir so die Nachfolgeperikopen des Evangeliums betrachtet in unseren geistlichen Gesprächen und da ist mir so eine Stelle sehr ins Herz geschossen und zwar die, wo eben Jesus zu dem reichen Jüngling sagt: „Ja, wenn du mir jetzt wirklich ganz nachfolgen willst, dann verkauf e alles, was du hast, gib den Erlös den Armen und dann komm und folge mir nach.“ Und dann dachte ich mir: Ja wenn das so ist, dann müsste ich eigentlich Ordensmann werden und dann dachte ich mir: Wo gehst du hin? Ich war früher, ich bin jetzt seit langer Zeit, seit 1969, Malteser und von daher ist mir die Krankenpflege vertraut. Ich war früher Lehrpfleger bei den Maltesern und Rettungssanitäter, und dann dachte ich mir: Ich muss diese Talente, die mir der liebe Gott geschenkt hat, auch später mal einsetzen. Also wenn du ins Kloster gehst, dann gehst du in einen Missionsorden. Jetzt wusste ich natürlich überhaupt nicht wohin, und so habe ich dann viele Missionsorden einfach angeschrieben und denen gesagt, dass ich Interesse hätte, nach meiner Priesterweihe ins Kloster zu gehen, habe dann sehr viele Einladungen bekommen und sehr viel Literatur und sehr viele Briefe und habe das alles durchgelesen, angeschaut, alle besucht und dann kam ich zu den Missionsbenediktinern von Sankt Ottilien und es war als ob ein Vorhang aufgeht, dass es … Ah, jetzt bist du genau dort, wo du, was du gesucht hast. Da habe ich genau das gefunden was ich mir immer so als das Ideal des Ordenslebens vorgestellt hatte, und so bin ich eben dann bei den Missionsbenediktinern eingetreten, habe in der Diözese noch mein Studium fertig gemacht, den  Pastoralkurs bis zur Priesterweihe, und dann, wie gesagt, wurde ich zum Ordenseintritt beurlaubt. Dann, als ich ins Kloster eingetreten bin, habe ich natürlich ganz genau, wie jeder andere auch, mein Noviziat gemacht, drei Jahre zeitliche Profess, und habe dann im September 1986 meine Feierliche Profess als Benediktiner abgelegt,  und am 6. Januar 1987 wurde ich als Missionar ausgesandt, und zwar in das Zululand in Südafrika.

In diesem Zululand von Südafrika wirken sie ja schon 25 Jahre. Meine erste Frage dazu: Was waren Ihre ersten Eindrücke, als sie damals angekommen sind, die politische Situation auch, vielleicht von der Apartheid, dass sie uns hier etwas erzählen, aber auch die soziale Situation der Menschen damals und heute.

Ja, als ich nach Südafrika kam, kam ich erst mal für die ersten drei Jahre in eine Pfarrei, völlig abgeschiedenen, im tiefsten Busch, wo der Pfarrer und ich die einzigen Bleichgesichter, die einzigen Weißhäutigen waren, im ganzen Großraum um dort a. die Zulu-Sprache zu lernen, b. mich über die Gebräuche und die religiösen Vorstellungen und über die Mythologie der Zulu zu informieren und da reinzuwachsen, und ich war damals unendlich beeindruckt. Natürlich, wenn man noch nie vorher in Afrika war, kommt einem jede Blume, kommt einem jeder Baum, kommt einem jedes wilde Tier, das man sieht, als eine ganz große Besonderheit vor und so war es auch. Ich war also bezaubert von der Landschaft, von der Gegend dort, aber auch von den Menschen, denn die Menschen waren unendlich gastfreundlich, unendlich lieb, obwohl es natürlich für jemand der die Zulu-Sprache damals erst erlernen musste, schon auch etwas frustrierend sein kann. Man kommt als Akademiker in ein anderes Land und die Leute behandeln einen wie ein kleines Kind, weil man nicht reden kann; und es war dann eine sehr interessante Erfahrung über diese Zeit hinweg dann erst mal die Zulu-Sprache zu lernen und, wie gesagt, in diese Bräuche der Menschen mich einzufühlen und einführen zu lassen, denn es ist so unendlich wichtig, das man als Missionar nicht wie der Elefant in den Porzellanladen kommt, sondern dass man die Leute dort abholt, wo sie sind, dass man sie versteht, dass man auch weiß, wie sie denken und dann kann man erst richtig und wirklich ein guter Seelsorger sein und so bin ich sehr dankbar für diese Vorbereitungszeit. Als ich dorthin kam, war dies  natürlich die Zeit, als die Apartheid noch so richtig am Kochen war. Unsere südafrikanische Wende war ja erst 1994, und ich kam 1987 schon dorthin, und ich habe die Apartheid noch richtig miterlebt. Ich habe zum Beispiel mal einen schwer verletzten Menschen, der schwere Schnittwunden an seiner Hand und am Unterarm hatte, den habe ich verbunden und habe ihn dann zum Arzt gebracht und der Arzt hat gesagt: Es tut mir leid, das ist  ein Schwarzer, dem darf ich nicht helfen. Da sage ich: Ja,  entschuldigen sie, bitteschön, der verblutet, bitteschön, haben sie kein ärztliches Ethos? Dann sagt er: Wenn ich den hier behandle, dann verliere ich meine Lizenz, als Arzt zu arbeiten, und dann hat er mich eben so in eine primitive Gesundheitsstation geschickt, wo ich den Patienten dann hingebracht habe, und ich hoffe, dass er es überlebt hat. Also das war für mich sein frappierendes Beispiel, dass man selbst angesichts eines schwer blutenden Patienten sagt: Es tut mir leid ich darf dir nicht helfen, der hat die falsche Hautfarbe und so habe ich also Apartheid wirklich noch in der schlimmen Art erlebt. Allerdings war die Kirche von Anfang an auch sehr konsequent, dass sie diese Apartheid nicht anerkannt hat, und die katholische Kirche hat also zum Beispiel Schulen gehabt, wo sie teilweise gemischte Kinder hatte, also Schwarze und Weiße und Mischlingskinder gemeinsam; oder meine eigene Abtei Inkamana hat eine Eliteschule, ein Elite-Gymnasium, wo lauter schwarze Kinder in einem so genannten weißen Gebiet erzogen wurden und es war, früher waren wir da schon „persona non grata“. Man hat uns also sehr argwöhnisch beobachtet und wollte uns eigentlich nicht weitermachen lassen aber, weil wir einen sehr guten Ruf hatten, war das dann, ist es dann eben doch nicht passiert, aber es war dann eine ganz schwierige Situation eben weil die Kirche von Anfang an gesagt hat: Das ist unmenschlich, das ist eine Sache, die wir nicht mittragen können, und sich einfach gegen diese Apartheid gestellt hat; und die römisch-katholische Kirche war ja bekannt als die „Roomse Gefaar“ auf Afrikaans und d.h. „die römische Gefahr“, also die Römer, die römisch-katholische Kirche, wurde als Gefahr angeschaut, weil wir eben sehr konsequent waren und dass, wie wir das Evangelium Christi auslegen, dass der liebe Gott für alle Menschen da ist, weil wir das konsequent gelebt haben. Sie haben mich nach der sozialen Situation gefragt: Ich habe im Busch eigentlich eine zwar sehr ärmliche Familien und Bevölkerungsstruktur kennen gelernt, aber eigentlich ein funktionierendes System, d.h. die Leute haben Ziegen und Rinder und hatten Ackerbau betrieben und konnten davon leben, aber in den Bereichen, wo man Industrie angesiedelt hat, hat man die Leute dann entwurzelt aus ihrer familiären Umgebung und dann sind sie weggezogen aus ihrem …, aus dem Busch, wenn sie so wollen, in …, sind verstädtert worden, konnten aber dann nicht nachhause zurückkehren und so haben sich also um diese größeren Städte dann Elendsviertel gebildet, wo die Leute, in Häusern kann man eigentlich fast nicht sagen, in Baracken, in Hütten leben die sie sich aus Autowrackteilen, aus Plastikplanen, aus Holzbrettern, aus Wellblech und sonstigem Abfallmaterial zusammengebastelt haben und da gibt es außerhalb der großen Städte sehr viele solche Elends-Gürtel und auch das habe ich erlebt, und das war dann auch die Pfarrei, in die ich zuerst mal als Pfarrer im Jahr 1990 kam, und das hat mich dann sehr tief beeindruckt und hat dann in mir auch den Entschluss reifen lassen, dass man mehr tun muss als nur den Glauben zu predigen und Gottesdienst zu feiern sondern dass die Kirche ihre dritte Wesensaufgabe, nämlich die der Caritas, der christlichen Nächstenliebe, beispielhaft leben muss.

Sie haben davon gesprochen dass dazumal die katholische Kirche als Gefahr angesehen wurde. Wie erleben sie es heute als Priester und Missionar in ihrem Gebiet?

Ja, heute ist es genau das Umgekehrte. Heute ist die Kirche ein großer Hoffnungsträger, die römisch-katholische Kirche. Als ich ein großes Pflegehospiz und Sozialzentrum in unserem Gebiet gegründet habe, habe ich mich bei den Kollegen von den anderen Konfessionen erkundigt ob sie nicht mitmachen würden, dass wir gemeinsame Sache machen, gemeinsame Sache machen im Kampf auch gegen AIDS, das ja so in den neunziger Jahren erst so richtig schlimm wurde in Südafrika, und da haben mir meine Kollegen dann gesagt: Ja also bei uns, in unseren Kirchen, da gibt es keine AIDS-Kranken. Das müsst ihr Katholiken schon selber machen wenn ihr solche AIDS-Kranken habt, und heutzutage haben wir die meisten Kranken von diesem Bereich und es sind ganz wenige Katholiken dabei. Aber das mal ganz unbenommen, das wichtige was ich eben damals gesehen habe, ist dass wir als Kirche ein Zeichen setzen und dass wir nicht diskriminieren, dass wir jedem Menschen helfen, ganz egal welches Parteibuch, welche Hautfarbe oder welche Religionszugehörigkeit er hat, dass wir einfach für die anderen da sind. Christus hatte auch nicht die Leute erst angeschaut, welche Konfession sie haben, vor er ihnen geholfen hat, sondern er hat jedem geholfen der es gebraucht hat und so haben wir das auch getan.

Sie haben es vorher angesprochenen, das Werk und auch das Hospiz, welches sie gegründet haben, zu Beginn haben wir gehört dass sie auch Präsident der Malteser im Ort sind und nicht nur der Malteser, sondern auch der Bruderschaft des Seligen Gerhard. Ja, und wir möchten über dieses Werk auch nun einiges erfahren, denn deshalb haben sie auch ihre Europareise angetreten. Zu allererst: Was waren dazumal die Gründungsmotive für dieses Werk?

Vielleicht darf ich richtig stellen: Die „Bruderschaft des Seligen Gerhard“, wie wir es im deutschen nennen, oder „Brotherhood of Blessed Gérard“ im englischen, das sind die südafrikanischen Malteser und die habe ich gegründet und die leite ich heute. Die Motive, das zu tun sind ganz einfach: Ich kam als Gemeindepfarrer in eine große, eigentlich in zwei große Pfarreien mit insgesamt zwölf Gemeinden, die zu betreuen waren und ich habe natürlich Gottesdienste gehalten, ich habe natürlich den Glauben in der Predigt verkündet, aber wenn ich's etwas überzeichnet ausdrücke, sind mir die Leute während der Predigt eingeschlafen, nicht weil ich so langweilig predige sondern weil sie so geschwächt sind, weil sie so krank sind. Südafrika ist das Land, das die meisten HIV-positiven und AIDS-kranken Menschen auf der ganzen Welt hat. in Südafrika ist ein Drittel der Gesamtbevölkerung etwa HIV-positiv und in dem Bundesland oder der Schweiz würde man es Kanton nennen, in Österreich sagt man Bundesland, und wir sagen Provinz dazu, in der Provinz kwaZulu/Natal sind etwa zwei Drittel der Bevölkerung HIV-positiv und ich sehe es ganz persönlich als eine Fügung Gottes an, dass er mich gerade in ein Gebiet geschickt hat wo die Ansteckungsrate extrem hoch ist, nämlich 76 % der HIV-Tests in dem Gebiet, in dem ich tätig bin. Das heißt Mandeni, und das ist etwa 100 km nördlich der 4 Millionen Stadt Durban, die jeder von der Fußballweltmeisterschaft her kennt, weil sie ein Austragungsort war, also in diesem Mandeni waren im Januar 2004 76 % der Bevölkerung HIV-positiv, d.h. die Leute sterben wirklich wie die Fliegen einer nach dem anderen und da muss man was tun, und so war also das Gründungs Motiv ganz einfach das, dass ich als Pfarrer sagte, wir müssen die karitative Tätigkeit der Kirche auf ordentliche organisatorische Beine stellen. Es geht ja nicht an, dass die Kirche ihre karitative Tätigkeit darin sieht, Banknoten an Bettler zu verteilen. Damit erreicht man genau das Gegenteil von dem, was man will; sondern, was ich gesagt habe, ist dass wir auch nicht den Fehler machen dürfen, den man der Mission und der Entwicklungshilfe oft vorwirft, dass man nämlich Satellitenprojekte macht, wo man Leute aus der Ersten Welt in die Dritte Welt schickt und die bleiben dann ein paar Monate und werden dann wieder abgezogen und dann bricht alles zusammen weil die einheimischen die Projekte nicht weiterführen können und diesen Fehler wollte ich eben nicht begehen sondern was ich gesagt habe ist dass wir die Südafrikaner motivieren und befähigen und begleiten müssen, dass sie sich selber helfen. Hilfe zur Selbsthilfe. Also habe ich eine genuin südafrikanische Hilfsorganisation gegründet, ursprünglich bei der Gründung mit vier Leuten aus unserer Pfarrei, einem Geschäftsmann und seiner Frau und einem Arzt und seiner Frau, die Krankenschwester ist, und mit mir selber, dem Pfarrer. Wir waren also eine eine Gruppe von fünf Leuten und haben am 28. Oktober 1996 diese Hilfsorganisation gegründet, die Brotherhood of Blessed Gérard. Die hat sich inzwischen ausgewachsen zu einer Organisation mit über 2500 Mitgliedern und damit sind wir die größte katholische Hilfsorganisation in Südafrika in der Zwischenzeit, die sich eben zum Ziel gesetzt hat, dass wir den Kranken und Armen helfen, dadurch dass wir eigene Hilfsprojekte aufbauen die von den Südafrikanern getragen sind und von den Südafrikanern durchgeführt werden und damit nachhaltig sind und eben nicht abhängig sind von irgendwelchen Ausländern sich dann wieder zurückziehen und die Leute ihrem Schicksal überlassen.

(Musikeinlage)

Als wir unsere Organisation gegründet haben war es natürlich die Frage: Sollen wir diese Organisation irgend einem größeren Verband anschließen und die Idee war natürlich sehr nahe liegend weil ich ja selber schon seit 1969 Malteser bin und auch bei den deutschen Maltesern in Führungspositionen tätig war dass wir sie dem Malteserorden anschließen, erstens wegen dem Know-how und zweitens auch wegen der internationalen Verbindungen, und so haben wir uns dann entschlossen, diese Hilfsorganisation dem Malteserorden sozusagen als Kind anzubieten und er hat dann auch ganz kurz nach der Gründung bereits unsere Organisation als die Hilfsorganisation des Malteserordens in Südafrika anerkannt. Damit haben wir den Leitsatz der Malteser als unseren Grundsatz und dieser Grundsatz heißt auf Lateinisch: „tuito fidei et obsequium pauperum“ und das heißt auf Deutsch „Schutz oder Verteidigung des Glaubens und Hilfe den Armen“. Wir versuchen also unseren Glauben zu schützen, zu verteidigen, unseren Glauben zu leben, dadurch dass wir uns um die Armen und die Verlassenen annehmen. Die Spiritualität des Malteserordens hat ja diese zweifache Richtung: auf der einen Seite dass wir, wie es auch der heilige Benedikt sagt, dass wir im Kranken Christus sehen und im Kranken Christus dienen. „Was ihr den geringsten eurer Brüder getan habt, das habt ihr für mich getan“; aber auch umgekehrt dass der Kranke im Helfer die liebende Sorge Gottes erfahren darf und somit Gott näher kommt. Also das ist unsere Spiritualität, dass man, dass der Kranke die Liebe Gottes erfährt und dass wir im Kranken den leidenden Christus treffen und ihm dienen. Das geht natürlich auch auf die Benediktinische Spiritualität zurück. Ich bin ja selber Benediktiner und der Gründer des Malteserordens, der Selige Gerhard, war ja auch ein Benediktiner und auch benediktinisch wird es dann genannt „ora et labora“ („bete und arbeite“). Also die geistliche Komponente und die karitative Komponente verschmelzen zu einer Einheit und das ist auch sehr wichtig, dass man da nicht zwei Dinge daraus macht, sondern dass beides aus einem Guss sein muss, dass wir als Benediktiner Gott suchen indem wir uns jederzeit bewusst sind, dass Gott da ist und dass wir ihm eben in den Menschen, die uns begegnen, dienen, und auf der anderen Seite, dass wir es den Menschen ermöglichen Gott zu begegnen in der Liebe, die sie erfahren dürfen. Ein weiterer Grundsatz unserer Arbeit, der natürlich enorm wichtig ist, und der auch schon ein Gründungsmotiv war, ist einfach diese Hilfe zur Selbsthilfe, dass wir also ganz bewusst Programme übernommen haben bzw. aufgebaut haben, wo es darum geht, dass den Menschen von einheimischen Leuten geholfen wird, die die Sprachkenntnis haben, die die Ortskenntnis haben, die im Volk selber verwurzelt sind und dann die Leute natürlich viel besser verstehen als jeder Außenstehende. Und diese Grundsätze versuchen wir jeden Tag neu in die Tat umzusetzen.

Pater Gerhard, man kann auch sagen, dass sie im Leben und in ihrer Berufungsgeschichte ziemlich großes Glück hatten, denn sie sind Benediktiner. Der Gründer der Malteser, auch ein Benediktiner, also sie können alles gut einbinden in ihre Arbeit. Sie haben davon gesprochen, dass sie sich als Werk der Bruderschaft des Seligen Gerhard in die große Familie der Malteser eingegliedert haben. Wie funktioniert das? Gibt es dort auch eine Art Volontäre, die aus Europa kommen, die sie unterstützen? Gibt es hier Hilfe aus Europa oder von anderen Staaten für diese Bruderschaft des Seligen Gerhard?

Als wir angefangen haben, hatten wir einige freiwillige Helfer aus dem Ausland, aus europäischen Ländern und auch aus Amerika. Die meisten davon waren gute bis sehr gute Leute. Wir haben auch ein paar nicht ganz so tolle Erfahrungen gemacht, aber wir haben dieses Programm in der Zwischenzeit aufgegeben, weil es gar nicht notwendig ist, dass wir Helfer importieren und dann auch noch entsprechend betreuen müssen, weil wir ja über 1000 ehrenamtliche Kräfte aus Südafrika selber haben und die streiten sich um die Schichten, dass sie die belegen können. Es ist also nicht notwendig dass wir Leute aus dem Ausland holen. Wo wir die Hilfe brauchen, das ist auf der einen Seite im Know-how, aber auf der anderen Seite natürlich auch in den Finanzen, in der Hilfe, denn das große Problem ist, dass es unendlich schwer ist, in Südafrika Spendenwerbung zu betreiben, weil es in Südafrika nur eine sehr dünne Oberschicht gibt, kaum eine Mittelschicht und eine riesengroße Unterschicht, und da gibt es also sehr wenige, die für Spendenaufrufe bereit wären und deshalb müssen wir uns einfach auch international öffnen und die Menschen im Rest der Welt bitten, unsere Arbeit mitzutragen. Wir haben die Leute, die die Arbeit leisten, aber das Geld fehlt uns, das voll und ganz allein aus eigenen Kräften zu finanzieren.

Und hier kommen wir zum Punkt auch unserer Sendung, kann man sagen. Auf der anderen Seite hat sich das bewahrheitet, dies „Hilfe zur Selbsthilfe“. Sie haben davon gesprochen, dass sie viele ehrenamtliche Mitarbeiter haben, die sich sogar um die Arbeit streiten. Das ist gut zu hören und das ist auch ein Segen für diese Menschen, aber auf der anderen Seite gibt es auch Herausforderungen. Die erste Herausforderung haben Sie schon genannt, die finanzielle Hilfe, wo wir auch später nochmal zu reden kommen, welche Schwierigkeiten sie gerade in ihrem Land, in ihrer Diözese haben, um zu Finanzen oder zu finanziellen Mitteln zu kommen. Aber gibt es noch weitere Herausforderungen, die sie zu bewältigen haben?

Herausforderung ist natürlich, dass sowohl unsere hauptamtlichen als auch unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter aus dem ganzen Spektrum der Bevölkerung kommen. Und wenn ich Ihnen gerade sagte, dass in unserem Gebiet 76 % der HIV-Tests positiv sind, dann ist eine Herausforderung auch die, dass eben auch unter unseren hauptamtlichen und ehrenamtlichen Helfern es sehr viele gibt, die nicht nur bei uns Helfer sind, sondern gleichzeitig bei uns Patienten sind, denen wir als gesundheitlich helfen dürfen/müssen/sollen, damit sie …, damit es Ihnen wieder besser geht und es ist dann auch schön, wenn genau diese Leute, denen selber geholfen wird, von sich aus dann wieder zu Helfern werden. Es ist einfach auch eine ganz großartige Sache, und das ist die Schöne in dieser Herausforderung, die Kehrseite der schlechten Medaille, wenn Sie so wollen, dass eben diese Leute dann genau wissen worum es geht und, wenn sie selber betroffen sind, dann sehr viel authentischer auch anderen Leuten helfen können, über ihre Schwierigkeiten helfen können, wenn sie selber davon betroffen sind. Eine zweite ganz große Herausforderung ist natürlich die Armut, die bei uns in unserer Gegend herrscht. In der Gegend, in der wir die soziale Versorgung der Menschen übernommen haben, leben ungefähr 250.000 Menschen. Von denen leben etwa zehn tausend in menschenwürdigen Behausungen und die anderen 240.000 leben in Township-Häusern, leben in Slums, leben in Elendsvierteln (und wir haben einen), leben in armen ländlichen Behausungen, und damit ist die Herausforderung auch die, dass eben die Helfer, aus denen sich unsere ehrenamtliche Helferschaft rekrutiert, natürlich auch aus dieser Armut kommen, und das es für die auch zum Beispiel eine ganz große Herausforderung ist, wenn die zum Beispiel zuhause gewöhnt sind, ein Haus haben, das aus Lehm gebaut ist, mit Stroh gedeckt ist, mit Kuhdung ist der Boden gemacht und dann kommen die in ein Haus rein wo man darauf Wert legt, dass der Boden immer sauber ist, dass die Waschbecken sauber sind, dass die Fenster geschlossen sind, weil die Klimaanlage sonst umsonst arbeitet, dass sie zu Hause eventuell mit den Händen essen und dann, wenn sie im Kinderheim beschäftigt sind, dann den Kindern beibringen sollen, dass ja eigentlich man mit Messer und Gabel essen sollte, was sie selber nicht können. Wir müssen zum Beispiel, wenn die Leute zur Grundausbildung als Helfer kommen, ihnen zeigen und beibringen, wie man eine Toilette bedient und wie man mit Messer und Gabel isst. Also dies ist auch eine große Herausforderung, aber gleichzeitig auch eine sehr große Chance, dass man also hier auch sehr viel Entwicklungshilfe leistet und Menschen aus ihrer Erbärmlichkeit herausholt und ihnen auch kulturell weiterhilft, für ihr  Selbstbewusstsein weiterhilft, denn Leute die sonst eben wirklich am Existenzminimum leben, wenn die dann an uns mithelfen, da sind sie unendlich stolz darauf, und damit gibt man Ihnen auch einen großen, eine große, ein großes Plus in ihrem Selbstbewusstsein.

Die Bruderschaft des Seligen Gerhard hat in ihrer Umgebung, in dieser Diözese, wo sie tätig sind, auch einige Häuser errichtet. Zum einen haben sie im Vorgespräch von einem Hospiz erzählt und von einem Kinderheim. Vielleicht, dass die Hörer hier etwas erfahren dürfen über das Hospiz und über das Kinderheim. Welche Aufgaben hat das Hospiz, und welche Aufgaben hat dieses Kinderheim, und welche Menschen kommen vor allem in diese Häuser?

Das Hospiz und das Kinderheim sind im selben Gebäude untergebracht. Wir haben aber, wie sie richtig sagen, auch andere Gebäude errichtet. Wir haben zum Beispiel einen Kindergarten errichtet, der außerhalb unseres Zentrums ist, in einer sehr ärmlichen ländlichen Gegend, und wir haben eine Klinik für unterernährte Kleinkinder und Säuglinge eingerichtet neben der Kirche in der Township, aber unser Zentrum selber beherbergt unsere beiden größten Projekte, die das Hospiz und das Kinderheim sind. Im Hospiz geht es in erster Linie natürlich darum, was jedes Hospiz macht, nämlich Palliativpflege zu leisten, sich um Menschen anzunehmen, sich um Menschen zu kümmern, die auf medizinische Art und Weise nicht mehr heilbar sind, die Krankheiten haben, die zum Tode führen, und wo es eben keine medizinische Heilung mehr gibt. Als wir angefangen hatten, haben wir sehr viele Krebspatienten gehabt und ein paar AIDS-Patienten, aber in der Zwischenzeit hat sich das völlig umgedreht und jetzt sind über 99 % unserer Patienten AIDS-Patienten und nur noch wenige Krebspatienten. Wenn ich es überzeichnet sage, dann muss ich sagen: Die Leute werden gar nicht mehr alt genug, um einen Krebs zu entwickeln, weil sie vorher schon an AIDS sterben. Wir kümmern uns also um die Sterbenden, um denen einen menschenwürdigen Tod zu ermöglichen. Wenn wir die Leute holen aus dem Slum raus, dann sind die ja oft völlig verwahrlost. Sie müssen sich vor Augen führen, dass die Menschen im Busch davon ausgehen, dass sie …, dass Krankheiten hervorgerufen sind durch böse Geister, durch Verhexung, Verwünschung und Verzauberung, und jetzt haben die Leute Angst, sich um einen Kranken zu kümmern, denn wenn ich mich um den kümmere, dann bestrafen mich vielleicht die bösen Geister, weil ich Ihnen in ihr böses Handwerk pfusche. Also lässt man die Kranken liegen und wir haben oft Patienten erlebt, die auf einer Grasmatte am Boden liegen, völlig verwahrlost, die schon lange nichts mehr zu essen hatten, die völlig ausgezehrt und ausgemergelt und ausgehungert sind. Wir haben Patienten erlebt die, Sie wissen ja, wenn ein Patient sich nicht bewegt, bekommt der auf dem Rücken Wunden, was man in der Umgangssprache ein Bettgeschwür nennt, oder Dekubitus in der Fachsprache, ich habe also Leute mit Bettgeschwüren erlebt, die bis zu den Knochen durchgingen, wo man die Dornfortsätze der Wirbelsäule gesehen hat und die Rippen, und der ganze Rücken war eine einzige Wunde, voller Maden, voller Würmer und voller Ameisen, und solche völlig verwahrloste die Patienten haben wir oft zu betreuen, und wenn der Patient dann zu uns ins Hospiz reinkommt, in ein sauberes Bett, im Badezimmer ist warm und kalt Wasser, er bekommt ordentliches Essen, er bekommt volle medizinische Behandlung, alles natürlich zum Nulltarif, dann kriegen die so einen richtigen Kulturschock, aber nicht nur den Kulturschock, dass sie jetzt in der Sauberkeit sind, sondern auch ein Kulturschock der Liebe, dass sie auf einmal wichtig sind: „Kann ich noch was tun wir sie? Brauchen Sie noch was? Darf ich Ihnen das Kissen noch aufschütteln? Haben sie noch Hunger?“ und da haben also manche Patienten zu uns schon gesagt: „Ja also, so lieb wie ihr war noch kein Mensch zu mir in meinem Leben und es ist eigentlich das tollste Kompliment das man überhaupt bekommen kann. Aus dieser AIDS Betreuung der Sterbenden ist uns eine weitere Aufgabe erwachsen und das ist die der AIDS-Behandlung.  Wir haben gesagt: Wir können nicht mehr weiter zuschauen. Auch zu einer Zeit, als die südafrikanische Regierung noch selber sehr kritisch war der AIDS-Behandlung gegenüber, haben wir bereits vor acht Jahren begonnen, im Rahmen des AIDS-Behandlungsprogramms der südafrikanischen katholischen Bischofskonferenz, eben diese AIDS-Behandlung durchzuführen. Und wenn sie dem Patienten diese hochaktive antiretrovirale Therapie geben, dann kann der Patient noch 10, 15, vielleicht sogar 20 Jahre, oder vielleicht gar 25 Jahre, bei guter Gesundheit weiterleben. Also, dem geht es wieder gut. Der kann wieder aufstehen. Der kann zurück in die Arbeit gehen, wenn er noch eine hat. Die Eltern können ihre Kinder selber großziehen und das ist seine unendlich großartige Sache, diese AIDS-Behandlung und das tun wir mit sehr großem Erfolg seit acht Jahren. Das Kinderheim wiederum ist aus dem Hospiz entstanden, und zwar einfach deshalb, weil manchmal einfach Kinder übrig bleiben. Die Mama stirbt an AIDS. Der Papa ist schon lang davongelaufen, und die Mutter stirbt an AIDS, und die Kinder bleiben übrig, und so haben wir gesagt: Wir können die Kinder nicht auf die Straße schicken und sagen „Tut uns leid! Deine Mama ist gestorben und wir sind nicht für Kinder zuständig.“ Und so haben wir dann vor inzwischen zehn Jahren begonnen, dieses Jahr werden elf Jahre, ein Kinderheim aufzubauen, und in diesem Kinderheim haben wir jetzt 41 Kinder. Von diesen Kindern sind einige AIDS-Waisen einige sind selber AIDS-krank bzw. HIV-positiv, bekommen natürlich die Behandlung, aber alle Kinder bekommen ein neues Zuhause, Liebe und Geborgenheit und das ist ja das wichtigste, was die Kinder brauchen. Wir haben aber leider auch sehr viele ausgesetzte Kinder. Wir haben Kinder, die misshandelt worden sind, und wir haben Kinder, die missbraucht worden sind. Und da muss ich Ihnen eine ganz schlimme Sache erzählen: Die schlimme Sache ist: Es gibt bei uns so ein Ammenmärchen und dieses Ammenmärchen besagt, dass ein HIV-positiver Mann sein Virus los bekommen kann durch Defloration, d.h. auf Deutsch, dass er mit einer Jungfrau Geschlechtsverkehr hätte. Die Durchschnittsbevölkerung beginnt aber mit etwa zwölf Jahren, sexuell aktiv zu sein. Also haben sie keine Jungfrau mehr, die über zwölf ist.  Und jetzt werden immer jüngere Kinder vergewaltigt, von HIV-positiven Männern, die ihr Virus los bekommen wollen. Und ich werde es nie vergessen, einen Fall, wo ich selber ein neun Monate altes Baby in meinen eigenen Händen gehalten und getragen habe, das vom eigenen Vater vergewaltigt wurde, der HIV-positiv war, weil der sein Virus los bekommen wollte. Das neun Monate alte Baby starb an den barbarischen Verletzungen und der Vater kurz drauf an AIDS. Und da kommt mir nicht nur Gift und Galle hoch, sondern auch der Entschluss, dass wir umso mehr tun müssen für die Aufklärung, dass wir den Menschen sagen müssen, dass eben Krankheit weder durch böse Geister noch durch Verhexung, Verwünschung und Verzauberung hervorgerufen ist, und vor allem, dass es nicht durch so eine barbarische Tat, dass man sich durch diese barbarische Tat nicht von dem AIDS loseisen, oder das los bekommen kann, und das ist eben so wichtig, wenn man es eben mit Leuten zu tun hat, die oft ihren Namen selber nicht schreiben können, wenn man es mit Leuten zu tun hat, die  ja noch völlig im Ahnenkult und Geisterglauben verhaftet sind, dass man denen einfach wirklich die Wahrheit sagt, und das tun wir auch. Wenn die Leute zu uns zur AIDS-Behandlung kommen, kriegen die einen dreiwöchigen Vorbereitungskurs, wo man wirklich sozusagen bei Adam und Eva anfängt: Was ist ein Krankheitskeim? Wo kommt der Krankheitskeim vor? Wie kommt er in deinen Körper rein? Was macht er in deinem Körper? Was machen die Medikamente, damit der Krankheitskeim das, was er machen will, nicht tun kann und warum es ist deshalb so wichtig, dass zu den (die Medikamante!) regelmäßig einnimmst? Was sind mögliche Nebenwirkungen, damit, wenn die auftreten, du nicht aufhörst, die Medizin zu nehmen, sondern sie weiter nimmst? Denn das größte Desaster, das in der Aids-Behandlung passieren kann, ist eben, dass der Patient aufhört, seine Medizin zu nehmen, und wenn er nur zwei-dreimal vergisst, seine Medizin einzunehmen, kann das HI-Virus mutieren, d.h. es kann sich verändern, so dass es nachher unempfindlich wird der Behandlung gegenüber und, auch wenn der nachher ganz brav seine Medizin wieder einnimmt, hilft das Ganze nichts mehr und die Leute sterben dann innerhalb weniger Wochen. Also die Aidsarbeit ist so das zentrale Programm, unsere zentrale Arbeit, die wir haben, weil wir eben in der AIDS-Hochburg der Welt tätig sind und dann ist das das zentrale Problem und auch unsere zentrale Aufgabe, sowohl von den Erwachsenen her als auch von den Kindern her.

(Musikeinlage)

Jetzt ist auch ihre Arbeit mit so manchen Schwierigkeiten oft konfrontiert. Wir haben es vorher angesprochen: Die größte Herausforderung ist es auch, finanzielle Mittel zu bekommen, und in unserem Vorgespräch haben sie mir das erzählt, dass sie natürlich auch unseren Hörern erzählen können, dass eben Gelder eingespart werden, dass wenig Geld mehr zur Verfügung steht, und natürlich möchten wir auf diesem Wege auch durch unsere Sendung hier darauf aufmerksam machen und dafür geben wir dann später auch noch einige Daten bekannt, dass sie auch dieses Werk, diese Bruderschaft des Seligen Gerhard auch finanziell unterstützen können.

Ja, das große Desaster, das passiert ist, ist dass ich im Januar dieses Jahres eine E-Mail bekommen habe von der katholischen Bischofskonferenz von Südafrika: „Lieber Pater Gerhard, wir müssen Ihnen leider mitteilen, dass die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika, der USA, ihre Aidshilfe für Afrika drastisch reduzieren musste“. Ich nehme an: Jeder weiß Bescheid über die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, mit denen die USA momentan konfrontiert sind, und deshalb darf man den auch nicht böse sein, dass sie sagen: „Wir können Euch nicht weiter helfen.“ Im Gegenteil: Wir sind sehr dankbar für die acht Jahre, wo sie ganz massiv unsere Aids-Behandlung mitfinanziert haben, aber jetzt gibt’s eben nichts mehr. Und somit wurde mir mitgeteilt, dass wir ab Ende Mai dieses Jahres, also ab nächsten Monat, kein Geld mehr erwarten können aus diesen Geldern der Vereinigten Staaten und so müssen wir selber irgendwie schauen, wie wir zurechtkommen. Wir fahren unsere Fühler natürlich überallhin aus, sowohl was die südafrikanische Regierung betrifft als auch andere mögliche Geldgeber im Land, aber das sind alles Dinge, die sehr lange Verhandlungen brauchen und momentan schaut es eben so aus, dass wir eine feste Zusage von irgend einem Geldgeber haben, und drum bin ich Hals über Kopf nach Europa gereist und gehe jetzt überall hin, wo man mich hören will, und erzähle den Leuten von unserer Arbeit, aber auch von unserer Not, und ich habe eine persönliche Gewissensnot, und meine Gewissensnot ist, dass ich Behandlungsverträge mit den Patienten unterschrieben habe. Natürlich steht im Kleingedruckten drin: „Wir helfen Ihnen solange es geht.“ Aber ich kann jetzt auch nicht sagen: „Jetzt geht es eben nicht mehr, und drum musst du sterben!“ Und die Konsequenz für diese Patienten ist einfach: entweder sie bekommen die Medizin und können weiterleben, und das noch bis zu 25 Jahre, oder die andere Konsequenz ist, dass sie sterben müssen. Und das ist mein Gewissenskonflikt, so dass ich eben sage: Ich muss versuchen, alles was in meiner Macht steht, zu tun, um Menschen zu finden, die sagen: Das ist eine großartige Arbeit, die ihr leistet. Ich möchte das auch unterstützen und so bitten wir eben, und so klopfe ich eben an alle möglichen Herzen, und so auch an ihre Herzen, liebe Hörer von Radio Maria, dass sie sich überlegen, ob Sie unsere Arbeit nicht auch finanziell unterstützen können. Die Kosten für die Aids-Behandlung sind in Südafrika nicht so teuer wie in Europa. Wenn man summa summarum ausrechnet, sind es eigentlich nur drei Euro pro Tag pro Patient. Also ich brauche für einen Patienten jeden Tag drei Euro, und das bezahlt für die Medizin, für die Laborkosten, für die Arztkosten, für alle Nebenkosten. Das ist alles inklusive. Und so versuche ich eben momentan, dass wir Menschen finden, die vielleicht sogar eine Patenschaft übernehmen, und die auf diese Art und Weise dann helfen, dass wir wenigstens einem Patienten das Leben retten können. Natürlich ist der Wunsch, dass wir allen das Leben retten können, und ich verspreche Ihnen, dass ich nicht hier aufhöre, bis mir das gelingt, denn ich denke, ich könnte sicher keine Nacht mehr schlafen, wenn ich wüsste, dass einer oder mehrere unserer Patienten sterben würden, weil ich‘s nicht fertigbringe, Menschen zu finden, die uns da helfen. Und das ist auch einer der Anlässe, warum ich eben jetzt nach Europa gekommen bin, um zu bitten, dass man unsere Arbeit unterstützt.

Sie haben es schon angesprochen: Eine Behandlung pro Tag kostet drei Euro. Gibt es sonst eine Möglichkeit, wo ein Laie sich beteiligen kann? Sie haben es auch schon angesprochen, bei einer Patenschaft. Wäre es zum Beispiel möglich, dass sich eine Schulklasse an solch einer Patenschaft beteiligen könnte?

Es kann im Grunde jede Gruppe von Menschen sein. Natürlich für eine Einzelperson, wenn man also 3 Euro hochrechnet auf ein Jahr, das sind 1095 €. Das kann für eine Privatperson zu viel sein, aber wie Sie richtig sagen, vielleicht eine Schulklasse, und ich habe kürzlich in einer Schulklasse gesagt: Schaut, ihr seid Schüler. Wenn jeder von euch zehn Cent pro Tag spendet, und dies ist also auch für Schüler heutzutage kein Riesenbetrag, dann können wir einem Menschen, vielleicht einem Kind, das Leben retten, und so kann es jede Gruppe sein. Das kann eine Pfarrei sein. Das kann ein kirchlicher Verein sein. Es kann eine Jugendgruppe sein. Es kann ein Trachtenverein, ein Schützenverein, oder eine Freiwillige Feuerwehr, oder ganz egal welche Personengruppe, die sagt: „Ja also, da helfen wir zusammen. Das kriegen wir schon fertig. Das kriegen wir schon hin, dass wir eben da einem Menschen auf Dauer hin helfen“, und wir wären eben froh, wenn es Leute gäbe die dann eine Patenschaft übernehmen, im Sinn, dass sie uns eben regelmäßig diese Gelder überweisen. (Wir haben leider kein Spendenkonto in Österreich.) In Österreich haben wir ein Spendenkonto. Das wird sicher durch Radio Maria ihnen bekannt gegeben, wenn sie dort anrufen, aber wir haben auch ein Spendenkonto in Deutschland, leider nicht in Italien.

Aber wer weiß, vielleicht wird es irgendwann einmal möglich sein, gerade jetzt durch ihre Tour durch Europa, aber wir sind ja da verbunden in der Europäischen Union. Da sind die Grenzen auch gefallen und auch das Überweisen von Geld von Südtirol nach Österreich und Deutschland überwiegt hier nicht mehr. Also die Kosten für eine solche Überweisung. Pater Gerhard, wir sind am Ende unserer Sendung leider schon angelangt. Wir haben sehr vieles erfahren über ihre Arbeit, aber auch über das heutige Thema, über die Aidskranken, wo sie ja sehr tätig sind mit all ihren Ehrenamtlichen. Was möchten Sie zum Abschluss an unsere Hörer noch sagen? Wo sollten wir unsere Augen, unsere Ohren offen halten?

Bitte halten Sie ihre Augen und ihre Ohren offen auf den Herrn hin! Ich denke, dass die wirksamste Hilfe, die einem Menschen überhaupt geschenkt werden kann, die des fürbittenden Gebetes ist, und ich denke ja da zum Beispiel an diesen Kranken, den wir in der Heiligen Schrift (kennen), der da durch das Dach mit der Trage heruntergelassen wurde, vor Jesus hin. Der hat überhaupt nicht darum gebeten, dass ihm geholfen wird, aber die anderen haben gesagt, er braucht die Hilfe, der muss Jesus nahe kommen. Wenn also Sie uns bitte helfen in ihrem Gebet, dass wir die Menschen Gott nahebringen können. Natürlich bringen wir die auch unsererseits Gott nahe, aber diese Verbundenheit im Gebet, die ist mir unendlich wichtig, und da bitte ich sie auch wirklich: Wenn sie dem Herrn die Tür einrennen und ihm sagen: Bitte, lieber Gott, hab Erbarmen mit diesen Menschen, die sonst sterben würden. Ich glaube, dass der liebe Gott die Kraft hat und die Macht hat in seiner Allmacht dass ihr Dinge möglich macht, dass er die Herzen der Menschen erweicht, dass sie uns helfen, und so verlasse ich mich darauf, dass der liebe Gott wirklich alles richten wird. Aber wir müssen ihm eben unsere Hände, Augen und Ohren der Verfügung stellen, aber viel mehr noch unser eigenes Herz schenken. Und so danke ich ihnen ganz besonders, wenn sie uns auch in ihr …, ganz tief in ihr Gebet mit hineinnehmen.

Und diese Sendung möchten wir natürlich auch mit einen gemeinsamen abschließenden Gebet beenden, damit wir jetzt schon beginnen, gemeinsam im Gebet immer wieder aufs Neue verbunden zu sein.

Und da möchte ich jetzt das Gebet unserer Bruderschaft gerne beten:

Herr Jesus Christus, du hast mich in deiner Gnade berufen, dir als Mitglied der Bruderschaft des Seligen Gerhard zu dienen. Ich danke dir, dass du mich berufen hast, vor dir zu stehen und dir zu dienen. Ich bitte dich demütig, auf die Fürsprache unserer Lieben Frau, des Patrons der Malteser, des Heiligen Johannes des Täufers, und des Gründers der Malteser, des Seligen Gerhard, und aller Heiligen, dass die Spiritualität unserer Bruderschaft mein Leben durchdringe und meine Taten durchdringe, auf dass ich mich jederzeit deinen Dienst widme, in meiner Familie, bei meinen Freunden, und vor allem bei denen, die meine Hilfe brauchen. Im Vertrauen auf deine Hilfe möchte ich immer und jederzeit den Glauben verteidigen und ein offenes Herz haben für meinen Nächsten, ganz besonders für die Armen, für die Traurigen, für die Einsamen, die Behinderten und die Kranken. Gib mir die Kraft, die ich brauche, dass ich mich diesem Vorsatz stelle, und dass ich als aufrechter Christ im Geist deines Evangeliums lebe, zur Ehre Gottes, für den Frieden der Welt und das Wohl der ganzen Menschenfamilie. Amen.

Pater Gerhard Lagleder, wir danken ihnen und wir haben uns gefreut dass sie heute bei uns zu Gast waren, und wir wünschen Ihnen vor allem alles Gute für ihre Arbeit und vor allem Gottes reichlichen Schutz und Segen für Sie, für die Arbeit, und für all die Ehrenamtlichen, aber besonders für jene kranken Menschen die ihrer Hilfe bedürfen.

Ganz herzlichen Dank!


Interview mit Pater Gerhard Lagleder (26.5.2011)


Interview mit Pater Gerhard Lagleder
vom 26.05.2011 um 15:22 Uhr
Nicht viele Länder haben eine höhere HIV Rate als Südafrika. Fast ein Drittel der Bevölkerung trägt den AIDS-Virus in sich. Das entspricht der gesamten Bevölkerung Österreichs. Aber ein Oberpfälzer hat sich auf den Weg gemacht, um zu helfen: Pater Gerhard Lagleder. Er ist Benediktinermönch und er ist Präsident der Brotherhood of Blessed Gérard, einer Hilfsorganisation der Malteser .

Wenn Sie Pater Gerhard unterstützen wollen, dann klicken Sie ins Internet auf http://bbg.org.za/hilf.htm 

Sie können natürlich auch für die Missionsarbeit spenden:
Sparkasse Neuburg-Rain BLZ: 721 520 70
Konto-Nr.: 12021
26.05.2011

 


Radio Ramasuri. 15:22 Uhr.
Wir wünschen Ihnen einen schönen Nachmittag. Ja, das hätte ich auch nicht gewusst: Nicht viele Länder haben eine höhere HIV Rate als Südafrika. Fast ein Drittel der Bevölkerung trägt den AIDS-Virus in sich. Das entspricht der gesamten Bevölkerung Österreichs. Aber ein Oberpfälzer hat sich auf den Weg gemacht, um zu helfen: Pater Gerhard Lagleder. Er ist Benediktinermönch und er ist Präsident der Brotherhood of Blessed Gérard, einer Hilfsorganisation der Malteser. Wie kam’s denn dazu?

Wir haben 1996 ein Hospiz eröffnet und das ist inzwischen das größte stationäre Hospiz Südafrikas. Und wir haben vor acht Jahren bereits mit der AIDS Behandlung begonnen, zu einer Zeit, als die südafrikanische Regierung noch so eine Vogel Strauß-Politik betrieb, d.h. Kopf in den Sand und so tun als ob es AIDS nicht gäbe.

Wie ist denn die Situation jetzt?

Es ist eigentlich momentan in Südafrika ein Kampf gegen Windmühlen. Es gibt andere afrikanische Länder, wo sich das gebessert hat, zum Beispiel in Uganda, jetzt auch in Kenia, wo die HIV-Infektionsrate zurückgeht, aber das große Problem ist, dass in unserem Bereich die Männer absolut nicht kooperativ sind.

Also die Männer wieder!

Wenn einer hingehen würde und zu einem Durchschnitts-Afrikaner sagt, er soll ein Kondom verwenden, dann wird ihm der eine Ohrfeige gegeben und sagen: „Ihr dummen Weißen wollt uns Schwarze dezimieren! Wir wollen ja Kinder haben, wollen beweisen, dass wir starke Männer sind, und das können wir, wenn wir viele Kinder haben.“

Also ein großes Problem in Südafrika. Wie kann man denn helfen? Wie kann man Ihnen im speziellen helfen?

Was uns am meisten hilft sind natürlich finanzielle Hilfen. Da gibt’s eine Möglichkeit, wenn sie am Internet sind, ist es sehr einfach: Wenn Sie auf www.bbg.org.za/hilf.htm gehen, da finden Sie unsere Kontoverbindung, und natürlich auch, dass Sie eine Spendenquittung bekommen. Man kann auch online spenden.

Also, Sie können den Pater Lagleder übrigens auch googeln. Das ist ganz einfach, aber wir haben auch hier nach den Kontakt, falls Sie spenden wollen. Überhaupt kein Problem! Sie können sich an uns wenden. Er ist auch ein sehr bekannter Mann hier in der Oberpfalz. Wir drücken also Pater Gerhard Lagleder die Daumen, dass viel Geld zusammen kommt für seine Projekte.


Kulturschock der Liebe (18.5.2011)



www.kirche-im-swr.de

Anstöße SWR1 / Morgengruß SWR4 Rheinland-Pfalz

Sendetext von Mittwoch, 18. Mai 2011

Autor: Dr. Thomas Weißer, Mainz, Katholische Kirche

 

Kulturschock der Liebe

Gerhard Lagleder ist ein Mann, der scheinbar Widersprüchliches mühelos vereinigen kann.
Er ist Priester und ausgebildeter Rettungssanitäter, Benediktinermönch und Leiter eines Hospizes.
Und das ganze in Südafrika.
Vor allem für unzählige AIDS-Kranken ist Pater Gerhard Lagleder da.

Dabei war Südafrika gar nicht sein Wunschland.
Denn als ihn vor über 20 Jahren sein Orden hinschickt, herrscht dort noch die Apartheid, die Rassentrennung.
Was das konkret heißt, erfährt er sehr bald: Pater Gerhard liest einen Schwerverletzter auf, will ihn ins Krankenhaus bringen, aber der Arzt darf ihn nicht versorgen.
Er darf nur Weiße behandeln.

Lagleder lernt außerdem ein Land kennen, in dem es riesige Armensiedlungen gibt, ein Land, in dem Menschen vor Hunger und Schwäche im Gottesdienst einschlafen, ein Land in dem Menschen an AIDS sterben.

Lagleder baut auch deshalb ein Hospiz auf.
Und erlebt, dass Kranke, die dorthin kommen, einen doppelten Kulturschock erleben.
Da ist der Kulturschock, in einem sauberen Bett zu liegen, fließendes Wasser zu haben, medizinische Behandlung zu bekommen.
Und die Patienten bekommen, so nennt das Pater Gerhard, einen „Kulturschock der Liebe".
Menschen, die verlassen waren, vernachlässigt waren, die zum Sterben abgeschoben werden, sie erleben plötzlich: ich bin wichtig, um mich wird sich gekümmert, ich bin behütet und beschützt.
Und das heißt oft genug auch: Ich darf in Frieden sterben.
Gerhard Lagleder erlebt beides: Dass Menschen gesund werden, oder auch bei der richtigen Therapie mit AIDS gut weiterleben können - und dass Menschen sterben.

Kraft für die Arbeit mit allen seinen Patienten schöpft Pater Gerhard aus dem Glauben.
Er ist überzeugt: Wir sind zu den Menschen gesandt, so wie Jesus selber auf die Menschen einfach zugegangen ist.
Und dabei ist es egal, welchen Glauben jemand hat, welche Geschichte, welche Herkunft.
Es geht nur darum, jeden Menschen die Liebe Gottes in Taten spürbar machen. 

Informationen und Kontakt unter http://www.bbg.org.za


Hilfe in der AIDS-Hauptstadt der Welt (15.5.2011)

http://buff-zack-records.dyndns.org/emghsla/images/stories/news/110524/Radio_Trausnitz.gif

Hilfe für Mandeni, die AIDS-Hauptstadt der Welt

Interview von Claudia Bresky, Katholische Redaktion, mit Pater Gerhard.

Ausgestrahlt am 15. Mai 2011 in Radio Charivari, Radio Ramasuri, Radio Trausnitz und Radio AWN

 

Südafrika, das klingt nach Sonne, Meer, Urlaub, nach einer atemberaubenden Landschaft und wilden Tieren. Südafrika, das bedeutet aber auch Armut und vor allem AIDS. Ein Drittel der Bevölkerung Südafrikas ist HIV-positiv. In der Stadt Mandeni sind es sogar deutlich mehr. Mandeni ist die AIDS-Hauptstadt der Welt. Genau hier leitet Pater Gerhard Lagleder aus Regensburg ein ganz besonderes Zentrum. Dieses Zentrum nennt sich Blessed Gérard's Carezentrum und bietet Hilfen unterschiedlichster Art, so Pater Gerhard.

Auf der einen Seite die Aidsbehandlung, auf der anderen Seite die Hospizpflege für AIDS-Kranke, und dann natürlich auch das Kinderheim, das da mitspielt, wo auch AIDS Waisen sind, aber nicht nur Aidswaisen, sondern auch HIV-AIDS infizierte Kinder, aber auch andere Kinder, also ausgesetzte Kinder, misshandelte Kinder, missbrauchte Kinder. 

Weitere Projekte sind unter anderem ein Erste Hilfe und Notdienst, ein Kindergarten, eine Klinik für unterernährte Kinder, oder auch ein HIV-AIDS Aufklärungs-Programm. Los ging's vor 15 Jahren mit dem Hospiz. 

Es wurde eröffnet 1996. Im Jahr 2000 haben wir das erste Mal angebaut. 2002 haben wir dann die Grundfläche verdoppelt, und 2007/2008 haben wir diese verdoppelte Grundfläche nochmal verdreifacht, also wir haben jetzt über 3000 m² Grundfläche in unserem Zentrum, und das ist schon eine riesengroße Einrichtung geworden, weil eben der Ansturm sehr groß ist. 

Getragen wird das Blessed Gérard's Carezentrum von der größten katholischen Hilfsorganisation in Südafrika, den südafrikanischen Maltesern. Deren Leiter ist Pater Gerhard Lagleder. Ihn plagen derzeit große Sorgen, denn bisher gab's für die AIDS-Behandlung von der Regierung der USA Zuschüsse. Doch wegen der finanziellen Probleme der USA ist damit ab Ende Mai Schluss. 

Daraufhin habe ich gesagt: Ja da muss ich sofort nach Europa. Ich muss schauen, dass ich alternative Geldgeber finde, die uns dann helfen, dass wir die Aidsbehandlung weiterführen können: Das Problem bei der Aidsbehandlung ist nämlich: Wenn sie nur aufhören die Aidsbehandlung zu nehmen, dann sind sie innerhalb weniger Wochen bis Monate tot. 

Deswegen ist Pater Gerhard Lagleder seit mehreren Wochen dabei Land auf Land ab Vorträge zu halten, sein Blessed Gérard’s Carezentrum vorzustellen, und auf Spenden bzw. die Übernahme von Patenschaften zu hoffen, egal ob von Einzelpersonen oder auch Gruppen. 

Also, drei Euro reichen uns, um einem Patienten die Medizin zu geben, die Labortests, die Arztkosten und die sonstigen Nebenkosten, alles inklusive also drei Euro pro Person pro Tag. Und das rechnet sich um auf 1095 € pro Jahr. 

Diese Summe könnte sogar für eine Schulkasse kein Problem sein. Pater Gerhard Lagleder hat in einer Schule mal vorgerechnet: 

Wenn jeder von euch, es waren 30 in der Klasse, wenn jeder von euch zehn Cent pro Tag gibt, dann können wir einem Kind, das Aids hat, das Leben retten, dass das Kind weiterhin die Aidsbehandlung bekommt, in alle Zukunft. Und da haben sie dann schon geschaut: Ein Zehnerl pro Tag pro Schüler in einer Klasse ist eigentlich nicht wahnsinnig viel. 

Näheres zum Blessed Gérard’s Carezentrum einschließlich Spendenkontonummer finden sie im Internet unter bbg.org.za.

Claudia Bresky, Katholische Reaktion.


Pater Gerhard T. Lagleder OSB: Missionar, Mönch, Malteser · Glaube und Krankheit (1.5.2011)



www.kirche-im-swr.de

SWR1 Sonntagmorgen Begegnungen

Sendung von Sonntag, 01. Mai 2011

Autor: Dr. Thomas Weißer, Mainz, Katholische Kirche

 

Pater Gerhard T. Lagleder OSB

Teil 1. Missionar, Mönch, Malteser 

Pater Gerhard Lagleder ist Missionsbenediktiner. Ein Mönch also, der nicht in einem Kloster lebt, sondern als Missionar überall auf der Erde arbeitet und betet. Doch Lagleder folgt zwei Berufungen: Er ist nicht nur Priester - sondern auch Rettungssanitäter beim Malteser-Hilfsdienst. Beides verbindet er in seiner Arbeit. In Südafrika leitet er das größte Hospiz des Landes, betreut werden vor allem AIDS-Patienten, ein Kinderheim, einen Kindergarten und vieles mehr. Der richtige Job für einen Priester? 

Ich darf als Priester nicht nur die Liebe Gottes von der Kanzel predigen in den schönsten Worten, sondern die beste Predigt ist die, die in die Tat umgesetzt wird und wenn die Menschen sagen, Mensch, also die Katholiken, das sind also wirklich Leute die ihren Glauben ernst nehmen, die tun was für die Kranken, die reden nicht nur. 

Kaum betritt er das Zimmer, nimmt er mich schon gefangen. In vielerlei Hinsicht. Pater Gerhard Lagleder ist ein mächtiger Mann. Seine Stimme ebenso voluminös. Und die Begeisterung für seine Sache springt sehr schnell auf mich über. Seine Sache: Das sind Menschen in Südafrika. Vor allem die unzähligen AIDS-Kranken. Sie werden im Blessed Gerard's Care-Zentrum versorgt. Mit erstaunlichen Erfolgen: 

Ein AIDS-Kranker, der in der AIDS-Phase ist, der hat höchstens noch ein Jahr zu leben und wenn er die Behandlung bekommt, dann kann er noch 10, 15, 20, vielleicht sogar 25 Jahre weiter leben. Das ist genau das, was wir erreichen wollen und (...) das ist eine absolut großartige Sache, wenn wir den Leuten da eigentlich neues Leben schenken können, wenn man das mal so bezeichnen darf. 

Ein Priester, der ein Gesundheitszentrum leitet, das ist sicher ungewöhnlich. Pater Gerhard aber ist seit über 40 Jahren im Malteser-Hilfsdienst aktiv, ein ausgebildeter Rettungssanitäter. Trotzdem fällt mir das nicht leicht, Priester-Sein und Rettungsdienst zusammenzubringen.

Aber Pater Gerhard fügt beides zusammen. Vor allem im Glauben: Jesus, so sagt er, galt schließlich auch vielen als Arzt. Doch für Lagleder war der Weg nach Südafrika nicht unbedingt die erste Wahl. 

Begeistert war ich eigentlich nicht als Weißer in das Land der Apartheid zu gehen, wo man von vornherein eigentlich von den Leuten als ein Ausbeuter und als ein Vertreter der Rasse angesehen wird, vor der man eigentlich Angst hat und von denen man sich verfolgt fühlt.

Und trotzdem geht Lagleder. Ich stelle mir vor, dass das ein Riesensprung für ihn war. Lagleder wuchs schließlich in Regensburg auf. Einer Stadt, die als „Weltkulturerbe" bis heute vom Mittelalter geprägt ist, von alter Bausubstanz und Gemütlichkeit. Und dann kommt er als Missionar in eine völlig andere Welt.

In ein Gebiet in dem es riesige Slums gibt, in dem es riesige Townships gibt - und ich sag's ein bisschen übertrieben: bei mir sterben in der Predigt die Menschen an Hunger und die Leute schlafen in der Predigt ein, nicht weil ich so langweilig predige, sondern weil sie aus Schwäche einschlafen.

 Pater Gerhard setzt sich mit einem großen Team für alle ein. Nicht selbstverständlich. Denn als Gerhard 1987 nach Südafrika kommt, herrscht noch die Apartheid, die Rassentrennung. Was das heißt, hat Lagleder hautnah erfahren:

 Einmal kam ein Schwerverletzter und da musste ich ihn dann in die Hände einer Krankenschwester abliefern, weil der Arzt ihn nicht behandeln durfte. Ich hab gesagt, Mensch Herr Doktor der stirbt, bitte tun Sie was für den. Sagt er, ich verliere meine Konzession, ich kann das nicht tun. Und das war für mich so ein ganz prägendes Erlebnis, wo mir die Apartheid richtig so als völlig unmenschliche Sache vorkam und wo ich das erlebt hab und das hat mich sehr geprägt.

 Dass sich Pater Gerhard mit fast neunzig hauptamtlichen und etwa eintausend ehrenamtlichen Helfern um Menschen kümmern kann, egal welche Hautfarbe sie haben, egal wie krank und arm sie sind, das erfüllt den Malteser sichtlich mit Stolz. Und mir imponiert, wie er diesen Dienst mit seinem Glauben verknüpft:

 Das ist, was ich unter Missionsarbeit verstehe, dass wir den Menschen die Liebe Christi in Taten spürbar machen und sie auf diese Art und Weise indirekt Christus näher bringen.

 Teil 2. Glaube und Krankheit

 Ich treffe Pater Gerhard Lagleder in Baden-Baden. In einer Kirchengemeinde stellt er seine Arbeit vor. Den Kofferraum vollbeladen mit Prospekten. Lagleder ist in Deutschland, weil er Geld braucht. Einer seiner größten Geldgeber ist abgesprungen. Aber in unserem Gespräch wird mir auch deutlich: Geld steht nicht im Mittelpunkt, im Mittelpunkt stehen die Menschen, sie liegen ihm am Herzen.

 In meinen Händen sind Tausende von Menschen gestorben. Das heißt: Ich hab also Tausenden von frisch Verstorbenen die Augen zugedrückt und sie in ihrem Sterben begleitet. Ich glaub, was mir die Kraft gibt, da nicht zu verzweifeln - Es gibt zwei Antworten, einmal natürlich wegen meines Glaubens, das ist ganz klar, dass wir wissen, dass wir die Menschen ja in die Hände Gottes übergeben können.

 Und die andere Antwort ist ganz einfach: Lagleder erfährt, dass er helfen kann. Dass es nicht nur Tod gibt, sondern eben auch neues Leben.

 Wir erleben Kranke, die auf einer Grasmatte liegen in ihren eigenen Fäkalien, die Maden und Ameisen in ihren Bettgeschwüren haben  und diese Skelette von Menschen holen wir in unser Hospiz rein und die kriegen so einen doppelten Kulturschock. Einmal den Kulturschock, dass sie in einem sauberen Bett sind, dass sie alle medizinische Behandlung kriegen, aber auch so einen Kulturschock der Liebe, dass sie auf einmal wichtig sind.

Ein Kulturschock der Liebe, das finde ich einen starken Ausdruck. Lagleder erzählt, was das heißt:

 Da haben Patienten schon zu uns gesagt: Mensch, so lieb wie ihr war noch keiner zu mir in meinem Leben. Und wenn sie dann bei uns im Hospiz sind, sind sie behütet und beschützt, und ist der Patient eben in dieser menschenwürdigen, in dieser liebenden Umgebung und kann so sein Leben in die Hände Gottes übergeben.

 Nach dem Abitur vor über zwanzig Jahren war ich in Zentralafrika und habe dort zwei Monate mit einigen Patres gelebt, habe sie begleitet, konnte viel erfahren in diesem afrikanischen Land. Und trotzdem scheint mir das Leben, das Pater Lagleder beschreibt ganz weit weg. AIDS war damals kein Thema - jetzt ist es Afrikas großes Thema. Ein Thema, mit dem sich die katholische Kirche schwer tut. Stichwort: Kondome. Aber Lagleder macht mir deutlich: Die Südafrikaner, mit denen er zu tun hat, vorwiegend Zulus, lehnen Kondome ab.

 Selbst wenn ich jetzt als Priester zu denen hingehen würde und sag, bitte, bitte, bitte, nimm ein Kondom, dass du deine Frau nicht ansteckst, dann würde der mir eine Ohrfeige geben und sagen, ja, was bildest du dir ein.

Denn viele Kinder sind immer noch Zeichen von Männlichkeit und Lebenskraft. Kondome kommen da nicht in Frage. Lagleder kapituliert in dieser Frage nicht, aber was ich spannend finde: Er versucht, die Menschen zu verstehen, weiß nicht alles besser. Diese Haltung verortet Lagleder in seinem Glauben.

 Ich glaub, dass wir einfach gesandt sind, so wie Christus selber auf die Menschen einfach zugegangen ist, ganz egal welchen Glaubens die waren und ihnen die Liebe Gottes einfach in Taten spürbar machen.

 Informationen und Kontakt unter http://www.bbg.org.za



Pater Gerhard Lagleder OSB zu Gast bei Radio Maria Südtirol (20.4.2011)

Pater Gerhard Lagleder OSB zu Gast bei Radio Maria Südtirol

Ausschnitt aus einer Live-Sendung am 20. April 2011

 

Liebe Freunde von Radio Maria Südtirol, heute dürfen wir einen Gastpriester ganz herzlich begrüßen: Pater Gerhard Lagleder. Er kommt aus Bayern und ist zur Zeit auf Heim-Urlaub in Europa. Normalerweise ist er ein Missions-Priester in Südafrika und ist dort seit 25 Jahren tätig. Und wir freuen uns sehr, dass er heute zu uns ins Studio gekommen ist, und dass wir mit ihm gemeinsam im Gebet verbunden sein dürfen, nicht nur hier in unserem Studio, sondern auch in ganz Südtirol und natürlich nehmen wir auch alle Anliegen mit, die er von Afrika hierher nach Europa gebracht hat. Wir wollen auch diese Anliegen einschließen. Pater Gerhard Lagleder kümmert sich dort in einem Hospiz mit seinen Mitarbeitern um Aidskranke. Also seien wir gemeinsam verbunden im Gebet.

Liebe Zuhörer, als ich am Sonntag die Passion gelesen habe, und der Priester liest ja da immer die Rolle Jesu, war eigentlich nur ganz wenig, was ich lesen musste, einmal dass Jesus sagt: „Ich bin es“ vor dem Pilatus und dann nur noch diesen einen Satz, wo Christus ganz laut schreit: „Eli, Eli, lama sabachtani - Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“ Und ich möchte ganz ehrlich sagen, dass mich das auch ganz tief persönlich ins Herz getroffen hat, weil ich mir diesen Jesus vorstelle am Kreuz, der sich völlig verlassen fühlt, der sich allein fühlt, der am Ende ist mit seiner Kraft, und der sich in dieser Kreuzesnot selbst noch von seinem Vater im Himmel verlassen fühlt. Vielleicht haben Sie auch in Ihrem Leben schon mal solche Momente selber erlebt, wo sie gesagt haben: „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Vielleicht hat Ihnen der Arzt mitgeteilt, dass Sie eine ganz schwere Krankheit haben, oder vielleicht haben Sie auch mal gerufen: „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ als ein ganz lieber Mensch gestorben ist, den sie gemocht haben und der sie geliebt hat. „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ so fragen wir uns so oft. Und wenn ich mir die Fernsehberichte über die Katastrophe in Fukushima in Japan anschaue, frage mich auch: „Mein Gott, warum sind diese Menschen so verlassen?“ Und wenn ich mir die Menschen anschaue im Zululand in Südafrika, wo ich seit 25 Jahren Missionar sein darf, dann denke ich mir auch oft: „Mein Gott, warum hast du diese Menschen verlassen?“ Das Gebiet, in dem ich tätig bin, dort sind drei Viertel der Bevölkerung HIV-positiv. Die Menschen sterben wie die Fliegen an AIDS. Jeden Tag sterben in Südafrika über 1000 Menschen an AIDS. Und da fragt man sich dann: „Mein Gott, warum hast du uns verlassen?“ Und ich denke, es gibt nur eine Antwort auf die ganze Frage nach der Verlassenheit, wo wir uns so ganz am Ende fühlen, wo wir am Ende unserer Kräfte sind, wo wir am Ende unserer Weisheit sind. Und das sind auch keine Worte, sondern einfach nur der Blick aufs Kreuz, der Blick auf den Gekreuzigten, der seine Arme weitet, und der seinen Kopf neigt und stirbt. Was mich daran so betroffen macht, ist dass Christus den Kreuzweg gegangen ist, nicht weil er sein Kreuz getragen hat, sondern mein Kreuz, und Dein Kreuz. Er hat mein und Dein Kreuz getragen, weil wir in unserer Schuldhaftigkeit, in unserer Sündhaftigkeit, dieses Kreuz verursacht haben, und da ist sich der lebendige Gott, der Sohn des lebendigen Gottes, nicht zu  fein und nicht zu gut und er nimmt es auf sich, er trägt es. Es ist ihm eine fürchterliche Last, so dass er dreimal selber unter dieser Last fällt, und er muss sich auch aufhelfen lassen, und muss sich das Kreuz tragen lassen, weil er wirklich völlig am Ende ist. Und all das tut er, damit Du und ich, damit wir nicht dem Tod anheimgestellt sind, sondern, dass er uns durch Ostern von den Toten auferwecken kann. Das Schönste, was ich an der Osterbotschaft jedes Jahr neu empfinde, ist nicht, dass Christus von den Toten erstanden ist, sondern dass, wie der heilige Paulus schreibt, wir mit Christus auferweckt sind, dass er also nicht in das Totenreich hinab geht, um von dort wieder aufzustehen und zu zeigen, dass er der Allmächtige ist, der Sohn des allmächtigen Gottes, sondern dass er in seiner Gnade und Liebe auch in dieser letzten Verlassenheit wieder an uns denkt, wieder für uns da ist, den Prellbock des Todes durchbricht, und Dich und mich mit heraufnimmt aus dem Tod, so dass Dein Leben und mein Leben immer in Gottes Hand sind, und dass wir aus dieser Liebe und aus dieser Gnade Gottes, die uns das Leben schenkt, und immer neu gibt, nie herausfallen können. So sehe ich Christus ins Angesicht, jetzt dann am Karfreitag, wenn wir das Leiden und den Tod unseres Herrn Jesus Christus feiern. Und wenn ich mich dann vor dem Kreuz hinknien darf, und wenn ich ihm ehrfürchtig die Füße küssen darf, dann kann ich nur sagen: Vergelt’s Gott! Lieber Gott, ich danke Dir, dass du so groß und so wunderbar bist, dass Du mich aus der letzten Todesnot herausnimmst und mir neues Leben schenkst, und dass Du dieses neue Leben allen Menschen schenkst, wenn sie nur für Dich offen sind, wenn sie ihr Herz für Dich bereiten, und wenn sie Dich annehmen, wenn sie Dich herein lassen, den Mensch gewordenen Gottessohn, der für uns da ist, jetzt, alle Zeit und in Ewigkeit.

Jetzt darf ich Ihnen noch den Segen spenden, und ich möchte das in Verbundenheit mit den Menschen im Zululand, für die ich Missionar sein darf, gerne in der Zulu-Sprache tun: Der Herr sei mit euch! Und mit deinem Geiste! Makanihlahlamelise uNkulunkulu uSomandla, uYise beneNdodana noMoya ocwebileyo. Amen. Gelobt zu Jesus Christus! In Ewigkeit, Amen.

Wir danken Pater Gerhard Lagleder, der zu uns heute ins Studio gekommen ist, denn, wie gesagt, ist er seit 25 Jahren in Südafrika tätig, und wir werden auch seine Gebetsanliegen jetzt im Rosenkranz um 12 Uhr 15 mit einschließen.



Unterstützung für AIDS-Behandlung in Südafrika (5.4.2011)

Unterstützung für AIDS-Behandlung in Südafrika


Reportage / Interview mit Schülern des Descartes-Gymnasiums in Neuburg an der Donau.

Ausgestrahlt am 5. April 2011 in Radio IN und Radio ND1

 

Grüß Gott am Dienstag bei Radio IN! Dreizehn Minuten nach Sechs. Das ist der Start in den Morgen mit der Kweba. Für die Schülerinnen und Schüler des Neuburger Descartes Gymnasiums ist er zum Teil ein alter Bekannter, der Benediktinermönch Gerhard Lagleder. Er betreibt in Südafrika eine Hilfsorganisation namens „Brotherhood of Blessed Gérard“, und die Neuburger unterstützen ihn dabei. Gestern war er an der Schule auf Besuch und erzählte den Schülern von seiner Arbeit mit AIDS-Kranken. Für die fünften Klassen am Gymnasium war das zum Teil eine völlig neue Erfahrung.

„Dass es so schlimm ist, wusste ich jetzt nicht, dass es gleich tödlich ist. Ich habe gedacht, da wird man krank wie bei Husten.“

„Ich finde es auch sehr schlimm. Ich will auch spenden.“

„Also, ich finde das auch eine super Idee, dass die denen helfen, weil die haben ja nicht das Geld dafür und können sich auch nicht selber zurechtfinden.“

„Ja, ich hab schon so einiges von AIDS gehört, aber dass es in Afrika wirklich so schlimm ist, das hätte ich jetzt nicht gedacht.“

Ja, ein Drittel der Bevölkerung in Südafrika, z.B. ist HIV-positiv und mit den richtigen Medikamenten kann das Leben der Bevölkerung dort deutlich verlängert werden. Pater Gerhard – oder Gérard, wie man ihn auch nennt – ist momentan deswegen in Deutschland unterwegs, um Spenden zu sammeln. Gestern war der Benediktinermönch am Descartes Gymnasium in Neuburg zu Gast.


Reportage / Interview mit Pater Gerhard.

Ausgestrahlt in Radio IN und Radio ND1 am 5. April 2011

Es ist zwölf nach Sieben. Schönen guten Morgen! Die Schüler des Descartes Gymnasiums in Neuburg, die kennen ihn vermutlich alle, den Benediktinermönch Gerhard Lagleder. Er betreibt in Südafrika die Hilfsorganisation „Brotherhood of Blessed Gérard“. Ein großer Teil seiner Arbeit ist ein Hospiz für Aidskranke. Es ist allerdings mehr als eine Herberge für Sterbende. Hier werden die Kranken auch mit speziellen Medikamenten behandelt. Pater Gerhard:

Wenn man die regelmäßig einnimmt, dann kann der Patient noch 10, 15, 20, vielleicht sogar 25 Jahre bei guter Gesundheit weiterleben. Und es ist so eine ganz tolle Geschichte, wenn eben Leute, die eigentlich ins Hospiz reinkommen zum Sterben, wenn die dann nach wenigen Wochen durch die Fronttür rausgehen und winken und sagen: „Dankeschön! Mir geht’s wieder gut.“

Die Behandlung in Südafrika ist billiger als in Deutschland. Für gerade mal drei Euro am Tag lässt sich ein Aidskranker am Leben erhalten. Allerdings ist die Organisation momentan in Finanzierungsnot. Der Hauptgeldgeber, die Vereinigten Staaten von Amerika, zahlen nämlich nicht mehr. Deswegen ist Pater Gerhard momentan in Deutschland unterwegs, um Spenden zu sammeln. Wir wünschen ihm dabei natürlich jede Menge Erfolg für dieses tolle Projekt. Da hoffe ich, dass sich da neue Spender finden, und vielleicht auch ein Hauptgeldgeber, ein neuer.


Mission in Südafrika und der Kampf gegen das HIV Virus (29.3.2011)

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Aktion - Mission in Südafrika und der Kampf gegen das HIV Virus.
Referent: P. Gerhard T. Lagleder OSB

Ein Interview von Sabine Böhler mit Pater Gerhard.
Ausgestrahlt am 29. März 2011 in Radio Horeb


 

Grüß Gott, liebe Zuhörer! Willkommen zu  unserem aktuellen Thema hier in der Lebenshilfe bei Radio Horeb. Ich bin Sabine Böhler. Wir wollen heute unseren Blick wieder weit über die Grenzen unseres Landes, ja sogar unseres Kontinentes richten: Die Menschen in Südafrika, der südwestlichsten Spitze des großen schwarzen Kontinents leiden an einer verheerend wirkenden Krankheit, nämlich AIDS. Mein heutiger Gast: Pater Gerhard Lagleder. Dem ist es ein Anliegen den Menschen im Südosten Afrikas, in Mandeni einen Himmel von Pflege inmitten der AIDS-Hölle, wie er sagt, zu geben. Ich begrüße ganz herzlich hier im Münchner Radio Horeb Studio den Missionsbenediktiner und Mitglied des Malteserordens, Pater Gerhard Lagleder: „Grüß Gott!“

 
Radio Horeb: 15.11.2004: Ein Interview von Paul Hasel mit Pater Gerhard Lagleder

 
Radio Horeb: 7.8.2008: Ein Interview von Ulrich Schwab mit Pater Gerhard Lagleder

 
Radio Horeb: 28.7.2009: Interview mit Pater Gerhard Lagleder unter dem Titel "Mission in Südafrika".

Grüß Gott, Frau Böhler! Grüß Gott, liebe Hörer von Radio Horeb. Ich freue mich sehr, dass ich die Gelegenheit habe, mit ihnen wieder mal zu reden. Es ist ja schon mehrmals gewesen, dass ich bei Radio Horeb eingeladen war und so danke ich Ihnen von ganzem Herzen für diese Gesprächsmöglichkeit und ich freue mich, dass ich da sein darf.

Pater Gerhard, sie Leben so richtig in Südafrika, und das schon seit 25 Jahren.

Ja.

Wie fühlt man sich dann wieder hier zurück in der Heimat? Oder ist Deutschland nicht mehr ihre Heimat?

Ja, Deutschland ist natürlich meine Heimat, aber zuhause bin ich jetzt in Südafrika. Ich habe das bei der Fußballweltmeisterschaft erlebt, wo ich also mehr gebangt habe für das südafrikanische Team als für das deutsche Team. Die waren ohnehin gut genug, aber die Südafrikaner, denen gehört natürlich mein ganzes Herz, und ich sage immer: „Ich hab ein bayerisches Herz, das in Südafrika für Südafrika schlägt und wenn man knapp 25 Jahre im Land lebt, und in diesem Land eine sehr wichtige Aufgabe hat, ist man natürlich ganz dort daheim. Und daheim, sagt man ja immer, ist man dort wo man eine Aufgabe hat, ist man dort, wo man geliebt wird, und was ich in Südafrika erlebe, ist nicht nur eine Aufgabe zu haben, sondern auch eine Liebe zu erfahren, eine Liebe schenken zu dürfen, den Menschen, die mir anvertraut sind, und insofern fühle ich mich dort wirklich in jeder Hinsicht voll und ganz zuhause.

Ja, bei uns hier in Deutschland sind Sie, Pater Lagleder, heute weil wir uns über Ihre Arbeit, die Arbeit der südafrikanischen Hilfsorganisation des Malteserordens, der Brotherhood of Blessed Gérard, also der Bruderschaft des Seligen Gerhard, unterhalten wollen. Nachdem Sie nämlich fünf Jahre in Südafrika gelebt und gewirkt haben, ist in Ihnen der Entschluss gereift, mit einigen Südafrikanern zusammen die Brotherhood of Blessed Gérard zu gründen. Die Bruderschaft des Seligen Gerhard, das ist eine Hilfsorganisation innerhalb des Malteserordens. Entsendet wurden sie aber vor 25 Jahren nach Südafrika von ihrem Orden, den Missionsbenediktinern von St. Ottilien. Und jetzt erklären Sie uns: Wie kommt es denn zu dieser Verbindung, Pater Gerhard?

Bevor ich ins Kloster gegangen bin, war ich schon seit 1969 im deutschen Malteser Hilfsdienst tätig und als Ersthelfer habe ich begonnen, als Schüler, der neben seiner Schule auch im Sanitätsdienst mit tätig war, und ich bin dann im Malteser Hilfsdienst groß geworden. Ich hab die Krankenpflege gelernt im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Regensburg und war dann auch im Pflegedienst mit tätig und bin dann innerhalb des Malteser Hilfsdienstes zum Diözesanreferent für den Pflegedienst, was man damals noch den Diözesanreferenten für die Schwesternhelferinnen genannt hat, avanciert und bin in den Malteser-Bereich hineingewachsen und war also, und bin das heute noch, von ganzem Herzen Malteser. Aber dann habe ich mich entschlossen, in einen religiösen Orden einzutreten, und habe mich in ganz vielen Orden eigentlich umgeschaut, und zwar war es mir damals ein Anliegen, dass ich eben meine medizinischen und pflegerischen Talente, die mir der liebe Gott geschenkt hat, auch einsetzen kann. Und so entstand in mir der Gedanke, in einen Missionsorden einzutreten. Jetzt war natürlich guter Rat teuer. Es gibt ja viele Missionsorden in Deutschland. Wo gehst du hin? Und ich war völlig offen und hab mir dann so dieses Verzeichnis der höheren Ordensoberen für die Orden gesucht, und hab dort die Orden angestrichen, von denen ich dachte dass sie Missionsorden seien, oder wenigstens Missionsarbeit betreiben, und hab dann all diese angeschrieben mit so einem Art Rundschreiben „Sehr geehrter Herr Ordensoberer, nach meiner Priesterweihe im nächsten Jahr würde ich gerne einen Orden eintreten und bitte Sie daher um nähere Mitteilungen über ihre Ordensregel und ihre Missionsarbeit. Mit freundlichen Grüßen, Ihr …“ Gut, und dann habe ich eine Unmenge von Antworten bekommen, Anrufen, Broschüren, Büchern und natürlich auch viele Einladungen. Ich hab all diese Einladungen angenommen, bin also vom Norden Deutschlands bis zum Süden bei verschiedensten Missionsorden zu Gast gewesen und unter anderem auch bei den Missionsbenediktinern von St. Ottilien. Und es war für mich, als ich dorthin kam, war das so – ich kann’s wirklich so ganz offen sagen – wie Liebe auf den ersten Blick. Das war wie wenn man einen Vorhang öffnet, wo dann dahinter die Entdeckung kommt: Das ist genau das, was Du eigentlich gesucht hast. Ich konnte das am Anfang gar nicht so sehen und festlegen oder verbalisieren. Was sich wirklich gesucht habe, war Mönchtum und was ich dort in St. Ottilien gefunden habe, ist eine wunderbare Synthese, dass man auf der einen Seite her voll und ganz Mönch ist, dass also die Kontemplation, dass das geistliche Leben eine ganz enorme zentrale Bedeutung hat, aber dass die Missionsarbeit mit derselben Einstellung und mit demselben Fleiß, mit derselben Hingabe geleistet wurde, und dass nicht (wie) bei dem einem die Missionsarbeit so nebenher lief und das Gebet das wichtigste war, und beim anderen das Gebet so nebenher lief und die Missionsarbeit das wichtigste war, sondern dort fand ich die perfekte Synthese, dass man ganz Missionar war und dass man ganz Ordensmann war und das war eben dann so, dass ich sagte: „Dies ist eine tolle Gemeinschaft!“ Die hatten auch einen unheimlich dynamischen jungen Erzabt damals, der inzwischen der Abtprimas des Benediktinerordens ist, Abtprimas Notker Wolf, und der hat mich damals auch sehr beeindruckt und so habe ich dann aus einem Besuch einen zweiten werden lassen und einen dritten und beim dritten Besuch dort habe ich dann zu dem Erzabt gesagt. „Also, Vater Erzabt,  wenn sie mich nehmen, dann würde ich gerne nächstes Jahr nach meiner Priesterweihe, wie gesagt, bei Ihnen eintreten.“

Wie lange ist das jetzt her, Pater Gerhard?

Dies war, meine Priesterweihe war im Juni 82, also die Entscheidung ins Kloster zu gehen war in den Jahren 80 und 81 getroffen worden und es ist also doch eine sehr lange Zeit jetzt her.

Also, sie sind Missionsbenediktiner von St. Ottilien, sie sind aber auch der Gründer und der Leiter der südafrikanischen Hilfsorganisation des Malteserordens, der Brotherhood of Blessed Gerard. Fünf Jahre waren sie dann in Südafrika, bevor sie die Bruderschaft gegründet haben. Was waren denn die Beweggründe zur Gründung?

Ich war als Missionar im Busch tätig und, als ich dann Pfarrer wurde, in einer sehr armen Gemeinde, bin ich auf die Pfarrei zugegangen, hab die Kranken zuhause besucht, hab die Leute zuhause besucht und bin dort mit einer Armut konfrontiert worden, die mich wirklich völlig vor den Kopf gestoßen hat, die mir ganz tief unter die Haut ging, sollte ich vielleicht besser sagen, und was in mir dann einfach auch meine Berufung wachgerufen hat, dass wir eben als Missionare nicht nur den Glauben in Worten verkündigen und den Gottesdienst in der Liturgie feiern, sondern auch die dritte Wesensaufgabe der Kirche ganz eine zentrale Bedeutung bekam, nämlich dass wir in der Diakonie, dass wir in der karitativen Tätigkeit den Menschen die Liebe Gottes einfach spürbar machen müssen. Wenn ich's mal ganz einfach sage, dann könnte ich sagen: „Ich kann nicht zuschauen, wie mir die Menschen während der Predigt vor Hunger sterben, sondern ich muss was tun, dass den Menschen der Heilswille und die heilende Liebe, und die heiligende Liebe Gottes spürbar gemacht wird. Und deshalb müssen wir den lieben Gott den Menschen spürbar machen und wenn wir den lieben Gott den Menschen spürbar machen, machen wir ihn durch die Liebe, die wir Ihnen schenken, spürbar und d.h. durch die liebende Tat, dass ich mich um den kümmere. Wenn ein Kranker vor mir steht, kann ich dem Kranken nicht mit frommen Sprüchen kommen und sagen: „Ja, tu schön beten und der liebe Gott wird alles richten!“, sondern, wenn ich dann gleichzeitig mich um ihn kümmere, wenn ich ihm das gebe, was er braucht, den liebenden Zuspruch, aber auch die liebende Pflege, und mich also so um den Menschen ganzheitlich kümmere, wie das Christus auch gemacht hat.  Christus hat ja auch nicht nur das Reich Gottes gepredigt, sondern er hat die Kranken geheilt, und er ist auf die Menschen, die in Not waren, ganz persönlich zugegangen, und er hat die Menschen sogar mit seinen eigenen Händen geheilt. Denken wir an den einen, dem er die Stummheit genommen hat, und dessen Zunge er mit Speichel berührt hat, oder an den, dem er die Ohren geöffnet hat. Also er  ist handgreiflich auf den Menschen zugegangen er hat Hand angelegt, er hat seine liebende göttliche Hand den Menschen zugereicht und genau dies müssen wir auch in der Kirche tun. Wir müssen auf die Menschen mit der Liebe Gottes zugehen, Ihnen diese spürbar machen, und deshalb habe ich gesagt, wir müssen unbedingt versuchen, dass den Menschen geholfen wird und zwar nicht so, wie man der Mission das oft vorwirft, dass wir sagen, dass wir als Menschen die aus dem Ausland kommen, jetzt irgendwo ein großes Projekt aufbauen, das dann völlig vom Ausland abhängig ist, und wenn dann die Ausländer weg sind, alles zusammenbricht, wie dies leider auch heute in der Entwicklungshilfe oft falsch gemacht wird, sondern wir haben damals gesagt, im Pfarrgemeinderat dieser Pfarrei, in die ich geschickt wurde im Jahr 1990, in die Pfarrei Mandeni, und im Pfarrgemeinderat haben wir gesagt: „Mensch, wir müssen schauen, dass sie eine Organisation schaffen, in der die Südafrikaner selber den Südafrikanern in Südafrika helfen. Und ich bin heutzutage der einzige Ausländer im Vorstand, aber wie ich vorher schon sagte, ich fühle mich nicht als Ausländer, sondern nach 25 Jahren knapp bin ich also wirklich in meinem Herzen Südafrikaner, bin also einer von ihnen. Also, wir Südafrikaner müssen versuchen, in Südafrika für den Südafrikaner zu sorgen. Freilich freuen wir uns, wenn uns Menschen aus dem Rest der Welt und natürlich auch aus meiner deutschen Heimat helfen, aber das Wesentliche ist, dass die Arbeit vor Ort selber verantwortet wird, geleitet wird, getragen wird von den einheimischen Kräften. Wir sind heute die größte Hilfsorganisation der katholischen Kirche in Südafrika mit über 2500 Mitgliedern. Da können wir uns durchaus sehen lassen, und wir sind sehr froh, dass es damit eben möglich geworden ist, in sehr vielen vielschichtigen Projekten auf die Nöte der Menschen in ihrem Bereich zu antworten. Es war von Anfang an immer so unsere Zielvorstellung, dass wir nicht anderen Leuten Konkurrenz machen, in Projekten, wo sie schon helfen. Also wir haben, wenn wir irgendein Hilfsprojekt aufgebaut haben, immer auf Nöte geantwortet, wo es andere Leute gibt, die nichts tun oder zu wenig tun oder diese Hilfe nicht vollständig leisten können. Also, wir haben immer die Nöte der Menschen erst analysiert, dann unsere eigenen Fähigkeiten, sowohl die finanziellen Möglichkeiten als auch die Fertigkeiten, die in dem Fundus unserer Mitglieder vorhanden waren, abgeschätzt und dann einen Entschluss getroffen, dieses oder jenes Projekt zu eröffnen. Und unsere beiden größten Projekte jetzt, die sowohl von der Arbeitsbelastung her, von der Arbeitsmenge her, als auch von der finanziellen Notwendigkeit her die größten sind, wurde eben unser Hospiz und wurde unser Kinderheim. Und so haben wir also versucht, dass wir vor Ort eine Struktur und eine Organisation schaffen, die den Menschen wirksam helfen kann.

Sie sind von ihren Orden in den Südosten Afrikas nach Mandeni gesandt worden. Mandeni, das liegt im sogenannten Zululand. Sicherlich haben sie auch die Sprache dann dort auch erlernen müssen, um mit den Menschen in Kontakt treten zu können. Wie ist denn jetzt die konkrete Ausgangssituation in ihrer Provinz, rund um den Ort Mandeni, jetzt gerade auch in Bezug auf die HI-Virusinfektion, Pater Lagleder?

Ja, die Ausgangssituation ist die, dass das Zululand eines der am stärksten mit HIV durchseuchten Gebiete in der ganzen Welt ist. Man spricht etwa von einem Drittel Durchseuchung für ganz Südafrika. Man spricht von zwei Drittel Durchseuchung in der Provinz – also, was in Deutschland ein Bundesland wäre – in der Provinz KwaZulu/Natal, in der wir uns befinden. Und dann gibt es so endemische Gebiete mit sehr hoher Ansteckungsrate und da ist eben Mandeni ein Gebiet, in dem zwei verschiedene Zahlen genannt wurden, von zwei verschiedenen Quellen: Das eine waren 76 % und das andere waren 88 % der Bevölkerung, bzw. der getesteten Fabrikarbeiter, die dort HIV-positiv waren und da kann die Kirche einfach nicht schweigen und zuschauen, sondern wi müssen was tun.

Ein Himmel von Pflege inmitten der AIDS-Hölle, das ist Ihnen und Ihrer Hilfsorganisation ein Anliegen, das möchten sie bieten. In manchen Gebieten des Zululandes sind bis zu 88 % der Gesamtbevölkerung HIV-positiv und die Statistiker wissen nichts über die Dunkelziffer. Wie kommt denn das?

Es ist eine ganz schwierige Frage zu beantworten, warum die Ansteckungszahl so hoch ist. Es ist ganz sicher die Armut der Menschen und es ist die Ungleichheit der Geschlechter, insofern als die Frauen viel, sehr viel weniger Arbeit bekommen, und damit weniger Geld in Ihrer Tasche haben und die Männer das Geld in der Tasche haben, und dann viele Frauen oft einfach keine andere alternative Einkunfts-Möglichkeit sehen, als ihren Körper an die Männer zu verkaufen, und deshalb diese Leute auch nicht einander treu sind, in einer Liebesbeziehung stehen, sondern in einer geschäftlichen Beziehung stehen, und damit ist die Promiskuität sehr hoch und damit ist leider …

Was heißt das, Promiskuität?

Promiskuität heißt, dass eine Person mit verschiedenen wechselnden Geschlechtspartnern in geschlechtliche Verbindung kommt und genau das ist das große Problem bei uns, weil eben die Leute nicht nur von einem Freier sich ernähren können, sondern viele verschiedene solche – wenn man so will – Kunden haben müssen, um davon leben zu können, und das ist das ganz große Problem bei uns.

Und dann auch noch der Glaube an Ahnen-Geister und Zauber, oder?

Die meinen, dass HIV ja überhaupt ein Zauber sei, und dass eine Krankheit hervorgerufen ist durch Verhexung, Verwünschung und Verzauberung, und den Leuten dann von einem Human-Immun-Defizienz-Virus zu erzählen ist also, wie wenn ich Leuten versuche irgendwelche atomaren Fusions-Theorien zu erzählen, also dies ist etwas, was sie überhaupt nicht verstehen können, und deshalb ist es auch so wichtig, dass wir in unserer AIDS-Aufklärung die Leute genau dort abholen, wo sie sind, und mit ihnen in einer Art und Weise sprechen, wie sie dies auch verstehen können, das heißt wir versuchen die Situation, auch was im Körper vorgeht, mit sehr einfachen Vergleichen aus ihrem täglichen Leben rüberzubringen und haben aber auch sehr große Erfolge dabei.

Pater Gerhard, wirtschaftlich ist ja Südafrika das bedeutendste und auch weitest entwickelte Land auf dem afrikanischen Kontinent und dennoch ist die Armut und die Not der Menschen unbeschreiblich groß. Besonders in den Außenbezirken der großen Städte sind die Lebensstandards der hauptsächlich schwarzen Bürger ja sehr niedrig, sie finden schwer Anschluss, haben keine Ausbildung, auch keine Arbeit. Aids ist trotz der Bemühungen seitens der Regierung weiterhin ein Hauptproblem. Sie haben es eben schon angedeutet, Pater Gerhard, wie ist denn die Situation bei Ihnen in Mandeni, also  im Südosten Afrikas? Wie leben die Menschen und wo leben die?

In unserem Bereich befindet sich ein, ja größeres Dorf würde man in Deutschland vielleicht sagen, oder eine Kleinstadt mit etwa 10-15.000 Einwohnern. Das ist, was mit den Ort Mandeni nennen. Um diesen Ort Mandeni herum, nach den alten Apartheidgesetzen durften ja die Schwarzen nicht dort leben wo die Weißen leben, sondern sie mussten außerhalb, in so genannten Townships leben, und die Township, die hat ungefähr 150.000 Einwohner, die in teilweise sehr ärmlichen Häusern in dieser Township, oder Hütten in dieser Township leben und dann und diese Township herum kommt eigentlich das wirkliche Elendsviertel, wo die Menschen leben, die sich nicht mal ein Grundstück in so einer Township leisten können, und so gibt es eben ausgedehnte Elendsviertel, in denen Menschen in Behausungen aus Autowrackteilen, aus Wellblech, aus Pappe und aus sonstigen Abfallmaterialien sich Häuser zusammenbauen. Wenn sie in Deutschland in so einem Ding leben würden, wenn sie ihren Hund in so einem Ding unterbringen, wird sie der Tierschutzverein verklagen und bei uns müssen Menschen in diesen Behausungen leben und die brauchen eben unsere Hilfe, weil sie sich selber überhaupt mit helfen können.

Was können sie uns denn über die Kriminalität und das Gewaltpotenzial sagen bei Ihnen?

Ja, dies ist leider sehr hoch: Meine Stellvertreterin wurde vor fünf Jahren ermordet von Einbrechern die in ihrem Haus nach ihren Kleinodien, die sie nicht hatte, gesucht hatten und die sie dabei ertappt hatte. Und die wurde ermordet. Aber dies ist kein Einzelfall. Es gibt also immer wieder Gewaltakte bei uns die teilweise einfach da her rühren dass die Menschen bei uns sehr verroht sind, dass das Menschenleben häufig von der allgemeinen Bevölkerung nicht als ein Wert gesehen wird, der schützenswert ist, sondern dass man einfach versucht, seine Ideen durchzusetzen, koste es was es wolle. Also es ist schon ein sehr rauhes Klima dort bei sehr vielen Menschen. Man darf natürlich nicht verallgemeinern, aber die Kriminalitätsrate ist doch sehr viel höher als Sie das in Deutschland etwa kennen.

Und dann kann man zu Recht davon einen Teufelskreis sprechen, aus Hunger, Krankheit, Armut, geringer Ausbildung oder auch Bildung, Arbeitslosigkeit, Hunger, Krankheit, Armut usw. wie wirken Sie und Ihre Mitarbeiter der Brotherhood of Blessed Gérard auf diesen Teufelskreis ein?

Wir versuchen, diesen Teufelskreis an jedem einzelnen Glied dieser Kette zu unterbrechen, das heißt wir haben ganz spezifische Programme entwickelt, die an diesen verschiedenen Projekten ansetzen, zum Beispiel wir haben Bildungsprogramme, wir haben einen Stipendienfonds, mit dem wir Menschen die Ausbildung ermöglichen, dass sie Schulbildung bekommen, dass sie sogar Universitätsbildung bekommen, um aus diesem Bildungsnotstand rauszukommen. Was die Krankheit betrifft, haben wir natürlich sehr viele Projekte. Das Hauptprojekt ist unser Hospiz, aber ein zweites Projekt ist auch eine Klinik für unterernährte Kleinkinder und Säuglinge, in der wir uns eben um diese Personengruppe in besonderer Weise annehmen. Wir haben dann auch soziale Beratungsprojekte, in denen wir Menschen, die in soziale Not geraten sind, helfen. Wir haben einen Hilfsfonds für arme Kranke. Wir haben einen Nothilfe-Fonds, in dem wir Menschen helfen, denen die Hütte durch die tropischen Regenfälle zerstört wird, oder subtropischen Regenfälle soll sich vielmehr sagen, zerstört wird, und wir haben Projekte, in denen wir uns um die Menschen annehmen, die von Katastrophen oder von Unfällen heimgesucht sind. Wir versuchen also, diesen Teufelskreis an allen möglichen Stellen zu durchbrechen mit diesen Projekten, die wir leisten.

Und seit 2003 betreibt die Brotherhood of Blessed Gérard, die südafrikanische Hilfsorganisation des Malteserordens, ein Aidstherapieprogramm, das heißt HAART. Was gehört alles zu diesem Aidstherapieprogramm? Und vielleicht erklären Sie ganz kurz den Namen HAART mit AA geschrieben.

Ja, das ist ganz einfach: „Hoch“ ist das erste „H“, „Aktive“ ist das erste „A“, das zweite „A“ ist „Anti-“ das „R“ ist „Retrovirale“ und „T“ ist „Therapie“. Ich wiederhole „Hoch-Aktive Anti-Retrovirale Therapie“ und das ist der medizinische Terminus technicus, bei dem es um gar nichts anderes geht, als das HIV-Virus davon abzuhalten die menschlichen CD4-Helferzellen, was eine von den vielen weißen Blutkörperchen-Arten, die wir in unserem Blut haben, sind, und das Abwehrsystem des menschlichen Körpers ist ja so wie eine Kettenreaktion, d.h. wenn eines der Glieder ausfällt, funktioniert die ganze Kette nicht mehr, der körperlichen Abwehr, und was diese Medikamente wollen, ist das AIDS-Virus daran zu hindern, diese CD4-Helferzellen umzuwandeln von Zellen, die eigentlich dem Körper helfen, die ihn schützen, umzuwandeln in eine, wenn ich’s mal so ganz platt sage, in eine Virusfabrik, wo dann diese CD4-Helferzellen den Körper nicht mehr schützen, sondern dem Körper schaden, dadurch dass sie Millionen von neuen Viren produzieren. Und das können diese Medikamente verhindern. Und damit geht's dem Patienten, der die Medizin einnimmt, nachher wieder wesentlich besser und er kann noch auf Jahrzehnte hin, das kann man heute sogar sagen, bei gutem Wohlbefinden weiterleben.

Vielleicht sprechen wir noch intensiver über

·          das Aids-Therapieprogramm,

·          wie es von den Menschen angenommen wird,

·          wie Sie auch präventiv einwirken, dass sich die Menschen erst gar nicht anstecken,

·          welchen Stellenwert dabei auch die Ausgabe von Kondomen, überhaupt die Kondomfrage, hat,

·          sprechen über die AIDS-Waisen,

·          wie sie AIDS-Waisen unter die Arme greifen, und

·          wie das Wegsterben der jungen Südafrikaner auf die alten Menschen sich auswirkt, weil ja ganze Generationen wegsterben.

Also gleich sprechen wir weiter, hier bei Radio Horeb, mit Pater Gerhard Lagleder. Er ist Missionsbenediktiner von Ottilien, er ist Leiter der südafrikanischen Hilfsorganisation des Malteserordens, der Brotherhood of Blessed Gérard.

(Musikeinlage)

Ja, das sind Gesänge von Kindern aus Südafrika. Mein heutiger Gast ist nämlich Deutscher, aber er sagt, seine neue Heimat, die ist in Südafrika. Er ist Gründer und Leiter der südafrikanischen Hilfsorganisation des Malteserordens, der Brotherhood of Blessed Gérard. Pater Gerhard, Sie sind hier in Deutschland. Sie sind nach Deutschland gereist, weil es nämlich erhebliche Einschnitte in die Hilfe für Aidskranke und ihre Angehörigen gibt, denn die US Regierung hat ihre Aids Hilfe für Afrika drastisch gekürzt, was sich wiederum auch auf das AIDS-Behandlungsprogramm der südafrikanischen Bischofskonferenz, also letztlich auf auch auf Ihre Arbeit auswirken wird. Was ist geplant und was bedeutet das konkret für die Brotherhood of Blessed Gérard und auch für Ihr Aidshilfeprogramm, über das wir gerade gesprochen haben?

Ja, was passiert ist, dass wir völlig aus heiterem Himmel einen Brief der Bischofskonferenz bekommen haben, gegen Ende Januar, und aus dem ging hervor, dass es der Bischofskonferenz unendlich leid tut, dass die Mittel aus Amerika drastisch reduziert wurden, dahingehend, dass man ab Ende Mai unserem AIDS-Behandlungsprogramm keine Finanzhilfe mehr geben könnte. Und somit stehen wir jetzt mit momentan 320 Patienten, die von uns jeden Tag zweimal täglich die Behandlung bekommen, vor einem Rätsel. Und das Rätsel heißt: „Wie können wir diese Menschen daran hindern, dass sie sterben müssen?“ Es geht also hier nicht jetzt darum, dass ein Patient mit einer Grippe seine Grippetabletten nicht bekommt, und trotzdem überleben könnte, sondern es geht hier um lebensnotwendige Medikamente, und wenn der Patient sie nicht zweimal täglich einnimmt, wird er sterben. Und unsere Erfahrung ist, dass die Leute, wenn die mal aufhören, die Medizin zu nehmen, in wenigen Wochen tot sind.  Und dies ist also momentan die riesengroße Herausforderung, vor der wir stehen, und deshalb bin ich auch sofort nach Europa gereist und werde jetzt drei Monate in Europa von gutem Herz zu gutem Herz gehen und an diese guten Herzen klopfen und sagen: „Bitte helft uns, dass wir die Lücke überbrücken können!“ Wir hoffen natürlich, und die Bischofskonferenz ist ja in Verhandlungen, und wir selber sind auch in Verhandlungen mit allen möglichen alternativen Geldgebern, inklusive der südafrikanischen Regierung, aber dies wird alles seine Zeit dauern, bis so große Geldgeber entsprechende Entscheidungen getroffen haben, aber wir brauchen sich Geld sofort. Wir müssen also auch im Juni den Patienten die Medizin noch geben können, die Bluttests machen, wir müssen weitermachen mit unserer Therapiebegleitung, und deshalb ist jetzt einfach Gefahr im Verzug. Wir müssen sofort handeln. Wir müssen einfach versuchen, diese Finanzmittel aufzutreiben, dass wir die Zeit überbrücken können bis alternative Geldgeber gefunden werden. Und darum bin ich also momentan auf einer Bettelreise, wo es einfach darum geht, Leute zu finden, die eine Patenschaft übernehmen für einen AIDS Patienten. Und wir haben es einmal ausgerechnet: Es ist gar nicht so viel: Es sind drei Euro pro Tag, was uns ein Aidspatient kostet, und wenn es Leute geben würde, die eine Möglichkeit finden, als Einzelperson, als Verein, als Gemeinschaft, als Klasse, als Club oder was auch immer, drei Euro pro Tag regelmäßig auf Jahre hin gesehen aufzubringen, wäre uns unendlich geholfen und dies ist unser Vorschlag und unsere Bitte, die wir an alle Menschen haben, inklusive sie alle, die Sie jetzt diese Sendung hören, dass sie uns da bitte helfen.

Das sind also ungefähr 90 bis 100 € im Monat, was ein Aidspatient an Kosten sozusagen verursacht. Sie haben gesagt, es sind 320 Patienten, denen sie unter die Arme greifen, die zu Ihnen kommen momentan, die an ihrem Programm teilnehmen. Was gehört denn noch zum AIDS-Behandlungsprogramm, gerade auch in Bezug auf die Prävention, so dass sich das Aids Virus erst gar nicht übertragen kann, Pater Lagleder?

Ja, Sie haben Recht. Die Rechnung ist korrekt: 21 € pro Woche, oder 92 € pro Monat, kostet uns so ein AIDS Patient. Was ist sonst noch mit der AIDS Behandlung eingeschlossen? Es geht erst mal um AIDS Prävention, das heißt den Leuten zu sagen, wie kannst du's verhindern dich selber anzustecken?  Jetzt müssen wir aber davon ausgehen, wenn zwei Drittel der Bevölkerung bereits HIV-positiv sind, geht es darum, wie sage ich dem HIV- positiven Menschen, mit dem wir es in erster Linie zu tun haben, wie kannst du dich verhalten, dass du dein Virus nicht weitergibst an andere Leute, denn man kann den Menschen ja nicht sagen, dass er die Sexualität ab sofort völlig aus seinem Leben auszuklammern hat, das wäre a) unmenschlich und b) auch von der menschlichen Psychologie her einfach nicht möglich, weil die Leute einfach Menschen sind und bleiben, und die Sexualität zum menschlichen Leben gehört. Es ist ja nicht jeder ein Zölibatär, der ganz bewusst darauf verzichtet, und insofern muss man da Möglichkeiten finden, wie man den Leuten sagt, wie sie's trotzdem verhindern können. Was dann zum zweiten reinkommt, ist die Therapiebegleitung, und die ist fast noch wichtiger als die Behandlung selber, das heißt, es muss einfach beides da sein, und wenn wir von Therapiebegleitung sprechen, dann meinen wir, dass unsere AIDS Patienten Hausbesuche bekommen von einem geschulten Therapieberater, mit dem sie so auf Kumpel-Ebene reden können, ihre Sorgen, ihre Probleme, ihre Nöte ausdrücken können, und der dann auch ein gutes Gespür und Gefühl hat, ob es Schwierigkeiten gibt, um dann rechtzeitig eingreifen zu können, bevor der Patient aus welchen Gründen auch immer aufhört, die Medizin zu nehmen .

Weil das ist nämlich auch eine wichtige Frage: Wie wird denn die medikamentöse Behandlung von den Patienten angenommen, auch von ihrer Mentalität her, weil die Medikamente müssen doch bestimmt immer sehr regelmäßig genommen werden?

Richtig, zweimal täglich. Ich sage den Leuten immer: „Außer dem lieben Gott gibt es in Deinem Leben nichts Wichtigeres mehr, als das zu zweimal täglich deine Medizin einnimmt. Das ist, was dich am Leben erhält, und wenn du das nicht tust, dann wirst du innerhalb weniger Monate tot sein.“ Ich sag den Leuten: „Du bist jetzt wie im Ozean schwimmend und die Haie kommen, wollen dich auffressen. Die AIDS Behandlung ist das Rettungsboot. Und solang du deine Medizin nimmst, bist Du im Rettungsboot, und kann Dir der Hai nichts  anhaben. Wenn Du Deine Medizin nicht mehr nimmst, fällst Du zurück ins Wasser und die Haie fressen Dich.“ Da muss man so bildlich sprechen und auch in einer Art und Weise, was die Leute durchaus verstehen, dass sie auch die Dringlichkeit merken, wo es also wirklich um Leben und Tod geht, und das ist eben so wichtig.

Eine Frage, die bei und gerade in Europa immer wieder sehr stark diskutiert wird, das ist die Frage nach dem Kondom, gerade auch in Bezug auf die Prävention von AIDS. Wie ist das bei ihnen? Ist das eine Frage, mit der sie sich auch auseinandersetzen, Pater Lagleder?

Ja, natürlich müssen wir uns mit der Frage auseinandersetzen. Das Problem ist allerdings, dass der Zulu, und das sind die Afrikaner, mit denen wir es zu tun haben, überhaupt kein Kondom wollen, und dass wir die Leute überreden müssten, ein Kondom zu verwenden. Also für Südafrika als einzige Lösung in der AIDS-Prävention das Kondom zu sehen, ist also sehr kurzsichtig und geht an der Realität vorbei. Man muss erst mal den Menschen überhaupt ein Verantwortungsgefühl beibringen, um den Leuten dann klarzumachen, dass dies auch durchaus notwendig ist. Der Afrikaner will ja viele Kinder haben. Wenn ich als Frau kein Kind habe, dann bin ich ein wertloser Mensch. So verstehen die das. Das ist übrigens auch für das Ordensleben eine sehr große Herausforderung, dass also eine Ordensfrau, die ganz bewusst nicht heiratet, …

Also eine afrikanische Ordensfrau?

Ganz richtig, eine afrikanische Ordensfrau in der Bevölkerung sehr herablassend betrachtet wird, weil die ja keine Kinder hat. Ich sage spaßhaft manchmal, dass man bis zum dritten Kind noch Jungfrau ist, und erst dann im Kreis der Mütter, der Frauen, mitreden kann, wenn man selber Kinder, ein paar Kinder, als Frau geboren hat. Und wenn also jetzt einer sagt, also ich will enthaltsam leben oder ein Kondom verwenden, dann kann er ja keinen Kindersegen haben. Außerdem meinen die Afrikaner, ja, dass es eine Alterssicherung ist, wenn ich viele Kinder hab, denn die vielen Kinder können im Alter mal für mich sorgen. Auf eine Rentenversicherung, das weiß ja der oft  gar nicht, wie man das schreibt und das gibt‘s auch nicht. Es gibt so eine Altersrente, so eine Prokopfrente, die zu wenig zum Leben und zu viel zum Sterben ist, was der Staat auszahlt, aber das reicht hinten und vorne nicht. Also, es ist ein unendlich komplexes Problem, vor dem wir hier stehen, auch was die AIDS-Prävention betrifft.

Und stimmt es auch, dass Kondome in Afrika produziert, auch durchlässig sind für das AIDS-Virus?

Es gibt in Deutschland was man eine „Stiftung Warentest“ nennt, und das Äquivalent wäre das „South African Bureau of Standards“ SABS.  Und die haben mal die am südafrikanischen Markt befindlichen Kondome durchgetestet und sind zu einer Fehlerquote von etwa 10 % auch bei der Empfängnisverhütung gekommen. Jetzt muss man aber wissen, dass ein Sperma wesentlich größer ist als ein HIV-Virus. Also, wenn das Sperma schon durchkommt, was ist dann mit dem HIV-Virus? Und dieses also auch ein ganz großes Problem. Natürlich könnte man das damit regeln, dass man bessere Kondome herbringt, aber das ist auch jetzt ganz kürzlich wieder ein ganz großes Problem geworden, selbst was Aidsmedikamente betrifft, dass nämlich Billigimporte aus – ich will jetzt keine Länder nennen, weil ich niemand weh tun will – dass es Billigimporte von Medikamenten gibt, von antiretroviralen Medikamenten gibt, wo man dann nachher  feststellt, dass nur ein Bruchteil des Wirkstoffes da drin ist, und damit man den Behandlungserfolg eigentlich zunichtemacht und der Patient trotzdem stirbt. Also, es ist ganz wichtig. Und momentan, solang die Amerikaner gezahlt haben, waren wir auch gezwungen in Amerika zugelassene Medikamente zu verwenden, die entsprechende Qualitätstests haben, aber wir wissen nicht, wie es weitergeht und wir hoffen natürlich, dass wir die Gelder haben, dass wir ordentliche Medikamente verwenden können, von denen wir mit Sicherheit davon ausgehen können, dass die wirksam sind.

Gibt es eigentlich auch einen Schwarzmarkt für diese Anti-AIDS-Medikamente?

Da haben sie jetzt ein ganz aktuelles, hochbrisantes Thema angesprochen. Es gibt leider auch eines der Aidsmedikamente, das eine halluzinogene Nebenwirkung hat. Das heißt, wenn die Leute dieses Medikament nehmen, kann es sein, dass sie schöne Träume haben, manchmal auch Angsträume haben, und da  gibt’s die drogenabhängigen Leute, die dann dieses Medikament nehmen, und nicht in den Mund einnehmen, sondern zerreiben in ein Pulver, und das Zeug dann rauchen. Und es hat dann sehr ähnliche Wirkungen wie Haschisch oder sonstige Drogen. Und da gibt's eben jetzt den Schwarzmarkt, dass man entweder Leuten die die Medikamente bekommen, die klaut, die stiehlt und die dann dazu verwendet, oder sonst irgendwie versucht, an die Medikamente heranzukommen, um sie eben, wie Sie sagten, auf dem Schwarzmarkt zu vertreiben. Es gibt dann natürlich auch den Schwarzmarkt, dass jemand nicht zum Doktor gehen will und versucht, jemand anderen vorzuschieben und dessen Medikamente zu nehmen und alle möglichen Dinge, aber Aidsmedikamente sind wie ein Maßanzug, der auf die Lebenssituation des Patienten ganz genau zugeschnitten sein muss, um auch wirklich wirksam zu sein. Also, AIDS-Patient A kann nicht die Medikamente von AIDS-Patient B nehmen, sondern das muss ganz individuell abgestimmt sein.

Und das wissen auch die Patienten?

Ja, wir hoffen schon, was wir in unseren Vorbereitungskursen auf die Behandlung durchaus den Leuten einbläuen und immer wieder neu ins Bewusstsein rufen, aber leider ist es eben so, dass nicht alle, die in der AIDS-Arbeit tätig sind, es so gewissenhaft tun wie wir. Ich will da nicht unsere eigene Trommel schlagen, aber es ist einfach mal so, dass in vielen anderen Programmen eben einfach nur die Tabletten ausgegeben werden, und ob die dann richtig eingenommen werden, das steht auf einem anderen Blatt. Und deshalb sind wir auch sehr froh und dankbar, dass unser Programm einen enorm hohen Wirkungsgrad hat, wenn ich mich recht entsinne, waren es im letzten Jahr 96 % unserer Patienten, bei denen die Behandlung erfolgreich war, und da stehen wir meilenweit vor anderen Programmen von anderen Trägern und sind also gerade daher auch so dahinter, dass wir sagen: Mensch, das muss weitergehen! Wir dürfen nicht aufhören! Wir müssen die Gelder finden, dass wir dieses Programm weiter tragen können.

Auch wenn jetzt erst mal Amerika den Geldhahn abstellen wird, und somit die südafrikanische Bischofskonferenz entschieden hat, auch Sie, ihr Hilfsprogramm,  das heißt das Programm der Brotherhood of Blessed Gérard, die Sie, Pater Gerhard Lagleder, gegründet haben, erst mal dass da kein Geld mehr fließen wird. Bevor wir uns jetzt nochmal drüber unterhalten, welche Folgen das Aids Virus auch hat für die Menschen, vielleicht jetzt nochmal die dringende Frage: Wie kommt es eigentlich zu dem Namen „Seliger Bruder Gerhard“? Hat das was mit ihrem Vornamen zu tun, oder sowohl-als-auch?

Sowohl-als-auch indirekt. Also, der Selige Gerhard ist der Gründer des Malteserordens. Er war höchstwahrscheinlich ein Benediktiner, der ins Heilige Land kam, im Jahr, ja wahrscheinlich 1048, und dort dann im Jahr 1099 den Malteserorden, den Vorgänger des Malteserordens, nämlich die „Bruderschaft des heiligen Johannes zu Jerusalem“ gegründet hat, aus der dann 14 Jahre später der Malteserorden entstand.  Und dieser Selige Gerhard, als Gründer des Malteserordens, ist unser Namenspatron. Und sie haben ja gehört, und ich hab's vorher gesagt, dass ich also von ganzem Herzen ein Malteser bin, der ein Benediktiner geworden ist, aber ein Malteser geblieben ist: Also es schlagen nicht zwei Herzen in meiner Brust, sondern mein Herz, das ist so wie eine Melodie: Es ist immer schöner, wenn zwei Instrumente spielen, als nur eines, also spielt, klingt in meinem Herzen die Melodie der Malteser zusammen mit der Benediktinischen zu einer kleinen Symphonie, um das mal so zu nennen. Und so möchte ich einfach sagen, dass der Selige Gerhard daher für mich auch die erste Wahl war, als es darum ging, als ich Missionsbenediktiner wurde, ins Noviziat kam und einen neuen Namen bekam, da habe ich den meinem Erzabt vorgeschlagen als meinen Ordensnamen. Also, die Organisation ist nicht nach mir benannt, sondern sowohl die Organisation, als auch ich selber, sind nach dem Gründer des Malteserordens, dem Seligen Gerhard benannt.

Dankeschön, bis hierhin. Willkommen hier  in der Lebenshilfe bei Radio Horeb. Liebe Hörerinnen und Hörer, wir sagen heute „Einen Himmel von Pflege inmitten der AIDS-Hölle“  möchte mein Gast zusammen mit seiner Hilfsorganisation „Brotherhood of Blessed Gérard“ den Menschen in Südafrika bieten. Sie setzen sich ein für AIDS. Ein Himmel von Pflege inmitten der AIDS-Hölle. Wir sprechen gleich weiter, gerade auch über die Folgen von AIDS im Hinblick auf das Wegsterben von Generationen. Aber hören wir jetzt nochmal Klänge von südafrikanischen Kindern die uns etwas vorsingen werden:

(Musikeinlage)

Ja, jetzt in Zulu gesungen. Sie sprechen diese Sprache, Pater Gerhard Lagleder. Er ist mein Gast heute. Er lebt in Südafrika seit fast 25 Jahren. Ich habe Sie eben schmunzeln sehen, als die wir die Klänge der Kinder gehört haben. Haben sie den Wortlaut verstanden?

Ja, es war ein Regenlied, wo die Kinder lautmalerisch nachgemacht haben, wie eben der Regen auf die Dächer prasselt und dass sie jetzt den lieben Gott bitten, dass er ihnen eben Regen schickt, und das war eben ganz lieb und nett, wie der da „Tack-tack-tack-a-tack“ macht, also der Regen, der da auf das Dach prasselt.

Pater Gerhard, bevor wir weiter sprechen, stelle ich Sie  vielleicht nochmal kurz den Hörern vor: Sie sind gebürtiger Regensburger. Sie haben auch dort studiert. Nach der Priesterweihe, oder im Jahr der Priesterweihe, 1982, sind sie in St. Ottilien eingetreten bei den Missionsbenediktinern, nach fünf Jahren St. Ottilien wurden sie nach Südafrika entsandt. Dort leben und wirken Sie jetzt schon wieder fast 25 Jahre und haben dort die Brotherhood of Blessed Gérard gegründet, und sie sind auch Leiter dieser südafrikanischen Hilfsorganisation des Malteserordens. Und eben haben Sie uns schon erzählt, dass zwei Herzen in ihrer Brust schlagen, nämlich eins, sage ich mal, ein Malteserherz, und ein Missionsbenediktinerherz. Wie sich das vereinen lässt, das weiß nur der liebe Gott, aber wir wissen, dass aufgrund auch Ihrer großen Liebe und Ihres großen Herzens für das Land, in dem sie die Sorgen der Menschen in Südafrika sehen, schon vieles entstanden ist. Viele Gründungen der Hilfsorganisation nun erwachsen sind, verschiedene Zweige. Sagen Sie nochmal kurz, welche das sind, und warum die gerade auch so wichtig sind.

Ja, was die beiden Herzen betrifft, möchte ich vielleicht sogar dahingehend abändern und sagen, dass es in einem Herzen ja auch eine linke Herzhälfte und eine rechte Herzhälfte gibt, und die unabhängig voneinander arbeiten und wunderbar zusammenwirken, um einen schönen Kreislauf der Liebe Gottes hervorzurufen, und darum geht's, und dass der Gründer des Malteserordens, der Selige Gerhard, ein Benediktiner war und den Malteser Orden gegründet hat. Damit stehe ich also in einer sehr guten Tradition der Kirchengeschichte. Um Ihre Frage zu beantworten nach den verschiedenen Projekten und Programmen, die wir betreiben: Das größte Projekt dies unser Hospizprojekt, mit dem AIDS-Behandlungs-Projekt, aber es geht damit nicht nur um AIDS-Behandlung, sondern es geht einfach auch darum, dass man Sterbende begleitet in ihrem Sterben, dass sie einen menschenwürdigen Tod haben. Wir sind ja nicht in einem Großstadtbereich, sondern in einem sehr ländlichen Bereich, mit sehr großen Armutsvierteln, wie ich sagte, und deshalb ist es auch ganz wichtig, dass Menschen in ihrem Sterben in einer Atmosphäre sein können, die frei ist von Gewalt, die frei ist von Armut, die frei ist von dem Elend, in dem sie sich sonst befinden. Schauen Sie, wenn wir die Leute oft abholen von ihren Behausungen, die liegen wochenlang am Boden in ihren eigenen Fäkalien und sind also völlig verwahrlost. Und wenn die dann zu uns kommen, und ein lebenswürdiges Leben und Sterben zu erleben, dann kann man Ihnen also wirklich die Liebe Gottes näher bringen und ihnen zeigen, dass der liebe Gott für Dich da ist, also du lebst oder stirbst, und dass er auf Dich im Himmel wartet, wie wir den Leuten dies dann auch sagen.

Lassen Sie uns nochmal über die Folgen von Aids auch sprechen, Folgen die auf den ersten Blick neben den schlimmen körperlichen Beeinträchtigungen, auch des Hinsiechens, des Sterbens der Betroffenen, gar nicht zu sehen sind für uns Außenstehende. Was bedeutet es zum Beispiel auch für eine Familie in Südafrika, wenn einer oder mehrere Mitglieder mit dem HIV-Virus infiziert sind, und dann gar daran sterben müssen?

Es ist so: Wir sprechen in Südafrika nicht mehr von einer Epidemie, sondern von einer Pandemie, und das heißt, dass jeder irgendwie betroffen ist. Und es gibt also keine Familie, wo ist nicht mehrere AIDS-Tote gibt. Es gibt keine Familie wo es nicht irgendeinen Menschen gibt, der irgendwie primär oder sekundär von HIV betroffen ist, sei es, dass ein Familienangehöriger HIV-positiv ist oder in der AIDS-Phase ist, oder sei es, dass er in seiner Arbeit dadurch Schwierigkeiten bekommt. Und das große Problem ist einfach, dass nicht nur eine Generation, sondern Generationen wegsterben. Und in der Zulu-Gesellschaft ist es eigentlich wunderschön, dass es eine Selbstverständlichkeit ist, nehmen wir an, ich würde sterben, dann würde mein Bruder sowohl meine Kinder, wenn ich welche hätte, als auch meine Frau übernehmen müssen. Und jetzt ist aber das große Problem, dass so viele von diesen Brüdern und Schwestern schon gestorben sind, dass niemand mehr da ist. Dann gibt's eben die Großmutter. Die Großmutter ist dann zuständig für die ganzen Enkelkinder ihrer verstorbenen Kinder. Ich hab’s einmal erlebt, dass ich gerufen wurde zu einer Frau, und ihr Sohn sei also schwer krank. Als ich ankam ist er gerade gestorben. Dann ist sie nachher mit mir hinausgegangen hinter die Hütte und hat gesagt: „Schau, da ist das Grab von meinem Sohn, von meiner Tochter, von meinem Sohn, von meiner Tochter, und das war jetzt mein letztes Kind, und das ist auch an AIDS gestorben. Und da sind dann 10, 15 kleine Kinder rumgelaufen und sie hat gesagt: Ja, das sind die Kinder meiner Kinder, die gestorben sind. Dann hatte also diese Oma etwa 15, ich hab’s nicht gezählt, von Enkelkindern zu versorgen. Jetzt hat aber die auch nur eine kleine Altersrente, wo ich vorher schon sagte, dass die zu wenig zum Leben und zu viel zum Sterben ist, und dies sind also diese Großmutterfamilien. Und dann stirbt die Oma. Und dann haben wir die von Kindern geführten Haushalte, wo dann 12-, 13-, 14-jährige Kinder auf einmal der Familienvorstand sind. Und jetzt ist es noch schlimmer, dass diese 13-, 14-, 15-jährigen Kinder, die dann für ihre jüngeren Geschwister sorgen müssen, auch keine Einkunftsmöglichkeiten haben, und viele dieser Mädchen dann wieder auf das älteste Gewerbe der Menschheit zurückgreifen, um Geld zu bekommen.

Also in die Prostitution?

Das habe ich damit gemeint, und ihren Körper verkaufen an die Männer, damit sie das Geld bekommen, ihre Geschwister durchzufüttern und das ist also ganz schlimm, diese zweite AIDS-Welle mit der wir jetzt auch konfrontiert sind, und da muss man eben tun, was man kann, und drum haben wir eben aus dem Hospiz heraus dieses Kinderheim auch gegründet, wo auch viele Kinder drin sind, wo einfach beide Eltern an AIDS gestorben sind, oder der Vater unbekannt ist und die Mutter an AIDS gestorben ist, dass diese Kinder nicht für sich allein da stehen, sondern dass man sich um die kümmern kann.

Haben Sie einen ausreichenden Stamm auch an einheimischen Mitarbeitern, die ausgebildet sind, meinetwegen als Sozialarbeiter, die in die Familien gehen. Von wie vielen Mitarbeitern sprechen wir denn, wenn wir über die gesamte Brotherhood of Blessed Gérard sprechen, also die gesamte südafrikanische Hilfsorganisation des Malteserordens?

Wir sprechen momentan von 86 hauptamtlichen Kräften, und diese 86 hauptamtlichen Kräfte, das geht wirklich vom Arzt, der bei uns Vollzeit arbeitet, bis zum Gärtnergehilfen, und da sind also auch sehr sehr viele Fachkräfte dabei. Sie haben von unserer Sozialarbeiterin gesprochen. Wir haben Krankenschwestern, Krankenpflegehelferinnen, Schwesternhelferinnen, angestellt. Wir haben Lehrer angestellt und Kinderpflegerinnen für unser Kinderheim und Erzieherinnen, würde man in Deutschland sagen, für unseren Kindergarten, also alles Fachkräfte, die uns natürlich auch wahnsinnig viel Geld kosten, denn man kann eine Fachkraft nicht mit kleinen Löhnen abfinden und das ist natürlich für uns auch eine große Herausforderung. Aber wenn wir gute Qualität leisten wollen, dann müssen wir auch ausgebildete Kräfte einsetzen. Sie können in Deutschland auch nicht in ein Krankenhaus gehen und sich von einer angelernten Kraft den Blinddarm operieren lassen, sondern es muss auch gut ausgebildeter Arzt sein, und das ist bei uns nicht anders.

Nun ist der Malteser Hilfsdienst in Deutschland, der auch eine Hilfsorganisation des Malteserordens ist, im gesamten bundesdeutschen Raum tätig. Wie ist denn das bei der Brotherhood of Blessed Gérard, die wiederum ja die südafrikanische Hilfsorganisation des Malteserordens ist? Sind sie auch in Gesamt-Südafrika tätig, oder nur in der Provinz, in dem Bereich Mandeni, da wo sie auch zuhause sind?

Ja, jetzt sage ich mit einem Lächeln auf den Stockzähnen „noch nicht“, das heißt, als wir die Organisation gegründet haben, habe ich eigentlich so in meinem Hinterkopf den Wunschtraum gehabt, dass es also irgendwann, wie der Kardinal Frings mal sagte, „Zu jedem Kirchturm gehört eine Malteser-Gruppe“, dass es also irgendwann mal in ganz Südafrika Malteser geben wird, also uns südafrikanischen Malteser, aber es hat sich eigentlich völlig anders entwickelt, nämlich wir sind nicht in die Breite gewachsen, sondern in die Tiefe gewachsen, und sind jetzt eine Organisation die sich auf den Bereich kwaZulu/Natal spezialisiert hat, und dort mit eben den für den diesem Bereich sehr spezifischen Hilfsprojekten sehr in die Tiefe arbeitet. Und unsere Arbeit ist vor Ort immer mehr geworden, so dass wir momentan auch weder die Mittel, noch die der personellen Möglichkeiten haben, unsere Organisation auszubreiten. Ich habe allerdings bereits Anfragen von einem Erzbischof in Tansania und von anderen Bischöfen bekommen, ja kannst Du nicht auch zu uns kommen, und so eine Organisation gründen? Natürlich meinen viele, dass man nicht nur die Organisation gründet, sondern dass man dann auch das Geld bringt, die ganze Arbeit zu leisten, und da sind wir einfach momentan völlig überfordert. Aber von unserem Wunschdenken her, von unserer Bereitschaft her, ist durchaus der Wunsch da, dass wir uns mal auf das ganze Land Südafrika ausbreiten, aber momentan, wie gesagt, sind wir auf diesem Bereich kwaZulu/Natal konzentriert, und wir sagen lieber, es ist besser, dass man eine sehr gute Arbeit an einem Ort leistet, als dass man sich zu sehr in die Breite verstreut und dann die Qualität sinken würde.

Wie groß ist dieser Bezirk ungefähr? Machen Sie’s fest an einen deutschen Regierungsbezirk.

Es ist unheimlich schwer zu sagen, und zwar deshalb, weil unsere Patienten – wir hatten Patienten aus Kapstadt und aus Johannesburg – wir haben gottlob oder …

Und das ist unendlich viele Kilometer von Ihnen weg? Ein paar Hundert, nicht?

Das sind 2000 nach Kapstadt und nach Johannesburg  sind es 660 km, aber wir haben einen sehr guten Ruf. Und jetzt gibt  es eben sehr viele Leute, die sagen „Mensch, also der ist so schlecht beieinander, der muss unbedingt dorthin, weil die so gute Arbeit leisten“, und deshalb haben wir also einen sehr großen Einzugsbereich. Der unmittelbare Einzugsbereich ist etwa 50 km um Mandeni herum, also ein 100 km Umkreis (d.h. Durchmesser) um Mandeni herum, in dem wir uns um die Menschen kümmern. Für den häuslichen Krankenpflegebereich, wo wir täglich die Leute besuchen, ist der Einzugsbereich etwa 25 km. Aber auch für unsere Ausbildungen zum Beispiel kommen die Leute aus ganz Südafrika zu uns. Also wir sind in mehreren Diözesen tätig, außerdem sind wir das einzige Hospiz an der Nordküste des Zululandes mit einer Krankenstation, also das einzige stationäre Hospiz, und alle anderen Hospize an der Nordküste haben keine Krankenstation.

Mit wie viel Betten ungefähr?

Wir sind das größte stationäre Hospiz Südafrikas mit 40 Betten. Ich weiß nicht, das größte deutsche Hospiz, glaube ich, hat 15 oder 20 Betten und, ich will damit mit angeben, aber es ist einfach diese unendlich große Not da und der große Bedarf. Und deshalb ist unser Hospiz auch so groß geworden und deshalb ist es auch sehr wichtig,  dass wir uns dort konzentrieren, dass wir das, was wir tun, gut tun, und wir leisten unsere Hilfe ja auch, was für die Malteser ganz typisch ist, nach sehr sehr hohen Standardmerkmalen, das heißt, dass wir …

Nach westlichen Standardmerkmalen?

Ja natürlich! Wenn Besucher zu uns kommen, dann sind die immer baff erstaunt, dass man unsere Einrichtung durchaus mit einer Privatklinik in Europa vergleichen könnte.

Einen Himmel von Pflege inmitten der AIDS-Hölle möchte mein Gast, Pater Gerhard Lagleder, den Menschen in Südafrika bieten. Pater Lagleder, nun kommen wir langsam in den Abschluss der Sendung, und eine Frage, die am Ende notwendig ist, nochmal zu stellen, das ist die Frage: Ja wie können wir sie und ihre Arbeit unterstützen?

Das erste, und das werden Sie vermutlich nicht erwarten, ist dass ich Sie um ihr Gebet bitte, und das meine ich wirklich unendlich ernst. Ich bin überzeugt, dass der Liebe Gott Mittel und Wege finden kann, uns zu helfen, und darum bitte ich jeden, der zuhört: Bitte schließen Sie uns in Ihr Gebet ein! Zweitens natürlich, wir brauchen Geld, und da bitten wir wirklich ganz, ganz herzlich darum, dass, wenn es unter Ihnen, den Zuhörern dieser Sendung, Menschen gibt, die sagen: Also, ich kann etwas übrigen, oder wenn sie sich mit anderen Leuten zusammentun, um vielleicht so eine Patenschaft zu übernehmen, wären wir sehr dankbar. Aber es ist natürlich jeder Cent und jeder Euro eine Hilfe für unsere Arbeit. Wir haben einen Förderverein in Deutschland mit einem eigenen Spendenkonto.

Das Spendenkonto, liebe Hörerinnen und Hörer, das können Sie erfragen bzw. die Kontaktdaten zum Förderverein, liebe Hörerinnen und Hörer, die bekommen Sie, wie immer, bei unserm Radio Horeb Hörer Service oder sie gehen ins Internet auf „horeb. org“ und dann können Sie einfach tätig werden, wie immer sich ihr Herz jetzt auch öffnet, denn wir haben eben gehört, und deswegen ist Pater Lagleder auch gerade jetzt zur Zeit in Deutschland, dass die Förderhilfen, die amerikanischen, sehr stark gestrichen werden, und somit auch die Arbeit der Brotherhood of Blessed Gérard, der Hilfsorganisation des Malteserordens in Südafrika, stark beeinträchtigt ist. Wenn ich jetzt nun an die Malteser hier in Deutschland spende und dazu schreibe „Südafrika“, kommt das Geld dann auch bei Ihnen an?

Es gibt verschiedene Gliederungen der Deutschen Malteser, die uns unterstützen, aber ich denke, es wäre besser, man würde uns diese Gelder direkt auf unser eigenes Spendenkonto überweisen. Erstens geht es schneller und zweitens muss man dann nicht andere Leute bemühen, Spenden weiterzuleiten.

Wir wünschen Ihnen und Ihrer Arbeit von Herzen alles Gute, Gottes reichen Segen. Wir bitten Sie jetzt zum Abschuss auch noch um Ihren priesterlichen Segen, Pater Lagleder.

Lasset uns beten, Herr, allmächtiger Gott, wir danken Dir dass Du uns berufen hast vor Dir zu stehen und Dir zu dienen. Wir wissen und vertrauen darauf, dass Du mit Deinem Segen immer bei uns bist, und uns die Kraft schenkst, dass wir unsere Berufung erfüllen, ganz egal wo du jeden von uns hingestellt hast. So bitten wir Dich auch um Deinen ganz besonderen Segen für all die Menschen, die uns in Südafrika anvertraut sind, dass sie die Hoffnung nie aufgeben müssen, sondern dass ihnen die Liebe Gottes erfahrbar gemacht werden kann durch die Hilfe der Menschen. Und so segne sie, und so segne all die Hörer von Radio Horeb der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.  Amen. Gelobt zu Jesus Christus!

In Ewigkeit, Amen.  Ja, herzlichen Dank, dass Sie uns hier besucht haben im Münchner Radio Horeb Studio, Pater Gerhard Lagleder!

Herzlich Vergelt’s Gott für die liebe Einladung!

Ein Himmel von Pflege inmitten der AIDS-Hölle. Das ist dem Gründer und Leiter der südafrikanischen Hilfsorganisation des Malteserordens, der Brotherhood of Blessed Gérard, ein ganz besonderes Anliegen. Liebe Hörerinnen und Hörer, und wenn diese Sendung jetzt ihr Herz angerührt hat, und Sie sich weiter informieren möchten, dann rufen Sie doch einfach unseren Radio Horeb Hörer Service an. Die Rufnummer das ist die 0 700 75257525 die Rufnummer das ist die 083239675110. Wenn Sie uns außerhalb von Deutschland anrufen möchten, dann wählen Sie die deutsche Vorwahl 0049. Informationen bekommen Sie auch im Internet auf Horeb. Org. Dort können Sie sich auch per Mausklick die Sendung herunter laden oder eine CD bestellen. Sie können natürlich auch die Kollegen von CD-Dienst anrufen. Dazu die Rufnummer 083239675120. All diese Informationen können Sie auf der letzten Seite unseres Programmfaltblattes entnehmen. Danke fürs Zuhören, fürs dabei Sein. Lassen Sie mich noch ein Bibelzitat sagen: „So spricht der Herr, mit ewiger Liebe habe ich Dich geliebt. Darum habe ich dir so lange die Treue bewahrt.“ Ja, liebe Hörerinnen und Hörer bewahren wir unseren Mitmenschen, den Ärmsten der Armen, die Treue, indem wir wohlwollend an sie denken, für sie beten und so, wie es in unserer Macht steht, auch Ihnen finanziell unter die Arme greifen und helfen den Armen der Armen. Es verabschiedet sich von IhnenIhre Sabine Böhler.


Unter dem Kreuz des Südens (16.3.2011)

http://www.sokalavillas.com/pics_information_5/6.0SouthCrossY6.gif

Glaubensspiegel:

"Unter dem Kreuz des Südens"

Der Benediktinermissionar Pater Gerhard berichtet aus dem Zululand

Ein Interview von Gaby Kuhn mit Pater Gerhard,
gesendet am 16. März 2011 um 14°° Uhr

Frage von Gaby Kuhn im Interview:
"Was ist aktuell Ihr größter Wunsch?"
Antwort von Pater Gerhard:
"Dass unsere AIDS-Patienten nicht sterben müssen"

Hintergrund: http://bbg.org.za/aidshilfe.html

 

"Grüß Gott" und Herzlich willkommen heißt Euch Gaby Kuhn. Auch ein Gruß an alle Zuhörer und Zuhörerinnen von Radio Gloria. Unser heutiger Gast, den wir bei uns begrüßen dürfen, versteht leider kein Schweizer Deutsch. Drum werde ich ab jetzt in Schriftdeutsch weitersprechen:

„Unter dem Kreuz des Südens“. Der Benediktinermissionar Pater Gerhard berichtet aus dem Zululand.

Eine unvergängliche Bruderschaft - 3.2.2011
„Zieh in das Land, das ich Dir zeigen werde!“ 13.1.2011
Herbergssuche im Zululand. - 8.12.2010
Ein Himmel von Pflege inmitten der Aids-Hölle - 1.12.2010
Mission in Südafrika - 21.10.2010

Pater Gerhard, der bei uns schon mehrmals über seine Missionstätigkeit und die Arbeit seines Waisenhauses berichtet hat, erzählt uns heute Neues aus dem Zululand. Leider bleiben auch im Zululand die Sorgen nicht aus, aber auch die schönen Erlebnisse prägen den Alltag. Pater Gerhard wird uns heute über die beiden Seiten seines Lebens im südlichen Afrika berichten. Für unsere Zuhörer und Zuhörerinnen, die beim letzten Mal Pater Gerhard nicht hören konnten, darf ich ihn noch einmal kurz vorstellen: Pater Gerhard wurde 1955 in Regensburg geboren, wo er auch 1982 seine Priesterweihe empfing. Im gleichen Jahr ist er in St. Ottilien dem Orden der Missionsbenediktiner beigetreten. Seit 2005 ist er Ehren-Konventualkaplan des souveränen Malteser Ritterordens. 1992 gründete Pater Gerhard im Zululand an der Ostküste Afrikas die Bruderschaft des Seligen Gerhard. Es ist eine eigenständige Hilfsorganisation innerhalb des Malteserordens. Pater Gerhard leitet dort ein Aidstherapie Programm. Ich bin mit Ihm telefonisch verbunden. Grüß Gott, Pater Gerhard, und herzlich willkommen bei uns auf Radio Gloria! Pater Gerhard, was hat sich getan seit unserem letzten Gespräch?

Ja, was hat sich seit unserem letzten Gespräch bei Radio Gloria getan? Bei mir hat sich unendlich viel ereignet in dieser Zeit. Ich habe in der letzten Sendung ja bereits erwähnt, dass die amerikanische Staatsregierung ihre AIDS-Hilfe für Südafrika, oder für ganz Afrika, drastisch gekürzt hat und das hat zur Folge, dass auch das Aids Behandlungs-Programm der südafrikanischen Bischofskonferenz mit der wir zusammenarbeiten, bzw. deren Teil wir sind, sehr viel weniger Geld bekommt und das heißt, im Klartext gesprochen, dass wir ab Ende Mai von Amerika kein Geld mehr erwarten können. Dies ist ein riesengroßer Betrag, um den es hier geht, und deshalb bin ich zu meinem Ordensoberen gegangen und hab gesagt: „Bitte, lieber Vater Abt, es ist eine ganz schreckliche Situation eingetreten: Mir sterben 320 Leute, die wir in AIDS Behandlung haben, wenn die ihre Medizin nicht weiter bekommen, wenn sie ihre AIDS Behandlung nicht weiter bekommen.“ Und das hat er eingesehen und hat gesagt: „Ja, lieber Pater Gerhard, Du kannst jetzt wieder ganz für die Arbeit der südafrikanischen Malteser zur Verfügung stehen, ganz für die Arbeit des Blessed Gérard’s Care-Zentrums in Mandeni.“ Denn ich war während der letzten 13 Monate auch nebenher der Leiter der Klosterverwaltung der Abtei Inkamana, die 226 km nördlich von Mandeni liegt. Und von dieser Aufgabe hat mich gottlob nun mein Abt befreit. Es ist eigentlich schön, dass mein Nachfolger ein Afrikaner ist, der Kenianer Pater Johannes Paul und dies ist ein schönes Zeichen, dass sich die Kirche, auch die Klöster in Afrika, afrikanisieren, dass es nicht mehr darum geht, dass jetzt ein europäischer Missionar die Schlüsselstellen im Kloster alle inne hat, sondern dass immer mehr Einheimische reinwachsen. Und kürzlich wurde auch ein Mitbruder aus Malawi, der Bruder Kevin, zum Sub-Prior der Abtei Inkamana in Südafrika ernannt, also ein sehr schönes Zeichen der Afrikanisierung, dass unsere afrikanischen Mitbrüder nun Selbst- und Eigenverantwortung übernehmen können und damit bin ich jetzt wieder wirklich Vollzeit und ganzzeitig da für die Arbeit, die ich in Mandeni begonnen habe, nämlich die Arbeit der südafrikanischen Malteser, wo wir dort ein sehr großes AIDS-Behandlungsprogramm unterhalten. Und dafür bin  ich jetzt wieder ganz da.

Pater Gerhard, „Unter dem Kreuz des Südens“, warum sind sie zu diesem Titel gekommen?

http://www.umdiewelt.de/photos/791/678/0/19733.jpghttp://www.didgeman.de/inhalt/dreamtime/Images/kreuz_des_suedens.jpgDer Titel „Unter dem Kreuz des Südens“ hat eine symbolische Bedeutung. Natürlich weiß jeder, dass das Kreuz des Südens ein Gestirn, eine Himmelserscheinung, ist, die man nur in der südlichen Halbkugel am Himmel sehen kann, also ein Sternbild. Dies ist zu einem Symbol, zum Beispiel in der Fahne von Australien, geworden, und ich denke auch in Neuseeland und für uns bedeutet das Kreuz des Südens eigentlich sehr viel mehr, symbolisch gesehen. Unsere Menschen hier in Südafrika leben in einem sehr vielschichtigen Land. Die südafrikanische Tourismusbehörde spricht davon, dass Südafrika „die ganze Welt in einem Land“ sei. Die meinen natürlich damit, dass sie sagen wollen: „Du brauchst gar nicht woanders hinfahren. Wenn Du nach Südafrika fährst, bekommst Du alles, was Du im Rest der Welt auch sehen würdest.“ Aber ich fasse das auch ein bisschen anders auf, nämlich so, dass man in Südafrika die ganze Welt in einem Land erlebt, also die Erste Welt, die Zweite Welt, die Dritte Welt, und wenn man so will, auch die Vierte Welt. Das heißt, das Kreuz des Südens ist für mich ein Symbol, dass die Menschen im Süden, in der südlichen Hemisphäre, in der die Armut ja wesentlich größer ist als in der nördlichen Hemisphäre, dass die Menschen im Süden, auch im Süden Afrikas, ein ganz großes Kreuz zu tragen haben. bbgteuar.gif (72976 bytes)
Und das ganz große Kreuz, das die Menschen zu tragen haben, ist im Grunde die Armut. Und die Armut führt dann wie in einem Teufelskreis dazu, dass man sich keine Bildung leisten kann. Wenn die Menschen sich keine Bildung leisten können, wenn sie ungebildet sind, wenn sie keine Ausbildung haben, bekommen sie keine Arbeit. Damit haben wir eine enorm hohe Arbeitslosigkeit. Über 50 % der arbeitsfähigen Bevölkerung Südafrikas hat keine Arbeit, ist also arbeitslos. Und wenn ich keine Arbeit habe, kann ich mir nichts zu Essen kaufen. Wenn ich kein Geld verdiene, kann ich mir keine Nahrung kaufen und damit gibt es in Südafrika auch sehr viel wirklichen und echten Hunger. Und wenn jetzt die Leute noch Hunger geschwächt sind oder wenn sie, weil sie nichts auf dem Tisch haben, ihren Körper verkaufen zu müssen glauben in der Prostitution, werden sie krank. Und wenn die Menschen krank sind, können sie wieder nicht arbeiten und sind damit wieder arm. Also, wir haben diesen Teufelskreis der Armut, in dem eine schlimme Sache zur anderen führt und im Endeffekt sich das ganze so sehr im Kreis dreht, bis der Mensch einfach nicht mehr weiter kann. Und ich fasse diesen Teufelskreis der Armut wirklich als ein echtes „Kreuz des Südens“ auf. Heute ist Fastenzeit und in dieser Fastenzeit besinnen wir uns ja ganz besonders auf den Kreuzweg, besinnen wir uns ja ganz besonders darauf, wo wir selber oder wo andere Menschen, für die wir verantwortlich sind, ihr Kreuz tragen müssen. Und so ist es auch für uns ein neuer Aufruf, dass wir in unserer Hilfstätigkeit weitermachen.

Wenn ich jetzt an den Ursprung des Übels, an die Armut, denke, dann sind es zwei Dinge, um die wir uns in ganz besonderer Weise kümmern in der Bekämpfung der Armut.

  1. Das eine ist, dass wir einen Hilfsfonds für Arme Kranke unterhalten, wo Menschen, die sich eine medizinisch notwendige Behandlung nicht leisten können, wo wir denen unter die Arme greifen und diese Behandlung finanzieren.

  2. Aber es gibt auch noch eine zweite Armut. Und da möchte ich die Mutter Theresa von Kalkutta zitieren und die Mutter Theresa von Kalkutta hat einmal gesagt: „Die schlimmste Armut, die es in der Welt gibt, ist die Lieblosigkeit.“ Es geht also um Menschen, die arm sind, die arm sind, weil keiner sie mag, weil keiner sie schätzt, weil keiner sie in den Arm nimmt, weil keiner sich freut, wenn er sie sieht, Und das ist genau das, warum wir ein Kinderheim eröffnet haben. In diesem Kinderheim sind Kinder, die keiner sonst mag. In diesem Kinderheim sind Kinder, um die sich keiner sonst kümmern würde. Und dies ist eine Armut, wenn man kein Heim hat, wenn man keinen Platz hat, wo man sich abends hinlegt, wo man was zu essen bekommt, und vor allem, wenn man keinen Platz hat, wo man wirklich geliebt wird, ist das eigentlich eine ganz schlimme Armut. Und darum haben wir ein Kinderheim angefangen vor vielen Jahren, um eben Kindern ein neues Heim zu geben, die ausgesetzt sind, die krank sind, auch AIDS-krank sind, Kinder die misshandelt und missbraucht worden sind, due unterernährt waren, und die sonst kein zuhause hätten.

(Musikeinlage)

Der Bildungsmangel, der aus der Armut entsteht, auch dort greifen wir ein, und zwar in ganz besonderer Weise:

  1. Auf der einen Seite mit einem Stipendienfonds. Und dieser Stipendienfonds heißt, dass wir begabten Kindern armer Eltern helfen, dass sie eine Ausbildung sich leisten können. Also, wir zahlen denen die gymnasiale Ausbildung, die weiterführende Ausbildung, bezahlen auch manchmal die Grundschulgebühren. In Südafrika ist es ja nicht wie in Europa, wo man für die Schule nichts zahlen muss, sondern dort müssen Schulgebühren bezahlt werden, in der Grundschule, in der Hauptschule, in der Mittelschule, am Gymnasium, und natürlich Gebühren für ein Studium an der Universität können sich wirklich nur die Kinder von ganz reichen Eltern leisten und die Menschen, mit denen wir es zu tun haben, die haben ja überhaupt kein Geld, und deshalb ist dieser Stipendienfonds eine ganz wichtige Sache, auch weil die beste Entwicklungshilfe eigentlich darin besteht, dass man die Menschen ausbildet, damit sie sich selber helfen können, und damit sie Helfer in der Gesellschaft werden.

  2. Zum zweiten versuchen wir den Bildungsmangel mit unserem Kindergarten zu bekämpfen. Warum Bildungsmangel mit Kindergarten? Der Kindergarten ist nicht nur so eine Kinderbewahranstalt, wo es darum geht, dass die Kinder aufgehoben sind bis die Mutter von der Arbeit zurückkommt, wenn sie eine hat. Sondern in diesem Kindergarten geht es wirklich um eine systematische Vorschul-Erziehung. Das Problem ist, dass die Kinder bei uns sehr häufig überhaupt nicht geistig gefördert werden zuhause. Sie müssen sich vorstellen: Kinder, die im Busch aufwachsen, die nichts anderes tun den ganzen Tag als außerhalb der Hütte zu spielen und vielleicht auf die Ziegen und auf die Hühner aufzupassen, die haben keine geistigen Anregungen und drum ist es so unendlich wichtig, dass man die bereits im Vorschulalter dann ordentlich schult, dass man mit den Kindern ein Vorschulprogramm macht, und das hilft Ihnen dann unendlich, dass sie in der Schule später besser mitkommen und bessere Leistungen erzielen und deshalb haben wir diesen Kindergarten eingerichtet. Er ist eigentlich für 40 Kinder gebaut, aber wir haben fast die doppelte Anzahl von Kindern in diesem Kindergarten drin, weil es eben sehr schwer fällt „nein“ zu sagen, wenn Kinder zu uns kommen, oder die Eltern mit ihren Kindern zu uns kommen, die einfach unsere Hilfe ganz dringend brauchen und sonst nicht wüssten, wo sie die Kinder hin bringen sollen, denn viele der Väter sind Wanderarbeiter, sind also weit von zuhause weg. Die Frau ist allein daheim. Jetzt muss sie aber Essen auf den Tisch bringen, und der Mann, der weit weg von zuhause wohnt, schickt oft kein Geld nachhause und jetzt muss die Mutter irgendwie selber versuchen, sich Geld zu verdienen, und da braucht sie eben dann jemand, der auf die Kinder aufschaut, und deshalb haben wir eben diesen Kindergarten eingerichtet, der eine wirklich sehr segensreiche Einrichtung ist. Es immer herrlich zu sehen, wie die Kinder dann heranwachsen und wie die eigentlich Dinge wissen, wo muss sich selber als Außenstehender wundert, wie ein Kind in der Vorschule zählen kann, addieren kann, denken können, wie die Kinder lesen können, wie die rechnen können, und wenn die dann zur Schule kommen, dann kommen die wesentlich besser mit, haben dann wesentlich bessere Leistungen in der Schule und genau das wollen wir mit diesen Kindergarten erreichen. Eigentlich wurde er für 40 Kinder gebaut, aber wir haben fast die doppelte Menge von Kindern im Kindergarten, weil einfach der Andrang so groß ist, weil so viele kommen und es ist dann unendlich schwer, den Eltern zu sagen: „Es tut uns leid. Wir können dein Kind nicht nehmen.“ Und des Kind wäre eben dann auf sich allein gestellt und das kann man also fast nicht verantworten und deshalb haben wir eben so viele Kinder in unseren Kindergarten.

So werden wir an dieser Stelle eine Pause machen und uns ein Lied anhören:

(Musikeinlage)

Für die Zuhörerinnen und Zuhörer, die etwas spät zu uns gestoßen sind: Im Mittelpunkt unserer Sendung steht „Unter dem Kreuz des Südens - Der Benediktiner-Missionar Pater Gerhard berichtet aus dem Zululand."

Jetzt kommen wir zum nächsten großen Kreuz des Südens, nämlich zur Arbeitslosigkeit. Die Arbeitslosigkeit ist bei uns ein enormes Problem. Etwa mehr als 50 % der arbeitsfähigen Bevölkerung haben keine Arbeit in Südafrika, und da muss man was tun.

Und wo wir besonders etwas tun, ist im Zusammenhang mit unserem Aidshilfeprojekt, nämlich dass wir versuchen, AIDS-kranke Leute dazu zu veranlassen, dass sie für sich selber sorgen. Und, wie meine ich das? Eine Arbeit in einer Fabrik zu bekommen ist sehr sehr schwierig, wenn man mal rausgefallen ist aus dem Arbeitssystem, aber wir versuchen denen zu helfen, dass sie zuhause für sich selber sorgen können, das heißt, wir haben in unserem AIDS-Nachsorge Projekt zum Beispiel Kurse wie man Hühner züchtet, oder wir haben Kurse, wie man Gartenbau macht. Wir haben Kurse, wie man Früchte oder Gemüse anbaut, und genau damit können die Leute sich dann a) mit guter Nahrung selber versorgen aber sie können auch mehr produzieren, als was sie selber brauchen, und es verkaufen und haben damit eine Einnahmequelle und genau da hilft man den Leuten die sonst keine Arbeit finden können, dass sie trotzdem sich etwas verdienen können, und eben nicht ohne irgendwelchen Verdienst sind.

Damit Hunger nicht die Folge der Arbeitslosigkeit ist haben wir zwei Hungerhilfeprojekte:

  1. Das eine ist unser Hungerhilfeprojekt, unsere Klinik für unterernährte Kleinkinder und Säuglinge. Und das ist eine Klinik, wo wir Kindern helfen, die nicht genügend Nahrung bekommen, und zwar ist bei uns ein ganz großes Problem eben dieses Aids. Ich habe in früheren Sendungen bereits gesagt, dass Mandeni die Aidshochburg der Welt ist, Mandeni in Südafrika, in der etwa drei Viertel der Bevölkerung HIV-positiv sind. Und eine HIV-positive Mutter soll ja ihr Kind nicht stillen, weil das Aids Virus über die Muttermilch übertragen werden kann, aber wenn die Mutter jetzt ihr Kind nicht stillen kann, hat sie ja nichts zum Füttern, bekommt das Kind nichts zu essen und die Babynahrung, die man kaufen kann, und die man dann anrühren muss, und dem Kind geben muss, ist sehr teuer und die können sich sehr viele nicht leisten, oder sie verdünnen Sie dann zu sehr mit Wasser, dass sich Kind nicht genügend Nährstoffe, nicht genügend Eiweiß bekommt, und so haben wir sehr viele Fälle von Kwashiorkor. Das sie seine Eiweißmangelkrankheit, und das Fatale an Kwashiorkor ist, dass das Kind eben nicht schlank und dünn wird – da würden es die Eltern dann erkennen, dass was nicht stimmt. Sondern beim Kwashiorkor wird der ganze Körper aufgeschwemmt mit Wasser, und das Kind wird eigentlich erscheint es dicklich, so wie dieses Michelin-Männchen in der Werbung , wo das Kind also ganz ganz dick wird, und die Eltern meinen: „Ach, das ist ein gesundes Kind!“ In Wirklichkeit ist es schwerst-krank. Und diesen Kindern helfen wir mit unserem Hungerhilfeprojekt: Auf der einen Seite in der Erziehung dessen, der für dieses Kind zuständig ist. Oft ist es gar nicht die Mutter sondern irgend ein Verwandter, der sich um die Kinder kümmert, wenn die Mutter schon gestorben ist, oder wenn die Mutter nicht da ist, und zum anderen geben wir dort, war Armut der Grund für die Unterernährung ist, Milch und eiweißreiche Aufbaukost. Da gibt es so eine spezielle Mischung, die für unterernährte Menschen gedacht ist, und die hat all die Nährstoffe drin, die das Kind braucht, und das bekommen die dann von uns kostenlos, so dass eben diese Kinder nicht Gehirnschäden davon tragen aufgrund der Unterernährung, weil das leider auch der Fall ist, wenn Kinder im frühen Kindesalter unterernährt sind, dass sie dann Intelligenzschäden davon tragen und das ist dann eine Langzeitfolge, die man eigentlich nicht mehr zurückschrauben kann.

  2. Dann haben wir auch ein Nothilfeprojekt, wo wir Leuten helfen, die ohne irgendwelche Vorwarnungen, einfach in eine unerwartete Notsituation hineingeraten,
    zum Beispiel, dass durch einen Buschbrand das ganze Haus abbrennt, mit all dem, was drin war, oder dass bei unseren subtropischen Regenfällen (Jetzt haben wir ja Sommerzeit, wo es viel regnet,) dass alles weggeschwemmt wird, und die Leute stehen dann da und haben überhaupt nichts mehr. Und da hilft eben unser Nothilfefonds, wo wir mit unseren Sozialarbeitern zusammenarbeiten und den Menschen dann dort, wo sie einfach gar nichts mehr haben, unter die Arme greifen, damit sie nicht hungern müssen und damit sie Kleidung bekommen und damit sie eben überleben können bis sie sich selber wieder eine Behausung bauen.

(Musikeinlage)

Und jetzt kommt die Krankheit, von der ich anfangs gesprochen habe,  als weiteres Kreuz des Südens. Und das ist ja unser Haupt-Aufgabengebiet. Und drum nenne ich es auch am Schluss: Wir helfen Kranken in vier verschiedenen Projekten, auf der einen Seite nennen wir mal die kleineren eher:

  1. Wir sind auch im Katastrophenschutz tätig, wenn also Menschen durch eine Katastrophe … – Wir hatten einen großen Einsatz bei der Überschwemmungskatastrophe im Jahr 2000 in Mosambik, wo zehntausende von Menschen abgeschnitten waren von medizinischer Versorgung und wir dort als Teil eines großen Teams des internationalen Malteserordens mitgeholfen haben, ein Feldhospital aufzubauen, um die Menschen medizinisch zu versorgen.

  2. Dann sind wir auch im Erste Hilfe Dienst tätig,
    d.h. zum Beispiel bei großen Veranstaltungen leisten wir Erste Hilfe, dass die Menschen, die während so einer Veranstaltung sich verletzen oder krank werden, ordentlich versorgt werden.

  3. Und dann kommt eben unser Riesenprojekt, mit dem ich jetzt abschließen will, nämlich unser Hospiz.
    Unser Hospiz ist das größte stationäre Hospiz Südafrikas mit 40 Betten.
     Ich weiß nicht, wie groß das größte Schweizer Hospiz ist, aber wir können im internationalen Vergleich durchaus mit sehr großen Zahlen aufwarten, was einfach notwendig ist, weil es bei uns so viele Kranke gibt. Dieses stationäre Hospiz nimmt nicht nur sterbende Patienten auf, um sie im Sterben zu begleiten, um ihnen die Hand zu halten, um bei Ihnen zu sein, alle medizinische Behandlung zu geben, aber Ihnen auch menschlich beizustehen, einfach für sie da zu sein, ihnen die Hand zu halten, mit ihnen zu beten, sie zu verwöhnen in dem Sinn, dass sie mal auch ganz in Ruhe sein können, dass sie in einem ordentlichen Bett sind, dass sie sauber gewaschen werden und ordentliche Nahrung bekommen, aber dann einfach, dass man menschlich für sie da ist,  dass man sich neben das Bett hinsetzt und bei dem Patienten bleibt, solange er einen braucht, um ihn so in den letzten Lebenstagen und in den letzten Lebenswochen zu begleiten. Aber dieses Hospiz hat sich dann ausgeweitet, vor acht Jahren, im Jahr 2003, einfach dadurch, dass bei uns so unendlich viele Leute gestorben sind. Bei uns im Haus sterben pro Tag oft bis zu fünf Patienten; nicht jeden Tag fünf, aber bis zu fünf Patienten pro Tag! Und so kann es nicht weitergehen mit diesem AIDS – und die meisten davon haben AIDS.

  4. Und deshalb haben wir also bereits 2003 begonnen, ein Aidsbehandlungsprogramm einzuführen, nämlich dass wir den Menschen antiretrovirale Medikamente geben. Und diese antiretroviralen Medikamente führen dazu, dass der Patient sich wieder wohl fühlt. Was die Medikamente tun ist das HIV-Virus an der Vermehrung im menschlichen Blut zu hindern. Und damit wird die Virenbelastung, die bei einem Menschen im voll ausgebrochenen AIDS oft bis zu über 1 Million von HIV Viren pro Kubikmillimeter führt, dass die heruntergefahren wird, die Virenbelastung, auf was man „nicht mehr wahrnehmbare Virenbelastung“ nennt, also auf unter 50 Viren pro Kubikmillimeter, und damit sich das Wohlbefinden des Patienten wieder einstellt, der Patient eigentlich kein Patient mehr ist. Der fühlt sich völlig gesund. Der kann zur Arbeit zurück. Die Mütter können ihre Kinder großziehen, und dem Patienten geht es wieder gut. Und genau dies ist es, was die HAART-Behandlung, also die „Hoch-Aktive Anti-Retrovirale Therapie“ tut. Wir bekommen immer mehr Patienten. Wir haben Hunderte von Patienten in Behandlung, und ich eingangs in dieser Sendung bereits sagte, haben wir dieses riesengroße Problem, dass der Hauptgeldgeber für dieses AIDS-Behandlungsprogramm, die amerikanische Regierung, kein Geld mehr hat (wegen der Wirtschaftskrise in den USA) und einfach diese Aidshilfe nicht mehr so leisten kann wie früher, was eben zur Folge hat, dass wir ab Ende Mai von Amerika über die südafrikanische Bischofskonferenz keine Zuschüsse mehr bekommen können, und jetzt irgendwie selber schauen müssen, wie wir unsere AIDS Arbeit weiterführen. Und, wie ich schon sagte, ich bin enorm unter Druck, weil es ja um Menschenleben geht. Es geht also nicht darum, dass man jemand, dem man mit irgendwelchen Almosen geholfen hat, jetzt weniger Almosen geben kann, sondern es geht einfach darum, dass das Leben der Leute von dieser Behandlung abhängt, und die können sie anderweitig nicht bekommen. Die Regierung haben wir schon gefragt, das Gesundheitsministerium, und die haben uns gesagt: „Es ist unmöglich, dass wir die ganzen Leute einfach übernehmen! Ihr müsst selber schauen, wie ihr das regelt.“ Und deshalb bin ich also jetzt nach Europa gekommen. Ich werde auch nächste Woche in die Schweiz kommen, um vor allem im Gebiet von Zürich mich aufzuhalten, um dort einfach zu versuchen, Menschen zu finden, die sagen: „Mensch, Pater Gerhard, das verstehen wir. Das ist eine unendlich notwendige Arbeit, und wir müssen Dich dabei unterstützen.“ Und deshalb bin ich eben jetzt gekommen, um Hilfe zu finden für unser AIDS Projekt, dass das weiterlaufen kann, dass mir die Leute nicht sterben. Und deshalb werde ich also jetzt in dieser Betteltour, wenn sie es so nennen wollen, in dieser Rundreise versuchen, zu so vielen Leuten als möglich zu sprechen, und denen die Brisanz unserer AIDS-Arbeit klar zu machen und zu hoffen, dass wir Hilfe bekommen.

(Musikeinlage)

Im Mittelpunkt unserer Sendung steht: „Unter dem Kreuz des Südens – Der Benediktinermissionar Pater Gerhard berichtet aus dem Zululand“.
Pater Gerhard, was ist aktuell ihr größter Wunsch?

Mein größter Wunsch ganz aktuell ist, dass meine AIDS Patienten, für die ich persönlich, aber natürlich auch im Namen unserer Organisation Verantwortung übernommen habe, dass mir die nicht sterben müssen. Das ist nicht nur ein Wunsch, das ist eine Notwendigkeit, das ist ein Drang, das ist eine Berufung, die ich jetzt verspüre, dass ich sagen muss: „Ich kann die nicht sterben lassen! Ich muss was tun!“ Und deshalb ist mein größter Wunsch der, dass ich für diese Patienten Paten finde. Wenn ich von Paten spreche, dann meine ich Menschen, die sagen: „Wir helfen Dir, dass ein Patient wenigstens überleben kann.“ Wir haben das mal ausgerechnet und es ist eigentlich frappierend, wie gering der Betrag nur ist. Der Betrag für einen AIDS Patienten, in der ganzen AIDS-Behandlung, von den Medikamenten über die Labortests bis zu Personalkosten und Nebenkosten eingeschlossen, also alle Kosten eingeschlossen, kostet ein AIDS Patient pro Tag vier Schweizer Franken. Und ich könnte mir durchaus vorstellen, dass es Menschen gibt, die sagen: „Also vier Schweizer Franken, das ist nicht so enorm viel Geld, das können wir uns leisten, dass wir Dir jeden Tag vier Schweizer Franken geben.“ Und das kann man natürlich dann zusammenfassenden in eine wöchentliche Spende oder eine monatliche Spende oder, wenn man so will, in eine jährliche Spende, und damit eben dann hilft, dass man so einen AIDS Patienten weiter betreuen und behandeln kann, und dass der nicht sterben muss. Sie können diese Zahlen und noch weitere Informationen über unser AIDS-Programm ganz einfach im Internet finden, wenn sie auf die Seite www.bbg.org.za/aidshilfe.html  und dort finden Sie die ganze Problematik nochmal erläutert aber auch die Zahlen von den vier Schweizer Franken pro Tag, 28 Fr. pro Woche, 122 pro Monat, bis zu 1460 Fr. pro Jahr und ich könnte mir durchaus vorstellen, dass es auch viele Leute gibt, die sagen: „Also, mir allein ist das zu viel.“ Ich könnte aber mir vorstellen, dass eine Pfarrgemeinde, oder ein Verein, oder eine Gemeinschaft, oder ganz egal welche Menschengruppe, eine Schulklasse, sagt: „Wir übernehmen jetzt die Patenschaft für so einen AIDS Patienten.“ Und das ist mein größter Wunsch, dass diese Menschen nicht sterben müssen, sondern dass ich alternative Geldgeber finde, die uns helfen, das Leben dieser Menschen zu erhalten. Und es geht ja nicht nur um diese 320 Personen, die momentan in unserer Behandlung sind, sondern es sind ja viele auf der Warteliste, die diese Hilfe auch noch brauchen. Das ist mein größter Wunsch und ich bitte den Herrgott, dass er ihn mir erfüllt. Es geht nicht um mich. Es geht um diese Menschen. Und ich bin überzeugt: Wenn der liebe Gott es will, dann werden wir es schaffen.

Wenn Sie, lieber Zuhörer und Zuhörerinnen,  das Werk von Pater Gerhard unterstützen möchten, gebe ich Ihnen jetzt eine Schweizer Kontonummer an.

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Und zwar: Helvetische Assoziation FONDAHOM, UBS AG, IBAN: CH26 0026 0260 3830 4040R, mit dem Vermerk „Südafrika“. Herzlichen Dank, Pater Gerhard, für dieses interessante Gespräch und Interview. Darf ich Sie zum Schluss noch um Ihren Segen bitten?

Lasset uns beten: Herr, allmächtiger Gott, Du hast uns alle gerufen, vor Dir zu stehen und Dir zu dienen. Du hast uns gerufen, das wir Deine Liebe allen Menschen weiter schenken. Du hast uns gerufen, dass wir Dich in unserem Leben nachahmen. Wir bitten Dich um Deinen Segen für die Menschen, die uns anvertraut sind, und wir bitten Dich um Deinen Segen für die Menschen, die unsere Hilfe brauchen. Und so segne und behüte Euch alle der allmächtige und barmherzige Herr, der Vater, und der Sohn, und der Heilige Geist. Amen. Gelobt zu Jesus Christus! In Ewigkeit. Amen.

Das ist es gewesen, unsere Sendung mit dem Titel: „Unter dem Kreuz des Südens – Der Benediktinermissionar Pater Gerhard berichtete aus dem Zululand.“ Bei Ihnen, Pater Gerhard, möchte ich mich recht herzlich bedanken, dass Sie bei uns als Gast und Referent gewesen sind. Auch bei Ihnen, liebe Zuhörer und Zuhörerinnen, bedanke ich mich recht herzlich, dass sie mich durch die Sendung begleitet haben. Es würde mich freuen, wenn ich sie wieder auf Radio Gloria begrüßen dürfte. Am Mikrofon ist gewesen: Gaby Kuhn. Und ich wünsche Ihnen Gottes Segen.



Eine unvergängliche Bruderschaft (3.2.2011)

Glaubenskurs

Mission in Südafrika, Teil 3.

P. Gerhard Lagleder

"Eine unvergängliche Bruderschaft"

Wie die "Bruderschaft des Seligen Gerhard" die Aussage des Seligen Gerhard "Unsere Bruderschaft wird unvergänglich sein, weil der Boden, auf dem diese Pflanze wurzelt, das Elend der Welt ist - und weil, so Gott will, es immer Menschen geben wird, die daran arbeiten wollen, dieses Leid geringer, dieses Elend erträglicher zu machen" mit neuem Leben erfüllt und diese in die gegenwärtige Zeit und Lebenssituation Südafrikas überträgt.

Eine Sendung von Gaby Kuhn mit Pater Gerhard Lagleder OSB.
Gesendet am 3. Februar 2011: 16:30 Uhr

 

„Grüß Gott und herzlich willkommen“ sagt Gaby Kuhn. Auch ein Gruß an alle Zuhörer und Zuhörerinnen  von Radio Gloria. Heute haben wir wieder den Pater Gerhard bei uns zu Gast. Er ist bereits vor einem Monat bei uns gewesen und hat die Situation seiner Mission geschildert. Leider versteht der Pater Gerhard kein Schweizer Deutsch. So werde ich ab jetzt in Schriftsprache weitersprechen. In unserer heutigen Sendung geht es um „Die unvergängliche Bruderschaft des Seligen Gerhard“ und um die aktuellen Probleme der afrikanischen Mission der Bruderschaft. Für unsere Zuhörer und Zuhörerinnen, die beim letzten Mal Pater Gerhard nicht hören konnten, darf ich ihn noch einmal kurz vorstellen:  Pater Gerhard wurde 1955 in Regensburg geboren, wo er auch 1982 seine Priesterweihe empfing. Im gleichen Jahr ist er in St. Ottilien dem Orden der Missionsbenediktiner beigetreten. Seit 2005 ist er Ehren-Konventualkaplan des souveränen Malteser-Ritterordens. 1992 gründete Pater Gerhard im Zululand an der Ostküste Südafrikas die Bruderschaft des Seligen Gerhard. Es ist eine eigenständige Hilfsorganisation innerhalb des Malteserordens. Pater Gerhard leitet dort ein AIDS-Therapie-Programm. Grüß Gott, Pater Gerhard, und herzlich willkommen bei uns auf Radio Gloria! Der Selige Gerhard ist sicher unbekannter als andere Persönlichkeiten der Mission. Bitte stellen Sie uns den Seligen einmal vor, Pater Gerhard!

Ja, der Selige Gerhard, mit dem werde ich eigentlich oft verwechselt, weil die Leute meinen, ich bin so ein bisschen eingebildet und ich würde mich selber einen Seligen nennen, weil ich der Pater Gerhard bin, aber das ist nicht der Fall, sondern als ich ins Kloster ging, hat mir mein Erzabt einen neuen Namen, einen Ordensnamen, gegeben, und er hat mich vorher gefragt: „Welchen Namen hättest du denn gerne?“ und ich habe ihm dann als ersten Vorschlag den Seligen Gerhard als meinen Namenspatron genannt, und der Selige Gerhard ist mir ein ganz großes Vorbild, denn der Selige Gerhard ist der Gründer des ältesten Hospitalordens der Kirche. Der Selige Gerhard war vermutlich ein Kind einer süditalienischen Patrizierfamilie und zwar aus einem ganz kleinen Dorf, das heißt Scala und ist in der Nähe der größeren Stadt Amalfi, und Amalfi ist etwas südlich von Neapel in Italien. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass der junge Gerhard eine Berufung zum religiösen Leben verspürt hat, und dann in die Abtei „Cava dei Tirreni“ eingetreten ist, die gleich in der Nähe von Neapel ist, und ein Benediktiner wurde. Denn aus Amalfi hat man in der damaligen Zeit viele Leute ins Heilige Land geschickt als Handeltreibende. Amalfi war damals eine der See-Republiken, also eine von Italien unabhängige Gemeinschaft bzw. ein von Italien unabhängiges Staatsgebilde, ein ganz kleines, so ähnlich wie die Hansestädte in Deutschland das waren, und die haben also Kaufleute ins Heilige Land geschickt, um dort einfach Geld zu machen. Aber mit diesen Kaufleuten kamen auch Leute mit, die dann die geistliche Betreuung betrieben haben, und so weiß man, dass im Jahr 1048 etwa in Jerusalem bereits eine Benediktinerabtei gegründet wurde, und diese Benediktinerabtei hieß „Santa Maria Latina“, oder die „Abtei der Heiligen Maria von den Lateinern“. Die „Lateiner“ waren im Gegensatz zur Ostkirche der Rom treue Stamm der Kirche. Der Selige Gerhard wurde vermutlich von dem Kloster „Cava dei Tirreni“ aus Süditalien in die Abtei „St. Maria Latina“ in Jerusalem geschickt und er war dort als der Gästebruder vermutlich tätig. Das heißt, man hat sich ja damals um sehr viele Pilger gekümmert. Die Christen wollten immer schon an den Platz kommen, wo Christus geboren ist, wo Christus gelebt hat, wo Christus dann endgültig für uns gelitten hat und gestorben ist und auferstanden ist. Und dieses Kloster Santa Maria Latina war gleich neben der Auferstehungskirche, also der Kirche, die an dem Platz erbaut ist, an der das Kreuz stand, an der Christus beerdigt wurde, was ja nur ein paar Meter davon entfernt ist, und wo natürlich Christus von den Toten auferstanden ist. Diejenigen, die von Ihnen schon mal in Jerusalem waren, kennen vermutlich die evangelische Erlöserkirche und die steht genau an derselben Stelle auf denselben Grundmauern auf der früher eben das Benediktinerkloster, die Benediktinerabtei Santa Maria Latina stand. Und dort war eben ein großes Gästehaus für diese Pilger. Jetzt muss man natürlich wissen, dass die Pilger in der damaligen Zeit nicht, wie heute, mit dem Flugzeug und mit dem Auto und mit modernen Verkehrsmitteln gereist sind, sondern dass die hoch zu Ross lange Wege durchmachen mussten, und auf diesen langen Wegen aus Europa ins Heilige Land natürlich sehr vielen Gefahren ausgesetzt waren. Es gab da Wegelager und es gab Piraten und es gab natürlich die große Hitze im Mittelmeerraum, die die Leute ertragen mussten, und so kamen also viele dieser Pilger einfach erschöpft, und viele davon auch krank in Jerusalem an. Und deshalb war eben dieses Gästehaus von Anfang an nicht nur so eine Art Hotel, sondern es war wirklich ein Haus in dem Kranke Pilger gepflegt wurden. Und deshalb ist auch in den ältesten Handschriften, die uns erhalten sind, dieses Haus bereits als „Hospitale Iherusalem“, also als das Hospital von Jerusalem bekannt. Und dieses Hospital von Jerusalem wurde vermutlich im Jahr 1099 gegründet, noch vor der erste Kreuzzug in Jerusalem ankam. Das war im Juli 1099. Also, die Gemeinschaft hat vorher schon bestanden und Pilger betreut. Es wird uns ja auch die Geschichte erzählt, dass der selige Gerhard den Christen, die ins Heilige Land kamen, helfen wollte, und weil die natürlich auch völlig verhungert waren, als die da angekommen sind in Jerusalem, hätte er Brotlaibe über die Stadtmauer von Jerusalem geworfen, den Christen entgegen, und er sei dabei dann erwischt worden, und als er dann sozusagen vors Kriegsgericht gestellt wurde, hätten sich die Brotlaibe in seinem Habit in Steine verwandelt und damit war er aus dem Schneider, und hat man ihm nichts mehr angetan. Darum wird der Selige Gerhard auch in vielen Bildern dargestellt mit einer Kette am Arm und gleichzeitig einem Brotlaib in der Hand, um auf dieses Brotwunder oder Steinwunder, wenn man es so nennen will, hinzuweisen. Nun, der Selige Gerhard war also schon vor dem ersten Kreuzzug in Jerusalem tätig und hat dann natürlich weiter gemacht. Und jetzt kamen aber viele christliche Leute ins Land als Ritter. Und jetzt muss man verstehen: Die kamen also nicht nur so als die wilden Krieger, die alles krumm und klein schlagen wollten, sondern sie hatten im Grunde eine christliche Motivation. Natürlich muss man infrage stellen, ob den Glauben mit dem Schwert zu verteidigen die richtige Art und Weise, ist aber die waren damals davon überzeugt, dass dies das Gebot der Stunde sei, und viele dieser Ritter haben sich dann, wenn man so will, sogar bekehrt, und haben gesagt: „Also jetzt bin ich am Ziel meiner Lebensreise angekommen. Jetzt will ich mein Leben ganz zur Verfügung stellen, dem lieben Gott. Und jetzt bleibe ich dort“, und waren sehr beeindruckt von diesem Hospital. Und dann sind viele Ritter damals in diese Hospitalbruderschaft, die der Selige Gerhard gegründet hatte (eingetreten). Er brauchte ja Menschen, die ihm halfen, sich um diese Kranken zu kümmern. Dieses Hospital hatte in seinen Glanz- und Glorie-Zeiten über 2000 Betten, und das muss man sich im Mittelalter erst mal vorstellen!  Und so brauchte er Leute, die ihm halfen. Und da hat er eben diese Hospitalbruderschaft des Heiligen Johannes gegründet. Warum Heiliger Johannes? Weil die Hauskapelle, die Kirche des Heiligen Johannes war, die gleich neben der Abteikirche in Jerusalem heute noch steht, und deshalb war eben das die Hospitalbruderschaft des Heiligen Johannes, oder wenn man es so nennen will, die Johanniter-Bruderschaft. Und dort hat eben dann der Selige Gerhard diese Ritter mit aufgenommen in den Orden, die dann ihre Waffen abgelegt haben, in die Waffenkammer gelegt haben, und die Krankenpflegekleidung angezogen haben, und dann Kranke dort gepflegt haben. Und das großartige an der damaligen Zeit war ja, dass obwohl diese Ritter ins Land kamen und das Christentum zu verteidigen, dieses Hospital immer eine neutrale Stellung innehatte, d.h. man hat selbst mohammedanische Kranke dort gepflegt, und denen wurde eben nicht der Kopf abgeschnitten, wie man das den Kreuzrittern immer nachsagt, sondern die haben sich um die genauso gekümmert, mit derselben Liebe, mit der sie sich um alle anderen Menschen gekümmert haben. Und jetzt war das Besondere an diesem Hospital, dass es eine religiöse Einrichtung war. Es war also nicht nur eine von einem religiösen Orden betriebene Einrichtung, nämlich dem Benediktinerorden, und übrigens war es dann so, dass bereits 14 Jahre nach der Gründung dieser Hospitalbruderschaft im Jahr 1099, also im Jahr 1113 Papst Pascalis II diese Hospitalbruderschaft als eine vom Benediktinerorden unabhängige religiöse Gemeinschaft, also als einem eigenen, selbstständigen religiösen Orden anerkannt hat. Und somit hat also der Benediktinerorden eine Frucht gebracht, nämlich die Frucht eines neuen Ordens, so wie es mehrere Früchte des Benediktinerordens gibt in dieser Hinsicht, wie auch den Zisterzienserorden zum Beispiel, oder den Trappistenorden, die auf den Benediktinerorden zurückgehen. Und so eben auch der Malteserorden eine Frucht, ein Zweig des Benediktinerordens ist, der aber dann selbstständig wurde, und damit der älteste Hospitalorden der Kirche ist. Die Ritter und die Mitglieder des Hospitalordens des Heiligen Johannes, kurz des Johanniterordens, wie man ihn damals noch nannte, haben sich eben dann um die Kranken, aber nicht nur jetzt medizinisch gekümmert, und die zu pflegen, sondern es war als geistliche Gemeinschaft gedacht, und zwar: Es ist sehr interessant, dass man in den ganz alten Handschriften findet, dass die Ritter, dass die Mitglieder des Hospitalordens des Heiligen Johannes, nach Jerusalem gekommen sind stabili1.gif (74913 Byte)„ad tuitionem fidei et obsequium pauperum“, also „zur Verteidigung des Glaubens und zur Hilfe für die Bedürftigen“, dass also beides immer wichtig war: Nicht nur, dass man den Bedürftigen hilft, sondern dass man den Glauben schützt, den Glauben lebt, den Glauben verteidigt in lebendigen Taten. Und so war von Anfang an ein Hospital in der damaligen Zeit ja nicht nur eine Krankeneinrichtung, wo man einen Kranken aufnimmt, der dann gepflegt wird und dann als gesund wieder entlassen wird, sondern es war immer als eine geistliche Gemeinschaft gedacht. Nämlich: Der Kranke wurde dort aufgenommen und wurde – heute würde man es holistisch nennen – wurde also nicht nur körperlich behandelt sondern auch, man hat ihm geistlich geholfen, man hat ihm die Sakramente angeboten. Der Kranke, der reinkam, der durfte erst mal beichten, durfte die heilige Kommunion empfangen, und wurde erst dann ins Bett gebracht. Also, es ist eine ganz-menschliche Pflege, eine ganz-menschliche Sorge, die man den Leuten angedeihen ließ. Und das Interessante ist, dass der Selige Gerhard bereits von den Kranken als „den Herren, den Kranken“ spricht. Und in der damaligen Zeit, im Mittelalter, war ja der Herr, das waren die Patrizier, das waren die Fürsten, das war der Adel und alle anderen waren die Bürger oder die Diener, und so hat man also jetzt den Kranken als den Herrn bezeichnet, weil man von Anfang an Christus im Kranken begegnen wollte. Und somit war also diese Hospitalgemeinschaft des Seligen Gerhard eigentlich als ein Heilsereignis zu verstehen, nämlich dass die Mitglieder des Hospitalordens in den Kranken Christus begegnen und somit dem Heilbringer, dem Heiland Jesus Christus im Kranken begegnen und auf der anderen Seite die Kranken wiederum das Heil in Jesus Christus erfahren in der Liebe, die ihnen geschenkt wird, wo sie die Liebe Gottes erfahren dürfen durch die Hilfe, durch die geistliche, durch die körperliche, durch die seelische Hilfe, die sie von dem Hospitalorden in dem Krankenhaus erfahren durften. Und das Schöne in der damaligen Zeit war ja bereits, dass dies auch sehr deutlich zum Ausdruck kam. Die Krankenzimmer z.B. hatten einen Altar. Es gibt wunderschöne alte Stiche wo man das Hospital von Jerusalem sieht, wo der Selige Gerhard mit seinen Mitgliedern seines Hospitalordens die Kranken pflegt, und im Hintergrund ist ein Altar. Und dies hat sich im Malteserorden eigentlich bis heute gehalten. Es gibt also immer wieder diese Kombination zwischen Krankenräumen und Kirche, und auf jeden Fall in allen Hospitälern des Malteserordens heute gibt es immer eine Hauskapelle oder eine Haus-Kirche und es gibt sogar selbst im Mittelalter den Hospitalkirchentyp des Malteserordens, oder den Johanniter-Haus-Kirchentyp: Und zwar waren die Kranken immer im ersten Stock und dann gab es entweder so (etwas) wie einen Balkon, von dem man vom ersten Stock in die Kirche herunter schauen konnte, so dass eben das Krankenzimmer und die Kirche ein Raum waren, und zum anderen gibt’s dann auch die Einrichtung, dass auf jeden Fall größere Löcher waren, durch die man dann direkten Kontakt haben konnte zur Kirche, so dass mal also das genau zum Ausdruck gebracht hat, dass nicht hier die Kirche ist und dort die Kranken sind, sondern dass nur die Kranken in die Kirche mit hinein nimmt, auch ins Kirchengebäude, und natürlich dann in die Feier der Sakramente mit hinein nimmt, so dass es also ganz wichtig den Malteser immer schon war, und bis heute noch ist, dass der Mensch nicht nur körperlich geheilt wird, sondern auch seelisch die Hilfe des Heil schaffenden Wirkens Gottes erfahren darf, dass er dem Heiland näher gebracht wird, in den Sakramenten.

(Musikeinlage)

Das Besondere an dem Hospital des Seligen Gerhard damals war auch, dass man im Kranken nicht nur den Herrn gesehen hat, sondern auch einen Herrn im Sinn des mittelalterlichen Respektes für eine hochgestellte Persönlichkeit. Und das hat sich dadurch zum Ausdruck gebracht, zum Beispiel, dass in allen anderen Bereichen erst mal die Herren gegessen hatten und was dann von den Brosamen der Reichen übrig blieb, das haben die anderen, die Hausangestellten, bekommen. Und hier ist es genau umgekehrt, nämlich dass die Mitglieder des Ordens erst nachher essen, nachdem die Kranken zu Essen bekamen. Es steht in alten Berichten, die man an gefunden hat, auch dass die Kranken auch aus Silbertellern gegessen haben. Jetzt muss man wissen, dass in der damaligen Zeit der normale Teller ein Holzteller war und dies ist natürlich äußerst unhygienisch. Und gerade mit den Infektionskrankheiten im Orient muss man da sehr aufpassen. Also war in der damaligen Zeit der Malteserorden bereits eine hochmoderne Einrichtung, die ganz neue Dinge in die Medizin hereinbrachten, also dass man zum Beispiel aus Metalltellern oder Silbertellern isst, weil  dies hygienischer ist, als aus den Holztellern. Oder es war auch üblich in den Krankenräumen Weihrauch zu verwenden. Das hatte nicht nur im religiösen Hintergrund, natürlich den auch, aber es hat natürlich die Fliegen vertrieben, und wenn die Fliegen nicht dauernd auf den Wunden der Kranken gesessen sind, hat es auch weniger Infektionen gegeben. Also eine erste, wenn sie so wollen, auch Desinfektion oder ein Schutz gegen Infektion bei den Kranken. Das ganz Besondere am Malteserorden war auch, dass dort immer nur ein Kranker im Bett lag. Wir wissen zum Beispiel aus dem Hotel Dieu in Paris, dass es 3-4 Patienten pro Bett waren. Wie man die dort unterbringt weiß ich nicht, aber die Statistiken zeigen, dass wesentlich mehr Kranke im Krankenhaus waren als es Betten gab, und dies war also damals im Mittelalter selbstverständlich, dass nicht nur ein Kranker im Bett lag.  Beim Malteserorden was es anders: Da hat jeder Kranke sein eigenes Bett bekommen und dies ist natürlich aus hygienischen Gründen, nicht nur der Bequemlichkeit halber, eine ganz wichtige Sache. Die Kranken wurden als Gäste behandelt. Die Kranken wurden … Im Gast wollte man Christus dienen und so hat man ihnen das gegeben, was man Gott geben will, nämlich dass man Ihnen die Ehre erweist, dass man im Kranken eben Jesus Christus sieht, und indem man Jesus Christus in den Kranken sieht, war das Wichtigste für diese Ordensmitglieder, einfach voll und ganz und jederzeit für diese Kranken da zu sein. Und der Orden hat sich dann später entwickelt, und zwar nicht nur, dass er im Heiligen Land jetzt dieses Hospital unterhielt, was in der damaligen Zeit eine der modernsten medizinischen Einrichtungen war, sondern die waren auch sehr klug und sagten: „Wenn also die Heilig-Land-Pilger diese langen Wege auf sich nehmen müssen, um ins Heilige Land zu kommen, dann wäre es eigentlich aus Vorbeugungsgründen schon mal wichtig, wenn die auf dem Weg ins Heilige Land bereits Hospitäler hätten, in denen sie unterkommen können, wenn Ihnen also vorher schon geholfen wird.“ So gab es dann sehr bald in den Seehäfen am Mittelmeer Dependancen, also Zweigniederlassungen des Malteserordens, wo man dann eigene Hospitäler eingerichtet hat, so dass also die Kranken nicht todkrank in Jerusalem ankamen, sondern dass Ihnen vorher schon geholfen wurde. Diese Zweighospitäler haben aber dann auch ein Eigenleben entwickelt, und haben nicht nur den Pilgern geholfen, sondern selbstverständlich auch den Menschen aus dem Umkreis dieses Hospitals, und so hat sich eben dann bereits im Mittelalter, im frühen Mittelalter, der Malteserorden auf ganz Europa ausgeweitet. Und in fast allen europäischen Ländern gab es Niederlassungen dieses Ordens und so gab's dann auf der einen Seite das Hospital in Jerusalem als die Zentrale, aber auch auf der anderen Seite die Hilfe des Malteserordens in vielen vielen Ländern. Den Schweizern darf ich sagen, dass sie ganz stolz darauf sein können, es gab eine Kommende in Bubikon, und das war eine der ältesten Kommenden des Malteserordens in Europa, also die Schweizer waren auch da schon (im Mittelalter) Vorreiter, auch was den Malteserorden betrifft. So hat eben der Malteserorden dann seine Aufgaben ausgeweitet auf die ganze Welt. Er hat dann später seinen Sitz verlegen müssen, weil wir ja wissen, dass alle Christen aus dem Heiligen Land vertrieben wurden. 1187 musste Jerusalem aufgegeben werden und dann ist der Malteserorden erst mal ausgewichen nach Akkon, was im Norden von Israel ist, und von dort ist er dann auch wieder vertrieben worden, und kam dann erst mal nach Zypern, und von Zypern Rhodos, wo er 200 Jahre tätig war, ist dann wieder vertrieben worden, und dann hat Kaiser Karl der Fünfte vom „Heiligen römischen Reich der deutschen Nation“ dem Malteserorden die Insel Malta als Lehen gegeben. Und diese Insel Malta ist eine ganz kleine Insel, 30 × 20 km groß, südlich von Sizilien im Mittelmeer, und war damals eine fürchterliche Steinwüste mit kaum einer Vegetation, also so ein großes Geschenk war es auch wieder nicht, aber trotzdem. Der Malteserorden hat dann dieses Land urbar gemacht, hat sofort wiederum mit der Krankenpflege begonnen, und hat dann in Malta eine medizinische Universität begonnen, in dieser „sacra infermeria“ wie er es genannt hat, und die war also damals eine der besten medizinischen Universitäten des Mittelalters im Mittelmeerraum. Und das ist also auch eine Großtat des Malteserordens, die er dort verbracht hat, und leider wurde der Malteserorden dann 1798 wiederum vertrieben aus Malta und hat seit 1835 jetzt seinen Sitz in Rom in der Via Condotti. Das ist unweit der Spanischen Treppe. Dort ist heute der Sitz des Malteserordens. Und der Malteserorden bis heutzutage weltweit tätig, und zwar nicht nur als religiöser Orden – Es gibt im Malteserorden Leute, die (wie ich im Benediktinerorden) die Ordensgelübde abgelegt haben – sondern der Malteserorden ist auch – und jetzt gehe ich in der Geschichte zurück zu Rhodos: Als der Malteserorden auf Rhodos war, wurde er eine souveräne Nation. Und dies ist eigentlich einzigartig in der Welt- und Kirchengeschichte, dass eine religiöser Orden die Regierung des Landes wird, und dies war damals der Fall, also der Großmeister des Malteserordens, (der damals noch nicht Malteserorden hieß, das hieß er erst auf Malta, damals hieß er noch Johanniterorden,) der Großmeister des Johanniterordens war gleichzeitig Staatsoberhaupt von Rhodos, was damals eine eigenständige Nation war, und diese Souveränität hat der Malteserorden behalten. Später dann auf Malta war er wieder der Souverän der Insel. Und dann das Wunderbare war, als sozusagen dann 1798 der Malteser Orden aus Malta vertrieben wurde, hat er eine Art Exilregierung gebildet und seine Souveränität als solches behalten. Und diese Souveränität hat der Malteser Orden noch heute und so haben wir, der Malteserorden, diplomatische Beziehungen mit über 100 Ländern auf der ganzen Welt. Und dies ist eine großartige Sache, weil damit auch unsere soziale Arbeit, unsere Hilfe für die Kranken, nicht nur jetzt von einer „Nicht-Regierungs-Organisation“ geleistet wird, sondern von einem Staatsgebilde, das auf diplomatischer Ebene wesentlich wirksamer auch die Hilfe koordinieren kann, und so ist auch für uns diese funktionale Souveränität des Malteser Ordens ein ganz großartiges Hilfsmittel, dass wir als internationale Organisation, ich wiederhole: nicht nur als religiöser Orden und als Souverän dastehen, sondern drittens eben auch als eine internationale Hilfsgesellschaft dastehen, die mit nationalen Hilfsorganisationen in den verschiedensten Ländern tätig ist. In der Schweiz ist das der „Malteser Hospitaldienst Schweiz“ und in Österreich ist es auch der „Malteser Hospital Austria“. In Deutschland ist es der „Malteser Hilfsdienst“ und in Südafrika habe ich vor (dieses Jahr werden es 19 Jahre) vor 19 Jahren die „Bruderschaft des Seligen Gerhard“ gegründet, die die Hilfsorganisation des Malteserordens in Südafrika ist.  Wir haben sie ganz bewusst eine „Bruderschaft“ genannt, weil wir eben wollten, dass wir sozusagen das Charisma des Ordensgründers in die heutige Zeit übertragen, und dass wir sozusagen das, was der Selige Gerhard damals in Jerusalem getan hat, jetzt hier in Südafrika, im so genannten Zululand, in die Tat umsetzen wollen, und so ist eben unsere Hilfsorganisation die „Bruderschaft des Seligen Gerhard“ nach diesem ganz berühmten und gesegneten und heiligmäßigen Mann, dem Seligen Gerhard, eben benannt.

Vielen Dank, Pater Gerhard, für diesen interessanten Einblick ins Leben vom Seligen Gerhard. An dieser Stelle würde ich vorschlagen,  dass wir eine Pause einschalten und uns eines der Lieder anhören.(Musikeinlage)Für die Zuhörer und Zuhörerinnen, die etwas später zu uns gestoßen sind, unser heutiges Thema gilt der Bruderschaft des Seligen Gerhard. Zu Gast bei uns: Pater Gerhard Lagleder. Im zweiten Teil unserer Sendung beschäftigen wir uns mit dem aktuellen Problem der Mission von Pater Gerhard:

In Südafrika sind wir in der Aidshochburg der Welt. Das ist nichts zum Angeben, das ist nichts, um sich damit in den Mittelpunkt zu stellen, sondern es ist eine sehr traurige Tatsache, dass es in keinem Land der Welt mehr AIDS-Kranke gibt als in Südafrika. Und damit muss die Kirche etwas tun. Ich habe in einer früheren Sendung bereits gesagt, dass die Katholische Kirche in Südafrika der größte Anbieter von AIDS Hilfe und AIDS Arbeit und AIDS Behandlung nach der Regierung ist. Wir haben ein riesengroßes AIDS Behandlungsprojekt, wo wir auch nur ein Teil davon sind, und die Südafrikanische Bischofskonferenz hat ein großes Projekt, wo also viele kirchliche Einrichtungen, kirchliche Krankenhäuser, kirchliche Kliniken mitarbeiten und wo eine ganz große Zahl von AIDS-Kranken in Südafrika behandelt werden. Dies war möglich durch die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika, denn es gab dort, oder gibt’s immer noch, diesen so genannten „President’s Emergency Plan for AIDS Relief in Africa“, und dieses AIDS Reliefprogramm wurde abgekürzt in „PEPFAR“ und dieses PEPFAR hat viele Jahre hinweg, wenn ich mich recht erinnere seit 2003, die AIDS Arbeit der Katholischen Bischofskonferenz in Südafrika wesentlich mitfinanziert.  Jetzt ist es aber so, dass Amerika in einer Wirtschaftskrise ist, dass Amerika einfach nicht mehr so viel Geld hat, und daher seine Zuschüsse für die AIDS Arbeit in Afrika und in Südafrika wesentlich reduzieren musste, und somit hat uns eben leider vor etwa zwei Wochen die südafrikanische Bischofskonferenz mitteilen müssen, dass wir ab Ende Mai keine Gelder von dort mehr bekommen können, um unsere AIDS-Arbeit weiter zu finanzieren. Um sich eine Größenordnung vorzustellen: Es sind, ich weiß jetzt leider nicht in Schweizer Franken, aber ich kann’s in Euro sagen: In Euro sind es etwa Kosten von 300.000 € pro Jahr, die wir aufbringen müssen, um diese AIDS-Behandlung leisten zu können. Davon sind zwei Drittel für die Medikamente, die antiretroviralen Medikamente, die ARVs, wie man sie hier nennt. Die sind eben sehr teuer, und zum zweiten sind die Blutuntersuchungen, die man ja während dieser Behandlung immer wieder braucht, auch sehr teuer und das in etwa zwei Drittel der Behandlungskosten, also von den 300.000 €, die wir pro Jahr brauchen, sind es zwei Drittel für die Medizin und für die Blutuntersuchungen und ein Drittel für die anderen Kosten (Personalkosten und andere Nebenkosten), dass wir das Programm leisten können. Und das ist, wie gesagt, jetzt weggefallen. Es wird wegfallen. Ende Mai bekommen wird es letzte Geld von dort und dann müssen wir sehen, wie wir den Kranken weiterhelfen können. Jetzt ist natürlich das Problem: Wir können nicht einfach die Patienten wegschicken und sagen: „Jetzt gehst Du in die staatlichen Gesundheitseinrichtungen und schaust, ob du dort was bekommst“, denn dies sind jetzt schon überfordert. Die haben jetzt schon zu viel zu tun. Drum sind die ja so froh, dass wir mithelfen in der AIDS Behandlung. Und die wären also völlig überfordert und könnten das sicher nicht leisten und damit würden wir Gefahr laufen, dass die Patienten ihre Medizin nicht mehr bekommen. Jetzt weiß aber jeder, der sich in der AIDS Behandlung auskennt, dass man in der AIDS Behandlung bis zu seinem Lebensende zweimal täglich seine Medizin einnehmen muss. Und wenn man es nur ein paarmal hintereinander vergisst, dann kann das Virus resistent werden, d.h. auch wenn ich nachher meine Medizin wieder einnehme, wenn ich sie in paarmal hintereinander nicht eingenommen habe, wirkt die Medizin nicht mehr. Das Virus wird resistent. Es ändert sich, es mutiert in einer Art und Weise, dass man andere Medikamente verwenden muss, die wesentlich teurer sind als die normalen AIDS-Medikamente, die wir normalerweise verwenden, und wenn dann auch das wieder nicht hinhaut, dann ist das große Problem, dass die Patienten dann einfach nicht mehr behandelbar sind, und wir haben die Erfahrung gemacht beim Regierungsprogramm, wenn die ihre Medizin nicht genommen haben dann innerhalb weniger Wochen tot waren. Und genau das können wir nicht. Wir haben Hunderte von Patienten in Behandlung. Wir können diesen hunderten von Patienten nicht sagen,  pardon, wenn ich es jetzt mal so ganz offen sag: „Geh hin, wo der Pfeffer wächst!“ Denn das können sie nicht. Also müssen wir in irgendeiner Weise schauen, wie es finanziell weitergeht. Wir werden versuchen, so gut als möglich, und wir haben bereits Gespräche mit dem Gesundheitsministerium anberaumt, dass wir versuchen, die südafrikanische Regierung zu überzeugen, dass sie uns wenigstens die Medikamente und die Bluttests, die Labortests bezahlt, so dass wir nur noch die Nebenkosten und die Personalkosten decken müssen und das wären etwa 100.000 € pro Jahr, die wir da aufbringen müssen. Und dies haben wir nicht. Wir haben jetzt schon Schwierigkeiten, dass wir all unsere Arbeit finanziell absichern können und müssen alles in unserer Macht stehende tun, dass wir die Arbeit finanzieren können. Es ist ja ein Riesenfinanzaufwand, eine so große Organisation, die so vielen Menschen hilft, und so viele Projekte betreibt, rein aus Spenden zu finanzieren. Und so müssen wir jetzt versuchen, alles was in unserer Macht steht, zu tun, um diese Finanzlücke zu schließen. Deshalb muss ich jetzt, oder müssen wir jetzt an alle möglichen Herzen anklopfen und sagen: „Bitte, helft uns! Helft uns, dass wir Menschenleben retten können! Helft uns, dass wir die Leute nicht einfach hilflos sich selber und damit dem Tod überlassen müssen!"

An dieser Stelle möchte ich Euch die Adresse und die IBAN-Nummer von diesem Schweizer Konto angeben:
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Helvetische Assoziation FONDAHOM, UBS AG, IBAN: CH26 0026 0260 3830 4040R. Mit dem Vermerk:  „Südafrika“

(Musikeinlage)

Wenn Sie mich jetzt fragen: „Ja, was kostet denn das Ganze?“ Wenn man es auf einen Patienten umrechnet, dann ist es leichter zu verstehen: Und zwar kostet uns die Behandlung, alles eingeschlossen, Medizin, Labortests, Personalkosten und alle anderen Nebenkosten eingeschlossen, uns kostet ein AIDS Patient pro Monat umgerechnet 150 €, Und wir versuchen jetzt, dass wir Menschen finden, vielleicht wohlhabende Menschen, die es aufbringen können, uns 150 €  - ich weiß nicht, was das in Franken in etwa ist –dass sie uns etwa 150 € pro Monat geben, um sozusagen eine Patenschaft für einen AIDS Kranken zu übernehmen, und wo eine Einzelperson dies nicht leisten kann, versuchen wir dann auch zu sagen: Könnte nicht eine Pfarrgemeinde zum Beispiel, oder ein Verein, oder eine Schulklasse, oder ein Altenclub, oder ich weiß nicht, wer auch sonst noch infrage käme, alle möglichen Gruppierungen, die könnten doch zusammenstehen und wenn jeder zusammen hilft, dann könnte zum Beispiel sagen wir mal jetzt eine Pfarrgemeinde sagen: „O.k., wir finanzieren euch eine Patenschaft für einen AIDS-Kranken. Wir werden euch ab heute regelmäßig 150 € pro Monat auf euer Konto überweisen, und damit könnt ihr dann die gesamten AIDS Behandlungskosten für einen Patienten übernehmen.“ Und wenn wir da ein paar Hundert von solchen Leuten finden, und das versuchen wir ganz einfach, wir Vertrauen darauf, dass uns der Liebe Gott helfen wird, dass dies möglich sein wird, dann können wir es schaffen, dass wir den Menschen auch weiterhin helfen können, und die Leute eben nicht ihrem eigenen Schicksal überlassen müssen, und – wie ich schon dreimal gesagt habe – sie dem eigenen Schicksal zu überlassen hieße sie dem Tod auszuliefern, und das kann ich vor meinem Gewissen nicht verantworten. Das können wir als Organisation nicht verantworten, und wenn wir den letzten Cent, wenn wir den letzten Reppen ausgeben müssen, den wir auf unserem Konto haben, um den Leuten zu helfen und das Leben zu retten, dann werden das tun, und wir vertrauen darauf, dass uns der Liebe Gott unter die Arme greift, dass uns der Liebe Gott Spender sendet, die sagen: „Ich verstehe die Notsituation. Ich will euch helfen. Ich werde euch helfen, dass wir eben, wie ich schon sagte, so eine Patenschaft für einen AIDS Kranken übernehmen.“ Und genau das will ich jetzt tun, und wir werden versuchen, eine groß angelegte Spendenaktion international zu starten, und so fange ich eben jetzt mit Ihnen an, um Ihnen, liebe Hörer von Radio Gloria, zu sagen. „Bitte helft uns! Es geht nicht darum, dass wir etwas tun, was nicht wirklich notwendig ist, sondern es geht um die Rettung von Menschenleben!“ Und es wäre wirklich eine großartige Sache, wenn möglichst viele von Ihnen sagen würden: „Da machen wir was. Da helfen wir zusammen. Wir versuchen, das in die Tat umzusetzen, dass wir dort Menschenleben retten, die ohne diese Medikamente, die ohne die AIDS Behandlung dem Tod ausgeliefert wären.“

Herzlichen Dank, Pater Gerhard, für diesen interessanten Vortrag mit dem Einblick in das Leben des Seligen Gerhard und in Ihre Arbeit. Pater Gerhard, würden Sie uns noch Ihren Segen geben?

Ich möchte den Segen gern beginnen mit dem Gebet der Bruderschaft des Seligen Gerhard, das wir hier jeden Tag bei der Heiligen Messe zum Abschluss der Fürbitten beten. Ich lade Sie ein, dass sie innerlich mitbeten. Herr Jesus Christus, du hast mich gnädig berufen, Dir als Mitglied der Bruderschaft des Seligen Gerhard zu dienen. Ich danke dir, dass du mich gewürdigt hast, diese Aufgabe zu erfüllen. Demütig bitte ich dich, auf die Fürsprache unserer Lieben Frau, des Heiligen Johannes des Täufers, des Seligen Gerhard und aller Heiligen, dass der Geist unserer Bruderschaft mein Leben und Handeln durchdringe, auf dass ich mich stets Deinen Dienst widme, in meiner Familie, unter meinen Freunden, und für alle, die meine Hilfe benötigen. Im Vertrauen auf deine Hilfe will ich stets den Glauben verteidigen, und ein offenes Herz für meinen Nächsten haben, besonders für die Armen, die Traurigen, die Einsamen, die Behinderten und die Kranken. Gibt mir die nötige Kraft, nach diesem Vorsatz als aufrechter Christ selbstlos im Geist seines Evangeliums zu leben, zur Ehre Gottes, für den Frieden der Welt, und das Wohl unserer Gemeinschaft. Amen. So segne und behüte euch der allmächtige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen. Gelobt zu Jesus Christus! In Ewigkeit. Amen. Ein ganz herzliches Vergelt’s Gott, Ihnen, liebe Gaby Kuhn, und Ihnen, liebe Hörer von Radio Gloria, die so treue uns und mir in den Sendungen immer wieder zuhören. Möge der Liebe Gott sie alle segnen!

Das ist es gewesen, die Sendung mit dem Titel „Die unvergängliche Bruderschaft vom Seligen Gerhard“. Bei Ihnen, Pater Gerhard, möchte ich mich recht herzlich bedanken, dass Sie bei uns als Gast und Referent gewesen sind. Auch bei Ihnen, liebe Zuhörer und Zuhörerinnen, bedanke ich mich recht herzlich, dass Sie mit mir durch die Sendung gegangen sind. Es würde mich freuen, wenn ich Sie wieder auf Radio Gloria begrüßen dürfte. Am Mikrofon ist gewesen: Gaby Kuhn und ich wünsche Ihnen Gottes Segen!


In der Sendung erwähnt: Blessed Gérard’s Hospiz HAART Programm

7. September 2004: Die erste HAART Patientin
bekommt zum ersten mal ihre antiretroviralen Medikamente.


Zieh in das Land, das ich Dir zeigen werde! (13.1.2011)

Glaubenskurs:

„Zieh in das Land, das ich Dir zeigen werde!“ (Gen 12,1) -

Wie einst Abraham und später die Weisen aus dem Morgenland
machen sich Missionare auch heute noch auf,
um den Herrn zu finden und ein Segen zu sein -

Missionarische Erfahrungen des Missionsbenediktiners Pater Gerhard

Eine Sendung von Gaby Kuhn mit Pater Gerhard Lagleder OSB.
Aufgezeichnet am 10. Januar 2011
Gesendet am 13. Januar 2011: 16:30 Uhr

 

Grüß Gott und herzlich willkommen heißt Euch Gaby Kuhn. Auch ein Gruß an alle Zuhörer und Zuhörerinnen von Radio Gloria. Mit dem Thema Mission assoziieren viele Menschen unterschiedlichste Vorstellungen. Die einen denken an große Heilige, wie z.B. den Heiligen Aloisius. Die anderen haben ein romantisches Bild von vielen Reisen in exotische Länder. Unser heutiger Gast ist der Pater Gerhard Lagleder. Er ist 1955 in Regensburg geboren, Magistralkaplan des Souveränen Malteser-Ritterordens. Pater Gerhard hat bei uns schon im letzten Jahr bereits von den Waisenkindern in Südafrika erzählt. Heute erzählt er uns seine persönlichen Erfahrungen als Missionar. Weil aber unser Gast kein Schweizer Deutsch versteht werde ich ab jetzt in Schriftdeutsch weitersprechen. Lieber Pater Gerhard, der heutige Titel Ihres Vortrags heißt „Zieh ins Land, das ich Dir zeigen werde! – Wie einst Abraham und später die Weisen aus dem Morgenland machen sich Missionare auch heute noch auf, um den Herrn zu finden und ein Segen zu sein. Missionarische Erfahrungen des Missionsbenediktiners Pater Gerhard.“ Grüß Gott, Pater Gerhard, und herzlich willkommen bei uns auf Radio Gloria!

Grüß Gott und Grüezi wohl! Ich bedanke mich herzlich, dass ich wieder mit Ihnen eine Stunde verbringen darf, im Gespräch mit der Frau Kuhn.

Was ist Ihrer Meinung nach der größte Unterschied zur Mission vergangener Zeiten?

Theologisch gesehen ist im Grunde kein Unterschied, d.h. die Missionstheologie hat sich nie geändert. Christus hat uns gesagt: „Geht hinaus in alle Welt, verkündet den Menschen die frohe Botschaft, und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu tun, was ich Euch gesagt habe!“ Und daran hat sich eigentlich nichts geändert, aber was sich sehr intensiv geändert hat, sind die Missionsmethoden. In früheren Zeiten war es ja so, dass die Missionare teilweise mit dem Eseln oder mit dem Pferd in den Busch hinaus geritten sind, und erst mal Kranke gepflegt haben, dann begonnen haben, Leute zu unterrichten, und den Leuten dann auch vom Glauben was erzählt haben, und auf diese Art und Weise haben die Menschen dann zum Glauben gefunden, und sind getauft worden, und so ist dann die Kirche in Afrika und auch in anderen Ländern gegründet worden. Was sich heute geändert hat, sind die Missionsmethoden. Ich meine, dass ich Mission am Internet betreibe, dass ich den Menschen die Missionsidee auf ganz andere Weise klarmache, dass wir ein hochmodernes Hospiz betreiben, dass wir mit modernen Mitteln arbeiten in der heutigen Zeit ist einfach eine Notwendigkeit, weil es umso effektiver geht, wenn man diese modernen Mittel verwendet. Also, wie schon sagte, es hat sich an der Mission, am Auftrag, überhaupt nichts geändert. Es geht nur darum, dass wir, so wie es der Papst Johannes XXIII immer wiederholt hat, dieses „aggiornamento“, d.h. die Angleichung an die Zeitverhältnisse, dass wir immer neu uns überlegen müssen, wie wir in wirksamer Weise in der heutigen Zeit die Liebe Gottes zu den Menschen rüber bringen. Darum geht's. Und so werden heute andere Methoden verwendet in der Glaubensverkündigung, wie ich schon sagte, zum Beispiel im Internet, oder die Internetseelsorge, und auch mit audiovisuellen Mitteln wird gearbeitet, aber es hat sich am Grundauftrag der Kirche überhaupt nichts geändert.

Sind Abraham und die drei Weisen auch heute noch konkrete Vorbilder für Missionare?

Auf jeden Fall! Zu dem Abraham hat ja in Genesis 12,1 der Herr gesagt: „Zieh weg aus Deinem Land, von Deiner Verwandtschaft und aus seinem Vaterhaus in das Land das ich Dir zeigen werde. Ich werde Dich zu einem großen Volk machen, Dich segnen und Deinen Namen groß machen. Ein Segen sollst du sein!“ Und daran hat sich überhaupt nichts geändert. Das heißt, auch heute noch ziehen Missionare weg aus ihrem Heimatland, von ihrer Verwandtschaft, von ihrem Vaterhaus, in das Land, das Ihnen Gott zeigt – durch den Ordensoberen zum Beispiel – und sollen dort für die Menschen genauso ein Segen sein. Die Heiligen Drei Könige hatten eine ganz andere Erfahrung gemacht: Wir alle wissen ja, dass sie vermutlich weise Sterndeuter waren, die im Zweistromland, also was wir heute den Irak nennen, gelebt haben. Und in der Zeit Christi waren die Babylonier im Zweistromland. Und diese Babylonier hatten eine Idee, dass sie im Lauf der Himmelsgestirne gefolgt sind, in dem Sinn, dass sie so wie eben die Astronomie das heute auch macht, genau feststellt, welcher Stern sich wohin, und wann, und wie, und in Bezug auf andere Sterne, bewegt. Allerdings hatten die alten Babylonier damals den Sternen eine Bedeutung beigelegt, und es ist ganz interessant, dass im Jahr der Geburt Christi es eine einmalige Himmelserscheinung gegeben hat, nämlich dass der Jupiter dreimal in diesem Jahr eine Konjunktion, d.h. ein optisches Zusammentreffen, mit dem Saturn hatte und das geschah im Sternbild der Fische. Und jetzt muss man wissen, dass bei den alten Babyloniern der Jupiter als der Stern des Weltherrschers gegolten hat, der Saturn war der Stern Palästinas und das Sternbild der Fische war das Zeichen der Endzeit. Und somit ist es also diesen Sterndeutern in Babyloniern, im Zweistromland, was man damals von Jerusalem aus den Osten nannte, oder das Morgenland, ist es denen aufgegangen, durch den Lauf der Sterne, dass der Stern des Weltherrschers mit dem Stern Palästinas (zusammen)trifft im Sternbild des Zeichens der Endzeit. Das heißt mit anderen Worten, dass in Palästina der Herrscher der Endzeit erscheinen wird. Und deshalb haben sich diese drei Weisen auf den Weg gemacht, tausende von Kilometern aus dem heutigen Irak nach Palästina, und wollten eben den Herrscher der Endzeit dort finden, den sie dann doch in der Krippe von Bethlehem gefunden haben. Also wir müssen den Zeichen der Zeit folgen, wenn wir erkannt haben, und als richtig erkannt haben, dass Christus uns ruft. Dann müssen wir diesem Ruf folgen, so wie das der Abraham getan hat, oder wie das auch die drei Weisen aus dem Morgenland getan haben. Und dann werden wir auch wirklich den Herrn finden, und werden ihm begegnen können. Dann wird er uns als Licht aufstrahlen, wie er das den Heiligen Drei Königen ist.

Lieber Pater Gerhard, wir freuen uns nun auf ein hochinteressantes Thema, über die Realität der modernen Mission.

Ich möchte heute mal über die Realität der modernen Mission sprechen, aber damit beginnen, die Grundlagen, die theologischen Grundlagen der Mission etwas zu betrachten. Es ist mir eine ganz große Freude, dass am Dreikönigstag dieses Jahres (2011) sich zum 24. Mal der Tag meiner eigenen Aussendung als Missionar gejährt hat, und dass ich also jetzt im 25. Jahr im missionarischen Dienst sein darf. Und dieser missionarische Dienst ist eine Sendung. Unsere missionarische Sendung ist die Sendung Christi, und Christus hat eben gesagt: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch“, oder „Wie Du mich in die Welt gesandt hast, so habe auch ich sie in die Welt gesandt.“ Ja, aber wie hat jetzt der Vater Christus in die Welt gesandt? Was ist sein göttlicher Auftrag? Was ist seine Sendung? Und da gibt’s eine wunderschöne Stelle, und zwar im Lukasevangelium, im vierten Kapitel, Vers 18 und 19, wo der Jesus zum Beginn seiner öffentlichen Tätigkeit, seines öffentlichen Wirkens in Galiläa, am Sabbat in der Synagoge von Nazareth war, und da hat er dann aus dem Buch des Propheten Jesaja vorgelesen. Und im Lukasevangelium ist uns da berichtet, dass er sagt: "Der Geist des Herrn ruht auf mir, denn er hat nicht gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe, damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde, und den Blinden das Augenlicht, damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze, und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.“ Und das, was das Lukasevangelium hier berichtet, ist ein fast wörtliches Zitat – weil Jesus ja auch vorgelesen hat – aus dem Propheten Jesaja, wo eben der Gesalbte Jahwes die Frohe Botschaft verkündet: „Der Geist Gottes, des Herrn, ruht auf mir, denn der Herr hat mich gesalbt“, und dann kommt genau dasselbe Wort: „Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine Frohe Botschaft bringe, und alle heile, deren Herz zerbrochen ist, damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde, und den Gefesselten die Befreiung, damit ich ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.“ Und genau daraus leitet sich mein und unser missionarischer Auftrag ab: Einmal wie der Abraham: „Zieh weg aus Deinem Land, von Deiner Verwandtschaft, und aus Deinem Vaterhaus, in das Land, das ich Dir zeigen werde!“ und dann der Missionsauftrag Christi: „Geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern!“ – alle Menschen! – „Tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und Lehre sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe!“ Und dann, nach Lukas 4, ist unsere missionarische Sendung, das Evangelium vom Heil in Jesus Christus zu verkünden – in Worten und in Taten –, wie Christus mich der Armen anzunehmen. Und wenn man die Bibel aufschlägt, findet man Christus meistens bei den Zerschlagenen, bei den Armen, bei den Ausgestoßenen. Meine missionarische Sendung ist, wie Christus alle zu heilen, deren Herz zerbrochen ist, wie Christus die Menschen von den Fesseln der Sünde zu befreien, wie Christus den Menschen aus dem Gefangensein in Not und Elend zu entlassen, wie Christus die Zerschlagenen in Freiheit zu setzen, und jedes Jahr für die mir anvertrauten Menschen zu einem Jahr der Gnade werden zu lassen. Und der ganze Missionsauftrag lässt sich in dem Wort an Abraham zusammenfassen: „Ein Segen sollst du sein!“ Wichtiger ist aber noch, wie ich diesen meinen missionarischen Auftrag ganz konkret in die Tat umsetze. Und da kann ich jetzt nur von mir selber sprechen von meiner eigenen Erfahrung, und von meinen eignen missionarischen Aufgaben, die mir gestellt worden sind durch meine Gemeinschaft, durch die Missionsbenediktiner.

(Musikeinlage)

Ich habe ja in früheren Sendungen in Radio Gloria bereits etwas ausführlicher über unser Hospiz erzählt, das größte stationäre Hospiz in Südafrika, wo wir uns um Sterbende kümmern, wo wir uns um Aidskranke annehmen, nicht nur im Sterben, sondern sie auch behandeln, damit sie eben noch nicht so bald sterben müssen, und in einer anderen Sendung habe ich ausführlich über unser Kinderheim berichtet. Aber heute möchte ich Ihnen über andere Projekte etwas erzählen:
Und zwar möchte ich Ihnen etwas berichten von unserer Klinik für unterernährte Kinder: Unsere Klinik für unterernährte Kinder wurde eröffnet, weil es sehr viele Menschen gibt, bei uns hier im Zululand, sehr viele Kinder gibt, die unterernährt sind. Es gibt Kinder, deren Eltern, oder deren Mutter an AIDS erkrankt ist, und wenn man an AIDS erkrankt ist, soll man ja das Kind nicht stillen, weil sich das Virus durch die Muttermilch übertragen kann. Und so gibt es eben viele Mütter, die für ihre Kinder nichts zu essen haben. Es gibt dann auch sehr viele Kinder bei uns, deren Eltern nicht verheiratet sind, und meistens sind dann die Mütter auch sehr jung. So wachsen sehr viele kleine Kinder bei der Großmutter auf. Und die Großmutter kann das Kind natürlich nicht stillen, und so haben sehr viele kleine Kinder bei uns Mangelernährungs- und Unterernährungserscheinungen.
 Und deshalb haben wir diese Klinik für unterernährte Kleinkinder und Säuglinge aufgemacht, wo wir Sprechstunden halten, wo wir unterernährte Kinder untersuchen, wo wir sie behandeln, wo wir sie mit Nahrung versorgen, und deren Bezugspersonen dann auch in Säuglingspflege und Ernährungslehre unterrichten.

Das gibt mir jetzt ein Stichwort, wenn ich über Ernährung spreche, wenn ich über Brot spreche, dass ich Ihnen eine ganz neue und andere missionarische Erfahrung mitteilen darf, die mir selber ganz tief unter die Haut gegangen ist: Ich gehe mit Ihnen jetzt den Gedanken zurück in unser Hospiz, und in unserem Hospiz lag ein Mann im Sterben.  Der Krankenpfleger, der sich um ihn kümmerte, hat mich angerufen, hat gesagt: „Mensch, Pater, bitte komm! Da liegt einer im Zimmer 2 im Bett 4, und dem geht’s gar nicht gut, und der hat gesagt, er will mit Dir ganz persönlich reden.“ Selbstverständlich bin ich sofort in das Krankenzimmer gegangen, bin zu dem Patienten hin und habe ihn gefragt: “Ja, Sie haben mich gerufen. Was kann ich für Sie tun? Ich bin der Pater Gerhard.“ Dann sagte er: „Sie, Pater, könnte ich Brot haben?“ Dann sagte ich: „Bitte? Sie wollen Brot haben? Und deshalb rufen sie mich? Ja, gerne, natürlich können Sie ein Brot haben.“ Dann bin ich rausgegangen, bin zur Küche, hab um ein Brot gebeten, habe ihm auf einem kleinen Teller Brot gebracht, und habe es ihm hingestellt, und gesagt: „Bitteschön, hier haben Sie Brot!“ „Nein, Pater, “ sagte zu mir, „ich will nicht dieses Brot. Ich will dieses Brot, was Du am Morgen immer den Menschen gibst.“ Da sagte ich: „Das Brot, das ich am Morgen immer den Menschen gebe?“ „Ja, in dem Gottesdienst, da gibst Du doch den Menschen immer das Brot. Und ich hab die anderen in meinem Zimmer gefragt, und die haben mir gesagt, dass dies das Brot des Lebens sei, und wenn man dieses Brot isst, wird man nicht sterben, und ich will nicht sterben! Bitte gib mir doch dieses Brot!“ Dann sagte ich: „Ja, Du meinst die heilige Kommunion, den Leib Christi. Das ist das Brot des Lebens. Aber das kann ich Dir nur geben, wenn du katholisch bist.“ „Ja, dann mach mich doch katholisch!“ „Ja, das geht gar nicht so einfach! Ich meine, dazu müssten sie erst getauft sein.“ „Ja, dann tauf mich doch!“ Und aus diesem Wunsch heraus hat sich dann ein etwa zweistündiges Taufgespräch ergeben. Viel Zeit hatte ich nicht, weil ich ja gespürt habe, dass der nicht mehr lange zu leben hat – das spürt man, wenn man etwas Erfahrung hat – und so habe ich dann nach dieser etwa zweistündigen Instruktion, diesem Patienten drei Sakramente gespendet: Erst mal habe ich in getauft, dann habe ich ihm die Krankensalbung gespendet, und dann habe ich ihm die Erstkommunion gespendet, die in seinem Fall die Wegzehrung gewesen ist. Ich werde es nie vergessen: Wie ich ihm die heilige Kommunion gegeben habe, wie die Augen sich in ein Leuchten verwandelt haben, und wie er – ich habe das Foto vor mir liegen – und wie er sich dann von mir verabschiedet hat. Und ich habe gesagt: „Ja, ich komme später wieder und besuch sie wieder.“ Und dann, zwei Stunden später, ruft mich der Krankenpfleger wieder an und sagt: „Jetzt ist er ganz zum Herrn heimgegangen.“ Und so hat dieser Mann sich bekehrt. So ist dieser Mann zum Glauben, zur Kirche gekommen. Und zwar das Schöne war, dass es ist nicht allein durch die Tätigkeit von uns so genannten Berufsmissionaren geschehen ist, die Theologie studiert haben, und die pastorale Ausbildung haben, sondern dass die eigentliche Missionstätigkeit durch die Zimmerkollegen geschehen ist, die ihm erzählt haben. Er war eingeladen zum Gottesdienst, hat daran teilgenommen, und hat die Leute dann gefragt: „Ja, was geschieht denn da?“ Und dann haben ihm die im Zimmer erzählt, was da geschieht, und somit war die missionarische Tätigkeit eigentlich geleistet durch die Zimmerkollegen dieses Kranken. Und da bin ich unendlich stolz darauf, dass also die Missionstätigkeit weitergeht, dass die eine Aufgabe der ganzen Kirche ist, nicht nur der Priester und der Missionare, sondern der ganzen Kirche, dass auf diese Art und Weise dieser Patient zu Gott gefunden hat, und ich bin absolut überzeugt, dass er noch am selben Tag, so wie der reuige Schächer, beim Herrn im Paradies war, und am himmlischen Hochzeitsmahl teilhaben durfte, und dass er dann dieses Brot des Lebens in einer ganz besonderen Weise, wie man es nur im Himmel bekommt, empfangen durfte. Das war so ein ganz tiefschürfendes, tiefgreifendes Erlebnis, das ich hatte. Weil ich oft auch gefragt werde: „Ja, sagen Sie mal, Missionsarbeit, erschöpft sich die in der sozialen Tat?“ Dann sage ich den Leuten: „Nein, die erschöpft sich nicht in der sozialen Tat. Die soziale Tat ist unendlich notwendig, so wie Christus eben auch die Kranken geheilt hat, so wie Christus auch die Blinden geheilt hat, wie er den Lahmen wieder von der Trage aufstehen ließ und nachhause gehen ließ. All das müssen wir tun im Auftrag Christi, aber darin erschöpft es sich natürlich nicht, sondern die Glaubensverkündigung und die Gottesdienstfeier kommt mit dazu. Und so wird den Menschen eben, wenn sie dann fragen: „Ja sag einmal, Pater, warum tust denn Du das eigentlich?“ Und wenn die Leute dann fragen – es ist ja ein bisschen lustig: Mich hat mal eines der Kinder im Kinderheim gefragt: „Ja, Pater, was verdienst Du denn überhaupt?  Du arbeitest so viel. Du musst ja wahnsinnig viel Geld verdienen!“ Und dann habe ich zu den Kindern gesagt: „Jetzt sage ich Euch mal ein Geheimnis: Ich verrate Euch ganz genau, was ich verdiene.“ Und dann haben sie gefragt: “Ja, was verdienst Du denn?“ Dann habe ich gesagt: „Keinen Pfennig!“ Oder keinen Cent müsste man heutzutage sagen, oder keinen Rappen in der Schweiz, „sondern ich bin ein Ordensmann und ich tue das, nicht weil ich damit Geld verdiene, sondern ich tue dies, weil ich mich dazu von Gott gerufen fühle.“ Und durch solche Fragen dann, wenn die Leute sagen: „Ja, warum tust du denn das?“, dann kann man Ihnen vom Glauben erzählen, dann kann man ihnen erzählen, dass man sich von der Liebe Christi angetrieben fühlt, und dass die einem die Kraft gibt, dass man die Arbeit tut, und dass man Christus nachfolgen will, dass man das tun will, was Christus uns gesagt hat, und darum geht es in der Missionsarbeit.

(Musikeinlage)

Für die Zuhörer und Zuhörerinnen, die etwas später zu uns gestoßen sind: Unser heutiges Thema: „Missionarisch Erfahrung des Missionsbenediktiners Pater Gerhard. Er ist gerade selber bei uns zu Gast. Wo muß heuzutage der Schwerpunkt erfolgreicher Missionsarbeit liegen?

Ich denke, der Schwerpunkt einer erfolgreichen Missionsarbeit muss darin liegen, dass ich ein genuines Glaubenszeugnis gebe. Wenn man sich über Kindererziehung unterhält, dann spricht man immer davon, dass die Kinder nicht das lernen, was ihnen gesagt wird, und was ihnen eingebläut wird, was sie zwanzigmal niederschreiben müssen und wiederholen müssen, sondern dass ein Kind immer von dem lernt, was andere tun. Das heißt, dass ein Kind dem Beispiel der Eltern und dem Beispiel von Verwandten, von Freunden, von anderen Leuten, folgt, die mit dem Kind zusammenleben. Und dadurch lernt der Mensch. Und ich denke, dass genau dasselbe auch für die Missionsarbeit gilt, nämlich dass nur dann eine wirklich erfolgreiche Missionsarbeit geleistet werden kann, wenn wir ein genuines Glaubenszeugnis geben, wenn die Menschen, für die wir da sind, an uns – und zwar meine ich jetzt wirklich nicht nur die Missionare, sondern wie ich vorher sagte, auch die ganze Kirche – wenn die ganze Kirche, wenn die Gläubigen ein genuines, ein glaubhaftes Glaubenszeugnis geben, so wie es in der Heiligen Schrift heißt: „An ihren Werken wirst du sie erkennen.“ Also, wenn wir den Glauben in die Tat umsetzen, und wenn die Menschen merken: Aha, dies ist jetzt ein Mensch, der kann vergeben. Warum tut der das? Und dann die Antwort kommt: „Aus meinem Glauben heraus!“ Oder warum macht ein Mensch Dinge, die ihn nichts einbringen, die ihm keinen Verdienst und kein Einkommen bringen, und wenn dann die Antwort die ist, dass ich das tue, oder das die Gläubigen das tun, weil sie sie nicht von der Liebe Christi gedrängt fühlen, die Liebe Christi an andere Menschen weiter zu schenken. Und ich denke, dass genau das wirklich eine erfolgreiche Missionsarbeit ausmacht. Denn die Menschen sind heutzutage sehr kritisch geworden, und die Menschen hinterfragen alles und jedes. Und das ist ja eigentlich gar nicht verkehrt, dass die Menschen Dinge hinterfragen, denn damit sind sie dann vielleicht auch vor Scharlatanen geschützt, die Ihnen das Blaue vom Himmel herunter erzählen, um sie für irgendeinen Blödsinn zu gewinnen, und drum ist es gut, wenn die Menschen hinterfragen, und drum ist es ebenso wichtig, dass die Menschen an der Glaubwürdigkeit der Christen sich erbauen, und sich daran ein Beispiel nehmen können, und auf diese Art und Weise selber dann zum Glauben finden und sagen: „Also, wenn so ein Christ ein Mensch ist, der sein Leben dafür einsetzt, dass anderen Menschen geholfen wird, wenn ein Christ ein Mensch ist, der vergeben kann, auch wenn er schwer verletzt worden ist von einem anderen Menschen, dass ein Christ ein Mensch ist, der Verantwortung übernimmt für andere, und gerade dies ist in Afrika enorm wichtig, … Es gibt zum Beispiel in der Zulu-Sprache kein Wort, mit dem man das deutsche Wort Verantwortung übersetzen könnte, und wenn die Menschen dann lernen, dass man Verantwortung übernimmt für andere, dass man für andere sich zuständig fühlt, dass man für andere sich verantwortlich fühlt, dass man nicht wegschaut wie der Priester und der Levit im Gleichnis in der Heiligen Schrift von dem Mann, der von den Räubern halb totgeschlagen wurde, sondern wenn man sich um den annimmt, auf den zugeht, wenn man ihm das gibt, was er braucht, dann glaube ich, ist dieses genuine Glaubenszeugnis gegeben und das kann wirklich weiter tragen.

Pater Gerhard, wie viele Jahre sind Sie denn jetzt schon in Afrika?

Ich bin jetzt im 25. Jahr in Afrika. Ich wurde am 6. Januar 1987 ausgesandt als Missionar von der Erzabtei St. Ottilien und bin noch im selben Monat hier in Afrika angekommen. Ich war dann drei Jahre zum Erlernen der Zulu-Sprache als Kaplan, oder wie man's auf Zulu nennt, als „kleiner Vater“ (und der „große Vater“ ist dann Pfarrer, der Pfarrseelsorger), also ich war als „kleiner Vater“ in einer Gemeinde und habe eben dort in der Seelsorge mitgearbeitet. Und dann, im Jahr 1990, wurde ich selber Pfarrer in einer Gemeinde hier in der Gegend, in unserer Nachbarpfarrei Mangete. Und im Jahr 1991 habe ich dann die Pfarrei Mandeni übernommen. Also sind es in diesem Jahr 20 Jahre, dass sich hier in Mandeni bin. Und wo das liegt, habe ich ja schon erzählt: Etwa 100 km nördlich von der riesengroßen 4 Millionen Stadt Durban.

Nach so vielen Jahren fühlen Sie sich bereits als Afrikaner?

Nein ich fühle mich nicht ein bisschen als Afrikaner, sondern völlig als Afrikaner. Da kann ich Ihnen eine lustige Geschichte erzählen: Ich war mal in Schwaben, und da war ein Fußballländerspiel, und da hat Südafrika, die Nationalmannschaft, gegen die deutsche Mannschaft gespielt. Und ich hatte einen Missionsvortrag. Und nach dem Missionsvortrag hat man sich eben am Fernseher dann dieses Länderspiel angeschaut. Und als ich dann für die Südafrikaner geschrien habe, hätten mich die fast gelyncht, weil ich so ein Verräter bin, und weil ich für die Südafrikaner schreie, und nicht für die Deutschen. Aber so ist es wirklich:  Ich fühle mich als Südafrikaner. Ich hab ein bayerisches Herz, das für Südafrika in Südafrika schlägt. Und genau dies ist auch wichtig. Man muss, wenn man Missionar sein will, ganz in das Missionsland eintauchen. Man muss ein Südafrikaner werden und man muss, ja wie gesagt, ganz in dieser Aufgabe aufgehen und einer von den Leuten werden. Mir geht es oft so, dass sich der einzige Weiße bin in einer Riesenmenge von Schwarzen.  Nur den Schwarzen fällt es auf, dass ich ein Weißer bin. Mir selber fällt dies gar nicht auf, weil ich die Sprache natürlich spreche und verstehe, und weil ich mich selber als einer dieser Menschen nicht nur fühle, sondern weil ich einer von ihnen bin. Und insofern ist es enorm wichtig für einen Missionar, dass sich ganz assimiliert und dass er sich ganz auf diese Aufgabe einlässt. Es ist ja eine Lebensaufgabe. Und wenn ich mit den Menschen lebe, dann muss ich auch mit den Menschen fühlen und sie verstehen. Und das war für mich so gut und wichtig, auch in diesen ersten drei Jahren. Ich hatte einen großartigen Lehrmeister, einen erfahrenen Missionar, der mir unendlich viel erzählt hat, auch von der Geisterwelt, von der Glaubenswelt, von den religiösen Vorstellungen, von der Mythologie und von den traditionellen Vorstellungen der Zulu. Und das hilft mir bis heute, was ich damals gelernt habe, weil man erst dann, nimmer so richtig weiß, was der Zulu im innersten denkt und was er fühlt, was er spürt, welche Ängste er auch hat, dass man dann auf diese Ängste auch antworten kann, und versuchen kann, in von diesen Ängsten zu befreien. Denn es ist ja leider so, dass in vielen der so genannten Stammesreligionen, diese Stammesreligion ein einziger Angstzustand ist, vor irgendwelchen bösen Geistern, vor Hexern, vor Zauberern, und vor anderen Leuten, die einem Übles tun wollen, und der Mensch dann seine religiöse Lebensaufgabe darin sieht, diese Geister zu vertreiben, oder Gegen-Zauber zu finden, und sich überhaupt nicht konzentrieren kann auf die Liebe Gottes. Von der weiß er ja nichts, denn seine Glaubenswelt beschränkt sich auf, wie ich schon sagte, auf diesen Angstzustand vor diesen bösen Geistern. Und wenn ich dem Menschen dann beibringen kann, und es dauert Jahrzehnte, bis es wirklich gelingt, wenn man den Menschen dann beibringen kann, dass er keine Angst zu haben braucht, weil eben der Liebe Gott in seinem Tod und in seiner Auferstehung Tod und Teufel und alle bösen Geister besiegt hat, und weil wir von da her wissen, dass Christus für uns kämpft, dass nicht ich kämpfen muss, sondern dass Christus an meiner Stelle für mich einsteht, für mich kämpft, und das Böse für mich besiegt hat, dass also nicht ich dauernd mich darauf konzentrieren muss, das Böse zu bekämpfen. Denn dann, rein psychologisch gesehen, konzentriert sich der Mensch immer nur auf das Böse, wenn er gegen das Böse kämpft. Und ich sage den Leuten immer: „Lass das Böse zur Seite! Schau nicht hin! Dreh Dich lieber zum Guten hin! Dreh Dich zum lieben Gott hin! Und wenn Du Dich Gott zuwendest, drehst Du Dich automatisch vom Bösen ab. Also brauchst Du das Böse gar nicht zu bekämpfen mit all Deinen Zaubern, mit all Deinen Hexereien, sondern überlass das dem lieben Gott! Sei an seiner Seite! Verlass Dich auf seine Kraft! Verlass Dich auf seine göttliche Allmacht, und dann kann Dir nichts mehr passieren. Und wenn die Leute das dann endlich verstehen, dann ist dies wirklich eine echte und eine ganz tiefe Befreiung, dass auf einmal so ein fürchterlicher Druck von ihrem Herzen wegfällt, und wenn sie eben wissen dürfen: Solang ich mit Christus bin, und auf seiner Seite bin, dann sind Christus und ich die absolute Mehrheit, und alles andere kann mir nichts mehr anhaben. Uns dies ist es ganz Wichtige in der Missionsarbeit, dass wir den Menschen die Angst nehmen, dass wir sie befreien, so wie es der Heilige Paulus sagt, dass wir im Glauben zur Freiheit befreit sind. Und genau darum geht's in der Missionsarbeit, auch die Menschen zu befreien, zum Glauben, zur Hoffnung und zur Liebe an Christus, in Christus, mit Christus, füreinander. Und dies ist das Wichtige in der heutigen Missionsarbeit, genauso wie es in früheren Zeiten auch war.

(Musikeinlage)

Pater Gerhard, würden Sie uns noch einmal ihre Projekte aufzählen?

Ja, ich fasse es nochmal einfach ganz kurz zusammen und erzähle Ihnen dann gerne mehr zu den einzelnen Projekten: Ich sagte ihnen bereits in früheren Sendungen, dass wir ein großes Hospiz betreiben, und in diesem Hospiz ein Aidsbehandlungsprogramm, und durch dieses Hospiz auch ein HIV und Aids Aufklärungsprogramm. In einer anderen Sendung habe schon davon gesprochen, dass wir ein großes Kinderheim betreiben, mit momentan 42 Kindern und ich habe gerade in dieser Sendung schon gesprochen über unsere Klinik für unterernährte Kleinkinder und Säuglinge. Und jetzt, die weiteren Projekte die wir noch betreiben, sind: Ein Kindergarten. Dann haben wir einen Hilfsfonds für Arme Kranke. Dann haben wir einen Nothilfefonds und einen Stipendienfonds. Dann betreiben wir einen Senioren Club. Wir betreiben einen Erste Hilfe und Notdienst. Und schließlich und endlich sind wir auch im Katastrophenschutz tätig. Wir sind also bereit, im Katastrophenfall als Hilfsorganisation im Sanitäts- und Betreuungsdienst tätig zu werden. Das ins der Gesamtüberblick über die Hilfsprojekte, die wir betreiben. Und in dem haben wir enorm viel zu tun. Die beiden größten Projekte sind unser Hospiz und unser Kinderheim, aber die anderen sind nicht weniger wichtig.

Natürlich braucht Ihre Mission Geld zum Arbeiten. Wie können unsere Zuhörer und Zuhörerinnen Ihnen helfen?

Erst mal möchte ich mich ganz herzlich bedanken, dass mir diese Gelegenheit gegeben wird. Und ich bin auch sehr dankbar, dem Malteserorden in der Schweiz, die uns mit ganz offenen Armen aufgenommen haben in den Kreis derer, die sie unterstützen wollen, und die uns auch gesagt haben, dass wir sehr gerne über ihr Spendenkonto auch Spenden für uns entgegennehmen können. Diese Spenden wären einzuzahlen an die „Helvetische Assoziation FONDAHOM“. Und das Konto ist bei der UBS AG. Und die internationale Kontonummer die IBAN Nummer ist: „CH 26 00 26 026038304040R“ und im Verwendungszweck wäre der Vermerk „Südafrika“ bitte anzubringen, damit auch wir dieses Geld bekommen.

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Ich bedanke mich nochmal ganz ganz herzlich für die Möglichkeit, an ihr Herz zu klopfen und zu sagen: „Bitte, helft uns, weil wir unsere gesamte Tätigkeit ausschließlich aus Spenden finanzieren müssen und die Menschen, denen wir hier helfen, selber völlig arme Leute sind, und selber keinem Beitrag leisten könnten.“ Und daher ein ganz herzliches Vergelt’s Gott, ein ganz herzliches Dankeschön!

Vielen Dank, lieber Pater Gerhard, für diesen intensiven Einblick in Ihre Arbeit! Zum Schluß noch möchte ich Sie, Pater Gerhard, um Ihren Segen bitten.

Sehr gerne. Lasst uns beten:  Gott, allmächtiger Vater, wir danken Dir, dass du uns alle berufen hast, vor dir zu stehen und dir zu dienen. Wir bitten dich, dass Du uns Deinen Segen schenkst, dass wir unsere eigene Berufung erkennen können, und dass wir unserer Berufung folgen können, dass wir den Glauben, die Hoffnung und die Liebe dort leben, wo du uns hingestellt hast. Wir bitten um Deinen besonderen Segen für die Missionare in der ganzen Welt, und für die Mission auch hier im Zululand, und für die Menschen in der Schweiz. Und dazu segne und behüte Euch der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen. Gelobt sei Jesus Christus!  In Ewigkeit. Amen.

Das ist es gewesen, unsere Sendung mit dem Titel „Missionarische Erfahrungen des Missionsbenediktiners Pater Gerhard Lagleder.“ Pater Gerhard, ich möchte mich bei Ihnen herzlich bedanken, dass Sie bei uns als Gast und Referent gewesen sind. Auch bei Ihnen, liebe Zuhörer und Zuhörerinnen, bedanke ich mich recht herzlich, dass sie mit mir durch die Sendung gegangen sind.  Es würde mich freuen, wenn ich Sie wieder auf Radio Gloria begrüßen dürfte. Am Mikrofon ist gewesen: Gaby Kuhn und ich wünsche Ihnen Gottes Segen!


 


Herbergssuche im Zululand (8.12.2010)

Glaubenskurs:
Herbergssuche im Zululand.
Ein Heim für Kinder ohne Zuhause.
P. Gerhard Lagleder

Eine Sendung von Gaby Kuhn mit Pater Gerhard Lagleder OSB.Aufgezeichnet am 7. Dezember 2010Gesendet am 8. Dezember 2010: 16:30 Uhr  

Grüß Gott, liebe Zuhörer und Zuhörerinnen! Ganz herzlich willkommen bei uns auf Radio Gloria. Mein Name ist Gaby Kuhn und ich darf Sie durch die Sendung begleiten.  Unser heutiges Thema bildet „Auf der Herbergssuche im Zululand. Das ist ein Heim für Kinder, die kein Zuhause haben.“ Unser heutiger Tagesgast, den ich begrüßen darf, ist der Pater Gerhard Lagleder. Weil aber der Pater Gerhard kein Schweizer Deutsch versteht, werde ich ab jetzt in Schriftdeutsch weitersprechen.  Bevor ich unserem Referenten das Wort überreiche, werde ich ihn und sein Projekt kurz vorstellen: Wie gesagt, unser heutiger Gast ist Pater Gerhard Lagleder aus Südafrika. Er wurde 1955 in Regensburg geboren, wo er auch 1982 seine Priesterweihe empfing. Im gleichen Jahr ist er in St. Ottilien dem Orden der Missionsbenediktiner beigetreten. 1994 wurde Pater Lagleder Magistratskaplan des Souveränen Malteser-Ritterordens. 1992 gründete Pater Gerhard im Zululand an der Ostküste Südafrikas die Bruderschaft des Seligen Gerhard. Es ist eine eigenständige Hilfsorganisation innerhalb des Malteserordens. Pater Gerhard leitet dort ein Heim für Kinder ohne Zuhause. An dieser Stelle übergebe ich Pater Gerhard das Wort , damit er uns mehr über sein Werk berichten kann. Grüß Gott, Pater Gerhard, und herzlich willkommen bei uns auf Radio Gloria!

Grüezi wohl! Hier ist der Pater Gerhard wieder aus dem Zululand in Südafrika. Ich war schon zweimal bei Ihnen im Radio zu Gast und ich freue mich sehr, dass ich heute wieder mit Ihnen etwas plaudern darf, und Ihnen etwas erzählen darf, heute über unser Kinderheim, das wir in Mandeni betreiben und betreuen.

Pater Gerhard, wie kommt ein Regensburger in einen Missionsorden und schließlich nach Südafrika?

Dies ist eine sehr lange Geschichte, die, um sie ganz kurz zu erzählen: Ich war an der Universität Regensburg, habe dort Theologie studiert, und bin dann zum Diözesanpriester geweiht worden. Aber in den letzten Jahren vor der Priesterweihe ist in mir sehr intensiv der Gedanke wach geworden, dass eine eigentliche, ganz radikale und kompromisslose Nachfolge Christi eigentlich Ordensleben bedeuten könnte für mich. Und ich hab mich dann erkundigt. Und ich hab sehr viele Freunde gehabt, die Ordensleute sind, und bin dann immer mehr zu dem Entschluss gekommen, dass das Ordensleben eigentlich meine wirkliche Berufung ist, weil ich mir dachte, dass ich eben gerade darin am kompromisslosesten dem Herrn und seiner Kirche dienen kann, und so habe ich mich dann etwa ein Jahr vor der Priesterweihe entschlossen, bei den Missionsbenediktinern in St. Ottilien einzutreten. Der damalige Erzabt, der der jetzige Abtprimas des Benediktinerordens ist, Notker Wolf, hat mir damals gesagt: „Wenn Du dich zum Priestertum berufen fühlst, dann mach aber erst fertig, und lass dich zum Priester weihen, denn wir können dich im Kloster ja nicht als Priester einsetzen, wenn Du noch nicht geweiht bist. Und wenn Du die Berufung verspürst, dann mach erst Deinen Schritt, oder geh Deinen Berufungsweg zu Ende.“ Und dann wurde ich in Regensburg am 28. Juni 1982 zum Priester geweiht und wurde am Tag der Priesterweihe zum Ordenseintritt beurlaubt und bin dann in St. Ottilien eingetreten bei den Missionsbenediktinern, und hab dann mein Jahr Noviziat gemacht, meine drei Jahre zeitliche Prozess, und dann, nach meiner feierlichen Profess, drei Monate später, saß ich im Flugzeug nach Südafrika. Ich wurde am 6. Januar 1987 von dem damaligen Erzabt Notker Wolf als Missionar ausgesandt ins Zululand, und bin eben seit dieser Zeit, das sind also jetzt knapp 24 Jahre, hier in Südafrika tätig.

Pater Gerhard, können Sie unseren Hörern beschreiben, wo Zululand liegt und wie man sich das vorstellen muss?

(Wenn Sie) die Landkarte (Südafrikas) genau in der Mitte zusammenfalten und an der Mittelfalte dann nach Osten gehen dann finden Sie Durban, eine riesengroße 4 Millionen Stadt am Indischen Ozean. Und wenn sie von diesem Durban aus 100 km nördlich gehen, kommen Sie an den Tugela-Fluss, an die Mündung des Tugela-Flusses in den Indischen Ozean. Und wenn sie da 10 km landeinwärts gehen, dann sind Sie genau in Mandeni, wo ich hin geschickt wurde. Ich wurde ursprünglich erst mal der Abtei Inkamana zugewiesen, der Benediktinerabtei Inkamana im Zululand in Südafrika, und die haben mich dann vor – jetzt sind's schon zu über 20 Jahre her – in dieses Gebiet geschickt, wo ich jetzt bin. Und dort bin ich dann eben erst mal Pfarrseelsorger gewesen, habe aber dann gerade in der Pfarr-Caritas meine ganz besondere Berufung gesehen, weil ich eben in ein Gebiet gekommen bin, wo so enorm große Not herrscht. Und die Kirche hat ja drei Wesensaufgaben – das weiß jeder, das lernt man im Katechismus-Unterricht – den Gottesdienst zu feiern, den Glauben zu verkünden und die Liebe Gottes in die Tat umzusetzen in der Nächstenliebe, in der Caritas, und genau dies habe ich getan. Und so war für mich eben die karitative Tätigkeit einer meiner Schwerpunkte, weil ich in einer Pfarrei war, in der ein Großteil der Leute nicht genug zum Leben haben, in dem es eine schreiende Armut gibt, in dem es unendlich viel Krankheit gibt und viel Not gibt. Und da muss die Kirche was tun. Und so dachte ich mir wir müssen als die Kirche versuchen, die Hilfstätigkeit ordentlich zu organisieren, und deshalb habe ich eben eine Hilfsorganisation gegründet, die wir nach dem Gründer des Malteserordens, dem Seligen Gerhard, die „Bruderschaft des Seligen Gerhard“ genannt haben, oder auf Englisch die „Brotherhood of Blessed Gerard“. Und diese ist jetzt heutzutage die größte katholische Hilfsorganisation Südafrikas geworden. Und da bin ich sehr dankbar, dass wir so viel Unterstützung haben, und so viele Leute, die bereit sind, den Armen und Kranken zu helfen. Und genau dies tun wir in Mandeni im Zululand.

Wie gesagt, sie haben im Zululand ein Waisenhaus für Kinder, die kein Zuhause haben, oder eben auch keine Eltern. Wie sieht denn Ihre Arbeit dort aus, Pater Gerhard?

Ja, da kann ich unendlich viel erzählen, denn da hängt ja wirklich mein Herzblut dran. Ich denke, ich soll Ihnen erst mal erzählen, wie es überhaupt dazu kam, dass wir dieses Kinderheim begonnen haben. Und zwar kam es einfach dadurch dazu, dass wir erst ein Hospiz begonnen haben. Und in diesem Hospiz betreuten wir, und betreuen wir immer noch Sterbende. Und es kommt sehr häufig vor, dass eine Mutter mit ihrem Kind ins Hospiz kommt, die Mutter dann stirbt – die meisten sterben leider an AIDS – und dann bleiben die Kinder übrig. Normalerweise würde in der Zulu-Gesellschaft die Familie die Kinder übernehmen, wenn eine Mutter stirbt, aber das große Problem ist, dass ja so viele von den Familienangehörigen auch schon an AIDS gestorben sind. Ich hab letzte Woche davon erzählt, dass bei uns drei Viertel der Bevölkerung HIV-positiv sind. Und bei dieser Durchseuchung sind einfach nicht mehr genügend Leute da. Und da bleiben dann viele Kinder übrig. Und so haben wir dann einfach Kinder, so genannte AIDS-Waisen, bei uns aufgenommen. Aber damit ist es nicht genug. Sondern wir haben dann auch sehr viele andere Kinder bekommen, sobald die gehört haben, dass wir ein Kinderheim eröffnet haben, und dies ist jetzt auch schon über zehn Jahre her. Und dort haben wir dann auch viele ausgesetzte Kinder bekommen. Wir haben vernachlässigte Kinder bekommen. Wir haben leider auch sehr viele misshandelte und missbrauchte Kinder bei uns. Wir haben kranke Kinder bei uns, und unter diesen kranken Kindern sind auch AIDS kranke Kinder. Wir haben auch Behinderte, körperlich und geistig behinderte Kinder, bei uns. Und natürlich, wir haben Waisenkinder bei uns, bei denen beide Elternteile gestorben sind, und um die kümmern wir uns.

(Musikeinlage)

Ich möchte Ihnen eine wahre Weihnachtsgeschichte erzählen: Am 21. Dezember 2003 wurde ein kleiner, vielleicht drei Tage alter Junge zu uns gebracht, und nachdem er als ausgesetztes Kind gefunden worden, ist er zu uns gekommen. Er war offensichtlich eine Frühgeburt und sehr schwach. Er war schwer dehydriert und unterernährt. Er hatte Mundfäule, was normalerweise ein Zeichen für eine Immunschwäche ist. Er hatte kaum Kraft, die eigene Babyflasche, an der Babyflasche zu saugen, und hat sofort nach dem Füttern erbrochen. Er hatte schweren Durchfall und wir hatten jeden Anlass, alles zu versuchen, sein Leben zu retten. Ich hatte dann so große Angst um ihn, dass ich ihm am selben Abend, als er eingeliefert wurde, noch die Nottaufe gespendet habe. Ich habe ihn in Todesgefahr getauft. Wir haben ihn dann durchgebracht, und er ist eben nicht gestorben. Er hat neue Kräfte bekommen, und – was bei ihm ganz dann eine eigenartige Sache war – er hatte ganz verkrüppelte Hände, und zwar waren die Hände 180° gedreht, so wie eingeklappt, so wie ein Klapp-Spaten nach unten, auf dem Unterarm gelegen, und wir mussten also dann in monatelanger Physiotherapie diese Arme gerade bringen. Und jetzt ist er nicht nur ein gut gewachsener Kerl, sondern er ist fröhlich und glücklich. Wie kam es überhaupt dazu? Die Geschichte möchte ich Ihnen auch noch erzählen: Wir sind dann später drauf gekommen, dass er eigentlich kein ausgesetztes Kind ist, sondern wir sind drauf gekommen, dass es eine Großmutter gibt, die sich um ihn annehmen sollte, weil die Mutter von dem kleinen Jungen überhaupt nicht in Erscheinung getreten ist. Wir hatten damals keine Ahnung, und haben heute noch keine Ahnung, ob sie am Leben ist oder nicht mehr. Und die Großmutter von dem kleinen Jungen muss so frustriert gewesen sein mit der Tatsache, dass sie sich um ihn kümmern musste, dass sie ihn buchstäblich weg geworfen hat, und zwar in die Arme des Mannes, der ihn zu uns gebracht hat. Vermutlich ist der Mann der Vater des Kindes, aber er hat es nie zugegeben. So hat also die Großmutter das Kind genommen, und hat aus 2-3 m Entfernung ihm das Kind zugeworfen.  Und so kam er eben dann zu uns, und wir haben ihn aufgefangen mit all unserer Liebe und mit all unserer Sorge. Und heute ist er ein kräftiger, gesunder, frecher Junge, der lebensfroh und kräftig ist. Und so sind wir also sehr froh, dass wir ihm das Leben nicht nur retten konnten, sondern dass er jetzt ein froher und glücklicher Junge ist. Das war diese Geschichte, diese wahre Weihnachtsgeschichte, die ich Ihnen erzählen wollte.

(Musikeinlage)

Es gibt noch sehr viel mehr Kinder mit ganz schlimmen Schicksalen.
Ich denke eines der schlimmsten Schicksale möchte ich Ihnen in dem Sinn sogar vorlesen, weil wir mal eine Geschichte geschrieben haben über sein Leben, über seine Vorgeschichte. Wir haben also seine Vorgeschichte in eine Art Erzählung gefasst und wir haben (ihn selber sprechen lassen, d.h. wir haben) seine Mutter sprechen lassen in dieser Geschichte. Und diese Geschichte möchte ich jetzt erzählen: Die Mutter des Jungen,
 wir haben ihn Sduduzo genannt, dies ist nicht sein wirklicher Name, aber wir nennen Ihn in der Geschichte jetzt einfach so. Und die Mutter, der haben wir den Namen Mpume gegeben, das ist auch ein erfundener Name. Also die Mutter spricht:
Ich heiße Mpume, und im Juli 2000 war ich, so wie jeder andere, glücklich und blickte voll Zuversicht in die Zukunft. Ich war 29 Jahre alt und die Welt lag mir zu Füßen. Ich war von Mandeni nach Durban gezogen, um nach Arbeit zu suchen. Dort ging ich mit ein paar meiner neuen Freunde auf eine Party und dort traf ich den Mann, und dann fand ich heraus, dass ich schwanger war, doch sein Vater nahm sich nie die Zeit für ihn zu sorgen. Im Gegenteil, er gab mit den Laufpass, als er hörte, dass ich von ihm schwanger war. Er bezichtigte mich der Lüge, und das Kind könnte ja von einem anderen Mann sein. Ich habe geheult, aber beschloss mein Leben so gut als möglich in meine eigenen Hände zu nehmen. Mein lieber kleiner Sduduzo war gesund und wuchs prächtig.  Aber ich fühlte mich zunehmend abgeschlafft und musste dauernd husten. In der Zwischenzeit lernte ich einen anderen Mann kennen, der für meinen Sohn wie ein guter Vater war. Sduduzo und ich sind mit ihm zusammen gezogen. Er war so gut zu uns, und half uns, mit unseren Problemen fertig zu werden. Mir ging es zunehmend schlechter, und dann fand ich heraus, dass sich wieder schwanger war. Buyi, mein Lebensgefährte, sorgte für uns alle. Ich bin überzeugt, dass er meinen Sohn und mich wirklich geliebt hat. Im Verlauf meiner Schwangerschaft ging ich regelmäßig zur örtlichen Klinik zur Untersuchung. Ich war gerade 30 Jahre alt, in der Fülle meines Lebens. Da war ich wie vom Blitz getroffen. Eine Katastrophe! Die Schwester in der Klinik hatte mir Blut abgenommen. Sie bot mir einen Stuhl an, und sagte mir dann, dass ich HIV-positiv bin, dass mein CD4-Wert sehr niedrig ist, und dass sich an AIDS im Stadium 3 leide, und eine Lungentuberkulose habe. Ich war am Boden zerstört. Was soll ich jetzt nur tun? Was wird mit Sduduzo geschehen? Was wird mit dem Baby in meinem Leib geschehen? Wird mir die Klinik antiretrovirale Medikamente geben? Wie lang habe ich noch zu leben? Ist Buyi auch HIV-positiv? Fragen über Fragen gingen mir durch den Kopf. Meine Welt brach zusammen. Die Schwestern in der Klinik gaben mir TB Medizin. Die brachte mich zum Erbrechen. Sie gaben mir Multivitamin- und Eisentabletten, aber die halfen auch nicht wirklich. Sie gaben mir Schmerzmittel und etwas gegen Durchfall. Ich nahm immer mehr ab, obwohl ich schwanger war. (Buyi und) mein Sohn wurde im August 2003 geboren. Ich war so geschwächt, dass wir nicht mehr rechtzeitig ins Krankenhaus kamen. Das Baby kam zuhause auf die Welt, aber auch er war sehr krank und überlebte nicht. Jetzt musste ich mein kleines Baby begraben. Nun war es Buyi mit meinem zweijährigen Sohn und mir zu viel geworden. Wir zogen ins Haus meiner Mutter um, in dem sie mit meinem Bruder lebte. Eines Nachts kam er spät nachhause. Er hatte sich volllaufen lassen und war schrecklich aufgeregt. Meine Mutter stritt mit ihm weil er betrunken war. Er griff zum Messer und erstach sie direkt vor unseren Augen. Ich war viel zu schwach, um auch nur irgendetwas zu tun. Sduduzo rannte zu Mama, die am Boden lag. Er brüllte: „Oma! Oma!“ Aber es war zu spät. Sie war schon tot. Mein Bruder trat auf Sduduzo mit seinen Füßen ein. Sein schwerer Stiefel schmetterte auf Sduduzos Kopf. Er flog durch die Luft und viel bewusstlos zu Boden. Er hatte einen Schädelbruch und einen Trommelfellriss. Er fragte mich immer wieder, warum all das uns zustoßen muss. Ich habe nie jemand etwas zu Leide getan. Da kam Buyi. Er sagte, ich solle besser nach Mandeni zurückgehen, wo meine Schwester lebt. Nun kam ich in Zamas Kraal an, wo sie mit ihrem arbeitslosen Mann und drei Kindern lebte. Zama sah auf den ersten Blick, dass sie nicht in der Lage war, Sduduzo und mich zu sorgen. Sie hatte keinen blassen Dunst wie man mit einem schwerst Aidskranken umgeht, wie man ihn pflegt, und sie hatte nicht einmal Geld, ihre eigenen Kinder zu ernähren. Ich wusste, dass ich von ihr und ihrem Mann zu viel verlangte. Trotzdem ließ uns Zama nicht im Stich. Sie brachte uns zu Blessed Gérard’s Hospiz. Sduduzo war bei der Aufnahme noch immer verängstigt und hatte schlimme Schmerzen. Die Schwestern nahmen Sduduzo und mich auf und sorgten für uns beide. So konnte ich noch mit meinem herzigen Sduduzo zusammen sein bis mich Gott drei Tage später zu sich rief. Jetzt bin ich wieder mit meiner Mutter und meinem winzigen Baby vereint. Sduduzo wird nun im Blessed Gérard’s Kinderheim liebend umsorgt. Sein Ohr hat zu eitern aufgehört. Er hat viele Freunde und er lacht auch wieder. Jetzt bin ich glücklich und ich schaue gern zu ihm herunter, weil er eine gesicherte Zukunft hat in den Händen von Menschen, die sich wirklich um ihn und andere annehmen.

(Musikeinlage)

Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer von Radio Gloria, die später zu uns gestoßen sind, wir hören die Sendung mit dem Titel „Herbergssuche im Zululand. Das Heim für Kinder ohne Eltern oder ohne Zuhause“. Zu Gast bei uns ist der Pater Gerhard Lagleder.

Und jetzt möchte ich Ihnen noch eine weitere Geschichte erzählen. Wir haben ja insgesamt 43 Kinder momentan. Und von diesen 43 Kindern hat jedes einzelne Kind eine meist sehr schreckliche Leidensgeschichte hinter sich. Wir sind ja hier kein Internat, in dem Kinder untergebracht sind, und dann am Wochenende nachhause zu Familie gehen, sondern wir sind das zuhause. Wir sind das Heim für Kinder, die sonst einfach niemand haben, der sich um sie kümmert.
Jetzt möchte ich Ihnen noch eine etwas lustigere Geschichte erzählen von einem Kind, der auch bei uns ist, und der jetzt auch quietschfidel ist. Und wie ist er zu uns gekommen? Es waren junge Zulu-Männer und die haben miteinander Fußball gespielt. Das machen die Zulu ja sehr gerne. Und als einer den Ball weit übers Spielfeld hinausgeschossen hat, ist er dem Ball dann nachgelaufen, ins Gebüsch rein. Und auf der Suche nach dem Ball hört er dann auf einmal ein kleines Kind wimmern. Und er ist dann diesen Geräuschen nachgegangen und hat ein kleines Kind gefunden, das völlig übersät war mit Ameisen, geschrien hat, wo die Nabelschnur und die Nachgeburt noch am Kind dran war. Jetzt wusste dieser junge Fußballspieler natürlich überhaupt nicht, was der mit so einem Kind tun soll. Aber, Gott sei Dank, hat er das Kind aufgehoben, samt der Nachgeburt und hat das Kind zur Polizei gebracht. Die Polizei war auch ratlos. Die haben das Kind dann in die örtliche Klinik gebracht. Dort wurde des Kind abgenabelt und gewaschen und dann hat Klinik gesagt: „Ja wir wissen auch nicht was wir mit dem Kind tun sollen.“ Und dann hat man uns angerufen. Und das ist jetzt schon vor einigen Jahren gewesen und so ist, nennen wir ihn der Sibusiso, so ist der Sibusiso zu uns gekommen. Und das Schöne bei solchen Kindern ist ja eigentlich, dass sie sich überhaupt nicht erinnern können, durch welche schlimmen Erfahrungen sie durchgegangen sind, und dass die also wie ein unbeschriebenes Blatt zu uns kommen und so praktisch bei uns, wirklich wie in einem echten Zuhause, aufwachsen können. Wir haben noch mehrere ausgesetzte Kinder. Ein anderer Trick ist der, da haben wir zwei, die auf dieselbe Art und Weise zu uns kamen. Der eine, der kürzlich kam, da war die Geschichte die, dass eine junge Frau an einer Bushaltestelle stand, und dann kam auf einmal eine andere Frau auf sie zu und sagte: „Ja, sind sie doch so lieb und halten mir mein Kind. Ich muss schnell auf die Toilette gehen und ich will mein Baby da nicht mitnehmen. Da ist es so schmutzig. Und wenn ich fertig bin mit der Mitte Toilette, dann komm ich und nehme ihn wieder.“ Und die ist dann weggegangen und ist nie mehr wieder gekommen. Und seitdem ist der Kleine bei uns, und das ist erst ein paar Wochen her, und er ist also nur ein paar Wochen alt. Also er kam zu uns 2-3 Wochen alt. Also diese Art von Kinder Aussetzen kommt bei uns immer wieder vor, und so haben wir einige dieser Kinder. Aber, wie ich schon sagte, wenigstens ist diesen Kindern nichts Schlimmes passiert, und so kann man sich gut um sie kümmern.

(Musikeinlage)

Ein schlimmerer Fall ist der Fall des Bhekithemba, den ich Ihnen auch kurz erzählen will. Und mit dem Bhekithemba ist folgendes passiert: Nämlich mit seiner Mutter hat er gelebt bei Verwandten. Und ein großes Problem ist ja bei uns, dass sehr viele junge Frauen schwanger werden, obwohl sie das gar nicht wollen. Es kommen ja etwa 95 % der Kinder außerhalb der Ehe zur Welt und da ist eben dann so ein Kind ein unerwünschter Nebeneffekt des Geldverdienens. Und so werden eben sehr viele Kinder auch gar nicht so richtig geliebt. In dem Fall war es aber anders. Das Kind wurde geliebt, aber nicht von der Familie. Bei den Verwandten, bei denen die Mutter mit dem Kind war, die haben dann herausgefunden, dass die Mutter und das Kind AIDS hatten, und die haben dann das Kind und die Mutter völlig ausgesperrt, und zwar im wortwörtlichen Sinn, in eine kleine Hütte außerhalb des Familien-Kraals, und haben in dieser Hütte die Tür zugesperrt und, ohne dass sie Wasser drin hatten, ohne dass sie eine Toilette drin hatten, und die haben dann das Essen durch einen Spalt unter der Türe in einem Napf durchgeschoben, und das Wasser da durchgeschoben. Also die haben die wirklich behandelt – mir fehlen die Worte – das ist also schlimmer wie zur Zeit Jesu die Leprakranken behandelt wurden, und so völlig ausgestoßen, weil jeder vor dem AIDS riesengroße Angst hatte. Und gottlob sind die Nachbarn darauf aufmerksam geworden, was dort vor sich geht, und haben dann die Sozialarbeiter gerufen. Und die Sozialarbeiter haben dann dieses Kind und die Mutter zu uns gebracht. Die Mutter starb an AIDS bei uns im Hospiz, und der Junge ist heute noch bei uns. Er ist auch in AIDS Behandlung und darum geht's im jetzt wunderbar. Er ist quietschfidel und er fühlt sich gesund und kräftig, und wir sind sehr froh, dass also er wenigstens eine gute Zukunft haben kann.

Jetzt möchte ich Ihnen noch eine andere Geschichte erzählen, die eigentlich auch ganz schlimm ist: Ich wurde gerufen: „Herr Pater kommen Sie doch bitte! Da ist ein kleines Kind. Der ist etwa neun Jahre alt.“ Ich bin dann dort hingefahren, konnte gar nicht bis zur Hütte fahren, weil es sehr unwegsames Gelände war, bin dann etwa eine Stunde noch durch den Busch mit den Leuten gewandert und auf den Berg rauf gestiegen, wo die Hütte war. Und da sah ich den kleinen Jungen. Und er wog zwölf Kilo mit neun Jahren! Er war so extrem unterernährt. Wir haben dann gleich mitgenommen. Er war also wirklich wie so ein Skelett mit Haut überzogen. Und ich habe ihn dann mitgenommen, und obwohl ich eine Stunde durch den Busch wieder wandern musste, der hat ja nichts gewogen, das war also nicht einmal beschwerlich, den zu tragen, und habe ihn dann zu uns ins Care Centre gebracht, und dort wurde er dann untersucht. Und wir haben herausgefunden, dass die Mutter HIV-positiv war. Wir haben dann später bei ihm einen AIDS Test gemacht und der war nicht HIV-positiv, Gott sei Dank. Aber was passiert ist, was wir dann später herausgefunden haben, von der Großmutter, ist, dass er bei der Geburt einen Hirninfarkt hatte und von da her eine schwere Epilepsie erlitten hat. Und diese schwere Epilepsie war natürlich Jahre lang unbehandelt geblieben. Und damit sind schwere Gehirnschäden bei ihm entstanden, die natürlich leider irreversibel sind. Und so kam er also am Anfang zu uns. Er hat überhaupt nicht reagiert. Er hat weder auf Lachen reagiert, noch auf Anfassen, noch auf irgendetwas. Wenn man mit der Hand vor seinem Gesicht hin und her gefahren ist, hat er keine Miene verzogen, und hat dann nicht mit den Augen geblinkt. Er war also völlig apathisch. Und es hat dann ewig lang gedauert, bis wir ihn überhaupt so weit hatten, dass er etwas zu trinken und zu essen angenommen hat. Und dann hat es sehr sehr lang gedauert, bis er sich dann erholt hat, und bis er kräftig geworden ist. Und das ist jetzt auch schon mehrere Jahre her, dass er bei uns ist. Und jetzt ist er kräftig. Jetzt läuft er rum. Jetzt freut er sich. Jetzt kann man lachen. Jetzt kann er weinen. Jetzt kann er mit den anderen Kindern spielen. Aber er ist natürlich leider geistig schwerstbehindert und auch körperlich. Er hat Lähmungserscheinungen, aber trotz seiner Lähmungserscheinungen kann er rumlaufen. Und inzwischen ist er 18 Jahre alt geworden, und so lange ist er schon bei uns, und so sind wir eben sehr froh, dass wir ihm nicht nur des Leben retten konnten, sondern ihm auch eine bestmögliche Lebensqualität schenken konnten.

So gibt es also sehr viele Kinder, die mit unterschiedlichsten Voraussetzungen zu uns kommen.

(Musikeinlage)

Ein anderes Kind, die Geschichte möchte ich Ihnen auch noch erzählen, weil die ganz schrecklich ist:  Diese andere Geschichte ist: Nennen wir das Kind Irene. Die kleine Irene kaum zu uns im afrikanischen Winter. Es ist Juli und die Nacht ist kalt im afrikanischen Winter. Die Eltern das Babys Irene feiern irgendeinen unbekannten und unwichtigen Anlass. Schon wieder haben sie heftig getrunken. Irenes Mutter ist schwer betrunken, und als Irene zu schreien beginnt, wird sie sehr ärgerlich mit ihr. Irenes Mutter und ihr Freund sind arbeitslos und haben große Schwierigkeiten, ihre Kinder zu ernähren. Aber Nacht für Nacht haben sie genug Geld, um sich zu betrinken. Man könnte sich fragen, ob sie das tun, damit sie es nicht so mitbekommen, wie ihre Kinder vor Hunger Bauchschmerzen haben. Sie leben in einer Bruchbude aus Milchverpackungen, Pappkarton und einigen Stecken und Steinen. Die Bude ist so nah an der Straße, dass sie die Erschütterung der Räder spüren, wenn Lastwagen auf der Straße vorbeifahren. Diese Julinacht ist eine besonders schlechte Nacht. Die Kinder hatten den ganzen Tag lang geschrien. Es war kalt und feucht und sie hatten nichts zu essen. Irenes Vater kam von der Arbeitssuche nachhause und war schon betrunken. Irenes Mutter hatte Meinungsverschiedenheiten mit ihrem Vater, und ein großer Streit entfachte sich. Die anderen Kinder versteckten sich, aber unglücklicherweise konnte die zwei Monate alte Irene das nicht auch tun. So wurde das arme kleine Kind verprügelt, bis ihr Gesäß grün und blau war. Es war solch ein Aufruhr, dass die Nachbarn zusammen liefen, um zu sehen was denn los sei. Dann lief alles ganz schnell ab. Die Polizei kam. Nachdem sie angehört hatten, was die Leute, die in den Buden in der Umgebung leben, zu berichten hatten, dass Irene jeden Tag verprügelt wird, wurde Irenes Mutter wegen Kindsmisshandlung festgenommen und in Polizeigewahrsam gebracht. Natürlich konnten sie Irene nicht bei ihrem betrunkenen Vater lassen, und so brachten sie sie zur Sicherheit ins Blessed Gérard‘s Kinderheim. Irenes Mutter war ziemlich kühl und ohne jegliche Reue. Am nächsten Morgen untersuchte der Dienst habende Arzt in unserem Haus die kleine Irene gründlich. Irene konnte in der Krankenstation des Care-Zentrums bleiben, um intensive Pflege und viel Liebe zu erfahren, und damit sie über die nächsten Tage hinweg überwacht werden konnte. Später wurde sie in unser Kinderheim verlegt. Irene lebt noch immer mit den anderen Kindern im Kinderheim und entwickelt sich prächtig. Und das ist auch schon wieder fünf oder sechs Jahre her. Sie wird bei uns bleiben bis nach der Gerichtsverhandlung. Die Gerichtsverhandlung war und die Irene kann leider nicht zurück zu ihrer Mutter, weil die Mutter völlig verantwortungslos ist. Sie ist ein hübsches kleines Mädchen und genießt all die Liebe, Pflege, das gute Essen und die Sicherheit, derer sie sich in unserem Kinderheim erfreuen kann. Auch das eine ganz schreckliche Geschichte, wie die kleine Irene zu uns kam. Und ich habe ein Foto hier vor mir, wo das ganze Gesäß wirklich völlig dunkel blau und grün angelaufen ist. So wurde das arme kleine Kind verprügelt. Und jetzt ist sie auch eine fröhliche und glückliche, und kann sich gottlob an all diese Dinge überhaupt nicht erinnern.

Und das ist das Schöne, dass wir diesen Kindern bei uns wirklich ein echtes Zuhause geben können, dass wir für sie die Elternrolle übernehmen können, dass wir Ihnen nicht nur etwas zu essen geben, und nicht nur ein warmes Bettchen, sondern dass wir Ihnen auch sehr viel Liebe schenken können, und in dieser Liebe Ihnen erfahren lassen, dass der Liebe Gott für sie da ist, und genau das ist ja die Aufgabe unserer Missionsarbeit, den Menschen Liebe Gottes wirklich und wahrhaft spürbar zu machen.

Pater Gerhard, gerade in der Adventszeit müssen Christen auch an andere Menschen denken. Diese Kinder haben noch nie Advent wie wir feiern dürfen. Helfen wir, damit sie wenigstens gut versorgt sind! Pater Gerhard, bitte sagen Sie uns und unseren Hörern, wo wir am besten ihr Werk unterstützen dürfen.

Jetzt gebe ich eine Antwort, die Sie vielleicht nicht erwarten: Das Wichtigste ist uns wirklich das Gebet. Und darum möchte ich Sie, liebe Hörer, wirklich herzlich bitten, dass sie uns und die uns Anvertrauten, und besonders die Kinder in ihr Gebet mit hinein nehmen, und dem lieben Gott ans Herz legen und, wenn ich so sagen darf, sie mit an die Krippe bringen, in ihrem Gebet.

Das werden wir ganz sicher machen.

Ganz lieben Dank! Und wenn Sie uns auch helfen wollen, dass wir die Ausgaben, die wir natürlich mit den Kindern haben, bestreiten können, die ja nicht unerheblich sind, dann gibt es ein Spendenkonto.

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Ich sag Ihnen mal den Namen des Kontoinhabers. Der Kontoinhaber heißt „Bruderschaft des Seligen Gerhard e.V.“ und die IBAN Nummer, das ist die internationale Banknummer, mit der man auch von der Schweiz aus auf dieses deutsche Spendenkonto überweisen kann, ist: DE37721520700000012021. Und die Leute von Ihnen, die Verbindung zum Internet haben, können sehr einfach, nicht nur Informationen über unsere Arbeit und unser Spendenkonto, sondern auch viele dieser Geschichten, dich erzählt hab, dort nachlesen. Und unsere Internetverbindung ist auch ganz einfach.  Das ist WWW.BBG.ORG.ZA, und auf dieser Internetseite können sie sehr ausführliche Informationen finden, über unsere Arbeit, auch über die in unserem Kinderheim, und noch viel mehr von solchen Geschichten, wie ich sie Ihnen heute erzählt hab.

Herzlichen Dank, Pater Gerhard! Pater Gerhard, würden Sie uns noch Ihren Segen geben?

Gerne! Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. Herr, allmächtiger Gott, wir bitten Dich, das Du uns, unsere Herzen öffnest für Deine Liebe, so dass wir zu einem Spiegel Deiner Liebe werden können, und die Liebe, die Du uns schenkst, die Du uns jetzt gerade im Advent schenkst, in der Zeit wo wir uns auf Dein Kommen an Weihnachten vorbereiten, dass wir diese Liebe weiter schenken können an die Menschen, die unsere Hilfe brauchen. Dazu segne und behüte Euch der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen. Gelobt zu Jesus Christus. In Ewigkeit. Amen.

Das ist sie gewesen, unsere Sendung mit dem Titel „Herbergssuche im Zululand“. Ihnen, Pater Gerhard, möchte ich recht herzlich Danke sagen, dass Sie bei uns auf Radio Gloria als Gast und Referent gewesen sind. Auch bei Ihnen, liebe Zuhörer und Zuhörerinnen, möchte ich mich recht herzlich bedanken, dass Sie mit mir durch die Sendung gegangen sind. Es würde mich freuen, wenn ich Sie wieder auf Radio Gloria begrüßen dürfte. Am Mikrofon ist gewesen: Gaby Kuhn, und ich wünsche Ihnen Gottes Segen.


Ein Himmel von Pflege inmitten der Aids-Hölle (1.12.2010)

Glaubenskurs:
Zum Welt-Aids-Tag:
Ein Himmel von Pflege inmitten der Aids-Hölle
mit P. Gerhard Lagleder

Interview von Gaby Kuhn mit Pater Gerhard Lagleder OSB am 1. Dezember 2010: 16:30 (Live-Sendung)

 

Grüß Gott, liebe Zuhörer und Zuhörerinnen! Ganz herzlich willkommen bei uns auf Radio Gloria. Mein Name ist Gaby Kuhn und ich darf Sie wieder durch die Sendung begleiten. Unser heutiger Gast ist der Pater Gerhard Lagleder. Weil aber der Pater Gerhard kein Schweizer Deutsch versteht, werde ich ab jetzt in Schriftdeutsch weitersprechen. Seit 1988 erinnert der Welt-AIDS-Tag alljährlich am 1. Dezember an die lebensbedrohliche Krankheit. Der bayerische Benediktinerpater und Missionar Gerhard Lagleder wird damit täglich konfrontiert. Pater Gerhard Lagleder weiß, was den Menschen in der Region Mandeni, der AIDS-Hölle Afrikas, hilft und was nicht. Seit mehr als 20 Jahren ist er als Missionar tätig und kämpft mit 700 Mitstreitern gegen die todbringende Seuche. Besonders tragisch ist, dass immer mehr Kinder in Südafrika an AIDS erkranken. Pater Gerhard hat dort die Bruderschaft des Seligen Gerhard gegründet, eine Hilfsorganisation des Malteserordens. An dieser Stelle übergebe ich Pater Gerhard das Wort, damit er uns mehr über sein Werk berichten kann. Grüß Gott, Pater Gerhard, und herzlich willkommen bei uns auf Radio Gloria!

Grüezi wohl und herzlich willkommen auch hier bei uns, heute wenigstens über den Äther, hier in Südafrika, im Zululand, das leider als die AIDS Hölle der Welt bekannt geworden ist, weil bei uns die Rate der HIV-infizierten Menschen enorm hoch ist. Ich weiß natürlich nicht wie viele in der Schweiz HIV-positiv sind, aber landesweit gesehen sind das in Südafrika etwa ein Drittel der Bevölkerung, dann in dem Kanton – würden sie's nennen – wir nennen dies eine Provinz, in der Provinz Zululand sind es zwei Drittel der Bevölkerung, die HIV-positiv sind, und dann gibt es endemische Gebiete mit einer sehr hohen Ansteckungsrate. Und das Gebiet um Mandeni, wo wir sind, dort sind drei Viertel der Bevölkerung HIV-positiv. Also ein Inferno an AIDS Infektion! Und da muss die Kirche was tun! Da kann ich nicht nur fromme Worte predigen. Das tue ich natürlich auch, aber wir müssen die Worte Christi in die Tat umsetzen, d.h. das Evangelium, das die Menschen heutzutage lesen, ist das gelebte Evangelium. Und wenn wir die Liebe Gottes in die Tat umsetzen, dann wird es den Leuten spürbar und dies ist auch die moderne Missionsarbeit, dass wir den Menschen den Glauben durch die liebende Tat nahe bringen, so dass sie dann sich selber fragen: „Warum tut denn der das eigentlich?“ Und somit, wenn man Ihnen dann die Antwort gibt, dass man das tut wegen der Liebe Gottes, weil man Ihnen die Liebe Gottes weiter schenken will, dann viel offener sind, dass man Ihnen auch vom Glauben etwas erzählt und Ihnen Gott weiter bringt. Also wir leben in einem Gebiet mit einer enorm hohen Ansteckungsrate und deshalb müssen wir was tun.

Pater Gerhard, können Sie erklären, was Sie dagegen tun? Was Ihr Werk vom Seligen Gerhard da unternimmt?

Was wir in unserem Werk tun, in der AIDS Arbeit, sind ganz verschiedene Dinge:

  1. Das erste, was wir tun, und womit wir schon vor sehr vielen Jahren angefangen haben, das ist die AIDS Aufklärung, die Aufklärung der Bevölkerung über den HIV-Virus und über die AIDS Krankheit. Sie müssen wissen, dass ein Großteil der Bevölkerung hier davon ausgeht, dass Krankheit hervorgerufen ist durch böse Geister, durch Verhexung, Verwünschung, Verzauberung, und wenn man denen von einem Human-Immun-Defizienz-Virus was erzählt, und was der im menschlichen Blut tut, dann verstehen die gar nichts. Also müssen wir in unserer AIDS und HIV Aufklärung wirklich bei ganz einfachen biologischen Grundbegriffen anfangen, und den Menschen erst mal klarmachen, was die HIV Infektion wirklich ist, wie man sich infizieren kann, wie man sich nicht infizieren kann, wie man sich schützen kann, und was, wenn wir uns infiziert hätten, was dann im Körper passiert, und was die Medikamente, die wir den Menschen geben, tun, die dann den HIV-Virus nicht zwar nicht töten können, aber die den HIV-Virus dann an der Vermehrung hindern können. Also zum ersten Mal machen wir die AIDS Aufklärung.

  2. Zweitens, wir betreiben das größte Hospiz Südafrikas, d.h. das größte stationäre Hospiz Südafrikas. Wir haben 40 Betten in unserer Krankenstation und die sind leider immer fast überbelegt, das heißt oft ist das Bett noch gar nicht kalt, wenn einer gestorben ist, und der nächste Patient wird schon reingelegt. Also wir haben eine enorme Anzahl an Patienten und einen enorm großen Bedarf. In diesem Hospiz machen wir auch wieder vier verschiedene Dinge:

    1.  Das eine ist die Ausbildung der Bevölkerung, denn es ist ja wichtig, dass die Familienangehörigen zuhause so viel als möglich für ihren Kranken tun können. Viele Krankenhäuser schicken die AIDS-Kranken einfach nachhause, weil sie sagen: „Wir können Dir ohnehin nicht helfen.“ Und dann muss die Familie damit zurechtkommen. Und deshalb bilden wir die Familien in häuslicher Krankenpflege aus, so dass sie sich um ihre Kranken zuhause kümmern können.

    2. Wo dies nicht ausreicht, dort bieten wir Tagespflege an. Ich denke, in der Schweiz nennt man's auch Tageskliniken, d.h. man kann den Kranken zu uns ins Hospiz bringen. Wir kümmern uns um den tagsüber und wenn die Familienangehörigen dann abends von der Arbeit nachhause gehen, dann können Sie Ihren Kranken mitnehmen und dann bleibt der Patient in der gewohnten häuslichen Umgebung zuhause, ist aber dann tagsüber trotzdem gut versorgt mit allen medizinischen und allen pflegerischen und allen beschäftigungstherapeutischen Dingen, die er eben braucht.

    3. Zum dritten bieten wir an, dass wir die Patienten stationär aufnehmen können. Und ich muss Ihnen leider ehrlich gestehen, dass dies immer mehr der Fall ist, denn das Problem ist, dass die Leute ja in einem oft sehr unwegsamen Gelände leben. Das Zululand ist so ein Bergland – keine so schönen und hohen und verschneiten Berge wie in der Schweiz – aber es ist doch ein sehr hügeliges Land. Und es ist enorm schwierig für viele dieser Familien, dass sie überhaupt für die AIDS-Kranken zuhause sorgen. Stellen Sie sich vor, sie müssen kilometerweise ins Tal gehen, und dort Wasser zu holen. Und jetzt haben Sie einen AIDS Patienten im Endstadium, der dauernd erbricht, der dauernd Durchfälle hat, wo sie die Bettwäsche ein paarmal pro Tag wechseln müssen. Und das können viele Familien einfach nicht leisten. Außerdem sind nicht immer die Leute zuhause. Ein paar haben ja doch Arbeit. Aber es ist auch ein Riesen-Stigma da. Und Stigma heißt, die Leute haben eine Scheu vor dem Kranken, das heißt die weichen dem Kranken aus. Sie erinnern sich, ich hab vorher schon gesagt, die Leute meinen, Krankheit sei hervorgerufen durch böse Geister, Verhexung, Verwünschung, Verzauberung. Und wenn ich als Familienangehöriger mich jetzt um diesen Kranken kümmere, dann mein in die Leute, dass die bösen Geister das nicht wollen. Denn die bösen Geister wollen ja, dass ich krank bin. Also wenn mein Angehöriger mich jetzt pflegt, dann haben die Angst, dass die bösen Geister sich an mir jetzt rächen, weil ich Ihnen sozusagen die Freude an dem, was sie angerichtet haben, nehme. Und so haben die eine große Scheu, überhaupt mit einem Kranken was zu tun zu haben. Und so liegen eben viele dieser AIDS Kranken einfach völlig verwahrlost und ungepflegt zuhause. Und so müssen wir eben sehr häufig die Patienten lieber dann zu uns ins stationäre Hospiz herein nehmen, damit sie ordentlich gepflegt und ordentlich medizinisch behandelt werden.

    4. Und, dann natürlich haben wir im Jahr 2003 bereits mit der AIDS Behandlung angefangen, und zwar mit den so genannten Anti-Retro-Viralen Medikamenten. Und diese antiretrovirale Behandlung ist eine Behandlung, die das Aidsvirus zwar leider nicht im menschlichen Blut töten kann – wir hoffen immer noch, dass es irgendwann mal eine Entwicklung gibt, dass dies medizinisch möglich ist – aber diese antiretroviralen Medikamente können das Aids Virus an der Vermehrung im menschlichen Blut hindern. Ein Patient mit voll ausgebrochenem AIDS produziert ja Milliarden von neuen HIV-Viren jeden Tag. Und an dieser wahnsinnig hohen Vermehrung gehen die Leute kaputt. Das heißt, es werden ein paar Viren beim Geschlechtsverkehr in den Körper reinkommen, aber dann vermehren sich die wie verrückt, und im voll ausgebrochenen AIDS hat der Patient über 1 Million von HIV Viren pro Tropfen Blut, pro Kubikmillimeter. Das kann man sich gar nicht vorstellen. Wenn der HIV-Virus nicht das kleinste Lebewesen, das bekannt ist, wäre – mit 70/1000 mm Größe, also enorm klein – dann hätten so viele Viren gar nicht in einem Tropfen Blut Platz. Und wir können mit diesen Medikamenten die Virenbelastung von dieser über 1 Million runterfahren auf unter 50, auf unter 50 pro Kubikmillimeter. Und das heißt auf Deutsch, dass der Patient dann eine so genannte unentdeckbare Virenbelastung hat und es ihm damit wieder gut geht. Der Körper kann dann seine normale Verteidigungsfunktion, seine normale Immunfunktion wieder aufbauen. Und die CD4 Helferzellen, das sind die Zellen, die der HIV-Virus verwendet, um sich mit ihnen zu vermehren, die eigentlich Zellen des Körpers sind, die für das Immunsystem des Körpers wichtig sind, und diese CD4 Helferzellen, die verwendet der Virus, wandelt sie um, wenn ich so sagen darf mit einfachen Worten, in eine Virusfabrik, so dass sie also nicht mehr den Körper schützen, sondern den Körper zerstören durch die Produktion dieser HIV Viren. Und genau dies erreichen wir mit dieser AIDS Behandlung. Und diese AIDS Behandlung haben wir bereits im Jahr 2003 begonnen – wer sich auskennt in Südafrika, der weiß, dass zu dieser Zeit unser damaliger Staatspräsident ja leider sich verhalten hat wie ein Vogel Strauß und den Kopf in die Erde gesteckt hat und gesagt: „Das Problem AIDS gibt’s bei uns gar nicht“ und die Gesundheitsministerium ist auf internationale Aidskonferenzen gefahren, und hat dort verbreitet, dass wenn man Knoblauch isst und Rote Beete, wäre dies viel gesünder und diese giftigen Medikamente würden den Körper nur zerstören. Und damit hat man erreicht, dass also sehr viele Patienten gar nicht erst mal sich behandeln lassen wollten, denn wenn der Staatspräsident und die Gesundheitsministerin das sagt, dann wird es schon stimmen. Und so haben sich diese einfachen Leute davon beeinflussen lassen und so sind eben bei uns enorm hohe HIV Raten entstanden, auch durch diese verfehlte Politik. Gott sei Dank, unser neuer Staatspräsident und unser neuer Gesundheitsminister denken hier anders, und so ist jetzt eine gute AIDS-Behandlung auch durch die Regierung möglich, aber wir haben es Jahre vor der Regierung gemacht. Und wir sind eigentlich stolz, dass wir in unseren Gebiet auch den Regierungsstellen geholfen haben mit unserer Erfahrung, dass sie ihre eigenen Aidsbehandlungsprogramme in die Wege leiten konnten. Das heißt wir haben am Anfang deren Leute ausgebildet. Und da sind wir ganz schön stolz darauf, dass wir da diesen Vorsprung an Erfahrung und Ausbildung hatten, und den dann weitergeben konnten. Und so leisten wir also in einem sehr großen Bereich AIDS Hilfe.

  3. Und den letzten Bereich darf ich natürlich nicht vergessen, nämlich dass wir uns auch um AIDS-Waisen kümmern. Der Begriff AIDS-Waise ist ein bisschen ein eigenartiger Begriff, denn man meint damit, dass ein Kind keine Eltern mehr hat, weil die Eltern an HIV und AIDS gestorben sind, und die dann übrig bleiben. Es ist im Zululand so, dass es ein sehr gutes Sozialsystem gibt. Und wenn ich – nehmen wir an ich wäre verheiratet – und wenn ich  verheiratet bin und sterbe, dann müsste mein Bruder meine Frau und meine Kinder übernehmen. Es gibt wir bei uns die Polygamie, die  Mehr-Ehe (Ein Mann kann mehrere Frauen haben). Und der nimmt dann einfach die Frau mit in seinen Haushalt und alle Kinder mit in den Haushalt auf und damit sind die Frauen und die Kinder versorgt, wenn der Mann stirbt. Aber das Problem ist, dass jetzt all diese Brüder und Schwestern auch schon AIDS gestorben sind. Erinnern Sie sich, ich hab gesagt: Bei uns sind drei Viertel der Bevölkerung HIV-positiv. Und jetzt gibt‘s oft keine Brüder und Schwestern mehr. Und dann bleiben die Kinder übrig. Dann ist erst mal die Oma dran, die Großmutter. Und die Großmutter muss sich dann um die Enkelkinder kümmern. Ich hab's einmal erlebt. Ich bin gerufen worden zu einem AIDS Patienten, dem es ganz schlecht ging. Und in dem Moment, als ich ankam, hat er gerade seine letzten Atemzüge gemacht. Und dann hat mich die Mutter des gerade Verstorbenen mit vor die Hüte genommen und hat mir dort die Gräber ihrer anderen Kinder gezeigt. Da sagte sie: „Das war mein Sohn. Das war meine Tochter. Das war mein Sohn. Das war meine andere Tochter.“ Und in der Hütte dieser Oma, dieser Großmutter, sind mindestens 15 Kinder rum gelaufen und rum gehüpft. Und so musste diese Großmutter dann mit 15 Enkelkindern zurechtkommen, die von all ihren verstorbenen Kindern waren. Und so haben wir also jetzt diese von Großmüttern geführten Haushalte. Und wenn jetzt die Oma auch noch stirbt an Altersschwäche, dann gibt es die von Kindern geleiteten Haushalte. Das heißt, dass ein 13-14 jähriger vielleicht, oder fünfzehnjähriger, auf einmal die Vater- oder die Mutterrolle übernehmen muss, für die jüngeren Geschwister sorgen muss, für sie kochen, waschen, putzen muss. Aber jetzt haben die natürlich kein Geld. Woher sollen sie das Geld nehmen, dass sie Nahrungsmittel kaufen? Und so kommt es dann zu einer zweiten AIDS-Welle, dass die älteren Mädchen von diesen Familien dann ihren Körper wieder verkaufen an die Männer um mit dem Geld dann wenigstens für ihre jüngeren Kinder zu sorgen. Und darum haben wir gesagt: „Mensch, so geht's nicht weiter! Was wir tun müssen ist, dass, wenn es solche Kinder gibt, die keine Angehörigen mehr haben, dass wird denen ein neues Zuhause, ein neues Heim anbieten.“ Und somit haben wir vor inzwischen zehn Jahren unser Kinderheim angefangen, nicht nur mit AIDS Waisen, sondern auch: Wir haben ausgesetzte Kinder. Wir haben missbrauchte, misshandelte Kinder, früher unterernährte Kinder. Wir haben körperlich und geistig behinderte Kinder drunter, insgesamt 43 Kinder, aber es sind auch AIDS Waisen drunter. Und so kümmern wir uns eben um diese Kinder, bieten denen ein Zuhause, bieten wir ihnen eine warme Stube, geben ihnen die Ausbildung, sie sie brauchen, aber was die Kinder natürlich noch mehr brauchen als alles andere, ist eine Art elterlicher Liebe. Und so kann ich als Priester ganz laut sogar im Kirchenradio sagen, dass ich Vater von 43 Kindern bin, in dem Sinne, dass ich wie ein Vater diese 43 Kinder gern habe, und dass diese Kinder mich als ihren Vater verstehen, und ich in diese Vaterrolle hinein geschlüpft bin. Und so sind wir eine liebende Familie, die zusammenhält, und die gemeinsam in die Zukunft schaut. Also, es ist ein unendlich großes Gebiet das durch die AIDS Infektion hier bei uns sich auftut, wo die Kirche einfach was tun muss, und wo wir versuchen, das zu tun, was wir tun können, und genau das haben wir hier angefangen.

Da danke ich, Pater Gerhard, dass wir hier eine Pause einlegen, damit unsere Zuhörer ein Lied anhören können. Das ist der Titel „Maria, zeige mir den Weg!“

(Musikeinlage)

Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, wir haben einen Gast bei uns. Der Gast ist der Pater Gerhard. Der Pater Gerhard ist seit 20 Jahren im Zululand in Mandeni und hat dort das Hilfswerk für die AIDS-Kranken. Pater Gerhard, darf ich Sie bitten, dass Sie uns weiter berichten über ihr Werk?

Die Leute fragen mich manchmal: „Ja, sag mal, wie vielen Leuten helft Ihr eigentlich?“ Wir helfen tausenden von Leuten. Im AIDS Behandlungs-Programm haben wir knapp 500 Patienten. Und die Leute fragen mich dann immer: „Ja, sag mal, es gibt also viele Aidskranke. Könnt Ihr nicht allen AIDS-Kranken helfen?“ Den Leuten gebe ich dann immer die Antwort, die von der Mutter Theresa mal verwendet wurde, wo die Mutter Theresa auch gefragt wurde: „Ja in eurem Heim für Kranke habt ihr Dutzende von Kranken, aber es gibt ja Tausende und zehn tausende von Menschen, die deine Hilfe bräuchten.“ Und da hat die Mutter Theresa geantwortet: „Wir können nicht die ganze Welt retten, aber für jeden einzelnen, den wir retten, bedeutet das jeweils die ganze Welt.“ Also wenn wir uns um den einzelnen wirklich gut kümmern, wenn wir dem helfen, wenn wir dem Christus näher bringen, wenn wir ihm die Liebe Gottes spürbar machen, und wenn wir ihm die Angst nehmen, wenn wir ihm die Furcht vor dem Tod nehmen, und wenn er so einen guten Tod haben kann, wenn er so von diesem Leben in die Hände Gottes übergehen kann, dann ist es eigentlich eine wunderschöne Sache. Und das wollen wir der Hospizarbeit erreichen, dass wir die Menschen einen menschenwürdigen Tod sterben lassen, dass sie behütet und beschützt und mit viel Liebe in die Hände Gottes übergehen. Man muss natürlich wissen wo die Leute herkommen. Das sind oft grässliche Zustände. Ich habe vorhin schon gesagt, dass die Leute oft sehr vernachlässigt sind. Ich habe Leute von ihren Hütten abgeholt, die wochenlang in ihren eigenen Fäkalien gelegen sind, die völlig unterernährt waren. Ich habe – ich mag's fast nicht erzählen, aber – ich hab Leute erlebt, wo die Maden in den Bettgeschwüren drin waren, weil sie so verschmutzt und verdreckt waren. Und wenn solche Leute dann zu uns kommen, dann kriegen die so einen "Kulturschock der Liebe": Auf einmal sind sie wichtig. Auf einmal kümmert man sich um sie. Auf einmal liegen sie in einem sauberen Bett. Auf einmal ist man nett zu ihnen. Sie bekommen alle medizinische Behandlung und Hilfe, die sie brauchen. Aber noch wichtiger als die medizinische Behandlung und Hilfe ist das menschliche Dasein für sie, dass sie wichtig sind, dass man sie fragt: „Brauchen sie noch was? Kann ich Ihnen noch was Gutes tun?“ Und dass da natürlich auch ein Seelsorger da ist. Gottlob wir haben eine Ordensschwester bei uns, die als Seelsorgehelferin – würde mein der Schweiz vielleicht sagen – von Bett zu Bett geht, mit jeden Kranken spricht, ganz egal welche Religion er hat, und einfach für ihn da ist, und versucht, die Menschen Gott näher zu bringen. Ich als Priester bin da. Wir haben auch im eigenen Hausseelsorger noch, nicht nur mich, den Leiter des Hauses, sondern einen eigenen Hausseelsorger, der dann wenn die Leute Nöte und Sorgen haben, wenn sie beichten wollen, die katholisch sind, für sie da ist und als Seelsorger da ist. Wir bieten jeden Tag eine Heilige Messe an für unsere Patienten, so dass sie Gott näher kommen können, und es nehmen auch viele unseren Gottesdiensten teil, selbst wenn sie selber nicht katholisch sind, und weil sie einfach sagen: „Das ist wunderschön. Da kann man einmal wirklich Gott näher kommen. Da kann man ins Gebet kommen. Und in unseren Gottesdiensten ist uns auch immer sehr wichtig der Fürbittenbereich, wo jeder Kranke seine Fürbitte dann in seiner Muttersprache aussprechen kann, und wir alle stimmen dann ins „Herr erbarme dich! Christus erbarme dich! Herr warme dich!“ ein und es geht einem manchmal ein kalter Schauer über den Rücken, wenn die Leute so ihre wirklichen Nöte dann in den Fürbitten zur Sprache bringen und es ist nicht nur spirituell eine gute Sache, sondern es hilft den Leuten auch in ihren emotionellen Bereich weiter, dass sie jetzt wissen, dass sie nicht nur menschlich gut betreut sind, sondern dass sie sich auch dem lieben Gott anvertrauen können, und dass sie von da her rundherum betreut und behütet sind. Und wenn es bei den Menschen dann zum Sterben kommt, dann versuchen wir immer als Priester mit dabei zu sein, wenn's möglich ist, und mit dem Patienten zu beten, und wenn der Patient das nicht will, dass man mit ihm betet, dann tun wir wenigstens für ihn beten leise, und ihm die Hand zu halten, ihm den Schweiß von der Stirne wischen, und ihm einfach zeigen: „Ich bin für Dich da. Du bist mir wichtig. Du bist dem lieben Gott wichtig.“ Und ich erzählte den Leuten dann auch vom lieben Gott. Ich sage denen: „Du brauchst keine Angst haben. Der Liebe Gott wartet auf Dich. So wie der Gekreuzigte seine Hände weit ausbreitet, so steht jetzt Christus an der Himmelspforte und wartet auf Dich. Brauchst keine Angst haben. Du darfst Dich ganz in seine Hände fallen lassen. Er wartet auf dich, wie der barmherzige Vater, der den Sohn umarmt hat, vor der Sohn überhaupt Zeit hatte, sein Schuldbekenntnis dem barmherzigen Vater mitzuteilen.“ Und auf diese Art und Weise können die Menschen dann in einer Art und Weise in die Hände Gottes übergehen, wie wir uns als Christen dies eigentlich wünschen, und eigentlich vorstellen. Aber es geht ja nicht nur und die Begleitung im Sterben, wie ich vorher schon sagte. Bei unserer AIDS Behandlung geht es ja eigentlich darum, dass den Menschen – ja ich darf vielleicht sogar so weit gehen, dass sich sage – ein Art Osterwunder geschenkt wird, dass Ihnen ein neues Leben geschenkt wird, auf jeden Fall eine neue Lebensqualität. Und die Leute können in dieser neuen Lebensqualität wirklich sich neu entfalten und wir haben auch viele Fälle erlebt, wo die Leute dann ins Nachdenken gekommen sind, und sich gesagt haben: „Mensch, also, bislang habe ich ein Leben geführt, wo ich mich nicht so um den lieben Gott gekümmert habe, und jetzt ist es mir gezeigt worden, dass ja doch einer da ist, der mein Leben seiner Hand hält, und der mir dieses neue Leben schenkt, und auch auf diese Art und Weise zum Glauben gefunden haben in der Erfahrung des Heilwerdens, des Geheilt Werdens, dass es ihnen einfach besser geht.

Und so machen wir auch am Welt-Aids-Tag, den wir heute begehen, … Heute haben wir wunderschönes Fest gefeiert. Wir feiern an jedem Welt-Aids-Tag ein Fest des Lebens. Wir laden all unserer AIDS Patienten ein, und diese AIDS Patienten, die in der AIDS Behandlung sind, danken dann dem lieben Gott, und danken einander, und dem Doktor und dem Team im Haus dafür, dass sie noch leben. Und ich sage Ihnen ganz ehrlich: Da läuft es mir oft kalt den Buckel runter, und ich hatte heute eigentlich beinahe Tränen in den Augen, als eine dieser Patientinnen ihre Leidensgeschichte erzählt hat, erzählt hat, wie sie zu uns kam, dass man gedacht hat sie würde also die Nacht nicht überstehen, und jetzt kommt sie zu uns und jetzt ist sie in Behandlung, und jetzt ist sie kräftig und ist lebensfroh, und kann ein Leben führen, als ob ihr sonst überhaupt nichts fehlen würde. Und dies ist also wirklich eine wunderschöne Sache. Und so feiern wir das Leben und – wie schon sagte – wir danken dem lieben Gott, dass er uns das Leben schenkt, und dass er uns ein lebenswertes Leben schenkt. Und dies ist das Wunderbare, dass bei einer ordentlichen AIDS-Behandlung die Patienten wirklich bei guter Lebensqualität weiterleben können, dass die Männer zur Arbeit zurückgehen können, dass die Frauen, wenn sie nicht arbeiten, wenn sie Hausfrauen sind, sich um ihre Kinder wieder kümmern können, und es ist ja auch furchtbar wichtig, dass eben es nicht so viele AIDS-Waisen dann gibt, wenn die Eltern noch leben können, und sich um ihre eigenen Kinder kümmern können. Und insofern es also diese AIDS Behandlung ein ganz wesentlicher, ein wichtiger, ein ganz zentraler Bereich, in dem wir uns hier engagieren.

Es hat mal einer gefragt: „Ja, sag einmal, warum ist denn jetzt gerade in dem Gebiet, wo du bist, in diesem Gebiet von Mandeni, die HIV Rate so wahnsinnig hoch? Warum werdet ihr als die Aidshochburg der Welt bezeichnet? Und diese Frage hat sich mal ein Doktorand der University of Berkley in Kalifornien gestellt. Und der kam nach Mandeni und hat eine zweijährige Studie betrieben, mit enorm vielen Patienten Interviews und Hintergrundforschung, und er kam zu zwei Ergebnissen: Das eine Ergebnis war das, dass er sagte: „Die Ungleichheit der Geschlechter ist mit an der großen Verbreitung von HIV und AIDS schuld, weil es sehr viel mehr Männer gibt, die Arbeit haben, und sehr viel weniger Frauen Arbeit bekommen, also, es gibt sehr viele arbeitslose Frauen. Und die Frauen haben dann natürlich kein Geld in der Tasche. Und zum zweiten kommt die Armut zu. Und die beiden Dinge sind dann diese tödliche Verbindung, dass ich keine Arbeit habe und kein Geld habe und dann viele Frauen meinen, es gäbe einfach keine andere Einkommensmöglichkeit, als ihren Körper feil zu bieten für die Männer. Und was dann passiert, ist nicht so die übliche Prostitution, so mit dem Handtäschchen an der Straßenecke zu stehen und zu warten auf einen Freier, sondern die Leute gehen hier so mittelfristige geschlechtliche Beziehung mit so genannten Freunden ein. Wir nennen diese Freunde hier – in der Fachsprache wenn ich so sagen darf – Sugar Daddys. Und diese Sugar Daddys, die mieten sich auf mittelfristige Zeit, also so für ein paar Monate, mieten sich die so eine Frau an. Und jedes Mal wenn sie die Lust dazu verspüren, muss ihnen die Frau gefügig sein, und dafür geben sie der Frau dann Geld, also nicht für jeden einzelnen Geschlechtsakt, sondern eben so in Monatsraten. Aber einer von diesen Sugar Daddys ist nicht genug, um da überleben zu können, und so haben diese Frauen dann 3-4-5 von diesen Sugar Daddys. Der eine zahlt für die Schulgeld der Kinder, der andere für die Kleidung, der dritte zahlt für die Nahrung, der vierte zahlt die Miete, und so meinen sie nur überleben zu können. Und dies ist eine unheimlich schlimme Sache. Und drum ist eben bei uns diese HIV Ansteckungsrate so astronomisch hoch. Und da muss man einfach was tun. Und das ist genau das, was wir tun. Es gibt dann eine ganz andere Sache. Die ist noch viel schlimmer als die Sugar Daddy Sache, nämlich es gibt bei uns eine ganz schlimme Sache, nämlich es werden auch sehr viele Frauen unfreiwillig zum Geschlechtsverkehr gezwungen. Statistisch gesehen wird jede Südafrikanerin zweimal in ihrem Leben vergewaltigt. Das ist etwas Unglaubliches! Es wird nicht jede Südafrikanerin zweimal in ihrem Leben vergewaltigt, aber wenn es statistisch gesehen so ist, dann gibt es also viele Frauen, die mehrmals in ihrem Leben vergewaltigt werden, und dies ist ganz schlimm. Also, wenn sich die dann mit HIV infizieren, ist es nicht, weil sie irgendwelche Schuld haben – ich glaub das man von Schuld bei HIV-Infektion ohnehin nicht sprechen sollte – aber es gibt leider auch sehr viele Kinder und warum das? Erstens mal natürlich die Kleinkinder, die sich bei der Geburt mit dem HIV ihrer Mutter anstecken, das ist eine der Sachen … und zum anderen ist es so, dass es hier ein Armenmädchen gibt, und dass dieses Armen Mädchen sagt, dass ein HIV-positiver Mensch durch Geschlechtsverkehr mit einer Jungfrau das Virus los bekommen würde. Und jetzt werden immer jüngere Frauen und Mädchen vergewaltigt. Ich habe in meinen eigenen Händen ein neun Monate altes Baby gehalten, das von ihrem eigenen Vater vergewaltigt wurde, weil der seinen HIV-Virus durch diesen Geschlechtsverkehr mit dieser Jungfrau, einem neun Monate alten Baby, loswerden wollte. Und dann haben wir das Kind ins Krankenhaus gebracht, und das Kind ist leider später verstorben an diesen barbarischen Verletzungen, die so ein kleines Kind bei diesem Geschlechtsakt davon getragen hat.  Der Vater ist auch an AIDS später gestorben. Aber als ich das Kind ins Krankenhaus brachte, sagte die Ärztin zu mir: „Mensch, Pater, das sind doch Bestien, das sind keine Menschen, die so eine Sache machen.“ Und dann sagte ich: „Nein, Frau Doktor, ein Tier tut so was nicht. So was kann nur ein Mensch, der völlig irregeleitet ist.“ Und dann kamen wir auf die Kinderstation, und da sagte mir die Krankenschwester dort: „Sie, Pater, ich verstehe unsere Leute nicht.“ Sage ich: „Wieso, was verstehen Sie nicht?“ Und dann ist sie in dieser Kinderstation, da waren ungefähr 20 Kinderbetten drin, von Bett zu Bett gegangen und sagte mir: „Dieses Kind vergewaltigt, dieses nicht vergewaltigt, dieses vergewaltigt, dieses vergewaltigt, dieses vergewaltigt, dieses nicht vergewaltigt.“ Dann waren über die Hälfte von den Kindern in dieser ganz normalen Kinderstation im Krankenhaus vergewaltigte Kinder. Dass es so etwas gibt, habe schon gehört gehabt, aber dass es so schlimm ist, ist mir damals erst so richtig bewusst geworden, und in dem Moment, wo sich selber dieses Kind in Händen gehalten habe, das dann leider verstorben ist. Und so müssen wir eben unendlich viel tun, und damit habe ich eigentlich unser Gespräch begonnen, dass sich sagte, wir müssen AIDS Aufklärung betreiben! Wir müssen den Leuten wirklich sagen, was der HIV-Virus ist, und dass da mit irgendwelchen Zaubereien, oder selbst eben mit dieser Vergewaltigung, man den HIV-Virus einfach nicht los bekommen kann, sondern dass es natürlich nur viel schlimmer wird. Und das ist also eine unendlich wichtige Aufgabe, die uns hier auch gestellt ist, und der wir uns verschrieben haben. Und so machen wir weiter. So werden wir auch weiterhin versuchen, das Menschenmögliche zu tun.

Und auch wenn unsere Patientenzahl jeden Tag zunimmt, auch wenn immer mehr zu uns kommen, wir versuchen zu tun, was wir tun können, solang wir es finanzieren können tun wir es gerne und so halten wir eben auch unsere Hände auf und sagen: „Mensch, ihr lieben Leute, wir haben die Möglichkeit, wir haben die Leute vor Ort, wir haben die Ärzte, wir haben die Krankenschwestern, wir haben das Gebäude, wir haben all die Einrichtungen, aber es ist natürlich unendlich schwer, dass wir diese Arbeit finanzieren. Denn das muss sich auch ganz offen sagen, unsere Patienten haben ja selber, ich sag salopp oft „keinen Knopf Geld in der Tasche“, die haben nichts, und wir können von unseren Patienten nichts verlangen und die Patienten wissen ja gar nicht, wie man Krankenkasse oder Krankenversicherung schreibt, geschweige denn dass sie eine hätten. Es gibt ja hier keine gesetzliche Krankenkasse und so könnten die Patienten von sich aus einfach nichts beitragen. Es sind wirklich, wie man so schön immer sagt, die ärmsten der Armen, denen wir helfen und so versuchen wir ganz einfach, dies zu tun, aber wir müssen natürlich dann unsere Hände aufhalten und sagen: „Ihr lieben Leute in der ganzen Welt, bitte helft uns, dass wir das leisten können.“ Es wird immer schwieriger, dies zu tun, weil die Ausgaben natürlich immer mehr werden, und deshalb halten wir eben auch unsere Hände auf und sagen: „Wenn uns jemand helfen kann, dann bitte helft uns, und füllt unsere Hände mit dem, was wir nicht haben. Alles andere habe ich, wie gesagt, schon gesagt, dass wir das Personal und die Möglichkeit alles haben, aber das Geld fehlt uns leider. Und so müssen wir eben schauen, dass wir das finanzieren können. Wenn jemand sagt: „Ich will euch helfen“, da gibt’s eine ganz einfache Möglichkeit, nämlich dass man ins Internet geht, und im Internet sich die Internetseite www.bbg.org.za/hilf.htm aufruft, und das ist eine Internetseite, in der alle Möglichkeiten dargestellt werden, wie man uns helfen kann. Wir am leider noch kein Spendenkonto in der Schweiz. (Mittlerweile haben wir ein Schweizer Spendenkonto!) Wir versuchen dies noch zu tun, aber wir haben ein Spendenkonto in Deutschland, auf das man auch von der Schweiz aus ganz einfach mit der IBAN Nummer, mit der internationalen Bank-Nummer überweisen kann, und der Kontoinhaber ist die „Bruderschaft des Seligen Gerhard e.V.“ und die IBAN Nummer ist DE 377215207000 00012021 und wenn man auf dieses Konto Spenden überweist, bekommen wir die im vollen Umfang, ohne irgendwelche Verwaltungskosten, sondern den ganzen Spendenbetrag ungeschmälert weitergeleitet und dies hilft uns, dass wir die Arbeit die wir leisten auch tun können, und so möchte ich auch an dieser Stelle all denen – und wir haben einige Spender in der Schweiz bereits  - möchte ich denen von ganzem Herzen Dankeschön sagen, dass sie uns helfen. Und auch sie, liebe Hörer von Radio Gloria, bitten, uns dort mit zu unterstützen.

Das ist sie gewesen, unsere Sendung mit dem Thema „Welt AIDS-Tag“, wo uns der Pater Gerhard von seinem Werk des Seligen Gerhard erzählt hat. Ich möchte mich bei Ihnen, liebe Zuhörer und Zuhörerinnen, recht herzlich bedanken, dass sie mit mir durch die Sendung gegangen sind. Er würde mich freuen, wenn ich Sie wieder auf Radio Gloria begrüßen dürfte. Am Mikrofon ist gewesen: Gaby Kuhn, und ich wünsche Ihnen Gottes Segen!

 


Welt-AIDS-Tag (1.12.2010)

Ein Telefon-Interview von Max Förster mit Pater Gerhard Lagleder OSB

am Welt-AIDS-Tag, dem 1. Dezember 2010.

 

Das ist Radio IN an diesem 1. Dezember 2010. Viertel nach 5 haben wir es jetzt und wir haben uns heute schon drüber unterhalten, den ganzen Tag auf Radio IN, zum Welt AIDS Tag, wie sich die Krankheit, wie sich HIV ausbreitet und wie damit heutzutage hier bei uns in Deutschland umgegangen wird. Jetzt gibt es in Neuburg einen Verein. Der nennt sich die Bruderschaft des Seligen Gerhard, und dieser Verein unterstützt Pater Gerhard in Südafrika, genauer gesagt in Mandeni, und ich habe mit ihm heute telefoniert, und wir haben auch mal drüber gesprochen, aus was seine Arbeit besteht und er sagt: „Wir haben viele Projekte. Wir haben zum Beispiel das größte Hospiz in Südafrika. Aber wir haben auch sehr viel eben mit AIDS-Behandlung zu tun.“ Und dann wollte ich eben wissen: „Ja, wie schaut das denn aus? Wie viele Leute sind denn an HIV erkrankt, tragen den Virus in sich?“ Und er sagt: „Ja, in Südafrika ist es so: Ein Drittel der Bevölkerung. Die Regierung spricht von nur 28 %. In den einzelnen Provinzen schaut es dann schon anders aus: Da sind es dann zwei Drittel und genau da, wo er ist, da gibt es ein Gebiet mit hoher Ansteckungsrate, zum Beispiel. Und im Januar 2004 hat man dort bei 76 % der Menschen, die dort leben, HIV festgestellt. Und Pater Gerhard spricht da von einem Inferno. Und da ist natürlich die große Frage: „Kriegen die Menschen, die dort leben, das überhaupt mit, so wie wir hier in Deutschland, dass es eben HIV gibt, und wie gefährlich das ist?“

Ja, ich denke schon, denn die Leute verbringen ihren Urlaub damit, auf Beerdigungen zu gehen. Und das ist also nicht übertrieben, wenn ich das so sage. Es gibt in keiner Familie jemand, der nicht von HIV entweder selber betroffen ist, oder wenigstens ein Angehöriger von HIV betroffen ist. Es ist also eine absolute Volkskrankheit. Es ist eine Seuche, ähnlich wie das die Pest im Mittelalter in Europa war.“

Your browser does not support inline frames or is currently configured not to display inline frames. Und er und seine Mannschaft, seine Hilfsorganisation, die er dann in Südafrika gegründet hat, er ist übrigens der einzige Ausländer in (im Vorstand) dieser Hilfsorganisation, kümmern sich jetzt darum, dass eben, ja, die Menschen vor Ort aufgeklärt werden, um was es bei AIDS, bei HIV überhaupt geht und er sagt auch, die Leute müssen da von einem Test erst mal überzeugt werden. Und daher gibt es vier Programme:  Es geht zum Beispiel schon los, dass seine Hilfsorganisation erst mal aufklärt. Man geht also an sämtliche Stellen hin, wo es möglich ist und sagt: „Leute, so sieht das aus mit AIDS!“

Sie müssen wissen, dass die Menschen hier bei uns davon ausgehen, dass Krankheit hervorgerufen ist durch böse Geister,  durch Verhexung, Verwünschung und Verzauberung. Und AIDS-Aufklärung hier heißt eben den Leuten zu erzählen, was denn eigentlich wirklich passiert, wie man sich anstecken kann, wie man eine Ansteckung verhindern kann, und was man tun muss, wenn man sich angesteckt hat, welche Möglichkeiten der Behandlung es gibt.

Das ist eine sehr mühevolle Arbeit. Außerdem wird die Bevölkerung ausgebildet, Krankenpflege zum Beispiel zu betreiben, wenn man in der eigenen Verwandtschaft dann zum Beispiel eben jemanden hat, der an HIV erkrankt ist. Dann macht das Team Hausbesuche. Es gibt eine Tagesklinik, wo man quasi die Kranken Familienmitglieder abgeben kann, und auf dem Weg nachhause von der Arbeit wieder mitnehmen kann, und eben das stationäre Hospiz. Und mittlerweile gibt es ja auch Medikamente, die helfen, um einfach diese Viren, oder diese Vermehrung der Viren so weit runterzuschrauben, damit quasi, auf dem Papier sozusagen, keine Virenbelastung mehr da ist. Und heute, am 1. 12., da wird so richtig gefeiert und zwar bei der Stiftung bei in Mandeni mit Pater Gerhard heute gibt es ein großes „Fest des Lebens“. Und sie können diese Arbeit von Pater Gerhard auch unterstützen. Es gibt bei der Sparkasse Neuburg-Rain ein Spendenkonto.

Da ist der Förderverein ansässig, in Neuburg, und da können sie dann natürlich auch unterstützen jetzt gerade kurz vor Weihnachten. Also: HIV ist überall in der Welt ein großes Thema heute an diesem 1. Dezember.

 


Kondome allein lösen Aidsproblematik nicht (1.12.2010)

Kondome allein lösen Aidsproblematik nicht

Die Erlaubnis der Kirche, ein Kondom zu verwenden, ist nicht entscheidend im Kampf gegen Aids.
Das sagte der Missionsbenediktiner Gerhard Lagleder anlässlich des Welt-Aids-Tag gegenüber dem Münchner Kirchenradio.
Vielmehr ginge es darum, die Menschen zu verantwortungsvollem Handeln aufzurufen.

Lagleder engagiert sich seit 1994 im südafrikanischen Mandeni im Kampf gegen HIV.
Für Präventionsmaßnahmen sei es bereits zu spät.
Nur jeder Vierte sei hier überhaupt noch HIV-negativ.
Das Ziel des Paters aus St. Ottilien ist daher die Aidsbehandlung, da diese die Lebensqualität der Betroffenen verbessern kann.
Das größte Problem in Südafrika sei nach wie vor die Angst vor einer Stigmatisierung im Falle einer Infektion mit der Immunschwächekrankheit.
Auch deshalb würden sich viele der Zulu nicht testen lassen, so Lagleder weiter.
Anlässlich des Welt-Aids-Tages findet in Mandeni ein „Fest des Lebens“ statt.
Eingeladen sind alle Patienten, die mit Tanz und Musik ihr Leben feiern.

Die Zahl der Neuinfektionen geht weltweit zwar seit 2001 beständig zurück, dennoch sterben allein in Südafrika täglich 1.000 Menschen an Aids.
17% der weltweit ca. 33 Millionen Infizierten leben hier. (lb)

Ein Telefon-Interview von Linda Burkhard mit Pater Gerhard Lagleder OSB.
Geführt am 30. November 2010, gesendet am 1. Dezember 2010.



In dem neuen Interviewbuch räumt der Papst ja ein, dass in berechtigten Einzelfällen die Nutzung eines Kondoms vertretbar ist. Wie sieht das denn bei Ihnen in der Praxis in Südafrika aus?

Ich kann natürlich nur für die Zulu sprechen. Das ist das Südafrikanische Volk, das ich näher kenne, mit denen ich seit vielen Jahren arbeite. Und der Zulu ist ein Mensch, der ein Kondom überhaupt nicht will. Das heißt, es ist nicht die Frage, dass er kein Kondom verwendet, weil der Heilige Vater dies sagt, sondern er verwendet kein Kondom, weil er ja viele Kinder haben will, weil er im Kindersegen a) seine Manneskraft bestätigt sieht, aber auch eine Alterssicherung sieht, und deshalb, selbst wenn der Heilige Vater käme und ihn bitten würde: „Bitte, verwende ein Kondom, zum Beispiel wenn Du verheiratet bist, damit Du dein Virus nicht an Deine Ehefrau weitergibst, oder umgekehrt“, dann würde der Zulu zu ihm sagen: „Jetzt lass mir endlich meine Ruhe! Das geht Dich nichts an! Denn ich will ja Kinder haben, ich will ja meine Manneskraft beweisen.“ Also, bei uns ist die Frage nicht jetzt, ob die Kirche erlaubt, ein Kondom zu verwenden oder die Kirche nicht erlaubt, ein Kondom zu verwenden. Sondern es fällt uns auch in unserer ganzen AIDS Aufklärungsarbeit unendlich schwer, den Leuten Verantwortlichkeit für die eigene Sexualität beizubringen, und gerade beim Kondom stößt man hier an völlig taube Ohren weil es auf große Widerstände in der Mentalität der Menschen stößt.

Jetzt haben Sie ja bereits gesagt, dass Kondome oft abgelehnt werden. Was sind denn so die Alternativen? Was propagieren Sie dann in Ihrer Arbeit?

Ich meine, unser großes Problem ist, dass es mit der Vorbeugung fast schon zu spät ist, d.h. wir leben in einem Gebiet, in dem etwa zwei Drittel der Bevölkerung HIV-positiv sind, und in den dem Bereich wo wir arbeiten sind sogar 76 % der Bevölkerung HIV-positiv. Da ist es für die meisten mit der Vorbeugung bereits zu spät. Wir konzentrieren uns ganz intensiv auf die AIDS Behandlung. Und die AIDS-Behandlung ist ja dann auch umgekehrt wieder eine AIDS-Vorbeugung, denn wenn die Virenladung durch eine ordentliche AIDS-Behandlung heruntergesetzt ist, ist die Ansteckungsgefahr wesentlich geringer. Und natürlich, wir bringen den Leuten in unserer AIDS Aufklärung auch bei, dass sie verantwortlich sein müssen und sich so verhalten müssen, dass sie den Virus nicht weiter leiten. Also unser großes Problem ist die AIDS Behandlung. Und durch diese AIDS Behandlung erreichen wir dass sehr viele Menschen, die sonst gestorben wären, dass die eben noch 10, 15, 20, vielleicht sogar 25 Jahre weiterleben können, aber dies bei guter Gesundheit. Es geht also nicht darum, dass man irgendein Siechtum ewig lang verlängert, sondern es geht darum, dass es den Leuten wirklich gut geht, dass sich die gesund fühlen, und im Grunde auch gesund sind, dass die zwar immer noch Keimträger sind, aber dass sie gesund sind, dass sie wieder arbeiten können, dass sie ihre Kinder groß ziehen können, dass sie für sich selber und für ihre Kinder sorgen können und genau dies ist es, was wir durch die AIDS Behandlung erreichen.

Jetzt haben sie ja schon von dieser unglaublichen Quote von 76 % Infizierter gesprochen. Welche Probleme ergeben sich dann vor Ort durch diese große Ausbreitung des HI-Virus?

Ich meine, das größte Problem, das wir haben, ist eigentlich ein unerwartetes Problem. Und dies unerwartete Problem ist was wir hier Stigma nennen, das heißt dass die Leute immer noch scheu sind, offen zuzugeben, dass sie HIV-positiv sind und dass sie dann lieber nicht zur Untersuchung gehen, lieber keinen HIV-Test machen, um ja nicht rauszufinden, dass sie HIV-positiv sind. Und wenn die dann anderen sagen würden, dass sie HIV-positiv sind, dass sie dann schief angeschaut oder vielleicht sogar aus ihrer Familie, von ihrem Freundeskreis ausgestoßen oder – sagen wir’s ganz offen – von ihrem Geschlechtspartner gemieden werden. Und deshalb ist es die größte Schwierigkeit bei uns eigentlich die Hilfe, die auf er Hand liegt, die Hilfe, die zur Verfügung steht, durch die antiretrovirale Behandlung, an den Mann zu bringen und so machen wir auch große Werbekampagnen, um die Leute dazu zu überreden, das sie einen HIV-Test durchführen lassen, und wenn sie eben dann HIV-positiv sind, dass man Ihnen frühzeitig helfen kann, und dass sie nicht erst sterbenskrank werden müssen, sondern dass man ihnen vorzeitig hilft, dass sie eben dann, wie ich schon vorher sagte, bei guter Gesundheit noch sehr lange weiterleben können.

Jetzt ist ja heute der Welt-Aids-Tag. Gibt es da bei Ihnen besondere Aktionen in Südafrika?

Ja, was wir seit einigen Jahren machen, jetzt zum vierten Mal, ist, dass wir am Welt-Aids-Tag all unsere AIDS Kranken, und das sind inzwischen Hunderte, die bei uns in Behandlung sind, dass wir die zu einem „Fest des Lebens“ einladen. Also all die Patienten, die bei uns in der Antiretroviralen Therapie sind, sind eingeladen. Und da wird dann gesungen, und wird getanzt, und freuen sich die Leute ihres Lebens. Und dies sind dann so Momente, wo einem eigentlich die Tränen kommen können, weil man eigentlich weiß, wenn die Leute bei uns nicht in der Behandlung wären, wären die alle auf dem Friedhof, aber weil ihnen geholfen wird, können sie diese Lebensfreude haben, können singen, tanzen und können sich das Essen schmecken lassen und so freut man sich am Leben, dankt dem lieben Gott und dankt einander und dankt auch den Menschen, die uns helfen, dass wir diese Behandlung überhaupt durchführen können, all unseren Spendern. Und auf diese Art und Weise wird das Leben gefeiert als Dank an Gott und als Dank an die Leute, die uns helfen, diese Behandlung durchzuführen.


In der Sendung erwähnt: World AIDS Day


Mission in Südafrika (21.10.2010)

Glaubenskurs:
Mission in Südafrika
mit P. Gerhard Lagleder

21. Oktober 2010: 16:30 (Live-Sendung):

 Live-Übertragung eines Telefon-Gesprächs von Gaby Kuhn mit Pater Gerhard

 

Grüß Gott, liebe Zuhörer und Zuhörerinnen! Ganz herzlich willkommen bei uns auf Radio Gloria! Mein Name ist Gaby Kuhn und ich begleite Sie durch die Sendung. Auch heute dürfen wir wieder einen Gast bei uns begrüßen, nämlich den Pater Gerhard. Weil aber der Pater Gerhard kein Schweizer Deutsch versteht werde ich an jetzt in Schriftdeutsch weitersprechen. Bevor ich unserem Referent das Wort überreiche, werde ich ihn und sein Projekt kurz vorstellen: Unser heutiger Gast ist Pater Gerhard Lagleder aus Südafrika. Er wurde 1955 in Regensburg geboren, wo er auch 1982 seine Priesterweihe empfing. Im gleichen Jahr ist er in den St. Ottilien Orden der Missionsbenediktiner beigetreten. 1994 wurde Pater Lagleder Magistralkaplan des Souveränen Malteser-Ritterordens. 1992 gründet Pater Gerhard im Zululand an der Ostküste Südafrikas die Bruderschaft des Seligen Gerhard. Es ist eine eigenständige Hilfsorganisation innerhalb des Malteserordens. Pater Gerhard leitet dort ein AIDS-Therapie-Programm. An dieser Stelle übergebe ich Pater Gerhard das Wort, damit er uns mehr über sein Werk berichten kann. Grüß Gott, Pater Gerhard, und herzlich willkommen bei uns auf Radio Gloria.

Grüezi wohl und Grüß Gott! Ich freue mich sehr, dass ich bei Euch sein darf heute an diesem Nachmittag, um mit Euch zu sprechen. Ich bedanke mich auch ganz herzlich für die nette Vorstellung und ich möchte gern ein kleines Stück weiter einfach erzählen wie ich denn dazu gekommen bin: Ich war seit etwa 30 Jahren bei den deutschen Maltesern tätig, auch in Führungspositionen. Und meine Hauptaufgabe war die, Krankenpflege-Hilfspersonal auszubilden. Und von daher war es für mich eigentlich immer klar, dass ich mal Arzt werden wollte, denn ich hatte immer so die ganz große Idee, man muss den Menschen helfen zu viel es nur geht. Und jetzt habe ich dann durch die Malteser auch sehr viel Krankenhausdienst gemacht und, obwohl ich nur Pfleger war, haben mir viele Kranke oft im Nachtdienst eine ganze Lebensgeschichte und manche davon sogar eine Lebensbeichte abgelegt. Wie gesagt, ich war nur Pfleger. Und da ist mir dann so der Gedanke gekommen, dass ich sagte: „Eigentlich, wenn ich jetzt diesen Menschen sagen könnte ‚und Deine Sünden sind Dir vergeben‘, dann wäre Ihnen wirklich und endgültig und gut geholfen.“ Und so ist dann in mir so die Entscheidung gereift, eben nicht Arzt zu werden, sondern, wenn man so will, ein Arzt für die Seele zu werden, also Priester zu werden. Ich hatte einige großartige Vorbilder als Priester, die ich persönlich als heiligmäßige Priester verstehe, die mir das Priestertum vorgelebt haben, und so habe ich mich dann mit dem Direktor des Seminars in Verbindung gesetzt und ihm gesagt: „Würden Sie mich aufnehmen ins Priesterseminar?“ Und er hat mich dann aufgenommen. Und so habe ich dann begonnen 1976 in Regensburg Theologie zu studieren. Es tut zwar nichts zur Sache, aber vielleicht ist es ist eine kleine nette Anmerkung, dass ich auch dem Heiligen Vater in dieser Zeit als Ministrant gedient habe, weil der ja an der Universität Regensburg Professor für Theologie war. Aber damals ist er dann schon berufen worden als Erzbischof nach München und dann kurz (darauf) weg, als ich noch im Studium war. Ja, und dann habe ich mein Studium weitergeführt. Und während dieses Studiums haben wir im Priesterseminar auch sehr viele Bibelgespräche gemacht, jede Woche ein offizielles. Und ich habe so einem kleinen Glaubenskreis, einem inoffiziellen Glaubenskreis von sehr engen Freunden angehört. Und in diesem Glaubenskreis haben wir dann private Bibelgespräche gemacht. Und in diesen Bibelgesprächen haben mich zwei Abschnitte der Heiligen Schrift ganz besonders tief ins Herz getroffen, und zwar einer von denen war der, der eben gesagt hat: „Also, wenn du mir wirklich nachfolgen willst,  dann verkauf alles was Du hast, gib es den Armen, und dann folge mir nach!“ Und da dachte ich mir dann: „Ja, wenn der Liebe Gott jetzt zu mir ganz persönlich spricht, dann müsste ich ja eigentlich Ordensmann werden, und so habe ich mich dann schon während des Theologiestudiums – Ich hab für die Diözese Regensburg studiert – sehr interessiert am Ordensleben. Ich habe auch meine theologische Diplomarbeit über Ordensgeschichte geschrieben, nämlich über den Malteserorden, und wie er aus Benediktinischen und aus Augustinischen Elementen seine eigene Regel gemacht hat. Und so habe ich mir dann überlegt, ich müsste eigentlich in einen Missionsorden gehen, damit ich dann auch meine medizinisch-pflegerischen Talente, die mir der Liebe Gott geschenkt hat, nicht vergraben muss, sondern damit ich die einsetzen kann zum Wohl der Menschheit. Und so habe ich mich dann etwa ein Jahr vor der Priesterweihe entschlossen, nach sehr vielen Besuchen bei deutschen Missionsorden, in St. Ottilien bei den Missionsbenediktinern einzutreten und der Erzabt, der jetzt der Abtprimas des Benediktinerordens, Notker Wolf, ist, und dieser Abt, mein damaliger Erzabt, der sagte mir: „Pass auf,  ich kann Dich im Kloster erst dann zum Priester weihen lassen, wenn Du Feierliche Profess hast. Wenn Du Dich zum Priestertum berufen fühlst, mach Deine Ausbildung fertig! Mach Dein Pastoraljahr fertig! Lass Dich weihen und tritt als Priester ein! Und das habe ich dann getan. Ich bin dann 82 in Regensburg zum Diözesanpriester geweiht worden, und am Tag der Priesterweihe zum Ordenseintritt in St. Ottilien bei den Missionsbenediktinern beurlaubt worden. Ich hab dann mein Jahr Noviziat gemacht, wie jeder andere auch, habe dann 1983 meine zeitliche Prozess abgelegt, und 1986 meine Feierliche Profess, und im Januar 1987 bin ich dann im Flugzeug nach Afrika gesessen, und zwar in das Zululand. Und das ist ein Abschnitt von Südafrika, und bin dort der Benediktinerabtei Inkamana als Missionar zugewiesen worden. Ja, und da bin ich dann Ende Januar 1987 angekommen, war dann erst mal in einer Pfarrei als Kaplan. Das nennt man im englischen Bereich einen „Assistant Priest“, also einen Hilfspriester, wenn sie so wollen, hab also als Kaplan erst mal in der Pfarrei mitgearbeitet und die Zulu-Sprache gelernt. Denn wie will ich Seelsorge an Zulu sprechenden Menschen betreiben, wenn ich ihre Sprache nicht kann? Und in diesen drei Jahren der Vorbereitung und des Kaplan Seins habe ich mich dann auf mein Pfarrerdasein vorbereitet, und ich wurde eben dann im Oktober 1990 in eine relativ kleine – für Schweizer Verhältnisse wahrscheinlich eine große – Pfarrei gesandt, und zwar nach Mangete. Und dieses Mangete ist etwa 100 km nördlich von der 4 Millionen Stadt Durban. Und Durban kennt jeder von der Fußballweltmeisterschaft, wo auch Spiele stattgefunden haben. Das liegt am Indischen Ozean und 100 km nördlich ist Mandeni bzw. Mangete, wo ich dann Pfarrer wurde. Und ich habe dann im Jahr 1991 auch die Pfarrei Mandeni mit übernommen, und habe dann als Gemeindepfarrer zwölf Teilgemeinden betreut. Ich weiß nicht, wie man das in der Schweiz nennen würde, aber hier im Zululand hat man ja nicht nur die Pfarrei selber, sondern jede Pfarrei hat – früher hat man es Außenstationen genannt; vielleicht wäre es eine Expositur im Kirchenrecht – auf jeden Fall Unterabteilungen der Pfarrei. Und so war ich also ganz schön eingespannt in der Seelsorge für die Menschen die mir hier anvertraut sind. Und jetzt ist es mir passiert … Ich kann Ihnen eine Geschichte erzählen: Ich bin gerufen worden zur der Maria. Die hieß wirklich Maria. Den Familiennamen sage ich aus Schweigepflichtgründen nicht. Und die Maria war schwer krank. Und ich bin gerufen worden: „Die Maria liegt im Sterben. Bitte komm doch und bringe ihr die Krankenkommunion, bring ihr die Krankensalbung, die möchte …“ Ich hab sie sonst jedes Monat besucht, als Routine-Krankenbesuch, aber da war es dann eilig. Und dann ging ich zur Maria und hab der Maria die Krankenkommunion gespendet, die Krankensalbung gespendet. Dann sag ich zur Maria: „Sie, Maria, passen Sie mal auf! Ich bin nicht nur Priester. Ich kenne mich auch in der Krankenpflege aus. Warum sind Sie denn so krank? Was fehlt Ihnen denn?“ „Ja, mein Rücken tut mir so weh!“ Dann habe ich gesagt: „Darf ich mir Rücken anschauen?“ Dann sagt sie: „Ja bitteschön, schauen Sie sich den Rücken an!“ Dann habe ich mir den Rücken angeschaut und dann war bis auf die Knochen durch die Frau wundgelegen. Also man hat die Wirbel gesehen. Man hat die Rippen gesehen. Man hat die Darmbeine am Becken gesehen. So hatte sich die Frau wundgelegen. Die war einfach zuhause gelegen und ihre Angehörigen, die selber alt und gebrechlich waren, konnten sich nicht richtig um sie kümmern, und so ist sie dann so krank geworden. Und dann habe ich gesagt: „Um Gottes willen! Darf ich Sie zu einem ordentlichen Doktor bringen?“ Dann sagte sie: „Ja, ich kann mir das gar nicht leisten.“ Und dann habe ich gesagt: „Ja, lassen Sie das mal meine Sorge sein!“ Und dann habe ich sie eben in mein Auto gepackt und zu einem guten Arzt gebracht, der der Pfarrgemeinderatsvorsitzende unserer Teilgemeinde in Sundumbili, in der Pfarrei Mandeni war, und gesagt: „Bitteschön, Herr Doktor, schauen Sie sich doch die Frau an!“ Dann hat er sie ins Krankenhaus geschickt und in derselben Nacht ist sie verstorben. Und dann ist der Doktor zu mir gekommen und hat gesagt: „Mensch, Pater Gerhard, können wir nicht irgendeine Einrichtung schaffen? Hier sterben so viele Menschen einfach aus Vernachlässigung, weil keiner da für sie. Im Krankenhaus ist kein Platz für sie. Altenheim gibt es in unserer Gegend keines. Und könnten wir da gar nichts tun? Es ist nicht zum Anschauen, wie die Leute alle sterben weil sich keiner um sie kümmert.“ Und das war damals eigentlich so mit der Funke, der natürlich bei mir – ich hab meine Lebensgeschichte schon halb erzählt – auf guten Boden gefallen ist, wo ich dann gesagt habe: „Mensch, wir müssten eine Organisation gründen innerhalb unserer Pfarrei, innerhalb der katholischen Kirche, wo wir uns jetzt wirksam um die Kranken kümmern. Und ganz besonders wollte ich eben diesem Vorwurf aus dem Weg gehen, den man uns Missionaren oft macht, dass man Satellitenprojekte aufbaut, das heißt ein Projekt, das irgendwo von Europa aus gesteuert ist, und von Europa aus verantwortet wird, und wo man dann in Europa entscheidet, wie den Afrikanern zu helfen ist. Und ich habe gesagt: „Diesen Fehler will ich nicht machen. Ich möchte die Südafrikaner dazu bringen, den Südafrikanern, die Hilfe brauchen, in Südafrika zu helfen.“ Und hab daher dann eine Hilfsorganisation gegründet, die südafrikanischen Malteser, die wir nach dem Gründer des Malteserordens eben die „Bruderschaft des Seligen Gerhard“ nennen. Und diese Bruderschaft leistet heutzutage als größte katholische Hilfsorganisation Südafrikas sehr sehr viele Dienste.

Pater Gerhard, die meisten kennen den Malteserorden oder auch die Malteser, aber nur wenige kennen eben die Bruderschaft des Seligen Gerhard. Können Sie uns das noch ein bisschen genauer erklären, was die machen oder was es da auch vielleicht für einen Unterschied ist zu den traditionellen Malteserorganisationen?

Mich freut der Ausdruck „traditionelle Malteserorganisationen“, und zwar freut er mich deshalb, weil wir eigentlich die traditionelle Organisation sind, die also nicht nur so als eine Hilfsorganisation im allgemeinen Sinn arbeitet, sondern ihren Auftrag auch ganz bewusst als Glaubensauftrag  sieht, wie es die Malteser übrigens international tun. Es gibt eine Parallele zu uns in der Schweiz. Das nennt sich der Malteser Hospitaldienst Schweiz – ich weiß jetzt gar nicht wie er auf Italienisch [Servizio Ospedaliero dell'Ordine di Malta (SOOMS)] oder auf Französisch [Service Hospitalier de l’Ordre de Malte (SHOMS)]heißt – aber es gibt diesen Malteser Hospitaldienst Schweiz. Das ist eine Hilfsorganisation des Malteserordens, die eben Krankenhilfe in der Schweiz leistet und das Äquivalent zu diesem Malteser Hospitaldienst in der Schweiz gibt es in vielen anderen Ländern, in Deutschland den Malteser Hilfsdienst in Österreich einen Malteser Hospitaldienst und in vielen anderen Ländern auch, und in Südafrika ist es eben diese Bruderschaft des Seligen Gerhard, wir aber in unserem Fall jetzt ein kirchlicher Verein ist, ein privater Verein von Gläubigen, der nach Kirchenrecht errichtet worden ist, also nicht nur eine nach Staatsrecht organisierte Organisation – das sind wir auch – aber was uns das Wichtige ist, dass wir eben den Auftrag der Kirche ausführen wollen durch die vielen verschiedenen Hilfstätigkeiten über die Ihnen sicher dann heute noch sehr ausführlich und sehr viel mehr erzähle.

Sie sind jetzt als Einzelkämpfer auch dorthin geschickt worden. Für solch eine Aufgabe braucht es Mut, Kraft und ein ganz großes Ja. Woher haben Sie diesen Mut, diese Kraft, und dieses Ja?

Ich kann nur eine Antwort geben, und das ist unser Glaube. Und wenn wir wirklich glauben, dann brauchen wir gar nicht so viel Mut. Denn wenn wir wirklich wissen, dass wir nur Werkzeuge in den Händen Gottes sind, dann gibt’s da gar kein langes Hin-und-her-Überlegen: „Schaffe ich das? Schaffe ich es nicht?“ Sondern dann geht es mit dieser allgemeinen Entscheidung, die wir als Ordensleute selbstverständlich, aber die auch jeder Priester trifft, dass er sagt: „Ich will mich ganz in den Dienst der Kirche stellen. Ich will mich dem Herrgott in die Hand geben als Werkzeug. Herrgott, vollende Du das Gute, das Du in mir begonnen hast!“ Das ist ein Teil der Weiheliturgie. Und genauso sehe ich das. Ich habe überhaupt keine Angst. Ich brauche auch keinen Riesenmut zu haben. Vielleicht von außen sieht das  durchaus so aus, denn Südafrika ist ja durchaus kein ungefährliches Land in sehr verschiedener Hinsicht, aber der Glaube, der ist eigentlich das, was uns beflügelt, was auch mich persönlich beflügelt, und da gibt‘s kein langes Zetern, und da gibt’s kein langes Warten und Bangen, sondern „Der Liebe Gott und Du ist eine absolute Mehrheit.“ Und warum soll ich da Angst haben? An der Seite Gottes zu stehen brauchen wir er keine Angst zu haben, so wie so wunderschön der Papst Johannes Paul II. immer wieder gepredigt hat: „Non habiate paura! Habt keine Angst!“ Und genauso sehe ich das.

Gleich, liebe Zuhörer und Zuhörerinnen, werden wir mehr über Pater Gerhards Arbeit hören. Davor machen wir aber eine Pause und werden uns das Lied anhören mit dem Titel „Maria, hilf uns in der Not!“

(Musikeinlage)

Lieber Zuhörer und Zuhörerinnen von Radio Gloria, bei uns zu Gast ist Pater Gerhard. Er ist Benediktinerpater und Missionar.  Set 17 Jahren ist er im Zululand/Südafrika tätig. Nun werden wir etwas über seine Arbeit und seine Projekte in Südafrika erfahren. Pater Gerhard, darf ich Sie bitten?

Gerne! Gerne erzähle ich Ihnen etwas über die Missionsarbeit, so wie ich sie als meine ganz persönliche Berufung verstehe, und vielleicht zur Einleitung möchte ich sagen, dass mich meine Missionsabtei, die Abtei Inkamana, eben im Jahr 1990  in die Gegend von Mandeni gesandt hat als Gemeindepfarrer und dass ich eben dort als Gemeindepfarrer, wie ich vorher schon sagte, gesehen habe, dass sehr viel Not besteht, und dass die gelindert werden muss. Und deshalb habe ich eine Hilfsorganisation gegründet, die Bruderschaft des Seligen Gerhard.

Vielleicht sollte ich einfach chronologisch anfangen mit dem ältesten Projekt, das wir schon 1992 angefangen haben. Das nennen wir unseren Hilfsfonds für Arme Kranke. Und dieser Hilfsfonds für Arme Kranke der hilft armen kranken Menschen, wenn sie dringend nötige medizinische Behandlung sich nicht leisten können. Angefangen hat dies mit einer Frau, die dringend eine Herzoperation brauchte, eine dreifache Bypass-Operation, aber das Geld nicht hatte. Sie war nicht krankenversichert und ohne Krankenversicherung hat man damals keine gute Behandlung bekommen. Und so war eben die Alternative: Entweder wir lassen sie sterben oder wir helfen. Und dann haben wir gesagt: „Das kriegen wir schon irgendwie hin.“ (Wir) haben dann Geld gesammelt und haben ihr geholfen, die Herzoperation zu haben. Sie hat die Herzoperation gut überstanden und das war so unser erster größerer Auftrag innerhalb dieses Hilfsfonds für Arme Kranke. Wir haben sehr vielen anderen armen kranken Menschen geholfen, dass sie medizinische Behandlung bekamen, die sie sich sonst nicht hätten leisten können.

Dann haben wir mit einem Nothilfefonds im Jahr 1993 begonnen. Und dieser Nothilfefonds kümmert sich um Menschen in unerwarteten Notsituation, also zum Beispiel: Es gibt bei uns, sehr viele Leute leben in Lehmhütten, die mit Stroh gedeckt sind, und wenn's mal ordentlich regnet, was bei subtropischen Regenfällen durchaus vorkommen kann, kann’s passieren, dass den Leuten das ganze Haus weg gewaschen wird vom Regen und dann haben die nichts mehr. Oder es gibt Buschfeuer bei uns, wo den Leuten alles verbrennt. Oder es gibt sehr viele andere Not und Armut, wo die Leute einfach ins Pfarrhaus kommen und sagen: „Herr Pfarrer, helfen Sie mir! Ich weiß überhaupt nicht mehr was ich anfangen soll. Ich hab sonst keine Hilfe.“ Und da helfen wir eben dann. Wir helfen den Leuten mit Baumaterial. Wir helfen Ihnen, dass sie selber wieder auf die eigenen Beine kommen. Wir am Leuten auch schon mit Kleidung geholfen. Wir geben nie Bargeld in Bettlerhände, denn das wäre eine sehr unkluge Art und Weise, wo dann auch die Gefahr bestünde, dass dieses Bargeld anderweitig verwendet wird und nicht für die wirkliche Not dieser Menschen. Gut!

Dann haben wir angefangen mit einem Stipendienfonds. Der Stipendienfonds kümmert sich um begabte Kinder armer Eltern. Ich persönlich denke, dass die beste Entwicklungshilfe die ist, dass man ausbildet, dass man die Leute auf die eigenen Beine stellt. Aber es gibt hier keine Lehrmittel- und keine Lehrmittelfreiheit in Südafrika, d.h. ich muss alles zahlen. Ich muss Schulgeld zahlen. Ich muss meine eigenen Bücher kaufen, meine eigene Schuluniform, und wenn ich studieren will dann ist das eine Sache, die sich wirklich nur die Kinder ganz reicher Eltern leisten können, aber nicht die armen Leute. Und so haben wir mit diesem Stipendienfonds angefahren. Wir haben in der Zwischenzeit weit über 100 Leuten, weit über 100 pro Jahr muss ich sagen, Schulgeld bezahlt. Wir haben sehr vielen Leuten das Studium bezahlt, und wir haben zum Beispiel eine Sozialarbeiterin ausbilden lassen, die jetzt anderen Menschen hilft. Wir haben Lehrer ausbilden lassen, Krankenschwestern ausbilden lassen, momentan eine Physiotherapeutin, die ihr Studium demnächst abschließt. Das sind alles Riesen-Kosten, sie sich die Kinder armer Eltern nicht leisten können. Und wir wollen damit eine nachhaltige Entwicklungshilfe leisten.

Dann haben wir angefangen mit einem ganz dringenden Projekt, auch noch im Jahr 93, also ganz am Anfang nach unserer Gründung, ein Jahr nachher, und zwar mit einem Hungerhilfeprojekt oder heutzutage nennen wir es eine Klinik für unterernährte Kleinkinder und Säuglinge. Es gibt bei uns sehr viel Unterernährung, und zwar in erster Linie Fehlernährung. Und die Fehlernährung hat etwas mit Armut zu tun. Es hat aber auch sehr viel mit AIDS zu tun. Sie wissen ja, dass in Südafrika … In keinem Land der Welt gibt es mehr HIV-positive Menschen als in Südafrika. Also gibt‘s auch sehr viele schwangere Frauen, und gibt es sehr viele Mütter, die HIV-positiv sind, und wir wissen alle, dass der HIV-Virus durch das Stillen übertragen werden kann. Also sagt man den jungen Müttern: „Bitte stille nicht, weil Du sonst das Kind, wenn es noch nicht angesteckt ist bei der Geburt, dann durch das Stillen ansteckst.“ Jetzt wie soll aber das Kind dann zu Essen kriegen, wenn man‘s nicht an die Brust legen darf? Und so müssen die Leute eben dann diese Babynahrung kaufen, dieses Pulver das man anrührt, aber das können sich sehr viele nicht leisten. Dann wird‘s zu sehr verdünnt und diese wässrige Lösung hat dann nicht genügend Nährstoffe. Oder sie können sich diese Babynahrung überhaupt nicht leisten und verwenden eben dann Pudding oder Maisbrei, den sie verdünnen, und geben es den Kindern. Die kriegen dann nur Kohlenhydrate und kein Eiweiß und dies führt dann zu einer Mangelerkrankung, die man Kwaschiorkor nennt, und die kann und wird zum Tod führen, wenn man nichts dagegen tut. Und so haben wir also begonnen 1993 mit dieser Klinik für unterernährte Kleinkinder und Säuglinge, wo wir regelmäßig, also jeden Monat sind’s gut über 50 dieser unterernährten Kleinkinder und Säuglinge, die wir behandeln, und zwar nicht nur jetzt behandeln medizinisch gesehen, sondern wir geben Ihnen auch, wo Armut der Grund ist, und das ist in fast allen dieser Fälle der Fall, geben wird Ihnen auch Milch und eiweißangereicherte Aufbaukost, also so einen Eiweißbrei, damit die Kinder die nötige Nahrung bekommen. Und dann unterrichten wir die Mutter bzw. die Person, die sich um das Kind kümmert, wie man Gemüse richtig anbaut, war des Kind alles braucht, um sich gesund zu ernähren.

Dann haben wir ein viertes Projekt begonnen und zwar eine Haushaltsschule. Und zwar ging es bei der Haushaltsschule einfach darum,  dass man arbeitslosen Leuten eine Möglichkeit geben wollte, dass sie eine Ausstellung bekommen. Die Haushaltsschule haben wir aber dann später wieder geschlossen, weil sich dann im sich entwickelnden Südafrika so ein bisschen eine Gegenhaltung gab, wo die Leute dann gesagt haben: „Wir wollen uns nicht zu Dienern der Weißen ausbilden lassen, um denen den Haushalt zu machen.“ Und dann später nicht mehr so viel Interesse bestanden. Dann haben wir gesagt, dann verwenden wir unsere Mittel in einem anderen Gebiet, wo es notwendiger ist.

Wir haben dann 93 auch noch einen Seniorenclub angefangen, einen Altenclub, also einen Club, in dem sich einsame alte Menschen treffen können, und ich glaube, das gibt es in der Schweiz auch, da brauche ich gar nicht viel dazu erzählen, und der arbeitet auch wunderbar, so dass eben diese alten Leute sich nicht einsam fühlen brauchen, sondern sich gegenseitig stützen können. Denn bei uns gibt’s ja sehr viele. Wenn die Kinder Arbeit haben, sind die den ganzen Tag nicht zuhause, und die Alten sind dann völlig vereinsamt zuhause.

Dann haben wir begonnen mit einem Entwicklungshilfezentrum, auch noch im Jahr 93. Also da ist unendlich viel entstanden in der Anfangszeit. Und zwar war das eine Nähschule und ähnlich wie mit der Haushaltsschule haben wir Frauen zu Schneiderinnen ausgebildet, damit sie auch wieder sich selber Geld verdienen konnten. Und sehr viele Frauen, die kein Geld in der Tasche haben, sind dann immer in der Gefahr, dass sie sich das Geld auf unlautere Art und Weise verdienen, eben durch Prostitution, und um dies zu verhindern haben wir gesagt: „Wie versuchen, möglichst viele auszubilden, so dass sich die dann ihren Lebensunterhalt verdienen können.“

Dann haben wir 1994 angefangen ein AIDS-Aufklärungs-Programm. Damals ist die AIDS-Welle erst so richtig losgegangen bei uns in Südafrika, also relativ kurzfristig – damals waren es 10 % der Bevölkerung. Ich weiß nicht, wie viele es in der Schweiz sind, aber in Südafrika ist mindestens ein Drittel der Gesamtbevölkerung HIV positiv und in der Provinz – Sie würden Kanton wahrscheinlich sagen – in der Provinz KwaZulu/Natal sind’s zwei Drittel der Bevölkerung. Damals waren es nur 10 %, aber wir damals schon gesagt: „Wir müssen unbedingt den Leuten erzählen die Wahrheit über HIV, die Wahrheit über AIDS, damit sie verhindern können, sich anzustecken.“

Und dann haben wir im Jahr darauf ein weiteres Projekt begonnen, einen Kindergarten. Und in diesem Kindergarten geht’s darum, dass es bei uns sehr viel Wanderarbeit gibt. Wanderarbeit heißt, der Vater arbeitet ganz weit weg von zu Hause, vielleicht in den Goldbergwerken von Johannesburg, und die sind 700 km weg, oder im Hafen in Durban oder sonst wo, ganz weit weg. Und viele dieser Väter kommen dann oft nur einmal pro Jahr nach Hause, schenken ihrer Frau wieder ein neues Kind, und machen sich aber dann wieder aus dem Staub. Und viele dieser Männer schicken dann auch kein Geld nachhause und die Mutter sitzt da und weiß nicht, wie sie ihre Kinder füttern soll. Und so haben wir gesagt: „Die Frauen sollen arbeiten gehen können. Wir kümmern uns um die Kinder.“ Und so haben wir diesen Kindergarten begonnen, der aus allen Nähten platzt, so viele Kinder haben wir, aber wir helfen eben, so gut wir können, um diesen Müttern eine Einkunfts-Möglichkeit zu schaffen, dass sie eben keine Bettler mir sein brauchen, sondern dass sie für sich selber und für ihre Kinder sorgen können.

Und dann haben wir begonnen, 1995, mit dem Spatenstich und 1996 mit der Eröffnung unseres Pflegezentrums. Und dieses Pflegezentrum ist heute das größte stationäre Hospiz Südafrikas. Normalerweise haben Hospize so 5-10, vielleicht zwölf Betten. Unser Hospiz hat heutzutage 40 Betten in der „inpatient unit“, also im stationären Hospiz. Wir betreiben in diesem Hospiz unterschiedliche Dinge: Zum einen Palliativpflege, indem wir uns um Menschen, denen medizinisch nicht mehr zu helfen ist, im Sinn, dass keine medizinische Heilung mehr möglich ist, … Da kümmern wir uns darum, dass die Menschen menschenwürdig leben können, dass wir ordentliche Schmerzbehandlung betreiben, dass die Sterbenden keine Schmerzen haben, und dass sie auch menschlich betreut werden, dass man mit Ihnen spricht, dass man mit Ihnen betet, dass man ihnen die Hand hält, dass man für sie menschlich da ist, und Ihnen so ermöglicht die letzten Monate oder Wochen ihres Lebens menschenwürdig zu leben und dann eben ihr Leben in die Hände Gottes zu übergehen. Das ist also das stationäre Hospiz. Wir machen dann auch häusliche Pflege vom Hospiz aus, das heißt wir fahren mit mobilen Hauskrankenpflegeteams in den Busch raus, besuchen die Patienten zuhause und helfen Ihnen in der Krankenpflege, so dass die Patienten nicht unbedingt jetzt ins Hospiz stationär aufgenommen werden müssen, sondern die zu Hause bleiben können und bleiben wollen, auch natürlich zuhause bleiben können, und aber trotzdem fachgerecht behandelt und betreut werden. Zum dritten machen wir in diesem Hospiz Ausbildung, und zwar Ausbildung von Pflege-Hilfspersonal, wo wir junge Menschen, d.h. die müssen nicht jung sein, aber die meisten sind jung, die bilden wir dann aus als Pflege-Hilfspersonal, so dass sie zuhause ihre eigenen Kranken besser pflegen können, ihre Nachbarn bei der Pflege unterstützen können, und so eine breite Basis von Menschen geschaffen wird, die bereit und in der Lage ist, und deshalb keine Angst hat, auch die häusliche Pflege dann durchzuführen. Und seit 2003 haben wir dann in diesem Hospiz auch begonnen mit der AIDS Behandlung, und zwar mit der Behandlung des HIV-Virus mit antiretroviralen Medikamenten. Das sind Medikamente, wenn man die regelmäßig einnimmt, kann man verhindern, dass der HIV-Virus sich im menschlichen Blut vermehrt. Und damit wird das Allgemeinbefinden der Patienten unendlich verbessert. Also wir haben Patienten gehabt, die sind auf der Tage reingekommen, wo man gedacht hat, der übersteht die Nacht nicht, und wenn man die dann behandelt mit diesen Medikamenten, geht es denen in relativ kurzer Zeit, so etwa nach acht Wochen, wesentlich besser und wir kommen dazu, dass bei fast allen unsere Patienten, und wir haben inzwischen mehrere hundert Patienten in Behandlung, die virale Ladung, d.h. die Anzahl der Viren auf – jetzt muss ich ins Deutsche übersetzen – „non detectable viral load“ das heißt also, dass die Virenladung unter 50 pro Kubikmillimeter absinkt, und damit sozusagen nicht mehr recht gut nachweisbar ist. Und damit geht's den Leuten gut, d.h. sie können wieder zurückgehen zur Arbeit. Sie sind wieder kräftig. Die sind wieder froh. Die stehen wieder voll im Leben und die Menschen können, wenn sie diese Behandlung bekommen, noch 10 – 15 – 20, vielleicht sogar 25 Jahre bei guter Gesundheit weiterleben. Und somit hat sich das Hospiz eigentlich geändert, von einem Haus, wo wir nur Sterbende im Sterben begleiten, zu einem Haus wo wir Sterbenskranke wieder auf die eigenen Beine stellen, und die Mütter zu ihren Kindern zurückschicken können, die Männer zur Arbeit zurückschicken können, je nachdem, und es den Menschen dann wesentlich besser geht. Das ist also das Hospiz, das seit 1996 eröffnete wurde und mit ganz großem Nachdruck arbeitet, und wie gesagt, wir sind das größte stationäre Hospiz Südafrikas, weil es bei uns eben so enorm viele HIV-positive Menschen gibt. Im Gebiet von Mandeni spricht man von einem „pocket of high infection rate“ auf Englisch. Und zwar wäre das ein endemisches Gebiet. Ich habe eine Zahl, eine offizielle Zahl, die ich zitieren kann, und zwar im Januar 2004 waren in unseren Gebiet 76 % der HIV-Tests positiv, und das heißt 76 % der Leute, die sich testen ließen, bei denen wurde das Virus im Blut nachgewiesen. Und von daher ist es eben unendlich wichtig, dass man was tut.

Jetzt muss ich die anderen Projekte noch erwähnen, die wir auch noch haben, obwohl ich natürlich jetzt in meinem Element bin, und gern sehr viel vom Hospiz erzählen würde.

Wir sind auch im Katastrophenschutz tätig. Wir hatten einen großen Einsatz. Im Jahr 2000 ist ja halb Mosambik unter Wasser gestanden durch eine große Überschwemmungskatastrophe. Und es war sehr schön, dass wir als Teil des Malteserordens der international ja tätig ist, als die Organisation, die vor Ort ist, an diesem Einsatz mitgearbeitet haben. Wir haben geholfen, dass zehntausende von Menschen die von medizinischer Behandlung abgeschlossen waren, weil sie durch Wasser eingeschlossen waren, und nicht ins Krankenhaus konnten, dass die medizinische Hilfe bekamen. Und das war ein ganz großartiger Einsatz unseres Katastrophenschutzes im Jahr 2000.

Dann haben wir im Jahr 1999 noch einen Erste Hilfe und Notfalldienst begonnen, wo wir eben Erste Hilfe Dienst anbieten bei Veranstaltungen, zum Beispiel jedes Jahr bei unseren kirchlichen Wallfahrten den Sanitätsdienst mit verrichten, so dass also Menschen, denen es bei Veranstaltungen schlecht geht, fachmännisch und gut geholfen werden kann.

Und jetzt, denke ich, haben wir fast alle Projekte besprochen miteinander. Ich schaue gerade noch nach. Nein, ich glaube, wir haben alle. Ich habe Ihnen, glaube ich, alle vorgestellt. Nein, jetzt hätte ich ja fast vergessen: 10-jähriges Jubiläum unseres Kinderheimes haben wir dieses Jahr gefeiert, ganz groß. Und zwar ist das Kinderheim entstanden eigentlich aus dem Hospiz. Mit anderen Worten: Der Papi macht die Mami schwanger  und macht sich davon, sobald er hört, dass seine Freundin schwanger ist. Die Frau stirbt etwas später, vielleicht an AIDS, und dann bleiben die Kinder übrig. Also wir haben sehr viele AIDS Waisen, mit denen wir es hier zu tun haben in unserem Land, in unserem Gebiet, und wir haben dann auch sehr viele Kinder, die ausgesetzt werden, also dass man ein Kind irgendwo findet, wo kein Mensch weiß, wer die Eltern sind, und solche Kinder sind bei uns. Wir haben in unserem Kinderheim auch leider einige misshandelte und missbrauchte Kinder, Kinder die unterernährt waren, Kinder die vernachlässigt wurden, und natürlich auch AIDS-kranke Kinder, also 43 Kinder jetzt in unserem Kinderheim, um die wir uns in ganz besonderer Weise kümmern. Ich hab letzte Woche ihre Sendung auch angehört und da ging’s um den Seligen Karl von Österreich. Und wir haben also unser neuestes Kind, das erst seit , ich glaube 3-4 Wochen bei uns ist, das haben wir dann auch Karl genannt, nach dem Seligen Karl von Österreich, der übrigens auch ein er Mitglied des Malteserordens war. Und so haben wir jetzt einen kleinen Karl, und als Familiennamen für dies ausgesetzte Kind haben wir dann den „Benedikt“ gewählt, also einen kleinen Karl Benedikt, Charles Benedict, was unser neuestes Kind ist, und bei dem war es so, dass eine Frau sagte: „Ich muss jetzt aufs Klo“ und sie will ihr kleines Kind nicht mit in die öffentliche Toilette nehmen, und hat eine Passantin gebeten: „Halten Sie bitte mein Kind“, und dann ging sie weg und kam nie mehr wieder, und die Passantin hatte das Kind in den Armen und wusste nicht wohin. Dann gingen sie zur Polizei und die haben mit den Schultern gezuckt: „Ja, wir können Ihnen auch nicht helfen.“ Die Sozialarbeiter waren damals im Streik. So etwas gibt‘s in Südafrika, dass Sozialarbeiter, Krankenschwestern und Ärzte streiken. Und da gab es auch keine Hilfe. Und so haben wir eben dann unser 43. Kind im Kinderheim bekommen.

So haben hier also ein Riesenspektrum an Hilfstätigkeiten, die wir durch unsere Hilfsorganisation abdecken, und wir sind sehr froh und sehr glücklich, dass wir so vielen Menschen auch intensiv helfen können und somit die Nöte der Menschen beantworten durch die Liebe Christi. Wo wir sagen: Die Liebe Christi drängt uns.  Wir können uns nicht hinstellen, ich kann mich als Priester nicht hinstellen und nur fromme Worte predigen – das tue ich auch – sondern ich muss die frommen Worten in die fromme Tat umsetzen und das versuchen wir mit unserer Hilfsorganisation, der Bruderschaft des Seligen Gerhard.

Nun, bevor wir hier eine Pause einlegen habe ich eine persönliche Frage an Sie, Pater Gerhard: Wie hat Sie selber die Projekte, Sie verändert?

Wenn ich Sie recht verstehe, wie haben mich die Projekte verändert?

Ja, genau!

Ich bin ein Mensch geworden der zwar bislang natürlich auch aus 30 Jahre Tätigkeit bei den deutschen Maltesern, wo man natürlich von Nöten der Menschen weiß, und auch etwas tut, aber wir für mich war des sowie ein Eintauchen, ein Eintauchen in ein Meer des Elends. Je mehr ich mich um die Menschen kümmere, mit desto mehr Elend werde ich konfrontiert und immer mehr Fälle werden an einen herangetragen, über die man als Normalbürger eigentlich praktisch nichts hört oder wenig hört, selbst als Pfarrer nicht zu viel damit zu tun hat, und so bin ich also hier in dieses Meer des Elends hineingeworfen worden und ich fühle mich jetzt als einer der hinausgesandt ist, dort etwas zu tun, was mich persönlich verändert hat ist, dass ich merke, ich habe nur zwei Hände, ich hab nur ein Herz, ich hab nur zwei Beine, und mit denen kann ich das alles nicht fertig bringen. Ich brauch den lieben Gott und der Liebe Gott braucht mich und ich bin ein Werkzeug in seiner Hand und ich selber kann‘s nicht fertig bringen. Und der liebe Gott hat mir so unendlich viele gute Menschen zur Seite gestellt, die mir dabei helfen, und dies hat mich wirklich nachhaltig verändert, dass ich ein Mensch bin, der zwar gelernt hat, Hilfe zu organisieren, der aber gleichzeitig einsieht, es liegt im Endeffekt nicht an mir, sondern im Endeffekt liegt’s am lieben Gott. Ich darf mich in seine Hände fallen lassen. Auch wenn ich weiß, ich kann nicht die ganze Welt retten, aber für die wenigen Menschen denen wir helfen können, und das sind ja Zehntausende, diesen Menschen zu helfen, das bedeutet für jeden Einzelnen die ganze Welt, wie die Mutter Theresa das auch gesagt hat.

Dann wollen wir an dieser Stelle wieder ein Lied anhören mit dem Titel „Das Wunder“.

(Musikeinlage)

Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer von Radio Gloria, wir haben einen Gast bei uns. Das ist Pater Gerhard. Er ist Benediktinerpater und Missionar. Seit 17 Jahren ist er im Zululand/Südafrika tätig. Pater Gerhard, jetzt frage ich sie, Hatten Sie einmal schon Heimweh oder das Bedürfnis, jetzt gehe ich nach Hause?

Die Frage wird mir sehr häufig gestellt. Wenn ich in Europa bin, bzw. in meiner bayerischen Heimat, und dann sag ich den Leuten immer: „Jetzt habe ich Heimweh.“ Dann schauen sie mich so an und dann sage ich: „Jetzt habe ich Heimweh nach Afrika.“ Denn Afrika ist mir zu einer neuen Heimat geworden und wenn ich hier nicht sein kann, weil ich zur Spendenwerbung oder zu sonstigen Dingen in Deutschland oder in Europa unterwegs bin, dann habe ich Heimweh. Also dann fehlen mir wirklich die Menschen hier, dann fehlt mir meine Heimat in der ich ganz tief verwurzelt bin, und die ich als meine ganz persönliche Lebensberufung verstehe. Wieder zurückzugehen nach Europa ist eine Sache, mit der ich mich überhaupt momentan gar nicht beschäftige, weil sie so weit weg ist. Höchstens, wenn ich mal ein Pflegefall wäre unter hier die Pflege nicht gewährleistet wäre, dann vielleicht, aber momentan ist das absolut nicht die Frage. Und nachdem also wir hier selber ein Pflegezentrum haben, hoffe ich, dass da irgendwann auch ich mal einen Platz finden werde. Also Heimweh habe ich, wenn ich in Europa bin, und Heimweh hab ich nach Afrika.

Jetzt zurück zu Ihrem Projekt mit AIDS: Wenn so ein Mensch die Diagnose HIV-positiv oder eben AIDS hat, kommen solche Patienten sofort zu Ihnen, oder verstecken sie sich erst mal?

Ja, jetzt kommt’s natürlich darauf an, wie er die Diagnose bekommt. Und in der Regel ist es so, dass der Patient schon ewig lang krank ist und dass er vielleicht eine Tuberkulose entwickelt hat. Viele Menschen wissen ja, dass ein HIV-positiver Mensch, dass bei dem die körperliche Abwehr nicht mehr funktioniert,  und er von da her mit sehr vielen so genannten opportunistischen Infektionen sich anstecken kann. Bei diesen steht also zum Beispiel die Gehirnhautentzündung oder eine Lungenentzündung oder eben die Tuberkulose sehr weit vorn und sehr viele Menschen haben die. Also die kommen wegen anderer Krankheiten ins Krankenhaus oder zum Doktor oder in eine Klinik, was also bei uns in Südafrika seine Basis-Gesundheitsstation ist, und dann bietet man ihnen einen HIV-Test an. Auch wenn die Leute zu uns kommen, wir machen auch HIV-Tests, und wenn dann die Diagnose kommt „Du bist HIV-positiv“, dann ist dies erst mal ein unendlicher Schock, so wie dies in Europa vielleicht ist wenn jemand eine Krebs-Diagnose bekommt. Und dann ist es ganz wichtig, wenn man diese Mitteilung dem Patienten macht, dass der HIV-Test positiv ist, dass man ihn auch berät wir und ihn sagt: „Du, pass auf, das ist nicht bis Ende der Welt, sondern es gibt unheimlich viele Möglichkeiten, wie wir Dir helfen können, und wie du vor allem sehr lange bei guter Gesundheit weiterleben kannst, wenn Du eine Behandlung bekommst.“ Und die bieten wir ja gottlob an. Also momentan ist es erst mal so ein Davonlaufen, oder eine Verdrängung nennt man es in der Psychologie, dass die Leute so tun: „Ja, vielleicht hat man das Blut verwechselt“ oder „vielleicht ist es ja doch nicht so“ und alle möglichen Ausreden findet und dann etwas später, wenn er dann einsieht, dass es ja doch so ist, dann werden die Leute auch häufig sehr ärgerlich, und der Ärger wirkt sich dann auf die Familie aus und aufs Pflegepersonal und auf alle anderen. Und erst dann beginnt der Patient oft zu hadern und zu handeln mit dem lieben Gott, „Also, lieber Gott, wenn Du jetzt ein Wunder geschehen lässt, dass ich von heute auf morgen nicht mehr HIV-positiv bin, dann werde ich sofort Ordensfrau, oder ich gebe mein ganzes Geld den Armen“ usw. und dann merkt er dann auch, dass diese Verhandlungen eine Milchmädchenrechnung sind, und dann gibt es viele Patienten, die im Endeffekt dann doch sagen: „Ja, jetzt ergebe ich mich meinem Schicksal, aber ich mache etwas Gutes draus. Ich nehme die Behandlung an.“ Also, erst mal ist es ein Riesen-Schock für den Patienten, und da muss man den Menschen dann wirklich helfen, und ihm beistehen und ihm die Hand reichen im übertragenen Sinn, aber auch im wörtlichen Sinn. Und das Gute an der Sache ist, dass  wir eben diese AIDS-Behandlung selber anbieten können und auch anbieten und durchführen und das ist, was der Patient braucht. Was ganz wichtig ist bei den Patienten ist eine ordentliche Patienteninformation. Und da heben wir uns sehr positiv von anderen Anbietern ab, weil wir jedem Patienten einen dreiwöchigen Vorbereitungskurs mitmachen lassen, in dem wir ihm erst mal erzählen, was denn HIV überhaupt ist. Die meisten unserer Patienten können ihren Namen nicht schreiben. Die meisten unserer Patienten unterschreiben mit einem Daumenabdruck, weil sie nicht schreiben können, viele unsere Patienten haben überhaupt keine schulische Bildung, viele sind, wie ich schon sagte, Analphabeten, und wenn man es dann mit so Leuten zu tun hat, kann man denen nicht irgend so eine kluge Broschüre geben, wo sie dann alles nachlesen können, sondern mit den Leuten muss man sich wirklich hinsetzen, bei Adam und Eva beginnen, und ihnen erzählen: „Was macht das Virus überhaupt? Wie kann man dem Virus Einhalt gebieten? Was macht die Behandlung?“ Weil es unendlich wichtig ist bei der AIDS Behandlung mit antiretroviralen Medikamenten, dass man die Behandlung ganz konsequent durchführt. Ich sage den Leuten immer: „Also, Du pass auf, außer dem lieben Gott gibt‘s in seinem Leben jetzt nichts wichtigeres, als dass Du Deine Medizin nimmst. Alles andere hat zweiten Rang und dritten Rang. Das Wichtigste ist, dass Du zweimal täglich Deine Medizin einnimmst. Wenn Du nur zwei-dreimal hintereinander vergisst, Deine Medizin einzunehmen, kann sich das Virus ändern, es kann mutieren und das heißt, es wird dann unempfindlich gegen die Medizin.“ Und dann kann der nachher seine Medizin wieder nehmen, aber es hilft nichts mehr. Man hat dann eine resistente HIV-Infektion und an der sterben die Patienten meistens sehr sehr schnell. Ganz wichtig (ist es) den Patienten ordentlich vorzubereiten, dass er wirklich weiß worum es geht und wir haben eine 95-prozentige Erfolgsquote in unserer Behandlung, und sind da ganz mächtig stolz darauf, weil wir die Patienten ordentlich vorbereiten, eine natürlich ordentliche Behandlung durchführen, und wir haben dann auch Therapieberater die dann jeden einzelnen Patienten – und wir haben Hunderte in Behandlung – jedem einzelnen Patienten mindestens einmal pro Monat einen Hausbesuch abstatten, und sich mit dem hinsetzen: „Geht Dir’s gut? Hast Du Probleme? Hast Du Sorgen? Gibt‘s irgendwelche Nebenwirkungen oder sonst was?“ So dass man sehr frühzeitig Probleme erkennen kann und rechtzeitig eingreifen kann, bevor der Patient aufhört, seine Medizin zu nehmen. Und drum haben wir eben so einen ganz hohen Wirkungsgrad unserer Behandlung und sind da sehr dankbar dafür, dass wir eben das tun können, und auch in alle Zukunft hoffentlich weiterführen können.

Jetzt braucht das ja auch Geld, Pater Gerhard, und wir haben nur noch ganz wenig Zeit dafür. Ich möchte dann auch noch um Ihren Segen bitten. Können Sie in kurzen Worten sagen, wo vielleicht unsere Zuhörer oder Zuhörerinnen etwas, wenn sie möchten, einzahlen können?

Ja, das ist ganz lieb. Dankeschön!  Es gibt für die, die Internetanschluss haben, gibt es unsere Internetseite. Das wäre die www.bbg.org.za/hilf.htm  Da ist genau aufgeführt unsere Spendenkontonummer. Ich kann die auch kurz vorlesen: Das wäre die IBAN Nummer: DE37 7215 2070 0000 0120 21 und wenn man auf diese IBAN Nummer eine Spende überweist, dann kommt uns die direkt zu.

Und den Segen, den spende ich Ihnen natürlich auch jetzt sehr gerne:  Lasst uns beten! Wir rufen zu Dir, barmherzige Gott, schau gnädig auf dein Volk, das an Dich glaubt, lass alle, die auf Deine Güte vertrauen, Deine Hilfe erfahren und überall die Großtaten Deiner Liebe verkünden. Darum bitten wir durch Christus unseren Herrn. Der Segen des allmächtigen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes komme auf euch herab und bleibe bei euch allezeit. Amen. Gelobt sei Jesus Christus.

In Ewigkeit. Amen. Pater Gerhard, ich möchte mich bei Ihnen recht herzlich bedanken, dass Sie als Gast und Referent bei uns gewesen sind. Auch Ihnen, lieber Zuhörer und Zuhörerinnen, bedanke ich mich recht herzlich, dass Sie mit mir durch die Sendung gegangen sind. Es würde mich freuen, wenn ich Sie wieder auf Radio Gloria begrüßen dürfte. Am Mikrofon ist gewesen Gaby Kuhn und ich wünsche Ihnen Gottes Segen.


In der Aids-Hölle (7.9.2010)


In der Aids-Hölle

Interview von Johannes Tanzler mit Pater Gerhard am 21. Juli 2010 anlässlich der Internationalen AIDS Konferenz in Wien.
Gesendet am 7. September 2010 in Radio Stephansdom.

© Radio Stephansdom, Wien

 

Mandeni im Zululand an der Ostküste Südafrikas ist die AIDS-Hauptstadt der Welt. In keiner anderen Region auf der Erde ist die Infektionsrate so hoch wie hier. Fast zwei Drittel der Bevölkerung ist HIV-positiv. Pater Gerhard Lagleder hat dort die Bruderschaft des Seligen Gerhard gegründet, eine Hilfsorganisation des Malteserordens.

Das kam daher, dass ich als Pfarrer in Südafrika tätig war und jetzt, wenn ich es mal übertrieben sage, dass mir die Leute während der Predigt verhungert sind.

Als Missionar wird Pater Gerhard Lagleder nach Südafrika geschickt, als Einzelkämpfer. Doch als sich aufmacht, das Evangelium zu predigen, findet er sich von Menschen umgeben die viel mehr brauchen also nur gute Worte.

Ich kann schönste Predigt halten, aber wenn mir die Leute während der Predigt verhungern, hilft's nichts. Also muss ich als Priester in einer Gemeinde, in der krasse Armut herrscht, einfach mehr tun als nur fromme Worte zu predigen und das Evangelium wirklich in die Tat umsetzen.

Gemeinsam mit der einheimischen Bevölkerung gründete Pater Gerhard Lagleder 1992 die Bruderschaft des Seligen Gerhard.

Wir wollten nicht den Fehler machen, der der Mission so häufig vorgeworfen wird, nämlich dass man irgendwo Riesenprojekte aufbaut als Satellitenprojekte, die vom Ausland her gesteuert werden, und irgendwann zieht man sich aus dem Land dann zurück, und alles bricht zusammen, sondern was wir tun wollten, ist von Anfang an die Einheimischen dazu befähigen und zu motivieren, sich selbst zu helfen.

In Südafrika ist landesweit rund ein Drittel der Bevölkerung mit dem HI-Virus infiziert. In der Provinz KwaZulu/Natal an der Ostküste sind es etwa zwei Drittel. Dort wiederum ist die Infektionsrate in Mandeni am höchsten. Fast 80 % aller HIV-Tests sind positiv. Ein trauriger Weltrekord, auf den keiner stolz ist, und den auch keiner zur Aufnahme in das Buch der Rekorde vorschlagen wird.

Also dies ist unser ganz massives Problem, und da muss die Kirche was tun, und da hat die Kirche was getan. Ich weiß nicht, ob Sie sich bewusst sind, dass die katholische Kirche in Südafrika der größte Träger der AIDS Arbeit nach der Regierung ist. Und wir waren des vierte Programm überhaupt im ganzen Land Südafrika, das antiretrovirale Behandlung eingeführt hat, das heißt auf Deutsch die Behandlung von AIDS Kranken mit Medikamenten, die das Virus zwar leider nicht töten können, aber an der Vermehrung hindern, und damit geht's dem Patienten wieder gut und er kann 10, 15, 20, vielleicht 25 Jahre weiterleben bei guter Gesundheit.

Die Ursachen für die hohe Infektionsrate sind erforscht: Drückende Armut, eine patriarchalische Gesellschaftsstruktur, und viele wechselnde Sexualpartner breiten AIDS unter südafrikanischen Zulu in Mandeni in dieser Dichte aus.

Es war mal ein Doktorand der University of Berkeley in Kalifornien bei uns und wollte herausfinden „Warum ist Mandeni bekannt als die AIDS Hauptstadt der Welt?“ Er hat eine dreijährige Studie betrieben mit sehr vielen Patienteninterviews und sehr viel Hintergrundforschung. Und er ist zu zwei Ergebnissen gekommen: Das erste Ergebnis ist die Ungleichheit der Geschlechter und das zweite ist die Armut. Mit anderen Worten: Frauen bekommen sehr viel seltener eine Arbeit und wenn sie Arbeit bekommen, kriegen sie auch weniger Geld dafür. Mit anderen Worten: Die Frauen haben kein Geld in der Tasche und die Männer haben das Geld in der Tasche. Und diese armen Mädel und die armen Frauen müssen jetzt irgendwie versuchen, sich Geld zu verdienen, und dies geht eben mit dem ältesten Gewerbe der Welt, weil dies oft die einzige Möglichkeit ist in ihren Augen, sich Geld zu verdienen. Es ist aber nicht so die übliche Prostitution, sondern es geht darum, dass sich ein Mädel oder eine Frau einen Freier sucht, einen Freund sucht, auf mittelfristiger oder längerfristiger Ebene, der dann, je nachdem, wenn er es fühlt, dass er mit der Frau beieinander sein will, sie ruft und die Frau wird dann für ihre sexuellen Dienste damit belohnt, dass dieser Freier dann ihr zum Beispiel die Miete zahlt, oder das Schulgeld für die Kinder, oder die Kleidung, oder die Nahrung. Jetzt reicht aber einer dieser – wir nennen diese Freunde Sugar Daddys – jetzt reicht einer dieser Sugar Daddys nicht aus, um überleben zu können, und jetzt haben leider diese Frauen oft 3, 4, 5 verschiedene Sugar Daddys, und sind aber ihren so genannten Freundinnen auch wieder nicht treu, und insofern hat man also diese unendlich hohe Promiskuität, und das hat er herausgefunden, ist der Grund, warum bei uns die HIV-Infektionsrate so wahnsinnig hoch ist und immer noch im Steigen ist.

Die Bruderschaft des Seligen Gerhard ist eine Gruppierung von rund 1500 Idealisten, die sich zum Ziel gesetzt haben, Hilfsbedürftige zu befähigen, sich selbst zu helfen. Benannt ist sie nach dem Seligen Gerhard, der vor mehr als 900 Jahren den Malteserorden gegründet hat. In der Hilfe für Aidspatienten, die meisten von Ihnen sind mittellos, übernimmt die Bruderschaft in Südafrika heute eine Vorreiterrolle. Dennoch kann nicht allen geholfen werden, sagt Pater Gerhard Lagleder. Das liege aber nicht nur am Geld.

Ja, na natürlich sind wir begrenzt in unseren Ressourcen, aber bislang haben wir unsere Kapazität nicht erreicht, das heißt, wir könnten sehr viele mehr behandeln. Aber das Problem ist, dass die Leute Angst haben. Wir nennen das Stigma. Das heißt der HIV Patient hat Angst, wenn eher die Diagnose bekommt „Ich bin HIV-positiv“, dass er von seiner Familie, von seinen Freunden, von seiner Umgebung gemieden wird, dass er schief angeschaut wird, dass man mit dem Finger auf ihn zeigt, und davor haben die Leute Angst. Und den Leuten wird’s gar nicht klar, dass es eine Sache von Leben und Tod ist, und dass, ob jetzt da einer mit dem Finger auf mich zeigt oder nicht, wenn ich dann nachher überleben kann, sollte mit das eigentlich egal sein. Genau daran arbeiten wir, dass wir jetzt versuchen, die Leute zu überreden. Wir haben so genannte peer counsellors und peer counsellors sind Patienten, die selber im Behandlungsprogramm sind, die wir zu Therapieberatern ausbilden, und die dann von ihrer Seite her selber als Betroffene mit ihren Freunden und Kollegen sprechen, und sagen: „Komm, hab Dich nicht so! Das ist dich überhaupt kein Problem! Schau mich an! Mir ist es genauso dreckig gegangen, wie es Dir jetzt geht, und jetzt geht’s mir wieder prima, und kein Mensch zeigt mit dem Finger auf mich, sondern ich bin wieder voll in meiner Gemeinschaft, in meiner Gesellschaft, in meiner Familie integriert.“ Und damit erreicht man sehr viel.

Das öffentliche und private Gesundheitssystem Südafrikas ist durch die riesige Anzahl von HIV-Patienten aber absolut überfordert. Die Kirche könne und dürfe da nicht achselzuckend daneben stehen, sondern müsse alle zur Verfügung stehenden Kräfte mobilisieren, sagt Pater Gerhard. Die von ihm gegründete Bruderschaft des Seligen Gerhard klärt die Öffentlichkeit über HIV und Aids auf und zeigt HIV-Positiven, wie sie trotz der Infektion gut leben können.

Unsere Organisation hat das größte stationäre Hospiz Südafrikas aufgebaut, das seit 3. September 1996 betrieben wird. Wir haben dort 40 Betten in unserer Krankenstation, in der wir Hospizpatienten stationär aufnehmen können, aber das ist nur ein kleiner Bereich unserer Arbeit. Der größte Bereich unserer Arbeit ist im ambulanten Bereich zu sehen, und zwar einmal, was man im südafrikanischen Bereich einen Tagespatienten nennt, also einen ambulanten Patienten, der ins Hospiz kommt, dort beraten und behandelt wird, und dann wieder nachhause geht, aber dann haben wir auch, was wir einen Heim-Patienten nennen, im Sinn von, dass er daheim behandelt wird. Wir besuchen die Kranken zuhause in ihren Hütten, in ihren Behausungen, wo die leben, durch unsere Hauskrankenpflegeteams, und machen dort dieselbe Beratung, dieselbe Behandlung, und wenn's nötig ist, dass der Patient reinkommt, kommt er auch rein und wir betreuen Hunderte von Patienten in dieser häuslichen Krankenpflege bzw. in diesem häuslichen Hospizbereich.

Außerdem bildet das Zentrum Therapieberater aus. Sie besuchen jeden Patienten mindestens einmal pro Monat zuhause, denn jeder von ihnen muss zweimal täglich seine Medikamente einnehmen, ansonsten kann das Virus mutieren, und wird resistent gegen die Behandlung.

Das heißt auf Deutsch, was wir mit den Leuten machen ist, dass der Therapieberater den zuhause besucht: „Na, wie geht's? Gibt‘s irgendwelche Sorgen und Probleme?“ Wenn's gesundheitliche Probleme sind, dass man die adressiert, wenn‘s soziale Probleme sind, dass man die adressiert. Wir haben auch eine Sozialarbeiterin hauptamtlich angestellt, die dann helfen kann, wenn's finanzielle Sachen sind, oder wenn's Beziehungs-Probleme sind, und dass man damit einfach dem Patienten hilft, dass er die Behandlung auf keinen Fall unterbricht. Man hat keine zweite Chance. Man muss dies einfach durchziehen.

Dennoch sterben alleine im Malteser-Hospiz in Mandeni pro Tag bis zu fünf Patienten infolge von AIDS. Tausende wurden dort schon gepflegt und betreut und im Sterben begleitet. Viele von Ihnen wären erst in der Mitte ihres Lebens gestanden. Ihre Kinder blieben allein zurück. So viele Eltern sind schon tot, dass man bei den Kindern heute von Afrikas verwaister Generation spricht.

Die wenigsten Eltern sind verheiratet und es ist dann in fast allen, oder in sehr vielen Fällen so, sobald der Freund erfährt, seine Freundin oder seine Geschlechtspartnerin ist schwanger, macht er sich aus dem Staub, damit er nichts zahlen muss. Und jetzt kriegt das arme Mädel dann ihr Kind und das Kind wird dann vermutlich bei der Geburt infiziert oder auch nicht, aber irgendwann stirbt die Mutter mal an AIDS. Die südafrikanische Gesellschaft, ich kann jetzt speziell nur für die Zulu-Gesellschaft reden, da habe ich Erfahrung, hat eine ganz tolle Sozialstruktur bzw. eine Art und Weise, wie man füreinander sorgt, und zwar ist es dort so, nehmen wir mal an ich wäre kein Priester, sondern ich wäre verheiratet, hätte Frau und Kinder, und wenn ich jetzt sterben würde, müsste mein Bruder meine Frau und alle meine Kinder automatisch übernehmen. Da muss man gar nicht fragen. Das ist selbstverständlich. Und das funktioniert auch. Und jetzt ist aber das große Problem, dass all diese Brüder und Schwestern schon gestorben sind, auch an AIDS, und dass also die Generation ausstirbt der jungen Leute, die sozusagen dann als Ersatzeltern tätig sein könnten, und jetzt kriegt die Oma, die hat oft 10, 15, 20 Enkelkinder von ihren verschiedenen verstorbenen Kindern. Die kriegt aber nur so eine Alterspension. Es gibt bei uns so eine Alterspension, die ist zu viel zum Sterben und zu wenig zum Leben. Von diesem geringen Geld muss sie dann diese Stube voller Kinder durchfüttern. Und jetzt stirbt die Oma. Und jetzt haben wir die von Kindern geführten Haushalte, wo also 13-, 14-, 15-jährige Kinder für ihre jüngeren Geschwister sorgen und sich um die kümmern und um die annehmen. Die haben aber wiederum keine Einkunfts-Möglichkeiten. Und jetzt kommt’s zu einer zweiten AIDS-Welle, wo dann manche dieser älteren Mädchen einfach wiederum ihren Körper verkaufen, damit sie Geld bekommen, um für ihre jüngeren Geschwister sorgen zu können, und dies ist eigentlich furchtbar bitter.

Das Hospiz vom Pater Gerhard Lagleder hat deshalb vor mehr als zehn Jahren auch ein Kinderheim aufgebaut. Mittlerweile leben dort 42 Kinder. Nicht alle sind AIDS-Waisen. Einige sind auch HIV-positiv und im Behandlungsprogramm, andere wurden ausgesetzt, denn aus Angst vor des Stigmatisierung durch die Diagnose AIDS flüchten viele uns lassen ihre Kinder zurück.

Die Kinder im Hilfszentrum der Malteser haben ihre Eltern verloren. Viele sind HIV-positiv und ein großer Teil von Ihnen wurde misshandelt und missbraucht.

Es gibt leider ein fürchterlich schlimmes Ammenmädchen in Südafrika, ich glaube auch in anderen afrikanischen Ländern, und zwar, dass ein HIV-positiver Mann das Virus verlieren könnte, wenn ihr Geschlechtsverkehr mit einer Jungfrau hätte. Jetzt beginnt aber der Durchschnitts-Zulu mit etwa zwölf Jahren sexuell aktiv zu sein, also Jungfrauen über zwölf gibt’s kaum. Und jetzt werden immer jüngere Kinder vergewaltigt, weil der HIV-Positive meint, er würde des Virus los bekommen, wenn er Geschlechtsverkehr mit einer Jungfrau hätte.

Ich hab ein neun Monate altes Baby in diesen Händen getragen, das vom eigenen Vater vergewaltigt wurde, um das Virus los zu bekommen. Das Kind ist gestorben und der Vater auch. Und es ist eine unendlich schlimme Sache. Ich hab gemeint, das sei – ja gut, ich habe schon gehört davon, aber wenn man selber die Erfahrung macht, dann ist es ganz bitter. Und als ich dieses Kind dann ins Krankenhaus gebracht hab, sagt die Krankenschwester zu mir, selber eine Zulu: „Herr Pater, dies verstehe ich nicht!“ Da sage ich: „Was verstehen sie denn nicht?“ Dann sagt sie: „Schauen Sie mal!“ Es war ein Kinderzimmer, wo etwa 20 Kinderbetten waren, und da sagt sie: „Dieses Kind vergewaltigt, dieses nicht, dieses vergewaltigt, dieses nicht, dieses, dieses vergewaltigt, dieses vergewaltigt, dieses nicht, dieses vergewaltigt …“ waren über die Hälfte dieser Kinder vergewaltigte Kinder! Dass es so schlimm ist, auch zahlenmäßig, ist mir erst damals bewusst geworden.

Das ist unglaublich und unsagbar, aber wahr!

Dies ist eine unendlich schlimme Sache, und es zeigt auch, dass wir in unserer AIDS Aufklärung sehr aggressiv vorgehen müssen, um den Leuten die Wahrheit über den HIV-Virus zu erzählen, dass man nicht mit irgendwelchen Zaubereien den loskriegt oder mit derartigen Praktiken, sondern dass man das Virus wirklich nur mit einer richtigen Behandlung im Zaum halten kann.

In keinem Land der Welt leben mehr Menschen mit dem HI-Virus als in Südafrika. Über 5 Millionen Infizierte gibt es dort. Die katholische Kirche hilft und ist ein Vorreiter bei der Behandlung von AIDS Patienten. In Europa wird die Rolle der Kirche gern auf die Kondomfrage reduziert und von manchen kritisiert. Dabei sieht seine tägliche Arbeit ganz anders aus, meint Pater Gerhard Lagleder. Schon 1994 hatte er mit einem HIV/AIDS-Aufklärungs-Programm begonnen und die Öffentlichkeit in Fabriken oder in Jugendgruppen, aber auch über die Medien, über AIDS informiert, und darüber, wie man trotz HIV-Infektion ein gutes Leben führen kann. 1996 eröffnete die Bruderschaft des Seligen Gerhard ein neugebautes Hospiz, das bis heute das größte Hospiz Südafrikas ist. Später kamen das Kinderheim dazu und die Behandlung von Aidspatienten, aber ursprünglich ging Pater Gerhard Lagleder als Missionar nach Südafrika.

Wir versuchen die Liebe Christi den Menschen erfahrbar zu machen und wir haben aus unserer Tätigkeit heraus immer wieder die Erfahrung gemacht, dass Leute zu uns kommen und sagen: „Mensch, sag mal, warum machst du denn das? Du verdienst kein Geld, Du arbeitest wie ein Stier, und nicht nur ich, sondern auch unsere Mitarbeiter, warum macht ihr das?“ Und wenn man ihnen dann sagt: „Ja, Du, ich glaube an diesen Christus, und dass dieser Christus sich den Menschen zugewandt hat, denen es schlecht geht, dass sie geheilt hat, und ich denke, dass ich dies auch tun soll, das Christus mich zu Dir geschickt hat, dass ich Dir seine Liebe erfahrbar mache, in dem, dass ich jetzt zu dir lieb und freundlich und nett bin und Dir helfe, mit Deiner Situation besser zurecht zu kommen.“

Ich wurde mal von einem unserer Krankenpfleger gerufen: „Im Zimmer 3 ist ein Patient, der möchte Dich gern sehen, der möchte unbedingt jetzt mit dem Priester sprechen.“ Ja, ja gut. Dann komme ich zu ihm runter, zum Patienten, und grüße ihn freundlich und sage: „Ja, was hätten Sie denn gern? Was kann ich für Sie tun? Ich bin gerufen worden.“ Dann sagte er zu mir: „Ja, ich möchte Brot.“ Da denk ich mir „das hätte ihm ja der Pfleger auch bringen können“ und gehe in die Küche, und bring ihm eine Scheibe Brot und dann sagte er zu mir: „Nein, nein, nein, ich möchte nicht dieses Brot. Ich möchte dieses Brot, das Du den Menschen immer in dieser Gebetsversammlung gibst.“ Dann sagte ich: „Meinst Du unserem Gottesdienst?“ „Ja, ja, den meine ich. Und Du gibst doch denen immer ein Brot. Ich habe mit den anderen gesprochen, und die haben mir gesagt, dass dies der Leib Christi sei, und dass wer dieses Brot isst, das der ewig leben wird und ich möchte auch ewig leben, und ich will nicht sterben, gib mir doch bitte dieses Brot!“ Und dann habe ich gesagt: „Dieses Brot kannst aber nur empfangen, wenn du Katholik bist.“ „Ja, dann mach mich doch zum Katholiken!“ „Ja so einfach geht das auch nicht.“ Und an dieses Gespräch hat sich dann ein etwa zweistündiges Taufgespräch im Grunde angeschlossen. Ich wusste, dass der Patient nicht mehr viel Zeit zum Leben hat, also und so habe ich dann in einer etwa zweistündigen Katechese mit ihm gesprochen, und hatte wirklich von ihm erfahren, oder es wurde mir klar, dass er es wirklich ernst meint, und dass seine Information eigentlich von den anderen Christen die mit ihm im Zimmer waren, rüber kam. Für mich war das ein unheimlich schönes Erlebnis, zu sehen, dass Mission nicht mehr nur Sache von uns Berufsmissionaren ist, die mit theologischer Ausbildung dorthin gehen, sondern dass die Kirche sich selber weiter trägt, dass die Kirche ihn sich missionarisch geworden ist, und den Glauben weiter trägt. Und ich hab den Patienten dann getauft, habe ihm im selben Taufgottesdienst die Erstkommunion gespendet und die Firmung in Todesgefahr und nachdem ich fertig war mit ihm, bin ich wieder in mein Büro hoch und nach etwa 1 h ruft mich der Pfleger an, dass der Patient gestorben ist. Und es war ein Erlebnis, wo mir heute noch die Gänsehaut kommt, wenn ich mich daran erinnere, wie dieser Patient sich bekehrt hat, aufgrund dessen was ihm die anderen erzählt haben über den Glauben.

Weltweit wird ein Viertel der Hilfe für AIDS-Kranke und HIV-Infizierte von katholischen Einrichtungen getragen. Nur 30 % aller Erkrankten können weltweit mit wirkungsvollen Medikamenten versorgt werden. In Teilen Südafrikas sind es gar nur 10 %. Im Kampf gegen Aids müsse jetzt der Zugang für alle Menschen zu Behandlung und Therapie sichergestellt werden, und dass auf globaler Ebene. Pater Gerhard Lagleder:

Ich glaube, es wäre wichtig, das man sich noch mehr zusammensetzen würde und einen gemeinsamen Plan entwickeln würde, wo alle Regierungen zusammen helfen, wo nicht nur jetzt Gelder, sondern auch Know-how weitergegeben wird, und wo man, ich könnte mir vorstellen, dass reiche Nationen durchaus sagen könnten: „Wir helfen jetzt den armen Nationen, die sich nicht leisten können.“ Ich meine, für mich war's eine ernüchternde Erfahrung, dass ich mit Leuten aus anderen afrikanischen Ländern gesprochen habe, die sie mir sagten: „Bei uns gibt's keine AIDS Behandlung, und vielleicht in den er Hauptstädten, in den Privat-Hospitälern für die, die sich‘s leisten können, aber keine großen Programme für die ganze Bevölkerung. Und wenn da die ganze Welt mal zusammenhalten würde, dass man flächendeckend diese AIDS Behandlung anbieten könnte, da wäre riesig was gewonnenen. Ich denke, dass dies so ein ganz großes Ziel sein sollte und sein müsste für die AIDS Arbeit in die Zukunft.

Pater Gerhard Lagleder, kann mit seiner Bruderschaft des Seligen Gerhard in Mandeni in Südafrika nur wenigen helfen, doch für diese Wenigen bedeutet das unglaublich viel.

Man hat die Mutter Theresa mal gefragt, warum sie nicht allen Menschen in Indien helfen kann, wo es doch so viele Arme gibt. Und sie hat geantwortet, dass die Menschen, denen man helfen kann, für die dies die ganze Welt bedeutet, wenn man Ihnen hilft, und wenn sie gerettet werden, und man kann nicht die ganze Welt retten, aber die gerettet werden, für die bedeutet es die ganze Welt. Und so sehen wir dies auch. Wir können einiges tun. Wir haben sehr große Erfolge, vor allem in unserer AIDS Behandlung. Und dies ist immer wunderschön:

Am Welt-AIDS-Tag, am 1. Dezember, machen wir immer ein „Fest des Lebens“, das heißt auf Deutsch:  Wir laden die AIDS Patienten, die bei uns in Behandlung sind, und das sind Hunderte, die laden wir ein zu einem Fest. Und die kommen dann alle, und die singen und tanzen und freuen sich des Lebens. Und es können einem die Tränen dabei kommen, wenn man dann so eine große Gruppe von Leuten sieht und genau weiß, wenn die nicht in unserem Behandlungsprogramm wären, dann wären die längst tot. Und dann sind die lebensfroh und haben wieder Kraft und haben Freude und erfreuen sich des Lebens, und genau das ist was wir erreichen wollen, dass wir eben möglichst vielen Menschen diese Möglichkeit eröffnen, und daran arbeiten wir, dass eben so viele Leute als möglich zum HIV-Test kommen und wenn sie dann eben HIV-positiv sind, dass man ihnen die AIDS Behandlung anbietet.

 



Fußball-Weltmeisterschaft 2010 (23.6.2010)

Fußball-Weltmeisterschaft 2010:
Südafrika braucht Freunde ... auch nach der WM

Ein Interview von Katharina Sichla von der Katholischen Redaktion der Diözese Regensburg mit Pater Gerhard Lagleder OSB am 23. Juni 2010:

Fußball-Weltmeisterschaft:
Lautstarke Vuvuzelas, Tore, Jubel, daran denken wohl die meisten, wenn sie zur Zeit "Südafrika" hören.
Doch es gibt auch ein anderes Südafrika, das Südafrika, in dem Armut und AIDS alltäglich sind.
Über 70% der Bevölkerung im südafrikanischen Mandeni sind mit HIV infiziert.
Der Regensburger Missionsbenediktiner Pater Gerhard Lagleder hat dort vor 16 Jahren gemeinsam mit Südafrikanern die Organisation "Brotherhood of Blessed Gérard" gegründet.
So gibt es dort unter anderem neben einem Kinderheim und einem Seniorenclub auch in Hospiz, das größte in ganz Afrika, sagt Pater Gerhard Lagleder.

Die Leute sterben wie die Fliegen an AIDS und jetzt müssen wir dem Einhalt gebieten und das tut unser Hospiz, weil wir nicht nur für Sterbende da sind und die Sterbenden in ihrem Sterben würdevoll begleiten, sondern weil wir auch AIDS Behandlung durchführen.

Rund 90 Hauptamtliche und über 100 Ehrenamtliche arbeiten an verschiedenen Projekten mit, um die Not der Menschen zu lindern. Dazu gehört auch Aufklärungsarbeit, denn der Irrglaube in Afrika ist noch groß. So glauben viele Infizierte, das sie durch Geschlechtsverkehr mit einer Jungfrau AIDS los werden können.

Es werden immer jüngere Mädchen vergewaltigt, denn der Durchschnitts-Zulu beginnt mit etwa zwölf Jahren, sexuell aktiv zu sein.  Also Jungfrauen über 12 gibt es kaum noch. Jetzt werden also immer jüngere Kinder vergewaltigt. Ich habe selbst in meinen eigenen Händen ein neun Monate altes Baby gehalten, das von ihrem eigenen Vater vorher vergewaltigt worden war.

Außerdem meiden  viele Menschen die AIDS-Kranken weil sie meinen, dass die Krankheit durch böse Geister hervorgerufen ist. Im Hospiz dagegen werden die Kranken fürsorglich betreut, was sie selbst kaum glauben können.

Die Leute kriegen so einen – ich sag gern einen – „Kulturschock der Liebe“ wenn die zu uns kommen. Auf einmal sind sie wichtig, werden sie gefragt: „Brauchen Sie noch was? Kann ich Ihnen noch was tun? Hätten Sie gern ein zweites Stück Toast zu ihrem Frühstück?“ Und der Patient wird also ernst genommen und er wird geliebt, man ist für ihn da, Tag und Nacht.

Die ganze Welt schaut seit gut zwei Wochen wegen der Fußballweltmeisterschaft auf Südafrika. Pater Lagleder sieht darin auch eine Chance, die Menschen auf sein Hilfsprojekt aufmerksam zu machen. Und dafür wird auch viel getan. So haben er und seine Mitarbeiter zum Beispiel im Facebook eine Gruppe gegründet.

Und wir bitten jetzt die Menschen, dass sie uns helfen, dass diese Armen, dass die Verlassenen, dass die Hilfsbedürftigen auch Gewinner dieser WM werden und wir hoffen, dass wir da einiges an Resonanz bekommen.

Die Facebook-Gruppe lautet übrigens „Fußball WM 2010. Südafrika gewinnt Freunde, andere wohl die WM“. Klicken Sie sich doch einfach mal rein. Dort finden Sie viel Information rund um das Hilfsprojekt.

Katharina Sichla, Katholische Redaktion.



Kampf gegen Aids in Südafrika: „Auch Jesus kämpfte gegen Windmühlen“ (28.8.2009)

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 28. August 2009

 

28/08/2009 10.39.14

Kampf gegen Aids in Südafrika: „Auch Jesus kämpfte gegen Windmühlen“

Prävention und Behandlung: Pater Gerhard Lagleder berichtet von Anti-Aidsprogrammen, von Vorurteilen und sozialen Problemen. Der Missionsbenediktiner aus Regensburg gründete 1992 eine Hilfsorganisation in Südafrika. Birgit Pottler hat ihn getroffen.


Mit zwölf Prozent gehört Südafrika zu den Ländern mit der höchsten HIV/Aids-Rate. Rund sechs der weltweit etwa 33 Millionen infizierten Menschen leben hier. Innerhalb Südafrikas hält die Provinz KwaZulu-Natal mit 36 Prozent den traurigen Rekord. Hier wirkt Pater Gerhard Lagleder, Missionsbenediktiner der Erzabtei St. Ottilien.


Arzt für die Seele
Das Missionarwerden sei ihm in die Wiege gelegt worden, meint der gebürtige Regensburger mit weltlichem Namen Clemens. „Meine Taufpatin und ihr Bruder waren jahrzehntelang Missionare in Südamerika, und das hat mich als kleines Kind immer schon fasziniert.“ Doch zunächst wollte er Arzt werden, arbeitete von Jugend an als Pfleger und im Malteser Hilfsdienst. „Im Lauf des Gymnasiums übernahm ich viele Nachtdienste. Menschen legten mir ihre Lebensgeschichte, im Grunde ihre Lebensbeichte ab, und ich dachte, wenn Du jetzt noch sagen könntest, ,Deine Sünden sind Dir vergeben’, dann wäre diesen Menschen wirklich geholfen.“
Lagleder wurde nicht „Arzt für den Körper“, sondern „Arzt für die Seele“. 1987 ging er nach Südafrika. Heute, mehr als 20 Jahre später, ist er der Aidsbenediktiner aus Mandeni. „Normalerweise spricht man mich als Buschpater an“, meint Lagleder, „um ein anderes lustiges Wort zu bringen“. Doch „Aidsbenediktiner“ sei genehm, denn Aids sei für ihn „eine ganz persönliche Berufung“ geworden.


Kampf den bösen Geistern
Mandeni liegt in der aidsgeplagten Provinz KwaZulu-Natal rund 100 km nördlich von Durban. Zur Pfarrei Pater Gerhards gehören 250.000 Menschen, zumeist Zulu-Afrikaner.
„Ich hatte dann mit sehr vielen kranken Menschen zu tun, mit vernachlässigten Menschen“, berichtet Pater Gerhard von seinen ersten Pfarreijahren und erzählt ein Beispiel: Er brachte die Krankenkommunion zu einer sterbenden Frau, spendete die Sakramente.
„Dann sagte ich zu ihr: Ich bin nicht nur Seelsorger, ich kenne mich auch in der Krankenpflege aus. Was fehlt Ihnen denn? Warum sind sie so schlecht beieinander? Ja, mein Rücken tut mir so weh, sagte die Frau. Ich: Darf ich mir den anschauen? Sie stimmte zu. Der ganze Rücken war völlig wund gelegen so dass man in den offenen Stellen sogar die Knochen sehen konnte. Um Himmels willen, Sie müssen unbedingt zu einem gutem Arzt, meine Reaktion. Sie: Das kann ich mir nicht leisten. Lassen Sie das meine Sorge sein, antwortete ich und habe sie auf meinen Pick-Up auf eine Matratze gelegt und zu einem guten Arzt gebracht. Der war der Pfarrgemeinderatsvorsitzende unserer Kirchengemeinde und hat sie ins Krankenhaus überwiesen. Die Frau starb in der selben Nacht. Und dann sagte der Arzt zu mir: Pater, können wir denn gar nichts unternehmen? So viele Menschen hier sterben an Vernachlässigung. Es gibt so viele Menschen, um die sich kein Mensch zu Hause kümmert.“
Die Tradition der Zulu fällt eigene Diagnosen. Pflege hilft demnach nicht: „Die Menschen gehen bei uns davon aus, dass Krankheit durch Verhexung hervorgerufen ist, durch Verwünschung und Verzauberung. Die Menschen haben also Angst, sich um einen Kranken zu kümmern, weil sie fürchten, dass die bösen Geister ihnen nachstellen, weil sie ihnen scheinbar ins Handwerk pfuschen.“
Die Konsequenz? „Sehr viele Menschen liegen also in ihrer Hütte, in ihren eigenen Fäkalien werden nicht ordentlich gewaschen, kriegen keine ausreichende Nahrung, kriegen ihre Medizin nicht, viele sind dann auch fürchterlich wund gelegen, und so kommen die Patienten dann zu uns.“
Zu uns, das ist das Pflege- und Sozialzentrum Mandeni. Gemeinsam mit Südafrikanern gründete Pater Gerhard Lagleder 1992 die Bruderschaft des Seligen Gérard, benannt nach dem Gründer der Malteser. Die Hilfsorganisation unterhält heute unter anderem ein Hospiz, ein Kinderheim, einen Kindergarten. Die zentrale Aufgabe ist jedoch die Aidsbehandlung mit einem antiretroviralen Therapieprogramm. „Zu Beginn hatten wir etwa zur Hälfte Krebspatienten, zur Hälfte Aidspatienten. Somit wurde dieses Pflegezentrum sehr schnell zum Hospiz. In der Zwischenzeit ist die Aidspandemie in Südafrika so angestiegen, dass wir fast nur noch Aidspatienten haben. Die Menschen werden nicht mehr alt genug, um einen Krebs zu entwickeln. Das heißt, sie sterben schon vorher an Aids.“


„Jungfrauen befreien von HIV“
2003 begann die Malteserbruderschaft mit der Aidstherapie; „notgedrungen“ sagt Pater Gerhard heute mit einem Seitenhieb auf die südafrikanische Regierung: „Zu einer Zeit, als unsere Gesundheitsministerin bei einer Aidskonferenz noch einen Stand mit Knoblauch und Rote Beete aufgebaut hat und sagte, dass die Medizin zu giftig sei. Die Menschen sollten lieber bei der Natur bleiben, dann ginge es ihnen besser.“
Traditionelle Heiler genießen hohes Vertrauen, „isangoma“ heißen sie in Zulu. Krankheiten sind für sie ein Ruf der Vorfahren und bedeuten meist eine Störung im Verhältnis zu den Ahnen. Heilung beginnt in ihrer Vorstellung dann, wenn die Symptome verschwinden. Bei Aids und HIV sind die Folgen dieser Verstrickung in Kult und Aberglaube fatal.
Lagleder: „Eine ganz besonders schlimme Sache ist, dass viele Menschen davon überzeugt sind, dass ein HIV-positiver Mann den Virus losbekommen könnte, wenn er Geschlechtsverkehr mit einer Jungfrau hätte. Doch der Durchschnitts-Zulu beginnt mit etwa zwölf Jahren sexuell aktiv zu sein. Das heißt, sie finden keine Jungfrau mehr über Zwölf. Jetzt werden immer jüngere Frauen und Mädchen vergewaltigt, von Männern, die sich von dem Virus befreien möchten. Ich hatte selbst in meinen eigenen Händen ein neun Monate altes Mädchen, das von ihrem eigenen Vater vergewaltigt wurde. Der Mann ist natürlich später an Aids gestorben. Das Kind leider auch – durch die barbarischen Verletzungen, die das Kind bei dieser Vergewaltigung davongetragen hatte.“
Welche Rolle Gewalt an Kindern bei der Ausbreitung von HIV und Aids spielt, liegt laut Forschern im Dunkeln. Doch die Erfahrungen Lagleders sind nicht von der Hand zu weisen.


Angst vor dem Stigma
Nur zehn Prozent der Menschen in Südafrika hätten Zugang zu HIV-Tests und Behandlung. Das Problem sei keineswegs die Finanzierung oder der Zugang zu Medikamenten, die medizinische Versorgung für Aids-Patienten sei in kirchlichen wie staatlichen Hilfsprogrammen kostenlos, betont der Benediktiner. Doch bekannt zu machen, dass Aidsbehandlung selbstverständlich ist, übersteige die Kräfte, so der Nimmermüde. Die Angst vor Stigmatisierung sei das größte Problem:
„Das heißt, dass der Patient abgestempelt ist und die Leute mit Fingern auf ihn zeigen, oder die Menschen meinen, andere würden mit Fingern auf sie zeigen. Bei unseren extrem hohen HIV-Infektionsraten ist es eigentlich umgekehrt, dass die meisten positiv sind und die wenigsten nicht positiv. Es gäbe also gar keinen Grund, auf jemanden mit dem Finger zu zeigen. Die Menschen haben sehr große Angst, überhaupt zum HIV-Test zu gehen.“
Lagleder und sein Team fahren in die Buschdörfer, bieten anonyme HIV-Tests an und betreiben Aufklärung: über den Krankheitsverlauf ebenso wie über Schutz und Behandlung.


HIV ungleich Aids
HIV steht für „Humanes Immunschwäche-Virus“. Aids ist die Abkürzung für „Erworbenes Immunschwäche-Syndrom“. Die Übertragung von HIV erfolgt durch Blut, Sperma, Vaginalsekret und Muttermilch. Geschlechtsverkehr zwischen Mann und Frau ohne Kondom ist weltweit der häufigste Übertragungsweg, je nach Land und Region liegt die Rate bei 60 bis 85 Prozent. Innerhalb von Stunden dringt das HI-Virus in bestimmte Zellen des menschlichen Immunsystems ein. Betroffen sind vor allem bestimmte Abwehrzellen, die so genannten CD4-Helferzellen. Die Zellen werden umprogrammiert und das Virus vermehrt sich in ihnen, der Körper wird zur Virenfabrik und die Wirtszellen werden zerstört. Beschwerden bestehen in dieser Frühphase zunächst keine, doch die Betroffenen sind und bleiben für den Rest des Lebens ansteckend. Nach einigen Tagen kommt es zur akuten Infektion mit zumeist grippeartigen Symptomen, die häufig nicht mit dem HI-Virus in Verbindung gebracht werden. Es folgen mehrere Jahre ohne Beschwerden, die meisten Betroffenen wissen nicht, dass sie Träger des HI-Virus sind. Mit fortschreitender Zerstörung der Abwehrzellen treten erst nach Jahren vermehrt Krankheiten, schwer behandelbare Infektionen oder Tumore auf. Tuberkulose gehört in wirtschaftlich armen Ländern zu den häufigsten mit dem HI-Virus verbundenen Infektionen. Erst dieses Stadium wird als Aids bezeichnet. Nach neuen afrikanischen Studien sterben Erwachsene durchschnittlich elf Jahre nach der Erstinfektion. Bei Kindern verläuft die Krankheit schneller; 50 Prozent der infizierten Säuglinge sterben in den ersten beiden Lebensjahren. Eine antiretrovirale Therapie verlangsamt die Virusvermehrung im Körper, kann den Ausbruch von Aids also hinauszögern und die Sterblichkeit deutlich verringern.

Angriff auf den Zulu-Kral
Voraussetzung für die Therapie: Die Medikamente müssen für den Rest des Lebens zwei Mal täglich und möglichst immer zur selben Zeit eingenommen werden. Andernfalls mutiert das Virus und wird resistent. Jeder Patient der Aidsklinik in Mandeni durchläuft einen dreiwöchigen Vorbereitungskurs. „Bei Adam und Eva“ fange er an, berichtet Lagleder. Medizinischer Fachjargon helfe nicht, auch keine Statistik, religiöse Vorstellungen und Traditionen schon eher, so der erfahrene Sanitäter. Was ist ein Krankheitskeim, was macht dieser Keim im Körper, welche Nebenwirkungen gibt es? Pater Gerhard erklärt das so: Die CD4-Helferzelle ist ein Zulu-Kral: Der Zellkern die Viehkoppel, die Zellhaut der Zaun um das Anwesen:
„Für den Zulu ist die Viehkoppel ein heiliger Ort. Hier hält er die Opfertiere, mit denen er den Ahnen opfert. Wenn er dies tut, besteht ein Gleichgewicht des Wohlbefindens, das heißt, dann tun ihm die Ahnengeister nichts zu Leide, sondern können dann auch so etwas wie eine Schutzengelfunktion wahrnehmen. Wenn man ihnen richtig opfert, passen sie gut auf. So denken die Leute. Ich sage den Patienten also: Pass auf, dieser Feind will in deine Viehkoppel eindringen, um dort alles durcheinander zu bringen, um deine Opfertiere zu verjagen und um dann in dieser Viehkoppel sich zu vermehren und viele viele mehr dieser Feinde dort zu generieren. Und diese Medizin ist wie ein Wächter, wie ein Polizist. Dieser Wächter wird jetzt vor deiner Viehkoppel aufgestellt. Aber er wird alle zwölf Stunden müde, und alle zwölf Stunden musst du neue Wächter hinschicken. Denn wenn der Wächter müde ist, dann wartet der Feind nur darauf, dass er jetzt in die Viehkoppel eindringen kann.“

150 Euro pro Monat
250 Patienten sind derzeit in Mandeni in Aids-Behandlung. Die Malteserklinik ist Teil des Aidsbehandlungsprogramms der südafrikanischen Bischofskonferenz, sie war die vierte von inzwischen 24. Finanziert wird die Behandlung rein aus Spenden. Einer der größten Geldgeber, so Lagleder, sei die Regierung der USA. Deren Notfallprogramm für Aids-Hilfe in Afrika zahle bislang gut zwei Drittel der Behandlungskosten. Weitere Geldgeber und Spendenaktionen seien nötig, das US-Hilfsprogramm werde „nicht bis in Ewigkeit. Amen“ bestehen. Die Behandlungskosten eines Patienten beziffert Pater Gerhard auf etwa 150 Euro pro Monat - Vorbereitung, Personalkosten, Bluttests, Medikamente und medizinische wie therapeutische Nachbehandlung eingeschlossen.
150 Euro. Ohne die katholische Morallehre in Frage zu stellen, eine provokante Bemerkung sei erlaubt: Das Kondom wäre billiger. Die Lösung bringt es aber nicht. Und zwar aus vielerlei Gründen.
„Das Kondom ist ein Riesenproblem. Natürlich hilft ein Kondom, das ist ist überhaupt keine Frage. Wenn Sie in den Regen hinausgehen, dann haben Sie einen gewissen Schutz, wenn Sie einen Regenschirm verwenden.“
Tonnenweise werden Kondome unters Volk geworfen, „wenn ich es so plakativ sagen darf“, konstatiert Lagleder. In jedem öffentlichen Gebäude seien Präservative frei zugänglich, doch der Zulu lehne sie völlig ab. Zum einen wollten die Menschen möglichst viele Kinder haben, um ihre Fertilität beweisen zu können. Zum anderen seien Kinder in den Augen der Menschen eine Altersvorsorge, und auch hedonistische Gründe spielten eine Rolle.
 
Relikt der Apartheid
Und schließlich: Das Kondom ist ein Werk der Weißen und allein deshalb ein großes Problem. Pater Gerhard sagt nach mehr als 20 Jahren in Südafrika „ganz überzeichnet“:
„Selbst wenn ich als Priester mit meinem Hemd mit Priesterkragen zu dem Patienten hingehen würde und ihm sagen: Bitte verwende dieses Kondom. Dann würde der sich umdrehen, mir einen Tritt ins Gesäß geben und sagen: Du dummer Weißer, Du willst nur uns Schwarze dezimieren mit deinen Parolen zur Enthaltsamkeit. Du willst uns das Kondom geben, damit wir keine Kinder bekommen und damit du Weißer und ihr Weißen, damit ihr eure Übermachtstellung ausbauen und uns Schwarze niedrig halten könnt.“
 
Kampf gegen Windmühlen
In Mandeni setzt der Aidsbenediktiner Gerhard Lagleder darauf, „die Wahrheit zu sagen“. „Die Wahrheit ist: Es gibt ein ganz sicheres Mittel und das ist Enthaltsamkeit. Natürlich kämpft man sozusagen gegen Windmühlen, aber das hat Jesus auch gemacht. Er hat auch gegen Windmühlen gekämpft und hat aber so viele Siege dabei davongetragen…“
(rv 27.08.2009 bp)

[Zitiert von http://www.oecumene.radiovaticana.org/ted/Articolo.asp?c=312414]


Mission in Südafrika (28.7.2009)

<font color="#CCFFFF">Radio Horeb</font>

Mission in Südafrika

Ein Interview von Radio Horeb mit P. Gerhard Lagleder OSB, Präsident der Südafrikanischen Malteser (Brotherhood of Blessed Gérard), Diözesancaritasdirektor von Eshowe, Südafrika.
Aufgezeichnet am 3. Juli 2009, gesendet am 28. Juli 2009 um 11:00 Uhr.


Grüß Gott, liebe Zuhörer! Willkommen zum Talk bei Radio Horeb. Ich bin Sabine Böhler. Heute, liebe Zuhörer, richten wir unseren Blick in eines der ärmsten Länder der Welt nach Südafrika. Anlass dazu gibt uns der Missionsbenediktiner Pater Gerhard Lagleder. Er lebt und wirkt seit 23 Jahren an der Ostküste Südafrikas. Heute ist er unser Studiogast, denn er ist für einige Monate auf Heimaturlaub. Grüß Sie Gott, Pater Gerhard, schön dass sie heute hier bei uns sind!

Grüß Gott, Frau Böhler, Grüß Gott, liebe Hörer! Ich danke Ihnen, dass sie mich eingeladen haben, und in sehr froh da sein zu dürfen.

Südafrika, liebe Zuhörer, liegt an der südwestlichen Spitze des großen schwarzen Kontinentes. Ethnisch es ist ein sehr gemischtes Land, in dem Menschen aller Hautfarben leben. Aufgrund dieser Vielfalt wird Südafrika oft als Regenbogennation bezeichnet, doch leider was es aufgrund der verschiedenen Volksgruppen nicht immer möglich, konfliktfrei nebeneinander her zu leben. So beherrschen ethnische Probleme und Unruhen zwischen der weißen Bevölkerungsminderheit und der schwarzen Mehrheit die Geschichte und die Politik des Landes. Doch 1990 gab es eine politische Wende, was den jahrelangen Kampf der schwarzen Bevölkerungsmehrheit unter ihrem politischen Führer Nelson Mandela zuzuschreiben ist. Er wurde 1994 zum ersten schwarzen Präsidenten des Landes Südafrika gewählt. Wirtschaftlich ist Südafrika das bedeutendste und weitest entwickelte Land auf dem afrikanischen Kontinent, und dennoch, liebe Zuhörer, ist die Armut und die Not der Menschen unbeschreiblich groß. Besonders in den Außenbezirken großer Städte sind die Lebensstandards der hauptsächlich schwarzen Bürger sehr niedrig. Sie finden schwer Anschluss, haben keine Ausbildung, und auch keine Arbeit. AIDS ist trotz der Bemühungen seitens der Regierung weiterhin ein Hauptproblem. Pater Gerhard, wie ist denn die Situation jetzt bei Ihnen in Mandeni im Zululand an der Ostküste Afrikas?

Politisch gesehen ist die Situation des Landes sehr ruhig geworden, gottlob. Allerdings wir sind von einem unendlichen Problem umfangen, und das ist das Problem von AIDS. Es gibt im ganzen Bereich von Südafrika etwa ein Drittel der Bevölkerung, die HIV-positiv sind. Im Bereich der Provinz KwaZulu/Natal sind es zwei Drittel der Bevölkerung. Dann gibt es so genannte „pockets of high infection rate“, also in endemische Gebiete, in denen die Ansteckungsrate ganz besonders hoch ist. Und im Gebiet von Mandeni waren im Januar 2004, wo ich es schwarz auf weiß nachweisen und verifizieren kann, 76 % der HIV Tests positiv. Und so gibt’s für uns ein großes Problem momentan, und dies ist das, dass uns der Leute reihenweise wegsterben an AIDS und das überschattet alles andere.

Und da sind wir auch gleich schon bei einer ihrer Hauptaufgaben, nämlich dass sie der Leiter eines so genannten Aidszentrums sind.

Das ist richtig. Wir machen nicht nur AIDS Vorbeugung, sondern wir machen auch AIDS Behandlung, d.h. wir geben den Menschen hoch aktive Antiretrovirale Therapie: Das sind Medikamente die, wenn sie rechtzeitig und richtig eingenommen und regelmäßig eingenommen werden, die Lebensqualität der Patienten unendlich verbessern, so dass die Patienten wieder praktisch gesund werden, oder sich gesund fühlen, dass die zur Arbeitsstelle zurückkehren können, dass die Mütter ihre Kinder großziehen können, und dass sie noch weitere 10, 15, 20, ja vielleicht sogar 25 Jahre leben können, wenn sie diese Behandlung bekommen. Und dies ist eine unendlich wichtige Arbeit, die wir im Auftrag der südafrikanischen katholischen Bischofskonferenz dort durchführen.

Gleich werden wir darüber auch noch weiter sprechen. Aber vorher, Pater Gerhard, möchte ich Sie noch unseren Zuhörern vorstellen. Pater Gerhard Lagleder, liebe Zuhörer, ist ein gebürtiger Regensburger, hat auch in Regensburg studiert. Im Jahr seiner Priesterweihe, das war 1982, trat er in St. Ottilien bei den Missionsbenediktinern ein. Nach 5 Jahren in St. Ottilien, wo er unter anderem auch als Schulseelsorger und Religionslehrer tätig war, wurde er nach Südafrika entsandt. In Südafrika wirkte er zunächst drei Jahre als Kaplan bevor er seine erste eigene Pfarrei übernahm. 1992 hat sich Pater Gerhard Lagleder zusammen mit einigen Südafrikanern entschlossen, die „Brotherhood of Blessed Gerard“ zu gründen um den Menschen in seiner Gemeinde noch besser helfen zu können. Die Bruderschaft des Seligen Gerhard, wie man das auf Deutsch ausdrücken würde, ist eine Hilfsorganisation innerhalb des Malteser-Ritterordens dem Pater Gerhard seit 15 Jahren auch angehört. Und seitdem es die Bruderschaft gibt, sind zahlreiche Projekte für die ärmsten der Armen in Afrika entstanden. Man könnte fast sagen, in jedem Jahr eines. Dabei sind Hilfen für Kinder und ihre Mütter, für Alte, Kranke, Sterbende, und natürlich für die vielen vielen HIV-Infizierten wie wir es eben schon gehört haben. In der Provinz, in der Pater Gerhard tätig ist, waren es im Jahr 2004 76 %, die infiziert waren. Wie die Zahlen nun aktuell 3 - 4 Jahre später sind, wissen wir nicht. In der nächsten Stunde sprechen wir ausführlich, mit welchen Nöten die Menschen in Südafrika zu kämpfen haben, wie die Brotherhood of Blessed Gérard versucht, den Menschen im alltäglichen Leben hilfreich zur Seite zu stehen. Wir erfahren etwas über den Namensgeber der Bruderschaft, den Seligen Fra Gérard Sasso, den Gründer des Malteser-Ritterordens, dessen Mitglied ja auch unser Gast ist. Also freuen Sie sich auf eine interessante Stunde mit meinem Gesprächsgast Pater Gerhard Lagleder aus Südafrika. Pater Gerhard, sie sagen selbst, Südafrika das sei ihre neue Heimat geworden. Worauf freuen Sie sich denn jetzt besonders, wenn sie jetzt wieder nachhause fliegen, und ihre deutsche Heimat zurücklassen?

Ja, um ganz ehrlich zu sein, ich freue mich auf meine Kinder. Und wenn ich von „meinen Kindern“ spreche, wir haben ein Kinderheim mit 41 Kindern, und für die bin ich wie ein Vater zuständig, und die – auf Englisch spricht man einem Priester ja mit „Father“ an – und die sagen alle Father zu mir. Aber ich empfinde auch für diese Kinder nicht nur eine Verantwortlichkeit sondern auch ein emotionelles Gefühl. Ich mag die unendlich gerne, und auf die freue ich mich eigentlich am meisten, und dann erst kommt wieder mein Schreibtisch dran, und meine übliche Arbeit, wo ich jetzt schon so ein bisschen Heimweh habe, und ich freue mich wirklich, dass ich bald wieder nachhause, nach Afrika, zurückkehren darf.

Es war ja schon eine recht lange Zeit, die sie dann hier waren, insgesamt dreieinhalb, fast vier Monate, wer hat sie denn in dieser Zeit vertreten?

Ich habe gottlob im November letzten Jahres einen sehr fähigen neuen Geschäftsführer bekommen, der die Geschäftsführung unserer Hilfsorganisation übernommen hat, und der ist so zuverlässig, dass er dies durchaus tun kann, und wenn er irgendwelche größeren Problemen Fragen hatte, kann man sich ja heute elektronisch miteinander verständigen, über E-Mail oder über Handy, aber das war kaum notwendig, weil er, wie gesagt, die Sache sehr gut in der Hand hat. Und da bin ich sehr dankbar, dass dies auch möglich ist, weil damit es auch ein Zeichen ist, dass so eine Organisation auf eigenen Beinen steht. Denn man wirft der Mission ja oft vor, dass man irgendwo ein Riesenprojekt hinstellt, das völlig vom Ausland abhängig ist, und das ohne den Missionar nicht läuft. Und wir haben eben das Gegenteil bewiesen. Und da bin ich sehr glücklich darüber, dass wir es geschafft haben, dass wir den Südafrikanern beigebracht haben, oder sie dazu ermutigt haben, sich selbst zu helfen, und dies ist jetzt wirklich verwirklicht.

Pater Gerhard, erzählen wir uns etwas über die Gegend, in der sie jetzt leben in Südafrika, und besonders über die Menschen, über die verschiedenen Bevölkerungsschichten, die dort auch zusammenkommen, grade Schwarze und Weiße!

Ja, es gibt über 90 % Zulu, das sind schwarze Südafrikaner, und die anderen 10 %, da gibt's Mischlinge, die wir in Südafrika „Coloureds“ nennen, und der Rest sind Weiße. Es gibt ganz wenige Inder, die Inder sind mehr im Süden, in Durban beheimatet. Aber die meisten unserer Klientel, wenn sie es so nennen wollen, oder Pfarrkinder, sind schwarze Südafrikaner, nämlich Zulu.

Und gerade in Ihrer Provinz, in KwaZulu/Natal, da leben auch viele Asiaten, die vorwiegend aus Indien kommen. Wie leben denn diese verschiedenen Gruppen miteinander, also die Asiaten, die ja meist wahrscheinlich Hindus sind, und die schwarze Bevölkerung?

Ja, Sie haben Recht. Von den Asiaten, das sind meistens Inder, sind etwa die Hälfte Hindu, und die andere Hälfte sind Moslem, und es gibt nur ganz wenige Christen unter ihnen. Die Menschen leben in Südafrika natürlich immer noch in den alten Strukturen. Es gab ja früher den „group areas act“, also ein Gesetz, nach dem Weiße nur in dem Gebiet wohnen durften, Schwarze nur in jenem, Mischlinge nur in einem anderen, und die Inder bzw. Asiaten, wie man sie nannte, wieder in einem anderen Gebiet. Und da sind sie natürlich wohnen geblieben die Leute, die ihre Häuser haben, brechen ihr Haus nicht ab, um jetzt mit anderen Leuten gemeinsam zusammenzuleben, aber es weicht sich natürlich auf.

Sie werden ja als „Father“ bezeichnet, wie Sie uns das eben auch schon berichtet haben. Sie sind jetzt ein Father, ein Weißer, der aus Europa kommt, aus Deutschland kommt, wie werden sie von der überwiegend schwarzen Bevölkerung angenommen?

Ja, in der Zwischenzeit, ich bin ja schon dem 23. Jahr in Südafrika, fällt es mir eigentlich überhaupt nicht mehr auf, dass ich oft einzige Weiße in einer großen Menge von schwarzen Menschen bin, weil ich natürlich auch die Sprache der Menschen spreche, und mich als einer von Ihnen fühle. Anfangs war es allerdings durchaus nicht so, sondern es dauert anfangs immer eine gewisse Zeit, bis ein Weißer von den Schwarzen einfach auch anerkannt wird. Dies muss man natürlich auf dem Hintergrund der Geschichte verstehen, wo die Weißen normalerweise die Schwarzen ausgenützt haben, für sich verwendet haben, und sie in einer sehr despektierlichen Weise behandelt haben, und da braucht man schon eine lange Zeit, bis man vertrauensbildende Maßnahmen ergriffen hat, und bis die gegriffen haben, so dass dann die Leute Vertrauen zu einem bekommen. Gottlob hat man natürlich als Priester und als Missionar einen gewissen Vertrauensvorschuss, weil man der Kirche automatisch vertraut. Allerdings, wie gesagt, dauert es ein paar Jahre, bis man dann so richtig zuhause wird, und dies hängt auch sehr mit der Sprachkenntnis zusammen. Denn, stellen sie sich vor, sie sind in Deutschland, und es kommt jemand zu ihnen, der kaum ein Wort Deutsch kann, und will mit Ihnen sprechen, dann tun sie sich auch hart, mit dem sich auszutauschen, und dies, wie gesagt, ist also jetzt überhaupt kein Problem mehr. Und ich wiederhole mich, wenn ich sage, manchmal fällt es mir gar nicht mehr auf, dass ich der einzige Weiße in einer großen Gruppe schwarzer Menschen bin.

Das heißt also, sie haben auch die Sprache der Zulu erlernt?

Selbstverständlich!

War es schwierig, die Sprache zu erlernen?

Ja, dies ist wirklich schwierig: Es sind nicht nur die Schnalz- oder Klick-Laute, die es in der Zulu-Sprache gibt. Die hat man sehr schnell gelernt. Aber die Grammatik ist unendlich schwierig, die ist etwa ähnlich der hebräischen Grammatik, und hat sehr viele Vor-, Zwischen- und Nach-Silben, und von daher ist es für einen, der es neu lernen muss, sehr schwierig, ordentlich Zulu zu sprechen.

Na, da gab’s dann bestimmt den ein oder anderen Lacher, als Sie sich ausprobiert haben in dieser doch sehr neuen Sprache?

Ja, so ist es. Vor allem ist es dann auch so, dass im Zulu sehr viel von der Sprachmelodie abhängt, und dass auch sehr viel von der Betonung abhängt und dass es für einen Außenstehenden gleich lautende Wörter gibt, die unterschiedliche Bedeutung haben, je nach der Sprachmelodie, zum Beispiel: Ein Priester wird „uMfundisi“ genannt, und ein Lehrer wird „uMfundisi“ genannt. Sie haben vermutlich kaum einen Unterschied gehört, aber da liegt es eben an Nuancen. Und ähnlich ist es auch mit einem anderen Beispiel, wo die Kirchgänger dann manchmal lachen, das Gleichnis vom Senfkorn. Es gibt bei uns kein Senfkorn in Afrika. Jetzt verwendet man das Hirsekorn, und das Hirsekorn heißt „amabele“ und die weiblichen Brüste heißen „amabele“ und wenn man das falsch ausspricht, dann schmunzeln die Leute immer.

Das kann ja auch helfen, Barrieren einfach auch zu überwinden. Pater Gerhard, Sie haben eben schon kurz angedeutet, dass man der Kirche vertraut, dass es deswegen für sie auch relativ einfach war, Fuß zu fassen, das Vertrauen der Bevölkerung zu erwerben. Wie ist denn der Stand der Kirche in Afrika? Erzählen Sie uns von dem Gemeindeleben!

Ja, die römisch-katholische Kirche beträgt etwa 6,9 % der Bevölkerung momentan, wenn man der Wikipedia Glauben schenken darf, und sie spielt allerdings eine wesentlich größere Rolle. Einmal ist die römisch-katholische Kirche der größte Träger von Nicht-Regierungs-AIDS-Programmen in Südafrika, und zum anderen ist die römisch-katholische Kirche doch sehr angesehen, weil sie auch sehr konsequent das in die Tat umsetzt, wovon sie in der Predigt spricht. Ich hab dies beispielsweise – ich komm immer wieder auf AIDS zurück, weil ich einfach in diesem Metier lebe – Ich hab dies zum Beispiel vor etwa 14 - 15 Jahren erlebt, als wir unser Hospiz vorbereitet haben, und da habe ich dann mit Geistlichen und Kirchenvertretern andere Kirchen gesprochen, und hab die eingeladen: „Jetzt setzen wir uns mal zusammen, und jetzt unterhalten wir uns mal, wie wir am besten das AIDS Problem angehen können!“ Und dann haben die anderen Mitbrüder gesagt: „Ach ja, wir haben da überhaupt kein Problem. Ihr Katholiken habt da vielleicht ein Problem, aber wir nicht.“ Und so waren wir eben dann die einzigen, die wirklich was in die Tat umgesetzt haben, und die wirkliche Programme durchgeführt haben. Und jetzt sieht man dies durchaus mit Anerkennung, dass die Katholiken nicht nur fromm predigen, sondern auch die Frommen ordentlich das Wort Gottes in die Tat umsetzen, und das ist ja die Predigt, so wie es uns der heilige Paulus sagt, dass unser Glaube tot ist, wenn er keine Werke aufzuweisen hat.

Das heißt also, Sie haben wahre Pionierarbeit geleistet im Zululand, wo sich jetzt leben und tätig sind.

Danke für das Kompliment der Pionierarbeit! Ja, es war schon ein großes Stück Aufbauarbeit, das wir geleistet haben, denn als ich dorthin kam,  war – und da will ich mich jetzt gar nicht selber glorifizieren, aber es ist einfach eine Tatsache – In dem Bereich, wo ich war, hatte die karitative Tätigkeit der Kirche aus dem Verteilen von Geldscheinen an Bettler bestanden, und dies ist ja nicht so die ganz ideale Art und Weise, wie man Menschen helfen kann, die in Not sind, und deshalb dachte ich mir, wir müssen unbedingt eine ordentliche Struktur schaffen, in dem die Südafrikaner lernen, den Südafrikanern zu helfen, und selbst Eigenverantwortung zu übernehmen. Und genau deshalb habe ich eben eine Hilfsorganisation gegründet, die mit Südafrikanern arbeitet, und ich bin der einzige Ausländer im Vorstand, und damit habe ich es erreicht, oder haben wir es gemeinsam erreicht, dass die Menschen dort wirklich diese Verantwortung selbst jetzt übernommen haben.

Und das war fünf Jahre nachdem sie schon in Afrika gelebt und gewirkt haben, ist der Entschluss gereift, zusammen mit einigen Südafrikanern die „Brotherhood of Blessed Gérard“ zu gründen. Die Bruderschaft des Seligen Gerhard, das ist ja eine Hilfsorganisation innerhalb des Malteser Ritterordens. Entsendet wurden Sie ja nach Südafrika von ihrem Orden, den Missionsbenediktinern von St. Ottilien. Wie kommt es zu dieser Verbindung, Pater Gerhard?

Ja, da geht’s jetzt in meine ganz persönliche Biografie: Ich bin jetzt 40 Jahre Malteser und ich bin seit 1982 im Benediktinerorden und meine ganz persönliche Berufungsgeschichte hat was mit den Maltesern zu tun, insofern als ich meine Berufung zum Priestertum im Krankenpflegedienst, im Sanitätsdienst, in den Diensten die die Malteser hier in Deutschland tun, erkannt habe, und gesagt habe: „Was die Menschen brauchen, ist nicht nur die medizinische Hilfe, sondern was die Menschen brauchen, ist die Hilfe Gottes. Und ich wollte immer den Menschen helfen so gut es geht, und habe eben dann darin meine ganz konkrete Berufung erkannt, dass ich mir gesagt habe: „Wir müssen den heilenden, den liebenden Christus den Menschen näher bringen!“ Und somit habe ich mich dann eben entschlossen, dass ich nicht Arzt werde, wie ich das als kleiner Junge immer vorhatte, sondern dass ich sozusagen ein Arzt für die Seele werden darf. Als sich in St. Ottilien eingetreten bin, stand in der Zeitung „Malteser wird Benediktiner“ und als ich dann 1994 in den Malteserorden aufgenommen wurde stand in der Zeitung „Benediktiner wird Malteser“ und beides mal hatte die Zeitung nicht recht, denn in meiner ganz persönlichen Auffassung ist dies alles ein Guss: Ich bin Benediktiner, ich bin Malteser, ich bin Priester, ich bin Missionar, ich bin Mönch, und dies ist eine Legierung aus diesen Elementen, die in sich stimmig ist, und ich brauche da keine Hüte zu wechseln, heute hier, morgen da, sondern für mich ist dies alles eins, meine ganz konkrete Berufung.

Geboren wurden sie nicht als Gerhard sondern sie hatten einen anderen Vornamen. Und sie haben den Namen Gerhard angenommen sozusagen als Ordensname.

Ja, ich hab 4 Taufnamen: Ich bin Clemens nach dem Papst Clemens, Anton nach dem Anton von Padua, Konrad nach dem Bruder Konrad  - Meine Mutter ist Altötingerin, daher die Verbindung zum Bruder Konrad  - und ich heiße auch Maria. Zu meiner Zeit war es üblich, dass wir einen Dreiervorschlag dem Erzabt unterbreiten durften, von dem er normalerweise den ersten genommen hat. Und so war eben mein Wunsch, dass ich nach dem Gründer des Malteserordens, dem Seligen Gerhard, dann auch diesen Namen des Seligen Gerhard als meinen Ordensnamen bekomme.

Wie hat denn der Selige Gerhard sie und das Projekt bisher begleitet?

Wir haben uns ganz bewusst die „Bruderschaft des Seligen Gerhard“ genannt, weil wir das Charisma des Ordensgründers des Malteser-Ritterordens, nämlich dieses Seligen Gerhard, in die Tat umsetzen wollten. Und der Selige Gerhard war ein Mensch, der es verstanden hat, die Zeichen der Zeit zu erkennen, der es verstanden hat, Kräfte aus ganz Europa damals zu mobilisieren, um seine Ziele zu verwirklichen, und das war einfach die Sorge um die Pilger, die ins Heilige Land nach Jerusalem kamen, und hat dort ein großartiges Werk aufgebaut, in dem der Mensch gesehen wurde als Abbild Christi. In den alten Ordensregeln heißt es, man muss dem Kranken dienen wie dem Herrn „quasi dominus“ und das im Kranken den Herrn zu erkennen und im Kranken dem Herrn zu dienen, das war seine große Idee, und die hat er in die Tat umgesetzt, und der Malteserorden ist ja der drittälteste Orden der Kirche überhaupt, nach den Benediktinern und den Augustinern, und so hat eben der Selige Gerhard international unendlich viel bewirkt. Der Malteserorden es ja heute in über 100 Ländern dieser Welt aktiv, nicht nur als religiöser Orden, sondern auch als Hilfsorganisation und so wurden diese Ideale des Seligen Gerhard durchgeführt.

Die Bruderschaft des Seligen Gerhard, das ist eine Hilfsorganisation innerhalb des Malteser-Ritterordens. Erklären Sie uns noch ganz kurz den Unterschied Malteser Hilfsdienst, Malteser Ritterorden. Weil der Hilfsdienst ist bei uns eher bekannt.

Ja, der Malteser Hilfsdienst ist der Hilfsorganisation des Malteser-Ritterordens in Deutschland, so wie eben die Brotherhood of Blessed Gérard oder die Bruderschaft des Seligen Gerhard die Hilfsorganisation des Malteserordens in Südafrika ist.

Sie sind der Präsident dieser großen Hilfsorganisation in Afrika, der Brotherhood of Blessed Gérard. Sie haben uns eben gesagt, das ist gleichzusetzen mit dem großen Malteser Hilfsdienst, der hier bei uns in Deutschland tätig ist, und Ursprung, die Gründer sozusagen, das ist der Malteser-Ritterorden. Gleich werden uns noch weiter darüber unterhalten über die zahlreichen Hilfsprojekte, die sie gestartet haben, seit der Gründung 1992, und vor allen Dingen werden wir uns auch über das HIV/AIDS-Aufklärungs-Programm unterhalten, die Hilfe die Sie für Kinder anbieten, die Kindergärten, die Kinderheime. Sie haben ein Katastrophenhilfeprojekt und vor allen Dingen auch ein Hospizzentrum. Liebe Hörerinnen und Hörer von Radio Horeb, bleiben sie dran. Gleich geht es weiter, hier im Talk bei Radio Horeb.

Unser Gast hier heute bei Radio Horeb, das ist Pater Gerhard Lagleder. Pater Gerhard ist Missionsbenediktiner. Er ist aber auch Mitglied des Souveränen Malteser-Ritterordens. 1992 hat er die Brotherhood of Blessed Gérard gegründet, das ist eine Hilfsorganisation innerhalb des Malteserordens. Er selbst wurde auch in diesen Orden aufgenommen, er ist also sozusagen Mitglied des Malteser-Ritterordens, aber weiterhin auch noch Missionsbenediktiner von St. Ottilien und er besucht gerade hier seine deutsche Heimat. Er ist für dreieinhalb Monate sozusagen auf Heimaturlaub, wie er uns selber schon erzählt hat, freut er sich wieder heim zu kommen in seine afrikanische Heimat. Er hat eine Hilfsorganisation gegründet, die sich Bruderschaft nennt. Pater Gerhard, normalerweise ist es üblich bei uns, dass wir Vereine gründen für verschiedene Projekte. Diese Vereine verwalten dann auch die Gelder. Wieso nennen sie sich Bruderschaft?

Dies hat einen sehr dezidierten Grund, nämlich einmal einen historischen Grund, weil die Gründung des Malteserordens die Gründung einer Bruderschaft ursprünglich war. Der Selige Gerhard hat in Jerusalem die Bruderschaft des Heiligen Johannes zu Jerusalem gegründet im Jahr 1099, die erst 1113 von Papst Pascalis II. dann als religiöser Orden anerkannt worden ist. Also, die ersten 14 Jahre war der Malteserorden auch eine Bruderschaft. Und so haben wir eben bei unserer Gründung gesagt: „Wir wollen gerne in diese historischen Fußstapfen treten, aber nicht nur die Historie, sondern wir sind ganz bewusst, juristisch gesehen, ein kirchlicher Verein, bei dem das religiöse Element eine ganz wesentliche Rolle spielt, weil wir davon ausgehen, dass man sich nicht nur den Aktivitäten verlieren soll, sondern dass die geerdet sein müssen, dass die eine Basis brauchen, dass die eine Grundlage brauchen in unserem Glauben, und so ist für die Mitglieder der Brotherhood of Blessed Gérard das religiöse Leben sehr wichtig, besonders für diejenigen, die wir „dedicated members“, also – das kann man schlecht übersetzten, vielleicht könnte man‘s mit dem „Dedizierten Mitgliedern“ verstehen und um ein Dediziertes Mitglied zu werden in der Brotherhood of Blessed Gérard müssen sie erst mal ein ganzes Jahr sehr aktiv in der Hilfsorganisation gewesen sein, und dann so eine Art Noviziat ablegen, das heißt ein Einführungs-Jahr, in dem Sie wiederum Ihre Ernsthaftigkeit ihres Entschlusses, ihr Leben in den Dienst der Kirche zu stellen, im Dienst in unserer Organisation, einmal unter Beweis stellen, aber zum anderen dann auch Einführungen bekommen in die Geschichte, in die Spiritualität, in den inneren Zusammenhalt, in die religiösen Grundlagen unserer Organisation, so dass Sie dann, wenn Sie aus Dediziertes Mitglied bei uns sind, wirklich mit ganzem Herzen und ganzer Seele das Ganze als eine religiöse Tätigkeit sehen.

Also mit vollem Herzen im Dienst der ärmsten der Armen, der Kranken, der Aidskranken, der Aidswaisen, der Kinder, die aidsinfizierte Eltern haben, und vielleicht selbst schon AIDS infiziert sind, einfach mit Liebe zu stehen. Wie viele Mitglieder haben Sie denn inzwischen in der Bruderschaft? Wie dürfen wir uns das vorstellen?

Ja, wir haben in der Bruderschaft über 2000 Mitglieder in der Zwischenzeit, von denen knapp die Hälfte Fördermitglieder sind, finanzielle Fördermitglieder. Dann gibt’s bei uns auch eine spirituelle Fördermitgliedschaft. Dies sind Leute, die sagen: „Ich kann nicht nach Südafrika gehen und die Kranken pflegen, und ich hab kein Geld, sondern ich nehme Dich ganz bewusst in mein regelmäßiges Gebet rein. Wir haben zum Beispiel eine Abtei in Dänemark, wo alle Mitglieder dieser Abtei Spirituelle Fördermitglieder unserer Organisation sind, und uns ganz bewusst diese Gebetsunterstützung geben. Und darum bitten wir die Menschen auch, so dass unsere Arbeit wirklich getragen ist vom Segen Gottes. Und ich sehe das so als ein Luftpolster, oder vielleicht noch mehr als ein Polster der Liebe, auf das wir uns da betten dürfen, um getragen zu sein vom Wohlwollen Gottes, von der Gnade Gottes, und da bitten wir eben möglichst viele Menschen, uns im Gebet mitzutragen in unserer Arbeit. Die ist hart genug, die wir dort leisten müssen.

Seit 92 sind sie ganz aktiv mit der Brotherhood of Blessed Gérard tätig. Wie haben Sie denn entschieden, mit welchen Projekten Sie beginnen? Weil ich könnte mir vorstellen, dass man die große große Not sieht. Man könnte bestimmt 10, 20 Baustellen auf einmal errichten, aber man kann nur mit einer beginnen. Womit haben Sie begonnen?

Wir sind nicht mit der Idee an die Gründung der Hilfsorganisation rangegangen, dass wir jetzt möglichst viel bauen, oder große Projekte beginnen, sondern das Ganze war einfach eine Antwort auf die Nöte, die es ganz konkret in dem Bereich gab, wo ich als Pfarrer da war.

Da erzähle ich Ihnen gerne eine kleine Geschichte, eine wahre Begebenheit: Ich wurde als Priester gerufen zu einer Frau, um ihr die Krankenkommunion zu bringen, und fuhr dann in den Busch raus, und hab sie in ihrer Hütte vorgefunden, und sie war wirklich im Sterben gelegen. Sie war miserabel beieinander. Ich hab mit ihr gebetet. Ich hab ihr die Krankensalbung gegeben. Ich hab ihr die Krankenkommunion gegeben. Und dann habe ich zu ihr gesagt: „Sie, ich bin nicht nur Priester, sondern ich kenne mich auch medizinisch aus. Was fehlt Ihnen denn?“ „Ach, ich hab so einen wehen Rücken!“ Dann habe ich gesagt: „Darf ich mir den Rücken mal anschauen?“ Und dann hat sie mir dies erlaubt, und dann hatte sie Bettgeschwüre an ihrem Rücken, so dass man die Wirbel sehen konnte, dass man die Knochen in den offenen Wunden sehen konnte. Und dann sagte ich zu ihr: „Also, sie brauchen unbedingt ganz dringend einen guten Arzt.“ Dann hat sie gesagt: „Ja, ich hab ja kein Geld. Das kann immer gar nicht leisten!“ Sage ich: „Lassen Sie das mal meine Sorge sein.“ Und nach einigem Zureden hat sie dann zugestimmt, und dann habe sie auf meinen Pick-up gelegt, und zu einem Arzt gebracht, der der Pfarrgemeinderatsvorsitzende unserer Kirchengemeinde in der Township Sundumbili war, und der hat sie dann ins Krankenhaus eingewiesen und dort starb sie in derselben Nacht. Und dann kam dieser Arzt, der Doktor Thabethe, auf mich zu und hat gesagt: „Mensch, Pater, können wir da gar nichts machen? Wie wir Menschen helfen können? Es sterben hier so viele Leute einfach daran, dass sie vernachlässigt sind, dass sich keiner um die kümmert.“ In dem Fall von dieser Maria, heißt sie mit Vornamen, war es einfach so, dass sie alt und gebrechlich war, und dass sie von zwei älteren Damen gepflegt werden sollte, die selber so gebrechlich waren, dass sie ihr nicht mehr helfen konnten. Die starb einfach an Unterernährung und an mangelnder Pflege. Und da ist dann diese Idee eines Pflegezentrums entstanden und die haben wir dann durchgeführt.

Das erste Projekt, das wir überhaupt durchgeführt haben, war ein Hilfsfonds für Arme Kranke, wo wir Kranken, die sich eine medizinisch notwendige Behandlung nicht leisten konnten, unter die Arme gegriffen haben, dass sie sich diese medizinische Behandlung leisten konnten, und dass die durchgeführt werden konnte, haben dann sehr bald auch mit einer Haushalts-Schule begonnen, weil es oft so war, dass Zulu-Frauen gerne Arbeit bekommen hätten, aber wenn sie dann dachten, der Staubsauger sei ein Ungetüm, oder wenn sie die Dinge angebrannt haben, oder zu heiß gebügelt haben, dann haben sie die Arbeit immer wieder verloren. Und so haben wir dann so eine Haushaltsschule begonnen, um Leute zu schulen, wie sie dann Geld verdienen konnten. Das war eines der frühen Projekte. Ein weiteres frühes Projekt war eine Nähschule, wo wir Frauen zu Näherinnen ausgebildet haben, um gerade wiederum Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Und dies ist ja die beste Entwicklungshilfe, dass man die Leute auf die eigenen Beine stellt, ohne sie zu bevormunden. Und da bin ich sehr stolz, dass dies in diesem Fall geklappt hat. Später kamen andere Programme mit dazu. Der Kindergarten kam relativ bald mit dazu, und dann entstand das Pflegezentrum, und dieses Pflegezentrum war ja anfangs eigentlich nur als Pflegezentren gedacht, um sich einfach um Kranke zu kümmern, die sonst durch Vernachlässigung vielleicht sterben würden. Und dann wurden wir einfach von der AIDS-Welle überrollt, das heißt, dass er immer mehr Aidskranke zu uns kamen. Und so wurde dann das Haus automatisch zum Hospiz. Und wir sind wir heute das größte Hospiz Südafrikas, mit unseren 40 Betten.

Weltweit machen sich die Menschen, Pater Gerhard, Gedanken wie man dem Aidsvirus entgegenwirken kann durch große Aufklärungsprogramme auch, dann gibt‘s Hilfsprogramme, die auf medikamentöse Art und Weise helfen. Welche Wege gehen Sie?

Wir gehen einen sehr umfassenden, oder integrierten Weg, würde man das im Deutschen ausdrücken, das heißt, wir betreiben erst mal AIDS Vorbeugung. Wir sagen den Leuten: „Was ist der HIV-Virus? Welche Möglichkeiten oder Gefahren gibt es, dass Du Dich eventuell mit diesem Virus anstecken kannst? Wie kannst du's verhindern, dich anzustecken?“ Wir unterrichten die Leute, wenn sie HIV-positiv sind, und das sind ja die meisten bei uns, wie sie positiv mit der Infektion leben können, aber wie sie dann gleichzeitig wieder verhindern können, einen anderen anzustecken mit dem Virus, den sie haben. Das ist das Aidsaufklärungsprogramm. Und dann kommt natürlich die AIDS Hilfe dazu, die AIDS-Betreuung, und zwar in zweierlei Hinsicht: Auf der einen Seite als Hospiz, dass wir uns einfach um die Patienten kümmern, die zum Sterben kommen, für die es keine medizinische Hilfe mehr gibt, nicht nur AIDS Patienten, sondern auch Patient mit Krebs oder anderen lebensbedrohlichen oder lebensverkürzenden Krankheiten, aber vor allem AIDS. Und das dritte große Programm ist eben das AIDS-Behandlungs-Programm. Dies betreiben wir seit 2003 und haben damit lang vor der Regierung Südafrikas mit ihrem AIDS-Behandlungs-Programm begonnen hat, dieses in die Wege geleitet. Wir waren des vierte Programm der Bischofskonferenz überhaupt in Südafrika. Und wir geben den Menschen Medikamente, und diese Medikamente können verhindern, dass sich der Virus im Blut vermehrt. Und damit nimmt die virale Ladung oder die Virenbelastung ab. Das ist eines unser Hauptaugenmerke in dieser Zeit.

Jetzt im Zusammenhang mit Aids und der Behandlung und der Vorbeugung von AIDS-Kranken gibt es jetzt zwei wichtige Fragen, dich gerne an Sie stellen möchte, und zwar einmal die Frage nach der Prävention. Gerade als der Papst dieses Jahr in Afrika war, kochte wieder die Frage nach den Kondomen sehr hoch. Und die nächste Frage, Pater Gerhard, ginge in die Richtung, dass man sagt. „Ja, die Medikamente sind sehr kostspielig, sehr teuer, sie sind nur einer bestimmten Anzahl von Patienten zugänglich. Wie teilt man gerecht auf und wie finanziert man das Ganze auch? Ich möchte als erstes diese leidige Kondomfrage an sie stellen. Wie hat die Diskussion in Deutschland auf sie gewirkt?

Als der Heilige Vater in Afrika war, hatte ich zwei Rundfunkinterviews per Telefon, eines vom Norddeutschen Rundfunk und eines von der Antenne Bayern, und jeder hat natürlich dieselbe Frage gestellt: „Was sagen Sie als Mann der Kirche, die an der Vorfront von AIDS in Südafrika steht, da zu dem, was der Heilige Vater über die Kondome sagt?“ Und die waren mir dann furchtbar böse, dass ich gesagt habe: „Der Heilige Vater hat recht, der Papst hat Recht.“ Und als sie dann fertig waren mit dem Schlucken hab ich‘s begründet. Und zwar hab ich gesagt: „Der Heilige Vater hat recht, weil der – ich kann nur für die Zulu sprechen, die ich wirklich näher kenne – der Zulu mag kein Kondom. Wenn ich mich vor den hinknien würde, und ihn bitten würde: „Bitte, nimm ein Kondom!“ dann gibt er mir einen Tritt ins Gesäß und sagt: „Du weißer Mann, du willst ja uns Schwarze nur dezimieren! Diese ganze AIDS-Geschichte ist eine Fiktion von Euch Weißen! Ihr redet uns da irgendeinen Blödsinn ein, und ihr wollt nur damit erreichen, dass wir weniger Kinder bekommen, damit ihr Eure Vorherrschaft über uns Schwarze ausbauen könnt!“ Das ist es eine. Andere gibt’s dann wieder die sagen: „Ja, die Kondome die sind mit Viren verseucht und wenn wir jetzt ein Kondom verwenden, dann stecken wir uns damit an.“ Drittens, es gibt so was ähnliches wenn eine Stiftung Warentest, das nennt sich „South African Bureau of Standards“ und die haben mal alle am südafrikanischen Markt befindlichen Kondome durchgetestet. Und da waren über 5 % der Kondome am südafrikanischen Markt fehlerhaft, selbst in der Empfängnisverhütung, und ein Sperm ist ja wesentlich größer als der HIV-Virus. Der HIV-Virus ist das kleinste Lebewesen auf der ganzen Welt mit 70/1000 mm, also 70 nm groß. Es gibt kein kleineres Lebewesen auf der Welt und das kommt durch das kleinste Loch durch. Und das ist es große Problem. Es werden tonnenweise Kondome unters Volk geworfen. Die Leute wollen es nicht, die Leute wollen ja Kinder haben, die wollen Kinder haben, um a) als Macho dazustehen, als großer Mann dazustehen, auf die Schulter geklopft zu bekommen „Mensch, Du bist ein toller Kerl, Du hast 10, 15, 20 Kinder gezeugt!“ Dies ist das eine, und zum anderen brauchen sie eine Altersvorsorge. Sie denken „Wenn ich viele Kinder hab, dann werden die im Alter für mich sorgen.“ Also nur so Kondome aufzustellen, und den Leuten Kondome zu geben, hilft leider nichts. Und dies ist eines der riesengroßen Probleme, die oft völlig vernachlässigt werden. Und jeder meint nur, es gibt nicht genügend Kondome. Es gibt an jeder Straßenecke Kondome. Das ist so ein bisschen übertrieben, was ich sag, aber in allen öffentlichen Gebäuden, in den Apotheken, in den Postämtern, auf den Polizeistationen, in jeder öffentlichen Toilette, überall gibt’s Kondome in Hülle und Fülle. Aber das Problem ist, dass die Zulu das Kondom nicht wollen. Was wir daher tun müssen ist, dass wir den Leuten erstens mal sagen: „Es gibt nur eine wirklich hundertprozentige Möglichkeit, HIV-Infektion zu verhindern, und das ist Enthaltsamkeit.“ Natürlich ist es ein Kampf gegen Windmühlen, wenn man denkt, man könnte die Leute dazu überreden, aber die Wahrheit muss trotzdem gesagt sein, und es gibt Leute, die sich wirklich daran halten. Es ist nicht so, gerade angesichts dieser großen Katastrophe, vor der wir stehen, gibt es durchaus Leute, die das ernst nehmen. Zum zweiten, dass man den Leuten was sagt von Treue. Heute traut sich kein Mensch mehr über eheliche Treue zu reden, sowohl hier in Europa, als auch in Afrika, aber wenn ich meinem Partner treu bin kann mir überhaupt nichts passieren und dies ist sehr wichtig, dies zu sagen, denn so allgemein gesehen stellt sich ein Zulu vor, oder der normale Zulu findet es überhaupt nicht als ehrenrührig, wenn er Kinder von verschiedenen Frauen hat. Es gibt ja auch bei uns die Mehr-Ehe, die Polygamie. Also die Monogamie ist kein Ideal, das in der Geschichte, das in der Denkweise des Zulu eine große Rolle spielen würde. Man muss also neue Wege gehen in der AIDS Vorbeugung, und muss dies aber mit großer Vehemenz und mit großer Nachhaltigkeit angehen. Und man darf sich vor allem mit entmutigen lassen. Das ist es große Problem, so nach dem Motto: „Ja, es steigt immer wieder! Was hilft denn das Ganze?“  Man darf nicht aufhören, man muss immer weitermachen, und sich durch kleine Misserfolge nicht entmutigen lassen. Das ist ganz wichtig.

Zum Verständnis, Pater Gerhard, sind unter dem Volk der Zulu, sind das auch Christen?

Ja natürlich, es gibt auch Christen unter den Zulu. Die meisten Zulu sind Animisten, früher hätte man Heiden gesagt, das sind also Leute, die in einem Angstzustand leben vor Ahnengeistern, vor bösen Geistern, und versuchen, diese bösen Geistern und Ahnengeister durch verschiedene Dinge, wie Zaubereien in Schach zu halten, oder Opfer die mit diesen Ahnengeistern bringt, um damit ein Gleichgewicht des Wohlfühlens zu erreichen indem man diese Ahnengeister durch Opfer davon abhält, einem was Böses zu tun. Das ist so die traditionelle Zulu-Religion. Aber es gibt unter den Zulu auch durchaus Christen. Die Mission war erfolgreich und die Mission ist … oder wie soll ich sagen, die Katholikenzahl ist nach wie vor im Steigen bei uns, und dies ist eine sehr schöne Sache. Also der Glaube bedeutet den Leuten schon einiges.

Nun gibt es schon sehr sehr gute medikamentöse Programme, die es einem HIV-Infizierten möglich macht, trotz Infektion noch etliche Jahre Jahrzehnte zu leben. Eine Mutter bekommt die Möglichkeit, ihre Kinder noch aufzuziehen, Familienväter können ihre Familie versorgen, können ihrer Arbeit nachgehen, doch auf der anderen Seite sind diese Programme sehr kostspielig. Sie sind nur einen begrenzten Teil der Infizierten, der doch auch sehr sehr armen Menschen zugänglich, und dann wäre vielleicht auch noch ein Nachteil, dass die Menschen denken: „Ach, dann ist es ja doch nicht so schlimm, wenn ich mich vielleicht mit HIV infiziere. Es gibt er diese super Wunder-Medikamente. Was sagen Sie dazu?

Ja, zum ersten Mal, so super Wunder ist es leider nicht, denn Superwunder würde heißen, dass man den Virus töten könnte im Körper, und dies ist nicht der Fall. Man kann also AIDS nicht heilen. Der Patient wird immer noch an AIDS sterben, aber dann vielleicht erst nach einem Vierteljahrhundert, und das ist ja schon eine unheimlich tolle zusätzliche Lebenserwartung, die wir den Patienten schenken können. Dies ist das eine, was die Aidsmedikamente betrifft, haben wir ein unendliches Problem und es liegt nicht daran, dass es zu wenig Medikamente gäbe oder dass die teuer sind, unser größtes Problem liegt darin, dass man die Leute gar nicht dazu bringt, dass sie überhaupt einen HIV-Test machen lassen, und daher dann, wenn sie HIV-positiv sind, dann zur Behandlung anstehen würden. Und dies ist das große Problem: Wir müssen also die Leute sozusagen überreden, und wir machen also jetzt Öffentlichkeitsarbeit, wir gehen raus in die Fabriken zum Beispiel, und machen es ihnen einfach, einen HIV-Test auch anonym zu bekommen, und wenn dann das Ergebnis eben HIV-positiv heißt, dass man Ihnen dann die Behandlung anbietet, und sagt: „Du, pass auf, wenn du jetzt keine Behandlung bekommst ist Deine Lebenserwartung sehr gering, aber wenn du die AIDS-Behandlung bekommst, kannst Du noch lange und bei guter Gesundheit weiterleben. Die Menschen haben bei uns nicht diese große Angst und dies ist eine Sache, die auch mir manchmal auch negativ aufstößt, wenn ich Leute sehe, die auch in der Krankenpflege tätig sind, aber ihr Sexualverhalten überhaupt nicht ändern, genauso einen gefährlichen Umgang mit der Sexualität pflegen, wo sie sich dann einfach auch anstecken, unter ich denke, dies hängt damit zusammen, dass die Leute bei uns gar nicht so die große Angst vor dem Sterben haben. Eines der großen Probleme ist dann, wenn's den Leuten wieder gut geht. Die kriegen die Behandlung und dann erwachen natürlich auch wieder die körperlichen Sehnsüchte, und dann sind die Leute oft unvorsichtig.

Und deshalb ist es bei uns ganz wichtig in der AIDS Behandlung, dass wir, vor der Patient die erste Tablette bekommt, einen dreiwöchigen Einführungskurs halten, wo wir dem Patienten wirklich in sehr dezidierter Art und Weise erzählen „Was ist der Virus? Was macht der Virus in deinem Körper? Wie kannst du mit dem Virus umgehen? Was macht die Medizin mit dem Virus? Und wir tun dies auch in einer Art und Weise, wie es der Kranke verstehen kann, das heißt wir versuchen uns auf den Verständnislevel der Menschen einzustellen, also wir machen eine ordentliche Vorbereitung der Patienten auf die Behandlung, so dass die dann auch nachhaltig wirkt.

Und wir machen eine Nachbetreuung in dem Sinn: Jeder AIDS Patient bekommt von uns mindestens einmal pro Monat einen Hausbesuch von einem Therapieberater, der Ihm dann so auf die Schulter klopft und sagt: „Na, Kerle, wie geht’s Dir denn? Ist alles in Ordnung? Hast Du Sorgen? Hast Du Probleme? Hast Du gesundheitliche, soziale Probleme?“ Wenn es soziale Probleme sind: Wir haben eine Sozialarbeiterin hauptamtlich eingestellt, dann kann die mithelfen. Wenn's andere Probleme sind, kann unser Doktor helfen, wenn es seelsorgerische Probleme sind, kann ich als Priester oder ein anderer Kollege helfen. Und so hat man eben bei uns so ein integriertes Modell der Aidshilfe, das sehr wirksam ist, und wir werden auch immer wieder gerühmt für unsere hohen Erfolgsraten in unserer Behandlung.

Pater Gerhard, wir gehen dem Abschluss unseres Gespräches entgegen. Es war eine sehr kurzweilige Stunde. Zum Abschluss möchte ich Sie doch noch fragen: „Was erwartet Sie, wenn Sie jetzt im August heimkommen? Worauf freuen Sie sich besonders? Und was sind ihre Wünsche für das kommende Jahr?“

Was mich erwartet, wenn ich zurückkomme, ist natürlich erstens das Care Centre als solches, die Menschen, die dort leben, auf die freue ich mich natürlich, und ich sagte vorher schon, dass ich mich natürlich ganz besonders auf die Kinder freue, die ich jetzt ein paar Monate nicht gesehen hab. Und da geht es mir nicht anders wie einem Vater, der sich auf seine Kinder freut, wenn er die wieder in die Arme schließen darf. Ich freue mich aber auch, weil auf mich neue Aufgaben zu kommen, und zwar die Aufgabe, dass wir jetzt die Arbeit, die wir in einem relativ kleinen Bereich, also der Bereich von Mandeni umfasst ungefähr nur eine Viertelmillion Menschen (250.000). Ich werde jetzt versuchen, dass wir die soziale Arbeit der Kirche auf Diözesan Ebene ausdehnen, und dass wir an vielen Orten, vielleicht nicht so große, aber dann trotzdem auch wirksame Programme der Betreuung von Armen und Kranken ins Leben rufen können. Dazu hat mich unser Bischof am 1. Januar zum Diözesan Caritasdirektor ernannt. Und dies ist bei uns keine Riesenorganisation, sondern eine Person mit einer Aufgabe, und jetzt steht es eben vor mir, diese Arbeit auf Diözesanebene hin auszudehnen, und so zu helfen, dass möglichst vielen geholfen wird, und darauf freue ich mich natürlich.

Pater Gerhard, wir wünschen Ihnen, dass sie noch viele weitere Jahre, 30 Jahre, 45 Jahre, weiter tätig sein können und einfach vielen vielen Menschen, ja, hilfreich mit den Ideen unter die Arme greifen können. Wir freuen uns, dass sie unser Gast waren. Wir bitten Sie jetzt zum Abschuss noch um Ihren priesterlichen Segen.

Lasst uns beten! Herr, allmächtiger Gott, wir danken Dir, dass Du uns berufen hast, vor Dir zu stehen und Dir zu dienen. Wir bitten Dich, dass Du unser Herz mit Deiner Gnade und mit Deinem Segen füllst, so dass wir für andere Menschen zum Segen werden dürfen. Wir bitten Dich um Deinen Segen, besonders für die Kranken, für die Verlassenen, für die Menschen, um die sich sonst niemand kümmert. Öffne das Herz der Menschen, dass sie Deine Liebe Ihnen weiter schenken in ihrer helfenden Tat. Und so segne uns, und so segne Euch der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

Vielen Dank! Alles Gute! Gute Heimreise wieder! Auf Wiederhören!

Ganz herzlichen Dank! Danke auch für die Einladung! Ich war sehr froh und bin sehr glücklich, dass ich mit Ihnen plaudern durfte.

Und für alle die Hörerinnen und Hörer, die nun ein Herz entdeckt haben für Südafrika, Sie können natürlich das Projekt unterstützen. Wir haben es gehört durch das Gebet und natürlich auch vielleicht durch eine Geld-Gabe.

Mein Name ist Sabine Böhler. Liebe Hörerinnen und Hörer, ich darf mich von Ihnen verabschieden. Das war unsere Talk- und Musiksendung bei Radio Horeb. Wir waren im Gespräch mit Pater Gerhard Lagleder, ein Missionsbenediktiner im Zululand in Südafrika.

 


Pater Gerhard Lagleder auf Heimaturlaub (28.6.2009)

Pater Gerhard Lagleder auf Heimaturlaub

Ein Interview der Katholischen Rundfunkredaktion, Diözese Regensburg, mit Pater Gerhard Lagleder OSB.
Aufgezeichnet am 3. Juni 2009, gesendet in Radio Charivari am 28. Juni 2009.

Die ganze Welt blickt ja nächstes Jahr nach Südafrika.
Grund dafür ist die Fußballweltmeisterschaft.
Die bringt dem Land hoffentlich durch das Geld der Fußballfans einen Aufschwung.
Den hat Südafrika auch dringend nötig, wie der Regensburger Pater Gerhard Lagleder nur allzu gut weiß.
Seit über 20 Jahren lebt er in Südafrika und hat dort eine eigene Hilfsorganisation gegründet, die Bruderschaft des Seligen Gerhard, benannt nach dem Ordensgründer der Malteser.

Pater Gerhard Lagleder ist zur Zeit in Deutschland auf so genanntem Heimaturlaub, wobei seine Heimat eigentlich mittlerweile in Mandeni in Südafrika ist.
Hier kümmert er sich um HIV-Infizierte, Aidskranke und AIDS-Waisen.

Was die Situation des Landes betrifft, sind wir immer noch an der aufsteigenden Linie, was die HIV-Infektionen betrifft, und dies ist schlimm.

Besser dagegen ist die Situation seiner eigenen Hilfsorganisation.
Ein Kinderheim konnte angebaut werden, das Hospiz wurde erweitert und es konnte eine neue Klinik gebaut werden, in der HIV-Infizierte mit speziellen Medikamenten behandelt werden.
Das ist wichtig, denn sonst würden diese Menschen sterben.
Sicherlich ist Aids nach wie vor eine zum Tod führende Krankheit.

Aber wenn die Leute dann noch 15-20, vielleicht 25 Jahre bei guter Gesundheit weiterleben können, ihre Kinder aufziehen können, und zur Arbeit gehen können, und damit wieder Geld verdienen und damit unabhängig werden von den Almosen, dann ist ja da unheimlich viel geleistet damit.

Mandeni ist eine Aids-Hochburg.
88 % der AIDS-Tests weisen eine Infektion mit HIV auf.
Die Armut spielt hierbei eine große Rolle.
Frauen verdienen deutlich weniger als Männer bzw. Frauen sind zum großen Teil arbeitslos.
Deshalb schaffen Sie sich laut Pater Gerhard Lagleder so genannte „Sugar daddies“ an.
Ein „Sugar daddy“ ist ein Mann, mit dem eine Frau eine mittelfristige finanzielle und geschlechtliche Beziehung eingeht.

Das heißt er zahlt nicht pro Geschlechtsakt für die Dienste seiner Bettkumpanin, sondern der bezahlt in wöchentlichen oder monatlichen Raten.
Aber einer dieser „Sugar daddies“ reicht nicht.
Jetzt haben die Frauen dann 3, 4, 5 verschiedene, und damit ist die Promiskuität so extrem hoch, und damit haben wir den Weltrekord an AIDS Raten.

Jetzt macht sich auch noch die Wirtschaftskrise bemerkbar.
Viele Fabriken müssen schließen.
Das bringt ein weiteres Problem für Mandeni mit sich.

Die Leute, die eben aus dem Busch rausgekommen sind, um im Industriegebiet zu arbeiten, können aber nicht mehr zurück.
Jetzt bleiben die alle da.
Und jetzt haben wir bei uns in unserem Bereich eine Arbeitslosigkeit von über 50 % der arbeitsfähigen Bevölkerung.
Und dann braucht man sich nicht wundern, dass die Kriminalitätsrate extrem hoch ist.

Pater Gerhard Lagleder lässt sich von alle dem aber nicht unterkriegen.
Er, seine 70 hauptamtlichen und seine 1000 ehrenamtlichen Mitarbeiter stehen den AIDS-Kranken und Aidswaisen weiter helfend zur Seite.
Momentan ist übrigens gerade geplant, ein Haus zu kaufen, um dort die älteren Waisen-Kinder durch Pflege-Eltern auf ein selbstständiges Leben vorzubereiten.
Doch das ist nur über Spenden möglich.

Claudia Bresky,
Katholische Redaktion

 


Papst Benedikt XVI in Afrika (22.3.2009)

Papst Benedikt XVI in Afrika

22. März 2009:

Pater Gerhard gibt ein telefonisches Interview für Antenne Bayern aus Anlass des Besuches von Papst Benedikt XVI. in Afrika.

Zur Verfügung gestellt vom "Sankt Michaelsbund München - Katholische Redaktion Antenne Bayern".



Seit letzter Woche ist ja Papst Benedikt XVI. in Afrika. Erst hat er Kamerun besucht. Jetzt ist er in Angola. Da hat er aber nicht nur für positive Schlagzeilen gesorgt. Viele haben sich über die strikte Haltung des Papstes zu Kondomen aufgeregt. Darüber reden wir jetzt mit Gerhard Lagleder. Er ist Benediktinerpater, kommt aus Regensburg, arbeitet aber seit über 20 Jahren mit AIDS-Kranken im Südlichen Afrika. Guten Morgen nach Südafrika!

Ja, hallo, guten Morgen!

Viele waren empört über die strikte Haltung des Papstes zu Kondomen. Wie kann man sich als katholischer Ordenspriester auch um AIDS-Prävention, d.h. also konkret Kondome als eine Schutzmöglichkeit gegen die Immunschwächekrankheit. Muss da Ihrer Meinung und Erfahrung nach die Kirche noch viel viel offensiver werden?

Die Kirche kann gar nicht offensiv genug sein. Allerdings ist es auch ein Ammenmärchen, wenn man meint, dass Kondome die einzige Lösung wären. Man hat in Afrika tonnenweise Kondome unters Volk geworfen, hat aber völlig die Kultur der Menschen außer Acht gelassen. Der Afrikaner freut sich, viele Kinder zu haben und er weiß genau: „wenn ich ein Kondom verwende habe ich nicht viele Kinder." Also das Kondom ist überhaupt nicht die Lösung, sondern es müsste eine Umerziehung stattfinden.

Ja, wie soll denn diese Umerziehung aussehen?

Ja, Umerziehung in der Art und Weise, dass  wir den Leuten ihre eigene Verantwortung vor Augen führen wollen, dass das sexuelle Verhalten Konsequenzen hat, und sagen ihnen einfach: „Du hast eine Verantwortung. Du bist ein Mensch, der eine Würde hat, und in dieser Menschenwürde hast Du auch die Möglichkeit, Dich und Dein sexuelles Verhalten in der Hand zu haben, und Entscheidungen zu treffen.“ Und dies ist unheimlich wichtig.

Also, vor allem Aufklärung ist gefragt. Vielen Dank! Pater Gerhard Lagleder, der Bayerische Benediktinerpater, er arbeitet seit mehr als 20 Jahren in einem AIDS-Zentrum im Südlichen Afrika.



AIDS ist in dieser Region weit verbreitet (19.3.2009)

AIDS ist in dieser Region weit verbreitet

19. März 2009: Pater Gerhard gibt eine telefonisches Interview für den Norddeutschen Rundfunk



Ich habe ihn gefragt: „AIDS ist in der Region weit verbreitet. Wie hoch liegt denn die Infektionsrate dort?“

Was ich schwarz auf weiß nachweisen kann sind im Januar 2004 76% der Personen, die einen HIV Test durchgeführt haben, die waren HIV-positiv.

Viele AIDS-Stationen in Afrika werden ja in kirchlicher Trägerschaft geführt. Dort wird auch Aufklärungsarbeit geleistet. Wie sieht denn die Beratung aus?

Die Beratung sieht so aus, dass wir den Leuten erst einmal reinen Wein einschränken, wie sich der HIV-Virus wirklich verbreitet, auch biologische Hintergründe erzählen. Denn das große Problem, vor dem wir hier stehen, ist der Geisterglaube und die Leute sind überzeugt, dass man kranke ist, weil man verhext, verwünscht, verzaubert worden ist, und von da her überhaupt kein Verständnis für die Wirklichkeit oder die biologischen Vorgänge da sind, und von daher natürlich auch überhaupt kein Verständnis da ist, wie man sich vor der Infektion schützen kann, und deshalb ist es ganz wichtig zu sagen: „Du kannst Dich dagegen schützen a) dadurch, dass Du enthaltsam lebst, und wo Enthaltsamkeit kein Weg ist. da muss man dann andere Mittel verwenden, zum Beispiel, dass man eben als Paar einander treu ist und das große Problem ist eben, dass in Südafrika die Promiskuität eine große Rolle spielt, und dort wo auch das keine Möglichkeit mehr ist, muss man sich natürlich auch mit mechanischen Barrieren schützen.

Das heißt, Sie verteilen auch Kondome und erklären den Gebrauch.

Dies ist gar nicht notwendig, dass wir Kondome verteilen, weil die liegen in allen öffentlichen Gebäuden rum. In jedem Postamt, in jeder öffentlichen Toilette, können Sie Kondome in Hülle und Fülle bekommen, aber das Problem ist, dass gerade mit der Kondomverteilung das Problem nicht gelöst ist. Und der Papst hat recht, wenn er sagt, dass mit den Kondomen die Sache verschärft wird. Insofern hat er Recht, als eine falsche Sicherheit entsteht. D.h. den Leuten wird gesagt: „Du kannst tun und lassen was Du willst, es kann Dir eh nichts passieren.“ Und ich sage den Leuten immer: „Pass mal auf,  wenn Du nicht in den Regen rausgehst, wirst Du auf keinen Fall nass. Wenn Du aber trotzdem raus gehst und einen Regenschirm verwendest, hast Du einen gewissen Schutz, allerdings ist er auch nicht hundertprozentig.“ Und bei HIV braucht man eben einen hundertprozentigen Schutz, und den bieten leider eben auch Kondome nicht.

Was der Papst jetzt gesagt hat, findet bei uns großes Gehör. Wie sieht es denn in Afrika aus? Ist es dort auch ein großes Thema?

Das Problem ist natürlich, es gibt nur 5-8 % Katholiken landesweit, und von da her ist es eine schwierige Sache, weil es wenig Gehör findet. Insofern sind diese Aussagen zwar für unseren Bereich durchaus sehr wichtig und interessant, aber in der Öffentlichkeit haben sie leider keinen so großen Widerhall wie sie eigentlich haben sollten.

Sie haben es angesprochen. Kondome wiegen vielleicht in eine falsche Sicherheit. Das Spanische Gesundheitsministerium hat in einer ersten Reaktion jetzt sofort beschlossen, 1 Million Kondome nach Afrika zu senden. Sie sind vor Ort. Sie haben die Lage gesehen oder sehen Sie auch nach wie vor. Was würden Sie sich denn wünschen, wie kann effektiver geholfen werden in der Aidsproblematik?

Wie effektiver geholfen werden könnte, wäre auf jeden Fall mal, dass man die Leute, die HIV-positiv sind, dazu bringt, dass sie die AIDS Behandlung annehmen mit antiretroviralen Medikamenten, denn dadurch können sie indirekt auch die AIDS-Infektion wieder herunterfahren, wenn eben die Leute die HIV-positiv sind, entsprechend behandelt werden und damit das Ansteckungsrisiko geringer ist.

Soweit Informationen von Pater Lagleder in Mandeni. Er organisiert dort ein AIDS-Hospiz.


Ulrich Schwab interviewt Pater Gerhard Lagleder OSB (7.8.2008)

<font color="#CCFFFF">Radio Horeb</font>
Montag, 7. August 2008

Ulrich Schwab interviewt Pater Gerhard Lagleder OSB

 


In Mexiko-Stadt tagt seit Anfang der Woche die Welt-AIDS-Konferenz. Rund 20.000 Teilnehmer aus der ganzen Welt diskutieren dabei über neue Wege im Kampf gegen die Krankheit. Vor allem Möglichkeiten der HIV-Prävention stehen dabei im Mittelpunkt. Und von diesen Möglichkeiten gibt es noch immer nicht allzu viele. Impfstudien sind zuletzt ohne Ergebnis abgebrochen worden und so bezweifeln viele Mediziner, ob es jemals einen Impfstoff gegen AIDS geben werde. Allein im letzen Jahr haben sich 2,7 Millionen Menschen neu mit dem Krankheitserreger infiziert, etwas zwei Drittel von ihnen in Afrika. Vor allem südlich der Sahara ist AIDS inzwischen die häufigste Todesursache. Das gilt auch für Südafrika. Dort, im Zululand, hat der Missionsbenediktiner Pater Gerhard Lagleder vor zwölf Jahren ein Hospiz für AIDS-Kranke eingerichtet. Mit seinen Mitarbeitern sorgt er sich seitdem um Prävention und Aufklärung vor den Gefahren einer Infektion. Über den Kampf gegen AIDS in Südafrika hat sich Ulrich Schwab mit dem Benediktinerpater unterhalten.

Ulrich Schwab:
"Pater Gerhard, wo sehen Sie die größten Hoffnungen für Präventionsmöglichkeiten?"

Pater Gerhard:
"Ich denke, wenn wir nicht endlich lernen, dass AIDS-Prävention keine ausschließliche Frage der Gummi-Industrie ist, dann wird die Menschheit weiterhin an der AIDS Pandemie im rasanten Tempo zugrunde gehen.
Ich denke, dass allzu viele Leute nichts anderes tun als Kondome zu verteilen und damit erwecken sie den Eindruck "Du kannst rumschlafen so viel Du willst. Solange Du ein Kondom verwendest, kann Dir nichts passieren."
Aber der Mensch wird damit degradiert zu einer unkontrollierbaren Sex-Maschine. Und es wäre wichtig, dass wir endlich einmal intensive Aufklärung betreiben.
Und warum dies bei uns so wichtig ist:
Es gibt bei uns ein ganz schlimmes Ammenmärchen in Afrika, und dieses Ammenmärchen ist, dass ein AIDS-Kranker den HI-Virus los wird, wenn er Geschlechtsverkehr mit einer Jungfrau hat.
Statistisch gesehen wird jede Südafrikanerin zweimal in ihrem Leben vergewaltigt.
Wir müssen also die Menschen dazu erziehen, dass sie Verantwortung übernehmen, dass ihr Tun Konsequenzen hat, auch ihre Sexualität!
Ich glaube, wir müssen den Menschen ein Werte-System zurückgeben, so dass sie Sexualität als ein wunderbares Geschenk Gottes verstehen und zum Ausdruck ihrer wahren Liebe und nicht nur so als Ventil der egoistischen Trieb-Befriedigung."

Ulrich Schwab:
"Pater Gerhard, diesen Verhalt, den Sie schildern oder diesen Aberglauben dass man den Virus wieder loswerden kann durch neuen Sex, das zeigt auch dass die Aufklärung noch große Fortschritte machen muss. Wie kommt denn die Aufklärungsarbeit generell in Südafrika voran?"

Pater Gerhard:
"Ich denke, es kommt gerade darauf an, wer sie macht und mit welchem Hintergrund er diese Aufklärung macht.
Ob es dem Menschen wirklich darum geht, dass er den Leuten Verantwortung beibringt oder ob es ihm nur momentan darum geht, den schlimmsten Schaden einzudämmen und ich hab so ein bisschen den Eindruck, dass viele der Stellen, nicht nur Regierungsstellen, sondern auch private Stellen einfach gar nichts anderes im Sinn haben als den Schaden momentan zu kontrollieren und das heißt das einzige was dann getan wird ist dass man eben Container (=Behälter) aufstellt mit Kondomen und da kann sich jeder bedienen und damit erweckt man dann so den Eindruck "Es kann ja ohnehin nichts passieren solange du ein Kondom verwendest."
Aber man spricht den Menschen damit ihre Würde ab, als ob der Mensch bloß ein Mensch wäre der vom Trieb gesteuert ist und selber keine Entscheidung mehr hat.
Drum denke ich, dass Willensbildung sehr wichtig ist, eine Werte-Erziehung, eine Erziehung zur Verantwortlichkeit und Aufklärung.
Ich glaube, dass dies die einzig wirklich langfristig wirksamen Mittel zur AIDS-Prävention sind."

Ulrich Schwab:
"In Berichten über die Situation bei den AIDS-Kranken in Afrika ist zu lesen, dass die Krankheit vielfach auch tabuisiert wird. Spricht man in Südafrika in ihrer Region, darf man da über die Krankheit und über ihre Gefahren sprechen?"

Pater Gerhard:
"Das ist ein ganz heikles Thema. Ich denke, dass sich die Sache etwas entflicht jetzt und dass die Menschen ein bisschen offener reden drüber weil eben es kaum einen Menschen gibt, der nicht entweder selber betroffen ist oder der in seinem nächsten Bekanntenkreis oder Freundeskreis Leute hat, die von HIV und AIDS betroffen sind und somit kann man's einfach nicht mehr vermeiden - aber selbst dann wenn es ist dann wird immer noch hinten herum um den heißen Brei herumgeredet und keiner wird es offen zugeben. Und das ist auch ein Riesenproblem, dass die Leute dann auch nicht zum HIV-Test kommen weil sie Angst haben, dass wenn sie in der Schlange anstehen vor irgendeiner Klinik um zum HIV-Test zu gehen, dass sie dann einer fragt "Ja sag einmal was führst du denn für ein Leben? Und dies ist ein ganz großes Problem. Also, da müssten die Leute noch viel ungezwungener werden, dass sich hoffentlich doch mal jeder Mensch testen lässt ob er wirklich HIV-negativ ist und somit keine Behandlung braucht."

Ulrich Schwab:
"Das deutet auch darauf hin, dass so wie mit der Krankheit so tabuisierend umgegangen wird werden die AIDS-Kranken wahrscheinlich auch eher an den Rand der Gesellschaft gedrängt."

Pater Gerhard:
"Da haben Sie recht.
Schauen sie, wenn zu uns Leute ins Hospiz reinkommen, die werden von der Familie gebracht und viele dieser Patienten bekommen nie einen Besuch. Wir sagen den Leuten bei der Aufnahme: Bitte, es ist ganz wichtig für Deinen Verwandten, dass er häufig Besuche bekommt. Aber kein Mensch kommt weil jeder Angst hat vor der ganzen Geschichte. Man will mit dem Kranken keinen Kontakt haben. Auch hat man Angst, dass die Krankheit durch böse Geister hervorgerufen ist und wenn man dann Kontakt mit dem Kranken hat könnte dieser Zauber der bösen Geister auf einen selber übergehen. Und dies ist das große Problem. Man arbeitet also hier noch mit Leuten, die häufig sehr archaische Vorstellungen haben und da muss eben, wie ich es vorher sagte, unendlich viel an Aufklärungsarbeit getan werden."

Ulrich Schwab:
"Pater Gerhard, welche Bevölkerungsgruppe ist denn am stärksten von der Krankheit betroffen?"

Pater Gerhard:
"Es sind eigentlich alle Bevölkerungsgruppen. Da kann man im Grunde niemanden ausschließen. Ich habe immer gemeint, so wie viele andere auch, dass AIDS eine Krankheit der Schwarzen sei. Aber das stimmt nicht. Auch in der Chicy-Micki-Society von Durban sind es eben die Weißen, bei denen die HIV Rate erschreckend hoch ist, wo eben dann sexuelle Freizügigkeit so ein Gesellschaftsspiel ist und es sind im Grunde alle Bevölkerungsschichten betroffen.
Ein ganz großes Problem haben wir mit den armen Leuten, und es gibt nicht nur Arme bei den Schwarzen. Es gibt auch Arme unter den Mischlingen. Es gibt auch selbst Arme unter den Weißen weil sehr viele dieser jungen Leute dann einfach oft keine andere Verdienstmöglichkeit sehen als ihren Köper feil zu bieten und sie sagen Ja , lieber kann ich dann noch zwei drei Jahre leben und brauche nicht zu verhungern als dass ich HIV-negativ bin und verhungere."

Ulrich Schwab:
"Pater Gerhard, wie stark breitet sich denn die Epidemie in Südafrika heute noch aus? Es ist ja seit langen diese Gefahr bekannt. Steigt jetzt diese Gefahr der Neuinfektionen trotzdem noch weiter?"

Pater Gerhard:
"Leider! Und es ist ganz ganz schlimm, weil eben die AIDS-Prävention einfach nicht greift, weil sie einfach falsch angefasst wurde.
Und aus diesem Grunde ist es leider immer noch im Steigen begriffen. Ich kann es in Prozentzahlen jetzt nicht mir aus dem Finger saugen, aber es ist leider immer noch rasant im Steigen begriffen und das ist eine sehr bedrohliche Situation vor der wir stehen und dies ist aber auch eine große Herausforderung, dass wir unsere AIDS-Prävention einfach noch verstärken müssen und - wie ich vorher sagte - es ist halt so wahnsinnig wichtig, dass man die Leute zur vor- und außerehelichen Enthaltsamkeit erzieht, zur ehelichen Treue erzieht. Und ich sage den Leuten immer: Schau, wenn ein Einbrecher Handschuhe trägt, wenn er das Fenster einschlägt, damit er sich dabei nicht verletzt, wenn er das Fenster einschlägt, dann ist dies eine gute Prävention. Aber eine bessere Prävention ist es nicht vor dem Schaufenster einen Behälter mit Handschuhen aufzustellen, sondern den Menschen zu erziehen, dass er schon einmal gar nicht das Fenster einschlägt.
Und ich glaube da muss unsere Erziehung hingehen, dass die Menschen Verantwortung lernen, dass die Menschen ihren eigenen Willen bilden können und dass der Mensch nicht einfach degradiert wird zu einem Tier das seine Triebe nicht kontrollieren könnte."

Ulrich Schwab:
"Welche Hilfe bietet denn das Gesundheitssystem in Südafrika heute für Neuinfizierte? Sicherlich gab es jahrelang in vielen afrikanischen Ländern kaum Behandlungsmöglichkeiten für AIDS-infizierte. Wie ist das heute?"

Pater Gerhard:
"Ja, Gott sei Dank hat sich was die AIDS-Behandlung betrifft unendlich viel getan. Ich meine, jeder weiß dass man AIDS nicht heilen kann, aber man kann mit antiretroviralen Medikamenten den Verlauf der Krankheit nicht nur stoppen, sondern eigentlich zurückdrehen, insofern als dass der Patient, der regelmäßig seine Medikation einnimmt, sich wirklich wohlfühlt, die Virenbelastung auf minimale Werte zurückgeht und die CD4-Helferzellen, die vom Virus zerstört werden, wieder wachsen und damit das Immunsystem wieder in Gang kommt und damit geht es dem Patienten wieder gut und so kann der Mensch dann noch zehn-fünfzehn-zwanzig, vielleicht sogar 25 Jahre länger leben, der sonst innerhalb dieses oder des nächsten Jahre sterben würde, wenn er mal soweit ist, dass er die Medizin braucht.
Gottlob wird dies jetzt allgemein angeboten von den verschiedenen Regierungskrankenhäusern, aber ich bin auch sehr stolz zu sagen, dass in Südafrika das größte Nicht-Regierungs-Programm an antiretroviraler Behandlung durchgeführt wird, das es auf der ganzen Welt gibt, wo über 10000 Menschen in Behandlung sind und das ist das AIDS-Behandlungsprogramm der Südafrikanischen Katholischen Bischofskonferenz und wir sind ein Teil dieser Behandlung, d.h. wir führen auch selber in unseren Hospiz diese Behandlung durch und es ist einfach eine unheimlich schöne Sache zu sehen wie Patienten, die früher durch das Leichenhaus das Haus verlassen haben, jetzt inzwischen innerhalb von wenigen Wochen zu Fuß über die Fronttüre unser Hospiz verlassen können und das ist eine unheimlich großartige Sache."

Ulrich Schwab:
"Pater Gerhard, was erhoffen Sie sich jetzt von der derzeit stattfindenden Welt-AIDS-Konferenz in Mexiko?"

Pater Gerhard:
"Was ich vorher sagte ist dass ich denke die einzig wirklich wirksame AIDS-Vorbeugung ist die, dass man die Leute zur Verantwortung erzieht, dass man die Leute dazu erzieht dass sie Sexualität als einen positiven Wert sehen und ich würde mir erhoffen von dieser Konferenz , dass es nicht nur eine strategische Konferenz ist wie man am wirksamsten möglichst viele Kondome verteilt sondern dass es wirklich darum geht, wie kann man den Menschen in seiner Menschenwürde sehen, respektieren , in seiner Menschenwürde entwickeln und ihm Hilfsmittel zur Hand geben dass er sein Leben in seine eigenen Hände nimmt und dass wir so langfristig gesehen AIDS eindämmen können."

Also nicht nur die Menschen in Südafrika, auch die Gesundheitsexperten bei der Welt-AIDS-Konferenz in Mexiko sollen umdenken lernen, hin zu einem verantwortungsvollen Umgang mit unserer Sexualität. Das sagt der Benediktinerpater Gerhard Lagleder , der seit zwölf Jahren in Südafrika AIDS-Patienten betreut und Präventionsarbeit leistet. Mit ihm hat Ulrich Schwab gesprochen.


Der Sonntagmorgen: Ein Blick über den Tellerrand (6.1.2008)

Der Sonntagmorgen:
Ein Blick über den Tellerrand

Der Sonntagmorgen in Radio Charivari am 6. Januar 2008:
Interview der Katholischen Rundfunkredaktion der Diözese Regensburg mit Pater Gerhard.
 

Zehn nach halb Neun ist es an diesem Sonntagmorgen. Jetzt blicken wir mal ein ganz schönes Stück über den eigenen Tellerrand hinaus, nach Südafrika in die 100.000 Einwohner Stadt Mandeni. Über 50 % Arbeitslosigkeit und eine AIDS-Dichte von 88 %. Hier ist der Regensburger Benediktinermönch Pater Gerhard Lagleder tätig. Pater Gerhard unterhält ein Care Centre, um die schlimmste Not der Bevölkerung dort zu lindern.

Vor 15 Jahren hat Pater Gerhard Lagleder mit dem Care Centre begonnen. 300 AIDS-Infizierte werden dort täglich kostenlos betreut. Hier bekommen Sie ihre antiretroviralen Medikamente die den Aids Virus an der Vermehrung hindern. Pater Gerhard Lagleder:

Ohne die Behandlung würden sie höchstens noch ein Jahr leben. Aber wenn Sie die Behandlung haben, dann können sie noch bis zu 20, 25 Jahre weiterleben, und können zurückgehen in ihre Familie, können ihre Kinder groß ziehen, können wieder zur Arbeit zurückkehren.

HAART-Therapie nennt sich die Behandlung der AIDS-Patienten. Damit die anschlägt, müssen die Menschen für den Rest ihres Lebens regelmäßig ihre Tabletten nehmen. Das versuchen die Mitarbeiter ihren Patienten in Vorbereitungskursen zu vermitteln.

Wir haben es hier mit Leuten zu tun, die davon ausgehen, dass Krankheit durch Verhexung, Verwünschung, Verzauberung, oder böse Geister hervorgerufen ist, und die müssen verstehen, wie der Virus im Blut seinen Schaden anrichtet, und auf welche Art und Weise die Medikamente dem Virus Einhalt gebieten können, und dass es von daher unheimlich wichtig ist, die Medizin auch zu nehmen.

Pater Gerhard ist Mitglied der Bruderschaft des Seligen Gerhard, einer Hilfsorganisation des südafrikanischen Malteserordens. Seine Arbeit wird momentan noch durch ein Programm der amerikanischen Staatsregierung unterstützt. Zuschüsse aus dem Land selbst sind rar. Spenden von außen dringend nötig, denn jetzt soll eine HAART-Klinik für die AIDS Patienten entstehen.

Mich kostet ein AIDS Patient unter Behandlung etwa 150 € pro Monat. 100 davon zahlen die Amerikaner, und 50 muss ich selber betteln für jeden einzelnen Patienten, der bei uns in der Behandlung ist.

Dem Care Centre angeschlossen ist auch ein Waisenhaus für 40 Kinder, das jetzt erweitert wird. Viele sind Aidswaisen. Manche sind behindert. Und …

Ja, wir haben leider eine schrecklich hohe Anzahl an Kindern, die missbraucht und misshandelt worden sind, teilweise von ihren eigenen Familienmitgliedern. Wir haben auch sehr viele ausgesetzte Kinder, die man irgendwo im Busch gefunden hat, wo keiner weiß, wer die Eltern sind.

Zum Komplex gehört außerdem ein Hospiz. Hier können die Menschen in Würde sterben, in einem sauberen Bett, ohne Schmerzen, und mit liebevoller Pflege.

Und als ich runter kam, war eine Pflegekraft ganz lieb und nett um den Patienten bemüht, hat lieb mit ihm gesprochen, hat ihm die Hand gehalten, hat ihm den Schweiß von der Stirn gewischt und ich habe dann für ihn gebetet mit ihr, und dann ist er unter diesem Gebet dann zum lieben Gott heimgegangen. Und dies ist das, was wir hier tun, den Menschen ein Sterben ermöglichen, wo sie aus liebenden Händen in die liebenden Hände Gottes übergehen können.

100.000,--  € fehlen Pater Gerhard noch für den Ausbau seines Care Centres im südafrikanischen Mandeni. Spenden können Sie auf das Konto 12021 bei der Sparkasse Neuburg.

Eva Bracke, Katholische Redaktion, für Charivari.

Und ich wiederhole noch einmal das Konto der Hilfsorganisation: Bei der Sparkasse Neuburg. Die Bankleitzahl ist die 72152070 und die Kontonummer 12021.


Interview von Paul Hasel mit Pater Gerhard Lagleder OSB (15.11.2004)

<font color="#CCFFFF">Radio Horeb</font>
Montag, 15. November 2004

Interview von Paul Hasel mit Pater Gerhard Lagleder OSB

 

 


AIDS ist die Geißel Südafrikas, 40% aller Todesfälle bei Erwachsenen sind auf das Virus zurückzuführen. Mehr als eine halbe Million Aidswaisen leben in Südafrika. Die Epidemie ist eine menschliche Katastrophe, aber nicht nur das, auch die wirtschaftlichen und sozialen Folgen, die von der Immunschwäche ausgehen sind ein Risiko für die Entwicklung des Landes. Einer Weltbankstudie zufolge wird das Bruttosozialprodukt in den kommenden Jahren um 17% sinken, wenn das Virus nicht gestoppt wird. Obwohl Südafrika eines der stärksten vom HIV Virus betroffenen Länder der Welt ist, war die Krankheit hier lange ein Tabu. Vor gut 12 Jahren haben sich deshalb auch die Malteser entschlossen das Tabu AIDS in Südafrika aufzubrechen und haben beschlossen, den am HIV Virus erkrankten Menschen vor Ort zu helfen. Dazu wurde die Brotherhood of Blessed Gérard als Hilfsorganisation des Malteserordens in Südafrika gegründet. Der Präsident von Brotherhood of Blessed Gérard ist heute bei uns im Studio, mit ihm wollen wir über sein und damit auch das Engagement der Malteser für die AlDS Kranken in Südafrika sprechen. Es ist der Benediktinerpater Gerhard Lagleder.

Grüß Gott, Herr Pater Lagleder!

Grüß Gott!

Herr Pater Lagleder was war Ihre persönliche Motivation als Sie sich vor gut 12 Jahren entschlossen den Aidskranken in Südafrika zu helfen?

Ich wurde als Missionsbenediktiner ausgesandt ins Zululand, Südafrikas und als ich dann als Pfarrer eine Pfarrei übernahm mit sehr großen Elendsvierteln und einer sehr hohen AIDS Rate konnte ich mich natürlich nicht nur auf die Kanzel stellen und fromme Sprüche klopfen, sondern wir müssen die Liebe Gottes den Menschen in Wort und in der Tat verkünden und deshalb habe ich eben dann eben begonnen mit der AIDS Arbeit und deshalb eine Hilfsorganisation gegründet. Es ist ja wichtig, dass wir Hilfe nicht als Satellitenprojekt leisten, in dem Menschen aus dem Ausland nach Afrika gehen um dort zu helfen, sondern wir müssen Hilfe zur Selbsthilfe leisten, wir müssen die Menschen vor Ort dazu bringen, ihren eigenen Mitbürgern zu helfen und deshalb habe ich eine Hilfsorganisation in Südafrika selber gegründet und das sind die Südafrikanischen Malteser; und weil die "Brotherhood of Blessed Gérard" ein bisschen kompliziert im Deutschen ist, kann man auch gerne auf deutsch die Bruderschaft des Seligen Gerhard sagen.

Wer war der Selige Gerhard, was hat der gemacht, wieso wurde der selig gesprochen?

In den älteren Zeiten gab es diese Seligsprechungen noch nicht, sondern dies war eine Seligsprechung durch die Verehrung des Volkes und so ging es auch dem Seligen Gerhard, er war der Gründer des Malteserordens, er war ein Benediktinermönch, der vor 900 Jahren an der Abtei Sancta Maria Latina in Jerusalem tätig war, er war dort der Gästebruder und hat sich um die Gäste gekümmert. Es war natürlich so, dass in damaligen Zeiten die Pilger die nach Jerusalem kamen erschöpft und krank dort ankamen und von daher nicht so sehr ein Hotel oder ein Gästehaus brauchten, sondern ein Hospital und er war eben derjenige der dieses Gästehaus leitete und dies wurde damit ganz automatisch zum ältesten Hospital und dort hat er jetzt Leute gebraucht, die ihm halfen diese Kranken zu pflegen. Es war jetzt so, dass in damaligen Zeiten die Ordensberufe nicht so häufig waren und von daher brauchte er jetzt Leute, die ihm halfen diese Kranken zu pflegen und so hat er eine Bruderschaft von Krankenpflegern, wenn sie so wollen, gegründet, die ihm halfen, in der Pflege der Jerusalempilger. Und diese Bruderschaft wurde bereits 14 Jahre nach der Gründung von Papst Paschalis II. als selbständiger religiöser Orden anerkannt und dieser Orden ist heute unter der Bezeichnung der Souveräne Malteser-Ritterorden bzw. der Malteserorden bekannt.

Sie haben jetzt vorhin auch gerade gesagt Sie sind Missionsbenediktiner, wo liegt Ihre Mutterabtei sozusagen, wo kommen Sie ursprünglich her?

Ich komme gleich aus der Nähe von München und zwar aus St. Ottilien, der Erzabtei der Missionsbenediktiner, das ist 40 km westlich von München an der Autobahn München - Lindau.

Ich war ja auch schon in St. Ottilien und die Mönche, die ich da gesehen habe, die trugen alle so einen schwarzen Habit und Sie sitzen mir jetzt gegenüber in unserem Studio in der Münchner Innenstadt und Sie tragen keinen Habit, wie kommt das, gibt es für die Benediktiner die in anderen Ländern aktiv sind, Wahlfreiheit, was sie tragen?

Es ist natürlich so, wenn Sie in Afrika arbeiten und mit einem schwarzen Habit laufen würden, dann würden Sie sehr schnell am Hitzschlag sterben und dies ist einer der Hintergründe, aber es ist auch so, dass man, wenn man auf Reisen ist, nicht im Habit reist, aber sonst, wenn ich im klösterlichen Bereich im Einsatz bin, würden Sie mich mit einem genauso schönen Habit sehen wie meine Mitbrüder in St. Ottilien.

Sie sind auf Heimaturlaub, haben Sie da jetzt wirklich Urlaub, Sie sind ja jetzt auch bei uns im Studio heute für eine Stunde, oder verbringen Sie doch die meiste Zeit, wie jetzt diese Stunde damit, für Ihre Hilfsorganisation zu werben? Wie sieht das aus Ihr Heimaturlaub?

Ja, Urlaub ist natürlich immer so eine Sache, selbstverständlich dient er auch der Erholung und es ist ja so, wenn man nicht direkt in der Verantwortung steht, dann ist das auch eine Erholung und herum zu reisen und Vorträge zu halten strengt mich persönlich nicht allzu sehr an, ich tue es ja gerne und ich rede mit Freude von unserer Arbeit und deshalb ist dieser so genannte Heimaturlaub einfach eine Reise wo man anderen Leuten die Arbeit unserer Organisation vorstellen will und natürlich auch Freunde gewinnen will und ich kann mich hier eben nicht nur ruhig halten und nichts tun, sondern es liegt mir eben sehr am Herzen, dass diese Arbeit auch getragen wird, nicht nur durch finanzielle Hilfe sondern auch durch Hilfe im Gebet und so gehe ich eben rum und versuche die Leute dazu zu animieren, dass sie uns helfen im Gebet und natürlich auch im Opfer.

Sie und Ihre Organisation kümmern sich um Aids Kranke in Südafrika, wir in Europa haben kaum eine richtige Vorstellung über dieses Land, wir kennen vielleicht noch die Hauptstadt und dass das Land auf dem Weg zur Demokratie ist, dass die Apartheid abgeschafft ist, sagen Sie uns erst einmal wo in Südafrika engagieren Sie sich, in welchem Landesteil?

Wenn Sie die Landkarte Südafrikas genau in der Mitte zusammenfalten und nach Osten gehen, dann kommen Sie an die große Hafenstadt mit 4 Mio. Einwohnern, die Durban heißt und wenn Sie von dort 100 km nördlich gehen, dann kommen Sie an die Mündung des Tugela Flusses in den Indischen Ozean und genau dort liegt der Ort Mandeni. Im Großraum von Mandeni wohnen 250 000 Menschen und um die nehmen wir uns in unserer Hilfsorganisation, der Brotherhood of Blessed Gérard an.

Sie haben es vorhin schon einmal angesprochen, wie die Verknüpfung ist mit den Maltesern und dem Malteserorden mit dieser Hilfsorganisation, wie sieht jetzt die Zusammenarbeit genau aus, auch jetzt mal im Blick mit auf die Verbindung hier in die Erzdiözese München und Freising, wie funktioniert diese Zusammenarbeit, wer leistet was?

Malteser sind in der ganzen Welt tätig und das ist wie eine Großfamilie, wo alle eben zusammen helfen und die Deutschen Malteser sind besonders aktiv und helfen Maltesern auf der ganzen Welt in ihrer Arbeit uns so habe auch ich, als Gründer der Südafrikanischen Malteser, mich an meine deutschen Freunde gewandt und habe gesagt: könnt ihr uns nicht helfen, wir brauchen Hilfe, nicht nur finanziell, sondern natürlich auch mit know how und die Münchner Malteser haben unserer Hilfe entsprochen und sie haben im nächsten Jahr ihr 50 jähriges Jubiläum und zu diesem Zweck habe sie eine Jubiläumsaktion gestartet oder werden diese starten und sie haben gesagt: wir wollen nicht nur uns darüber freuen, dass wir 50 Jahre lang den Nächsten helfen dürfen, sondern wir wollen das auch in einer Weise tun, dass wir unserer Dankbarkeit durch Hilfe Ausdruck geben und so bin ich sehr dankbar und sehr stolz darauf, dass die Münchner Malteser uns erwählt haben als ihr Jubiläumsprojekt und versuchen so viele Spenden als möglich zusammenzubekommen um uns unter die Arme zu greifen und ich finde es ganz großartig und ich möchte auch an dieser Stelle mich dafür sehr herzlich bedanken.

Sie können den Dienst an den Aidskranken in Südafrika sicher nicht alleine leisten, sie sind derjenige sicherlich, der ein Team leitet, der den Überblick hat, wer arbeitet denn bei Ihnen mit, sind das jetzt noch zusätzliche Mitbrüder aus St. Ottilien, wer unterstützt Sie bei Ihrer Hilfsarbeit?

Als Missionsbenediktiner bin ich in Mandeni der Einzige, ich bekomme natürlich sehr intensive Unterstützung im moralischen Sinn von Seiten meines Ordens, der mich mit dieser Aufgabe beauftragt hat und ich habe deshalb eine Hilfsorganisation gegründet um eben möglichst viele Leute zu bekommen, die die Arbeit vor Ort tragen. Unsere Brotherhood hat momentan mehr als 1500 Mitglieder und von diesen 1500 sind 550 aktive Mitglieder vor Ort, alles Südafrikaner und von diesen 550 aktiven Mitgliedern sind 40 hauptamtliche Kräfte und die restlichen 510 sind ehrenamtliche Helferinnen und -helfer und das geht vom Arzt bis zum ganz einfachen Helfer der irgendwann einmal bei uns im Hause aushilft.

Sind das vor allem auch junge Menschen, die jetzt ganz besonders bewegt sind mitzuhelfen, die so etwas wie ein soziales Jahr mal leisten wollen oder eine soziale Auszeit nehmen für dieses Projekt?

Was das Ausland betrifft ja, wir haben immer mal wieder Leute aus dem Ausland, die zu uns kommen um so ein Art Freiwilliges Soziales Jahr zu machen, ich verwende den Ausdruck eigentlich nicht gerne, weil es nicht dieses offizielle Freiwillige Soziale Jahr ist, aber es gibt Leute, die so wie Sie sagen eine Auszeit nehmen und uns da helfen wollen, aber das Wesentliche ist uns eigentlich, dass wir Leute vor Ort im eigenen Land gewinnen, die diese Arbeit tun und unter unseren aktiven Helfern sind Leute, die so alle paar Tage mal so eine Schicht machen und es gibt auch Leute, die regelmäßiger kommen, aber das ist ja das Proprium der Ehrenamtlichen Arbeit, dass man nicht gezwungen ist zu einer bestimmten Zeit irgendwelche Dienste zu tun, sondern dass man frei ist und wir haben da so einen Dienstplan, da kann man sich eintragen lassen und so läuft das.

Pater Gerhard, ich habe eingangs die Situation ganz allgemein für Südafrika beschrieben, das sind doch aber recht erschreckende Zahlen, 40% aller Todesfälle bei Erwachsenen sind auf den AIDS Virus zurückzuführen, mehr als eine halbe Million AIDS Waisen leben in Südafrika, wie sieht es jetzt ganz genau für das Gebiet aus, wo Sie wirken, sieht es da ähnlich aus

Ja, ich denke, Sie müssen sich jetzt festhalten, denn das Gebiet in dem ich tätig bin, ist, wenn Sie so wollen mit einem Schlagwort die AIDS Hauptstadt der Welt, die Township Sundumbili, die bei Mandeni liegt oder die zu Mandeni gehört, ist das Gebiet in Südafrika mit der höchsten AIDS Rate. Im Januar 2004 waren 76% der auf HIV getesteten Menschen HIV positiv. Vor 5 Jahren haben wir in iSithebe, das ist eine Industrieansiedlung 10 km nördlich, die zu unserem Einzugsbereich gehört Fabrikarbeiter durchgetestet und da waren 88% HIV positiv. Das kommt dann eben soweit, dass die Leute wirklich wie die Fliegen sterben; bei uns im Hospiz sterben pro Tag bis zu 4 Patienten an AIDS und das ist eine absolut schreckliche Tatsache.

Pater Gerhard, was sind die Ursache für AIDS in Südafrika, dass dieser Virus dort so schrecklich Ausmaße annimmt, woran liegt das?

Ich denke, dass der wirkliche Grund die Armut ist und die Ungleichheit der Geschlechter, d.h. dass Frauen sehr häufig arbeitslos sind und wenn sie Arbeit haben bekommen sie für die selbe Arbeit weniger Geld und dann ist die Versuchung natürlich sehr groß, sich im ältesten Gewerbe der Menschheit zu betätigen, mit anderen Worten dass sich die Leute durch Prostitution sich Geld verdienen wollen und ich denke, das darf man gar nicht so aburteilen, weil die Leute dies nicht tun um böse zu sein oder um den Geboten Gottes nicht zu folgen, sondern weil sie denken, dies ist die einzige Möglichkeit zu überleben und die armen Leute geben sich dann eben diesen Männern hin und stecken sich mit dem HIV Virus an und ich denke, das ist der Hauptgrund, es sind weit über 95% aller HIV Infektionen auf heterosexuellen Geschlechtsverkehr zurückzuführen.

Hängt das auch damit zusammen, dass es nicht so wie im christlichen Glauben so jetzt quasi ein Verbot gibt, den Partner zu wechseln, also dass die Mehrheit der Bevölkerung dort anderen Religionen, heidnischen Naturreligionen angehört, hängt das auch damit zusammen?

Ich denke auf jeden Fall. Es gibt ja bei uns die Mehrehe oder die Polygamie, d.h. ein Mann kann so viele Frauen haben wie er sich leisten kann, so lange er dem Schwiegervater 11 Stück Vieh bezahlt für seine Tochter kann er sie heiraten und dies ist natürlich ein Problem, dass von der historischen Struktur des Volkes die Polygamie grundgelegt ist, aber damit ist es nicht nur getan, denn das Problem ist, die meisten können sich diesen Brautpreis gar nicht leisten, aber bekommen dann doch Kinder und dann läuft der Mann wieder davon, bzw. der Freund und so das übliche Schema dem wir leider unterliegen ist eben das, dass der Vater seine biologische Rolle erfüllt und sobald er weiß, dass seine Freundin schwanger ist läuft er davon und die arme Mutter ist dann mit dem Kind und sehr häufig eben mit dem HIV Virus alleingelassen.

Sie haben gerade gesagt, die Menschen dort hängen anderen Religionen an, sie haben dadurch auch eine andere soziale Mentalität möchte ich es mal nennen, wie ist jetzt die Ausgangsbasis für Sie als Christ aus Ihrer Sicht, wie viele Christen leben in der Region wo sie arbeiten und gibt es da eine Kooperation mit denen?

Es sind etwa 5-8% Katholiken in unserem Gebiet, die anderen größeren christlichen Konfessionen sind die anglikanische Kirche, die methodistische Kirche, die baptistische Kirche, es gibt auch ein paar Lutheraner bei uns, aber der Großteil der Bevölkerung sind eben Heiden, wie man dies altertümlich bei uns sagt oder eben Leute die Animisten sind, die an böse Geister glauben, die versuchen ihre Ahnengeister zu beschwichtigen, dass ihnen die nichts antun und von dieser religiösen Basis aus gesehen ist es natürlich sehr schwierig und gerade das denke ich auch wenn es diesen Halt in der moralischen Wegweisung der Kirche nicht gibt ist auch etwas, was der AIDS Situation Vorschub leistet.

Sie haben vorhin gerade erzählt, dass in Ihrer Region bis zu 88% der Menschen betroffen sind vom AIDS Virus; was sagen die Menschen dazu, haben sie längst resigniert, wie ist die Einstellung der Menschen zu diesem Problem oder gibt es noch so ein Stückchen Hoffnung, was sagen die Menschen Ihrer Erfahrung nach, was sagen sie Ihnen?

Das Problem ist, das die Leute die Wahrheit einfach verdrängen und das ist ein ganz großes Problem. Es werden Leute bei uns im Hospiz eingewiesen und sie sagen: Sie Pater, mir haben sie so Zaubermedizin ins Essen gemischt, haben sie nicht ein bisschen so ein Gegenzauber, was da helfen könnte, damit wir diesen Zauber wieder herausbringen und den Leuten eben dann zu erklären, was wirklich dahinter steht, dass sie sich mit dem HIV Virus angesteckt haben ist häufig sehr schwierig, weil ihnen auch die Grundbegriffe in Anatomie, Physiologie, Pathologie und Pharmakologie fehlen und das muss man dann den Leuten ganz langsam beibringen, damit sie vorbereitet werden, dass sie entsprechende Medizin einnehmen, die ihnen helfen kann den HIV Virus wenigstens ein wenig im Zaum zu halten.

Ich habe eingangs auch vorhin gesagt, Südafrika ist in seiner jetzigen Form noch ein relativ junger Staat nach dem Abschütteln der Apartheid wird jetzt sicherlich auch noch die Demokratie aufgebaut, wieso schafft es denn jetzt aus Ihrer Sicht Staat und Gesellschaft in Südafrika nicht auch aus eigener Kraft diese Seuche AIDS zu bekämpfen, eben weil der jetzige Staat noch so jung ist und vielleicht sogar noch andere Probleme als wichtiger ansieht, wieso schafft man es nicht in Staat und Politik die Sache anzugehen?

Ich denke das ist so eine Situation, wie wenn Sie mit einer Schneeschaufel vor einer Lawine stehen und der Staat versucht sein Möglichstes, die Kirche versucht ihr Möglichstes, alle versuchen ihr Möglichstes, aber die Lawine ist einfach so übergroß, dass alle davon überrumpelt werden und es gibt nur wenige die dann so ein bisschen auf der Lawine noch lavieren können und dann etwas tiefer graben und die Lawine ganz langsam abtragen können. Jeder versucht sein Möglichstes und ich halte es so mit dem John F. Kennedy, der gesagt hat: frage nicht was kann deine Regierung für dich tun und alle Verantwortung auf die Regierung abzuschieben, sondern frag lieber, was kannst du für dein Land tun, und so spielt die Kirche auch ganz bewusst eine helfende Rolle, die dem Land helfen will das man mit vereinten Kräften von allen Seiten her das Problem angreift.

Pater Gerhard bis hierher erst einmal vielen Dank, gleich sprechen wir weiter über die Brotherhood of Blessed Gérard, die Hilfsorganisation des Malteserordens in Südafrika im Kampf gegen AIDS und unterhalten uns dann darüber, wie Ihre konkrete Hilfe für die Menschen aussieht, das Wort Hospiz fiel jetzt schon einige Male, es werden Kinderheime von Ihnen betrieben, also ganz vielfältig nehmen Sie den Kampf gegen AIDS auf; wir schauen konkret da noch gleich drauf

--- Unterbrechung mit Musik ---

Pater Gerhard wir haben verschiedene Felder angerissen im Eingangsgespräch, wo Sie beschrieben haben, was Sie in Südafrika für die Menschen tun, wir wollen das jetzt auch gleich noch genauer beschreiben für die Hörer was jetzt gar nicht an Stichworten gefallen ist, z.B. was wir sonst immer in den Medien hören, ist, dass ja gesagt wird: wir müssen in solchen Regionen wie in Südafrika nur genügend Verhütung betreiben, genügend Kondome austeilen, dann wird sich das Problem von alleine erledigen. Was sagen Sie dazu, ist das Verteilen von Kondomen eine Lösung die tragfähig ist aus Ihrer Sicht?

Das ist eine sehr schwierige Frage und zwar gerade deshalb weil bei uns durch die Kondomwerbung eine falsche Sicherheit oder ein Gefühl einer falschen Sicherheit erzeugt wird, das Problem ist, dass die Kondome in Südafrika qualitativ nicht allzu gut sind, sie haben selbst in der Empfängnisverhütung eine Fehlerquote von 15% und das ist natürlich alarmierend hoch und deshalb ist eben das Kondom auch nicht das Allheilmittel und die Leute denken, dass wenn sie ein Kondom verwenden könnten sie tun, was sie wollen und dann das Kondom oft auch nicht richtig anwenden oder wieder verwenden und das führt dann natürlich sehr häufig dazu, dass sich die Leute dann vielleicht noch eher anstecken als sie es tun würden, wenn sie kein Kondom verwenden würden und dann als Konsequenz ein enthaltsames Leben führen würden. Aber das ist natürlich eine Botschaft, die nicht für alle Ohren genehm ist, aber wir hören trotzdem nicht auf den Leuten zu sagen: es gibt nur eine ganz sichere Methode und das ist, dass du deine Beine schließt und eben ein enthaltsames Leben führst bzw. wenn du und dein Ehepartner HIV negativ sind, dann könnt ihr so viele Kinder haben wir ihr wollt, es kann euch überhaupt nix passieren, aber eheliche Treue ist eben das A und O und wer zur Seite rausgeht ist selber Schuld, wenn er dann Gefahr läuft, wenn er sich ansteckt. Aber das große Problem ist ja auch nicht dieses, sondern das große Problem ist, dass viele Frauen im Zululand gar keine Wahl haben, dass sie meinen, wenn ein Mann zu ihnen sagt, er will jetzt mit ihnen Geschlechtsverkehr haben, dass sie nicht nein sagen dürften und das ist eine ganz wichtige Sache in unserer AIDS Aufklärung, dass wir den Leuten, dass wir den Frauen sagen ihr habt ein Recht nein zu sagen und ihr dürft euch von den Männern da nicht übertölpeln lassen, die, aus welchen Gründen auch immer euch da in Gefahr bringen wollen und das ist auch eine ganz wichtige Botschaft, die wir in unserer AIDS Aufklärung rüberbringen.

Pater Gerhard, als Sie vor 12 Jahren nach Südafrika als Missionsbenediktiner gegangen sind, was war da Ihre erste Hilfsaktion und gibt es die heute noch?

Angefangen hat das Ganze einfach damit, dass ich 1990 als Pfarrer in das Gebiet von Mandini kam, 100km nördlich von Durban, der großen Hafenstadt am indischen Ozean und dass dort sehr viele Menschen waren, die vernachlässigt worden sind als kranke Menschen und es gab da so einen Fall, wenn ich das erzählen darf, wo ich gerufen wurde, als Priester natürlich, zu einer Schwerkranken um ihr die Krankenkommunion zu bringen, sie läge im Sterben. Ich bin dorthin gefahren, habe ihr die Krankenkommunion gebracht und weil sie sehr schlecht beieinander war, habe ich ihr auch die Krankensalbung gespendet und dann habe ich zu ihr gesagt: Sie ich bin nicht nur Priester, sondern ich bin auch Sanitäter, darf ich Sie mal fragen, was Ihnen denn gesundheitlich sonst noch fehlt und da sagt sie: ja mein Rücken tut mir so weh und dann habe ich mir den Rücken angeschaut und der war völlig wund gelegen, man hat bis auf die Knochen durchschauen können und sie war völlig ausgezehrt und abgemagert. Dann habe ich sie überredet, dass ich sie mitnehmen durfte zu einem guten Arzt, dem Pfarrgemeinderatsvorsitzenden der Township Sundumbili und zu dem bin ich dann hin und der sagte: ja, die ist so schlecht beieinander, die muss unbedingt sofort ins Krankenhaus und dann wurde sie ins Krankenhaus verlegt und in der selben Nacht ist sie dann verstorben. Und dann hat mich genau dieser Arzt angesprochen, hat gesagt: Mensch Pater Gerhard, könnten wir nicht irgendwas unternehmen, es sterben hier so viele Leute an Vernachlässigung. Leute sollten nicht sterben müssen an Bettgeschwüren und an Unterernährung, könnten wir nicht irgendetwas unternehmen, als die katholische Kirche, dass den Leuten geholfen wird? Und da ist er natürlich bei mir, als altem Malteser auf offene Ohren und offene Türen gestoßen und das war einer dieser Ausgangspunkte, wo ich dann gesagt habe: wir müssen irgendwie versuchen, dass wir eine Einrichtung schaffen wo wir uns um Menschen kümmern, die sonst vernachlässigt werden. Und so haben wir dann begonnen Geld zu sammeln um dann dieses Care Centre, wie wir es im Englischen nennen, dieses Pflege- Sozial- und Hospiz-Zentrum zu bauen; wir haben das Zentrum im Jahr 1996 am Todestag des Seligen Gerhard, dem 3. September, eröffnet und haben seitdem Tausende von Patienten dort behandeln können, aber anfangs war es wie gesagt nur für vernachlässigte Kranke, hat sich dann aber sehr schnell in ein Hospiz gewandelt und am Anfang war etwas die Hälfte unserer Patienten Krebspatienten und die Hälfte waren AIDS Patienten und jetzt haben wir ab und zu mal einen Krebspatienten und 99, noch was Prozent unserer Kranken sind jetzt AIDS Kranke und so hat sich das eben von selber entwickelt zu dem was es heute ist.

Das heißt also, Sie betreiben nicht nur Hospizarbeit, also Arbeit indem Sie Sterbende auf ihrem Weg begleiten, sondern auch Pflegearbeit; wo liegt eher der Schwerpunkt auf der Pflege oder im Hospizwesen?

Das ist bei uns ein Guss, Hospizarbeit wird meistens in Deutschland nur als die psychologische Hilfe verstanden, dass man mit den Leuten spricht und sie bestärkt und ihnen die Tröstungen der Kirche durch gutes Zureden und durch Dasein für die Kranken gibt; das gehört bei uns alles dazu, aber bei uns gehört auch das volle Spektrum der Pflege dazu, unser Hospiz schaut von außen oder auch von innen aus wie ein Krankenhaus, d.h. wir können Leute stationär aufnehmen, wir sind das größte Hospiz Südafrikas mit 80 Betten, 40 im Kinderheim und 40 im Hospiz selber für Erwachsene, wir nehmen aber nicht nur Patienten stationär auf, sondern wir haben auch Tagespflege im Angebot, d.h. dass man den Patienten am Morgen zu uns bringt, tagsüber betreuen wir den Patienten und am Abend kann er nach Hause gehen in seine gewohnte familiäre Umgebung und wir leisten auch mobile Hauskrankenpflege, d.h. so wie in Deutschland es die Sozialstationen tun, dass wir in den Busch raus fahren, in den Hütten die Leute besuchen und den Familien helfen, sie anregen und ihnen zeigen, wie man ihren Angehörigen pflegen kann und darüber hinaus bieten wir noch Pflegeausbildung an, Ausbildung für die Öffentlichkeit in häuslicher Krankenpflege, aber auch Ausbildung für unsere eigenen aktiven Helferinnen und Helfer, etwa zum Level einer deutschen Schwesternhelferin bzw. eines Pflegediensthelfers. Es ist also ein ziemlich umfassendes Programm, welches wir dort im Hospiz abziehen bzw. anbieten und damit können wir eben sehr vielen Menschen helfen und konnten schon Tausenden von Menschen helfen, wofür wir natürlich sehr dankbar sind.

Sie haben gerade angesprochen, dass Sie auch Leute ausbilden, die dann selbst zu Hause pflegen können oder einen Sterbenden begleiten können, ist das also auch eine Hilfe zur Selbsthilfe, das ist ja so der Klassiker in der Entwicklungshilfepolitik Hilfe zur Selbsthilfe wird das immer wichtiger?

Ganz wesentlich ja. Ich meine, die ganze Organisation ist eine Hilfe zur Selbsthilfe weil die aktiven Mitglieder dieser Organisation natürlich Südafrikaner sind, Zulus sind die vor Ort ihren eigenen Leuten helfen und insofern ist es durchaus Hilfe zur Selbsthilfe, aber auch im engern Sinn, dass man auch die Familie befähigt, durch die Pflegeausbildung etwa ihren eigenen Kranken zu Hause helfen zu können oder ihren Nachbarn helfen zu können. Wir haben es häufig auch schon erlebt, dass Leute, die bei uns aktiv tätig waren und dann weggezogen sind oder geheiratet haben oder aus irgendwelchen anderen Gründen nicht mehr ehrenamtlich bei uns mitarbeiten konnten, dass wir von denen hören, dass sie dann wo sie hingezogen sind von sich aus wieder anderen Leuten geholfen haben und auch ihr Wissen weitergegeben haben an andere und das ist so eine Art Schneeballsystem wie diese, nicht nur das Fachwissen, sondern auch die Einstellung, dass man anderen Leuten hilft weiter getragen wird. Denn man muss auch wissen, dass in der Zulugesellschaft der Familienclan zwar ein sehr eng gespanntes soziales Netz ist, wo man einander durchaus hilft, soweit es geht, aber dass außerhalb der eigenen Familie, des eigenen Familienclans diese soziale Einstellung gar nicht so gegeben ist und wenn man da so eine Saat sähen kann, die jetzt aufgeht, dass dann nicht nur die Meiers den Meiers und die Hubers den Hubers helfen, sondern dass man eben über die Familiengrenzen hinaus einander hilft, dann haben wir da sicher auch eine gute Aufgabe erledigt.

Wenn die Eltern an AIDS sterben, brauchen Kinder eine neue Heimat, sie fangen viele dieser Kinder auf in ihren Kinderheimen und ich denke, es gibt Kinder, die dann auch infiziert sind und es gibt jene, die nicht infiziert sind und die brauchen ja dann auch eine Perspektive, eine Zukunft; was bieten Sie denn diesen Kindern für die Zukunft, was für eine Perspektive?

Unser Kinderheim ist genau aus dem Grund entstanden, nämlich dass wir im Hospiz Mutter und Kind aufgenommen haben und dass die Mutter dann an AIDS gestorben ist und das Kind blieb übrig. Normalerweise würde natürlich der Familienclan das Kind übernehmen, d.h. nach Zulutradition müsste, wenn ich verheiratet wäre und ein Kind hätte, mein Bruder oder meine Schwester mein Kind übernehmen, wenn ich sterbe. Aber das Problem ist natürlich, dass die ganzen Brüder und Schwestern jetzt schon gestorben sind an AIDS und dass niemand mehr da ist. Und wo auch das staatliche Sozialsystem nicht mehr greift, d.h. wo es einfach keine Pflegeeltern, keine Adoptiveltern mehr gibt wegen des Überangebotes an AIDS Waisen, wenn Sie das so nennen wollen, dort greifen wir ein. Wir verstehen uns so wie ein Sicherheitsnetz eines Trapezkünstlers, solange seine Künste alle funktionieren, sprich die Künste des Sozialsystems des Staates, dann ist alles o.k., aber wenn er da durchfallen würde, dann fangen wir ihn trotzdem auf, so dass er nicht auf dem Boden aufschlägt; und so verstehen wir die Rolle unseres Kinderheimes, Sie haben mich gefragt, was die Perspektive ist, wir mussten uns natürlich bevor wir das Ganze angefangen haben überlegen: wie schaut es denn aus, wenn die Kinder älter werden und wir haben uns dann entschlossen, dass wir gesagt haben, wir können nicht, wenn das Kind jetzt 12 Jahre ist, das Kind auf die Straße stellen und sagen tut uns leid, wir können dir nicht weiterhelfen, sondern wir haben uns entschlossen, die Kinder so lange bei uns zu behalten, bis sie wirklich auf eigenen Beinen stehen, mit anderen Worten bis sie eine Berufsausbildung abgeschlossen haben oder im Studium sind und dann selber ihr Leben in die Hand nehmen können und selber Geld verdienen können.

Pater Gerhard, Sie haben vorher erzählt, dass die Menschen, die zu Ihnen kommen, anderen Religionen angehören und dann noch oft meinen, Sie könnten denen im Sinne dieser Religionen helfen, wie ist das jetzt in den Hospizen, in den Kinderheimen, gibt es da auch diese Skepsis von den Menschen oder geben sich die Menschen, die dann dahin kommen ganz in Ihre Hände und vertrauen darauf, dass Sie die richtigen Heilmittel sozusagen haben?

Wenn die Leute zu uns kommen, dann werden die ganz angenehm empfinden, dass wir ihnen Religion nicht aufdrücken, sondern dass unser religiöses Angebot immer ein Angebot ist, d.h., dass wir beim Aufnahmegespräch mit den Leuten reden, auch dann wenn man sie dann nachher auf dem Zimmer besucht, auch über spirituelle Probleme spricht, über psychologische Probleme spricht und je nachdem wie sich der Patient dann öffnet kann man einen Schritt weitergehen und das empfinden die Patienten durchaus angenehm, es wird ihnen dann auch angeboten an den Gottesdiensten im Haus teilzunehmen, wir haben jeden Tag in der Früh um 7.30 Uhr hl. Messe und am Sonntag um 9.30 Uhr und da können die alle daran teilnehmen und sehr viele auch Nichtkatholiken nehmen gerne an diesen Gottesdiensten teil, weil sie einfach sagen, das ist eine Zeit wo ich zur Besinnung kommen kann, wo ich in der Gemeinschaft mit den anderen Kranken, aber auch mit den Gesunden, weil wir ganz bewusst die Gesunden unserer Pfarrei mit zu unseren Gottesdiensten einladen, damit die Kranken nicht isoliert auf der einen Seite stehen und die Gesunden isoliert auf der anderen und sich auf diese Art und Weise sich eine echte Gemeinde bildet, die durchaus für die Kranken in ihrer Gemeinschaft eine Heimat wird und dass ist, glaube ich, wie es auch Christus von uns will, dass wir alle eine große Familie sind und das versuchen wir zu verwirklichen uns dann eben wie gesagt in der Gesprächsseelsorge die Menschen auch zu Gott zu bringen.
Wenn ich Ihnen da ein Beispiel erzählen darf, wo mir, als altem Hasen auch die Knie weich geworden sind. Das war ein Fall, wo mich ein Mann zu sich gerufen hat und sagte .... und das heißt auf Deutsch: Entschuldigen Sie Hochwürden, könnte ich etwas Brot haben und ich habe mir gedacht: ja das ist ja kein großes Problem, ging in die Küche und habe ihm eine Scheibe Brot auf einen Teller gelegt und gebracht und er sagte: .... Nein, mein Herr, ich möchte ein anderes Brot; ich hab´ mir gedacht, ja was will er denn und ich wollte schon etwas unmutig werden, weil er da so wählerisch ist, aber einem Sterbenden oder einem Kranken gegenüber wird man natürlich immer versuchen, besonders lieb zu sein und so war ich es dann auch und habe ihn gefragt: ja was wollen Sie denn für ein anderes Brot .... Ich möchte das Brot des Lebens. Dann war ich ganz von den Socken, dass mir ein Heide, jemand der von Gott wie ich dachte noch nie etwas gehört hat, dass der auf einmal das Brot des Lebens will, mich auf einmal mit Theologischen Fachbegriffen befragt. Und dann wurde ich neugierig und habe gefragt: Ja sagen Sie mal, was meinen Sie denn da mit dem Brot des Lebens und da sagte er: ja Pater, du hältst doch jeden Tag in der Früh diesen Gottesdienst, diese Hl. Messe und ich habe die Leute dann gefragt, wenn du da dieses Brot verteilst, was denn das ist und dann haben mir die anderen Patienten gesagt, dass das das Brot des Lebens ist und wenn ich von diesem Brot esse, dann werde ich nicht sterben und ich will doch nicht sterben, bitte gib´ mir doch dieses Brot. Und dann habe ich gesagt: Ja, wenn Sie die Erstkommunion wollen, dann müssten Sie ja eigentlich getauft sein und dann sagte ich ja... Ja, dann tauf mich doch! Dann sag ich: ja aber zur Taufe normalerweise braucht man als Erwachsener ein Jahr Taufvorbereitung bei uns bis man getauft werden kann, aber der lag wirklich im Sterben und war sehr schlecht beieinander und dann habe ich eben Gnade vor Recht ergehen lassen, habe ihm so eine Stunde lang Taufunterricht erteilt und habe ihm dann die Taufe gespendet. Im selben Gottesdienst habe ich ihm dann die Erstkommunion gespendet und weil er so schwer krank war, habe ich ihm auch noch die Krankensalbung gegeben und ging dann sehr froh und glücklich auf mein Büro zurück und habe weitergearbeitet. Nach wenigen Stunden ruft mich einer der Pfleger an und sagt: Mensch, Pater schnell komm´ runter, dem Patienten geht es ganz schlecht, er atmet ganz schwer und dann kam ich runter auf die Krankenstation und konnte ihm gerade noch im Sterben die Hand halten und mit ihm beten. Und wie ich schon eingangs sagte, da wurden auch mir, als altem Hasen, ich bin seit 35 Jahren in der Krankenpflege tätig und seit 17 Jahren Missionar und da wurden auch mir die Knie weich, dass ein Mensch an seinem Todestag sagt, er will das Brot des Lebens und dass die Missionierung nicht durch die Profimissionare, die Theologie studiert haben und über alle möglichen Pastoralkurse und sonstigen Dinge abgeschlossen haben und als Amtsträger der Kirche den Glauben verkünden, sondern dass das die anderen Mitchristen waren, die anderen Katholiken waren, die den Glauben weiter getragen haben und da bin ich eigentlich unendlich froh geworden, dass unsere Kirche eine Kirche ist, die den Glauben verkündet auf allen Ebenen und so gibt es viele Leute die sich einfach aus der Erfahrung des Geliebtseins, des Aufgehobenseins, des spirituellen Angebotes, des Gottesdienstlichen Angebotes dann auch bekehren und zur Kirche zurückfinden, aber auch sehr viele Leute, die 10, 20, 30 oder noch mehr Jahre nicht mehr beim beichten waren, dann in dieser schlimmen Situation zurückfinden und sagen: Herr Pater, ich würde mal gerne mit Ihnen sprechen und am Ende eines stundenlangen Gespräches steht eben dann manchmal Gottlob die Lossprechung und es ist eine wunderschöne Aufgabe und deshalb ist also auch diese Hospizarbeit, wenn man sie aus diesem Blickwinkel leistet zutiefst missionarische Arbeit.

Und diese positiven Beispiele kann ich mir gut vorstellen bewirkt sicherlich auch bei Ihnen, dass Sie das über einen so langen Zeitraum tun können und so engagiert. Kann man sagen, spielt dann das Brot des Lebens nicht nur für diesen Kranken eine wichtige Rolle, sondern auch für Sie selbst, ist das die Kraftquelle aus der Sie täglich neu tanken?

Ich habe jetzt gelächelt, die Hörer können das nicht sehen an meinem Gesicht, weil Sie genau den Nerv meiner persönlichen Frömmigkeit angesprochen haben, ich bin sehr auf die Eucharistie zentriert in meiner persönlichen Frömmigkeit, ich habe eine kleine Hauskapelle neben meinem Büro und da ist das Allerheiligste drinnen und jeden Tag hole ich es raus aus dem Tabernakel und setze es in die Monstranz, ich habe eine wunderschöne selbst gemachte Monstranz, einen brennenden Dornbusch und dort halte ich dann Anbetung und sag´ zum Herrn: Bitte schön gib mir die Kraft, dass wir diese Arbeit weiter tragen können, aber gib´ auch unseren Patienten die Kraft und dieses Brot des Lebens ist jetzt also wirklich das Zentrum natürlich unseres Glaubens, selbstverständlich, aber es ist auch ein ganz spezielles Zentrum meiner persönlichen Frömmigkeit und ich werde oft gefragt: wie hältst du das aus, jeden Tag bis zu 4 Menschen in den Tod zu begleiten und das ist meine Antwort, durch die Fundierung im Glauben, aber auch durch das Wissen, zu wissen, dass den Menschen wenn sie nicht bei uns wären, es wesentlich schlechter ginge und dass sei dann fern von Gott, fern von einer liebenden Hand vernachlässigt, oft alleine sterben würden und wenn wir gerade im Tod den Menschen die Liebe Gottes zeigen können, dann denke ich, ist es eine ganz wesentliche Aufgabe von uns Christen und von uns Katholiken umso mehr.

Pater Gerhard, lassen Sie uns auch den Blick in die Zukunft richten, wie könnte denn aus Ihrer Sicht denn jetzt die Situation stabilisiert werden, kann AIDS eigentlich als Seuche noch aufgehalten werden, was ist da Ihre Einschätzung für die Zukunft?

Wir haben in diesem Jahr begonnen mit Antiretroviraler Therapie, d.h. man muss natürlich alle Möglichkeiten ausschöpfen, die es gibt, Palliativpflege ist gut und wunderbar und sehr wichtig, aber wo es noch darüber hinaus Möglichkeiten gibt muss man die natürlich ausschöpfen und so haben wir in diesem Jahr eben, wie ich schon sagte mit der Ausgabe von Antiretroviralen Medikamenten begonnen, das sind Medikamente, die den HIV Virus leider nicht vernichten können, aber doch an der Vermehrung hindern können und damit einem Menschen noch 10, 15, vielleicht 20 Jahre dazuschenken und das bei guter Lebensqualität, d.h. die Leute können zur Arbeit zurückkehren, die Frauen können ihre Kinder großziehen und wie gesagt, wenn man dann 10,15 Jahre vielleicht 20 Jahre gewinnt, ich hoffe und bete, dass in dieser Zeit vielleicht doch die Pharmaforschung noch ein Medikament finden könnte, das den HIV Virus wirklich vernichten könnte und damit wäre dann auch das Leben dieser Menschen im biologischen Sinn gerettet und das ist die große Hoffnung, die wir haben. Es ist natürlich eine Wahnsinnsaufgabe bei so vielen HIV positiven Patienten diese Behandlung durchzuführen, aber wir müssen tun was wir können und das tun wir auch.

Und wir hier müssen doch, stimmen Sie hiermit überein, auch dafür sorgen, dass die Medikamente finanzierbar werden, dass fordert ja der Vatikan ständig. Ist das so, müssen wir auch in dieser Beziehung mithelfen, dass da faire Preise auf dem Weltmarkt für diese Medikamente entstehen?

Auf jeden Fall und da bin ich sehr dankbar dafür, wenn ich Ihnen jetzt ganz einfach sage, dass bis vor 2 Jahren die Behandlung mit diesen Antiretroviralen Medikamenten den 4-fachen Monatslohn eines Fabrikarbeiters gekostet haben und durch diese Einführung der Generika jetzt nur noch einen halben Monatslohn kosten, dann ist das zwar auch noch ein astronomischer Betrag, aber trotzdem es ist wesentlich mehr in den Bereich der Erschwinglichkeit gerückt, aber es gibt gottlob jetzt auch 2 verschiedene Schienen der kostenlosen Behandlung, das eine ist unsere eigene Regierung, dass unsere eigene Regierung sich durchgerungen hat, diese Medikamente kostenlos an die Bevölkerung auszugeben und das andere ist die katholische Kirche und da waren wir Vorreiter und da bin ich auch sehr stolz darauf, dass bereits seit 11/2 Jahren bzw. 2 Jahren die katholische Kirche begonnen hat, in den ersten Zentren diese Antiretrovirale Behandlung auszugeben, noch bevor die Regierung damit begonnen hat und momentan sind es 11 Zentren der katholischen Kirche und davon sind 3 in kwaZulu/Natal und wir sind eines von diesen 3 Zentren und sind sehr froh und stolz darauf, dass wir da helfen können und ich muss auch dazu sagen, es wird ja immer so viele auf die Amerikaner geschimpft, die Amerikanische Staatsregierung, die haben den President’s Emergency Plan for AIDS Relief , PEPFAR, abgekürzt und aus diesem Fundus werden alle AIDS Medikamente bezahlt, die wir ausgeben, alle Blutuntersuchungen und es werden auch einige unserer hauptamtlichen Mitarbeiter bezahlt aus diesem Fonds und dafür sind wir enorm dankbar und das möchte ich an dieser Stelle auch mal öffentlich sagen und damit können wir diese Arbeit auch finanzieren, es bleibt natürlich ein riesengroßer Restbetrag zu finanzieren und das ist ja der Grund, warum ich meinen so genannten Heimaturlaub damit verbringe, das ich Bettelreisen mache.

Your browser does not support inline frames or is currently configured not to display inline frames. Jetzt wird sich der eine oder andere Hörer hier bei uns in München fragen, ja der Pater Gerhard hat es uns gerade bewegend, sehr bewegend doch geschildert, wie er seinen Dienst verrichtet an den AIDS Kranken in Südafrika, ich möchte ihm helfen, dass das auch weiter so gut geht, wie können die Hörer hier in München Sie unterstützen, wie funktioniert das?

Jetzt sage ich etwas, was Sie vielleicht nicht erwarten oder vielleicht doch erwarten, als katholischer Sender. Das Wichtigste ist mir das Gebet. Und darum möchte ich auch ganz ganz herzlich bitten, dass die Menschen uns in ihr Gebet einschließen und den lieben Gott bitten, dass er uns die Kraft gibt in den oft sehr schwierigen Situationen in denen wir sind, aber mehr noch unsere Patienten sind, durchzuhalten. Und wer darüber hinaus uns auch finanziell unterstützen will, die Münchner Malteser waren so lieb und haben ein Spendenkonto extra für diesen Zweck eingerichtet und das ist bei der Ligabank in München, BLZ 750 903 00, die Kontonummer ist ganz einfach 2424240. Darauf kann man Spenden einzahlen und wenn man den Absender ordentlich angibt, kriegt man auch eine Spendenquittung dafür.

Aktuelles Spendenkonto ->

Und die Spendenkontonummer, ganz wichtig für unsere Hörer zu wissen, hinterlegen wir dann auch bei unserem Hörerservice. Pater Gerhard, wenn man sich für Ihre Gemeinschaft, die Brotherhood of Blessed Gérard interessiert, wo gibt es dazu nähere Informationen?

Das Einfachste ist direkt am Internet und zwar haben wir eine sehr ausführliche Homepage, das wäre die www.bbg.org.za. Dort kann man sich sehr ausführlich informieren über das Internet, aber Sie können auch die Frau Reimer von den Münchner Maltesern anrufen, die hier neben mir sitzt und die genau Bescheid weiß über unsere Arbeit und die erreichen Sie unter München 08943608193 und wenn Sie mit der Frau Reimer sprechen, die kann Ihnen weitere Informationen geben, wenn Sie mich in Südafrika anrufen ist es ein bisschen teuer, die Frau Reimer weiß es ganz genau wie der Hase läuft bei uns und die kann Ihnen gerne weitere Informationen geben.

Und wie gesagt, liebe Hörer, alle Daten gibt es bei unserem Hörerservice unter der 070075257525. Pater Gerhard, wann fliegen Sie zurück und was erwartet Sie wenn Sie wieder zurück sind in Südafrika, was steht da an für Sie an Arbeit?

Wann ich zurück fliege ist am nächsten Sonntag um 17.15 Uhr und was mich erwartet ist meine neue Heimat, eine riesengroße Aufgabe und eine sehr große Freude, dass man in dieser Aufgabe stehen darf und den Menschen den Glauben im Wort und in der Tat verkünden darf und darauf freue ich mich sehr und die Leute fragen mich immer: Hast du kein Heimweh? Dann sage ich: Ja, ich hab´ Heimweh, aber jetzt und zwar Heimweh nach Afrika.

Pater Gerhard, auch bei uns in Deutschland gibt es AIDS Kranke, die unter dem Virus leiden, es gibt aber auch zig andere Viruskrankheiten unter denen die Menschen auch hier bei uns in Deutschland leiden, ich möchte Sie deshalb zum Abschluss der Sendung um Ihren priesterlichen Segen bitten, gerade für die Menschen, die an diesen Viruskrankheiten leiden

Der Name des Herrn sei gepriesen - Von nun an bis in Ewigkeit - Unsere Hilfe ist im Namen des Herrn - Der Himmel und Erde erschaffen hat.
Und jetzt gebe ich Ihnen den Segen in der Zulusprache: Makanihlahlamelise uNkulunkulu uSomandla, uYise beneNdodana noMoya ogcwebileyo.
Gelobt sei Jesus Christus - In Ewigkeit. Amen.

Pater Gerhard, ich darf mich ganz herzlich bedanken, dass Sie heute in unser Münchner Studio gekommen sind, hier zu Radio Horeb in die Münchner Innenstadt und über Ihr Projekt berichtet haben in Südafrika für die AIDS Kranken. Ganz herzlichen Dank dafür!

Ich bedanke mich auch ganz herzlich bei Ihnen und bei Radio Horeb.

Und ich wünsche Ihnen eine gute Rückreise nach Südafrika und dass Sie dort wieder wohlbehalten ankommen um im Dienst der AIDS Kranken dort zu stehen. Ihnen alles Gute

Vergelt's Gott und Gottes Segen auch für Sie.


Malteser Südafrika (8.11.2004)


Radio Chiemgau

Malteser Südafrika

Ein Interview mit Pater Gerhard Lagleder vom 8. November 2004

 


“Malteser ist man nicht allein”, so heißt einer der Leitsätze der Malteser.
Fast ein halbes Jahrhundert gibt es die Helfer der Erzdiözese München-Freising nun schon.
Aber statt zu feiern unterstützen sie ihre Kollegen in Südafrika.

Aids ist das große Thema auf dem schwarzen Kontinent, so Peter Volk von den Maltesern Traunstein:

„Es ist so, dass es in Mandeni in der Region in Südafrika die höchste Aidsrate der Welt gibt, d.h. es sterben sehr viele Menschen an Aids.
Es sind sehr viele Aidswaisen da.
Wir wollen zum einen dieses Hospiz unterstützen, in dem aidskranke Menschen würdig gepflegt werden bis zu ihrem Sterben.
Zum anderen aber das Kinderheim unterstützen, in dem Aidswaisen, die ihre Eltern auf Grund von Aids verloren haben, gepflegt, betreut (werden) und ihnen eine Zukunft verschafft wird.“

Fast 500 ehrenamtliche Helfer versuchen in der südafrikanischen Malteserorganisation der Not entgegenzutreten.
Ein Traunsteiner* ist schon seit 12 Jahren in Südafrika: Pater Gerhard Lagleder.
Er hat das Hospiz damals gegründet und war schon seit sieben Jahren nicht mehr zuhause.

„Ich hab es mir nicht leisten können zeitlich, weil ich soviel Arbeit gehabt habe, um diese verschiedenen Projekte aufzubauen.
Es sind ja nicht nur diese beiden Projekte, die jetzt genannt worden sind, sondern es sind zwölf caritative Projekte.
Aber die beiden Wesentlichsten und Wichtigsten sind natürlich unser Kinderheim und unser Hospiz, in dem wir uns um Aidspatienten annehmen.“

Und auf Hilfe ist sein Hospiz unbedingt angewiesen, sagt Pater Gerhard:

„Ja wir versuchen natürlich soweit wir können und soviel wir können Menschen anzusprechen, die uns helfen.
Ich bin sehr stolz zu sagen , dass 30 Prozent unserer Einnahmen aus dem Land selber kommen.
Aber die anderen 70 Prozent , die müssen wir halt irgendwo anders von guten Menschen uns erbetteln.
Das Problem ist, dass wir keine Patientenbeiträge erheben können, denn einem Nackten kann man nichts aus der Tasche ziehen.
Und wenn jemand keinen Knopf Geld hat, dann kann ich nicht erwarten, dass er mir Geld gibt.
Die wenigsten wissen, wie man 'Krankenkasse' buchstabiert und von denen kann man sich nichts erwarten.
Also müssen wir alles durch Spenden finanzieren.“

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* Danke für die "Einbürgerung" ;-))
Korrekterweise bin ich nur insofern "Traunsteiner", dass meine Mutter in der Ludwigstraße in Traunstein geboren ist und dass ich in Max und Gabriele Rauecker sehr liebe Freunde in Höfen habe, bei denen ich jedesmal gern zu Gast bin, wenn ich mal nach Deutschland kommen kann.

Pater Gerhard


Pater Gerhard - ein Missionar auf Heimaturlaub (28.10.2004)



Pater Gerhard - ein Missionar auf Heimaturlaub
Er ist Benediktiner-Pater und lebt seit 17 Jahren in Südafrika. AIDS, Armut und Hunger - In Zululand kümmert er sich um die Ärmsten der Armen. Pater Gerhard war zu Gast bei Dieter Bleisteiner in der Mittagspause auf Ramasuri.
Pater Gerhard ist geborener Regensburger und war vor seiner Missionstätigkeit lange Zeit in Weiden beim Malteser-Hilfsdienst aktiv

Jetzt ist er auf Heimaturlaub und stellt den Oberpfälzern seine Arbeit in Südafrika vor.

Wenn Sie Pater Gerhard unterstützen wollen, dann klicken Sie ins Internet auf http://bbg.org.za/

Sie können natürlich auch für die Missionsarbeit spenden:
Sparkasse Neuburg-Rain BLZ: 721 520 70
Konto-Nr.: 12021
28.10.2004

 

Zu Gast bei uns heute in der Ramasuri Mittagspause ist heute ein ganz besonderer Mann, ein waschechter Benediktinerpater und Missionar ist bei uns: Pater Gerhard. Mahlzeit erst einmal

Dankeschön

Wie darf ich Sie denn jetzt eigentlich anreden?

Sie haben des ganz richtig gemacht, Pater Gerhard ist meine normale Anrede

Wunderbar. Aber Sie haben auch einen bürgerlichen Namen einmal gehabt, oder?

Ja, richtig, der ist Clemens Lagleder

Aha, und Sie kommen aus unserem Sendegebiet?

Ich komme aus Regensburg, habe aber in Weiden das Gymnasium und das Abitur gemacht, insofern fühle ich mich hier sehr zu Haus'

Sie sind Missionar; jetzt würde mich mal interessieren, wie würden Sie denn diesen Beruf beschreiben? Was ist ein Missionar, was macht der?

Ein Missionar ist ein Mensch der in den jungen Kirchen der Kirche und den Menschen hilft und das heißt mit anderen Worten, dass wir versuchen, den Menschen in der 3. Welt den Glauben zu verkünden, aber dies nicht nur im Wort zu tun, sondern eben in der Tat zu tun. Das einzige Evangelium, was in unseren heutigen Tagen noch gelesen wird ist ja die Tat der Christen und das ist die Aufgabe der Kirche, dass wir die Liebe Gottes den Menschen weiterschenken in der helfenden Tat

Und Sie sind in Südafrika?

Ich bin im Zululand in Südafrika tätig und das Zululand ist das Gebiet mit der höchsten AIDS Rate auf der Welt und da ist gerade die Kirche in ganz besonderer Weise angesprochen auf ihre Weise zu helfen, dass die Menschen die Hilfe bekommen, die sie brauchen

Wie kommt man jetzt dazu zu sagen, o.k., ich geh´ jetzt vielleicht ins Kloster, ich geh´ zu den Benediktinern, weil ich eben den Glauben habe oder weil ich Gott auf eine ganz besondere Art und Weise dienen möchte, aber jetzt geh´ ich in die Mission; wie komm´ ich da drauf? Was hat Sie da getrieben?

Ja, da muss ich über meine Biographie etwas erzählen, ich bin seit über 35 Jahren bei den Maltesern in Deutschland tätig gewesen und bin auch immer noch dabei. Ich hab´ auch hier in Weiden den Malteser Hilfsdienst aufgebaut und als Malteser ist man natürlich in erster Linie auf kranke Leute fixiert bzw. kümmert sich um kranke Leute und so war für mich dann die Idee ins Kloster zu gehen am Besten verwirklicht in einem Missionsorden, wo ich meine medizinische, aber auch seelsorgerische Aufgabe dann erfüllen kann und so war es dann für mich eigentlich die Berufung, die ich dachte verwirklichen zu sollen.

Wie lange sind Sie da jetzt schon unten?

17 Jahre.

17 Jahre und noch nicht bereut?

Nein, im Gegenteil, ich würde mit keinem Menschen auf der Welt tauschen und ich würde auch nicht, die Leute fragen mich immer: willst du nicht zurück, sag´ ich: nein, ich hab´ Heimweh nach Afrika.

Bei uns im Studio heute Mittag Pater Gerhard, er ist Benediktinerpater und Missionar und gleich reden wir über seine Arbeit in Südafrika.

In dieser Stunde in der Ramasuri Mittagspause am Donnerstag da haben wir einen ganz netten Gast, nämlich den Pater Gerhard. Er ist seit 17 Jahren Missionar in Südafrika, im Zululand genauer gesagt, ja und zur Zeit ist er wieder mal in der Oberpfalz auf Urlaub, oder?

Ja, das nennt man so Urlaub, aber natürlich geht es darum, dass man seine Arbeit einer breiten Öffentlichkeit vorstellt und versucht dann Freunde für diese Arbeit zu finden, im Sinn, dass man Leute findet, die die Arbeit finanziell mittragen.

Gibt es auch Urlaub? Es klingt jetzt für mich ein wenig komisch, wenn man sagt: ein Pater, hat der auch Urlaub, geht doch eigentlich gar nicht so, oder?

Das meint man immer, dass wir Übermenschen sind und dass wir überhaupt nicht schlafen brauchen, dass wir Tag und Nacht beten, das tun wir auch, aber wir brauchen natürlich auch unsere Pausen und so gibt es auch für uns einen Heimaturlaub. Ich war seit 7 Jahren nicht mehr auf Heimaturlaub und ich denk´ da ist es sicher nicht übertrieben, wenn man dann mal wieder in der alten Heimat ist.

Da gehen wir mal wieder zurück in ihr Schaffensgebiet in ihren Kreis, dort wo Sie wirken. Diese Gruppe, der Sie angehören, diese Organisation, das sind ja im Prinzip die Malteser, oder? Heißt aber anders

Es gibt in Deutschland einen Malteser Hilfsdienst, das ist die Hilfsorganisation des Malteserordens in Deutschland und ich habe eine Hilfsorganisation in Südafrika gegründet und weil man mit dem Namen Malteser im Englischsprachigen Bereich nichts anfangen kann, haben wir die Organisation nach dem Gründer des Malteserordens nämlich dem Seligen Gerhard benannt. Sie ist also nicht nach mir benannt, weil ich auch Pater Gerhard heiß´, sondern umgekehrt. Ich bin nach diesem Gründer des Malteserordens auch benannt und diese Bruderschaft des Seligen Gerhard oder wie wir im Zululand sagen die Brotherhood of Blessed Gérard oder auf Zulu inhlangano kaGerard obusisiweyo, die ist eine Hilfsorganisation von Südafrikanern für Südafrikaner um dort den Armen zu helfen.

Wir haben gerade vorhin schon darüber gesprochen, eines der ganz großen Probleme ist AIDS.

Das ist richtig, ja

Und jetzt haben wir auch gehört, der Malteser Hilfsdienst ist auch medizinisch aktiv, neben dem Geistlichen natürlich. Was sind denn jetzt da ihre Aufgaben? Einfach Essen runter schaffen? Medikamente runter schaffen? Oder wie sieht das aus?

Ja, das mit dem runterschaffen das ist immer so die deutsche Idee, dass am deutschen Wesen die Welt genesen soll und von daher von Deutschland aus der Rest der Welt organisiert werden muss und ich wollte gerade diesen Fehler nicht begehen, diesen Kolonialismusgedanken weiterzutragen, sondern ich habe mir überlegt, wir müssen die Südafrikaner dazu bringen den Südafrikanern in Südafrika zu helfen. Mit anderen Worten: Ich habe eine Hilfsorganisation von Südafrikanern gegründet um Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten, d.h. die Leute helfen sich selber und der einzige Ausländer im Vorstand bin ich. Es ist also eine genuin Südafrikanische Gründung und Organisation, die natürlich im Geist der Malteser ihren Dienst tut um den Glauben zu verteidigen durch die Hilfe an den Nächsten, an den Notleidenden.

Wie schaut denn diese Hilfe konkret aus, wird da was gebaut, ein Kindergarten gebaut, ein Krankenhaus ausgestattet oder was passiert da genau?

Ganz genau was Sie gesagt haben: Wir haben einen Kindergarten gebaut, wir haben ein Hospiz gebaut, wir haben, was wir nennen ein Pflege- Sozial- und Hospiz-Zentrum aufgebaut in dem wir auch ein Kinderheim unterhalten. Wir haben insgesamt 12 karitative Projekte, die wir unterhalten, die ich jetzt im Einzelnen gar nicht aufzuzählen brauch´, aber das Wesentliche ist unser Hospiz und unser Kinderheim in dem wir uns ganz speziell um AIDS Patienten annehmen.

... aber trotz alledem mit einem ganz ganz lieben Gast. Pater Gerhard, er ist nämlich Missionar in Südafrika auf Heimaturlaub und er ist eigentlich Oberpfälzer, deswegen auch Heimaturlaub, aber Urlaub klingt ja jetzt eigentlich ziemlich schön, aber mit Couch liegen und so da ist nix drin, oder?

Ja so ist des. Ich mein´ der Hintergrund so eines Heimaturlaubes ist natürlich die Erholung, aber man erholt sich ja auch, wenn man mal nicht in der Verantwortung steht, aber ich muss die Zeit natürlich auch nützen um Freunde für unsere Arbeit zu gewinnen, dass wir die Arbeit langfristig auch finanziell absichern können uns so geht man eben rum und versucht verschiedene Leute und Gruppen und Pfarreien und ähnliche Gliederungen, wo man eben seine Arbeit vorstellt und um Hilfe für diese Arbeit bittet.

Kommen wir genau zu diesem Thema, da wollte ich jetzt nachfragen. Das Ganze kostet natürlich auch einen Haufen Geld. Für gute Worte alleine wird man auch da unten keinen Stein kaufen können oder keine Wasserleitung bauen oder was auch immer. Woher kommt das Geld?

Das Geld kommt aus Zuschüssen und Spenden. Ein Großteil unserer Spenden kommt von Privatpersonen. Es gibt in Südafrika ein paar wenige Firmen die uns ein klein wenig unter die Arme greifen, aber der Großteil kommt wirklich von Privatpersonen. Wie man es mit biblischen Worten ausdrücken würde: die Pfennige der armen Witwe und dafür sind wir enorm dankbar, dass es so viele Leute gibt, die sagen: Mensch, was ihr da an Arbeit leistet ist großartig und da helfe ich dir dafür.

Jetzt nehmen wir doch vielleicht mal ein oder zwei konkrete Projekte raus, was Sie vielleicht gerade in Arbeit haben unten damit die Leute wissen: Mensch, da was ich da spende das Geld kommt auch wirklich an und ich weiß jetzt auch für was

Wir haben 12 karitative Projekte, die wir unterhalten, da gibt es ein paar ganz große, das Größte ist unser Hospiz, wir sind das größte Hospiz Südafrikas mit 80 Betten, 40 im Kinderheim und 40 für Erwachsene in dem Gebiet mit der höchsten AIDS Rate der Welt, von der Regierung offiziell zugegeben sind in unserem Gebiet 76% der AIDS Tests die positiv ausgefallen sind und da muss man natürlich was tun und wenn Sie mich nach Geld fragen. Wenn wir einen Patienten 365 Tage pflegen, also ein ganzes Jahr, dann kostet uns das umgerechnet 7300 Euro und jetzt rechnen Sie mal 80 Patienten, dann können Sie sich unsere Gesamtkosten ausrechnen.

Jetzt sind Sie auf Urlaub hier in der Oberpfalz und haben einen dichten Terminkalender. Unter anderem natürlich auch bei uns und es gibt Vorträge, z.B. jetzt am Freitag in Herz Jesu um 15 Uhr ein großer Vortrag wo Sie berichten über Ihre Arbeit. Wer jetzt Sie unterstützen möchte und jetzt sagt: Mensch, das ist eine Klasse Geschichte, jetzt kenn´ ich den Herr Pater Gerhard jetzt auch persönlich, zumindest jetzt durch das Radio und dem will ich jetzt was Gutes tun, wie kann er denn das machen?

Your browser does not support inline frames or is currently configured not to display inline frames. Das geht ganz einfach. Da geht man auf die Bank und schickt uns eine Überweisung, da gibt es ein Spendenkonto wo man auch eine Spendenquittung bekommt wenn man seine Anschrift angibt, das ist die Kontonummer 12021 bei der Sparkasse Neuburg-Rain, die Bankleitzahl ist 721 520 70

Natürlich geben wir dies alles gleich noch einmal durch. Also wem des jetzt zu schnell gegangen ist, hier einfach noch mal bei uns anrufen oder bei uns im Internet nachschauen www.ramasuri.de, da werden wir das Ganze noch einmal veröffentlichen und es gibt auch eine Internetseite wo man auch ein bisschen stöbern kann und schauen kann, was ihr da so macht

Genau, das wäre die www.bbg.org.za und da ist eine sehr weitgestreute Internetseite, die über all´ unsere Tätigkeiten sehr ausführlich berichtet und herzliche Einladung uns dort wenigstens online zu besuchen

Pater Gerhard, wir bedanken uns ganz herzlich, dass Sie da waren hier bei uns, dass Sie erzählt haben, wie es in Südafrika zugeht und was Sie da machen. Ihnen wünsche ich noch einen schönen Urlaub

Danke schön

Auch ein bisschen durchschnaufen

Ja, das ist sehr lieb und ich bedank´ mich auch bei Ihnen, dass Sie mich eingeladen haben zu Ihnen zu kommen und ich grüße meine Oberpfälzer Freunde ganz herzlich und bedanke mich

Jetzt bräuchten wir ganz zum Schluss noch einen Satz auf Zulu

- ...................ich bedanke mich ganz herzlich, dass ihr mir eine Möglichkeit gegeben habt zu euch zu sprechen und euch zu erzählen wie wir den Menschen im Zululand helfen die in großen Nöten sind. Das habe ich auf Zulu gesagt

Wunderbar. Ich sag´ noch einmal Dankeschön. Pater Gerhard bei uns in der Mittagspause auf Ramasuri. Er ist Benediktinerpater und Missionar in Südafrika und wartet natürlich auf Ihre Spenden. Also raus mit dem Geld!


Pater Gerhard - ein Missionar auf Heimaturlaub ramasuri.de


Teddybären für ein Kinderheim in Südafrika (28.2.2001)

Teddybären für ein Kinderheim in Südafrika

Sendung über Blessed Gérard's Kinderheim am 28. Februar 2001:

In Südafrika greift der HIV-Virus immer weiter um sich... und lässt zahlreiche Kinder verwaist zurück!
Zur Unterstützung eines Heimes für diese gibt es eine Teddybär-Spendenaktion.
Ein Gespräch mit Gabriele Rauecker, Mit-Engagierte der Malteser in München.



      Buy a
      Bear for a
      Baby!

Wenn Sie Kinder haben, dann glaube ich – zumindest wenn sie hier in Deutschland und in diesen gut situierten Ländern zuhause sind – dass bestimmt ihr Kind nicht nur Kuscheltiere hat, sondern wahrscheinlich auch einen Teddybär, den Klassiker schlechthin, den man manchmal sogar, so ist es mir gegangen, zur  Geburt bekommt, und der dann mit einem alt wird. Teddybären sind genau so wenig selbstverständlich, wie es selbstverständlich ist, dass Kinder überhaupt diesen Luxus von Kuscheltieren bekommen, beispielsweise in Südafrika und überhaupt in Afrika sieht das natürlich ganz anders aus. „Buy a bear for baby!“ übersetzt „Kaufe einen Teddybären für ein Baby!“ so heißt eine Spendenaktion, die ins Leben gerufen wurde von Pater Lagleder. Pater Lagleder ist Missionsbenediktiner und in Südafrika und gut befreundet mit Gabriele Rauecker, die ebenfalls bei den Maltesern in München beschäftigt ist. Frau Rauecker habe ich jetzt am Telefon. Guten Tag, Frau Rauecker!

Grüß Gott!

Frau Rauecker, die Aktion „Buy a bear for a Baby“ oder salopp übersetzt die Teddybärenspendenaktion, was steckt dahinter?

Es geht dabei um die Unterstützung der Südafrikanischen Malteser, die Pater Gerhard Lagleder gegründet hat, die seit 5 Jahren ein Sozialzentrum dort unten betreiben, das eigentlich gedacht war, um sterbenden Kranken die Versorgung zu ermöglichen, und in das etwa seit einem halben Jahr immer mehr Kinder gebracht werden, und Babys gebracht werden, die entweder selbst sehr schwer krank sind, oder die verwaist sind, weil die Eltern an AIDS oder an anderen Krankheiten gestorben sind, oder sie nicht mehr versorgen können. Und weil dies eben kein guter Zustand ist, Kinder in einem Nebenzimmer des Sozialzentrums da provisorisch unterzubringen, hat man den Entschluss gefasst, ein Kinderheim zu bauen, und um dieses Kinderheim also anzubauen an das bestehende Sozialzentrum, und um dies zu finanzieren, wurde eine Spendenaktion ins Leben gerufen unter den Motto „Buy a bear for a baby“ also „Kauf einem Kind einen Teddybären“, um ja Geld zu kriegen und die Einrichtung überhaupt und den Aufbau zu ermöglichen und den Betrieb zu ermöglichen.

Das heißt von den Spenden werden selbstverständlich nicht eins-zu-eins Teddybären gekauft, weil es viel nötigere Dinge für die Kinder gibt, aber es wird durchaus auch Spielzeug für die Kinder davon angeschafft.

Ja natürlich. Also, Kinder brauchen mehr als nur satt und sauber zu sein. Natürlich wird davon auch Spielzeug gekauft, aber – ich habe es selber gesehen, ich war selber in Südafrika unten – den Kindern fehlt es am Nötigsten und dies ist natürlich die vordringlichste Aufgabe, überhaupt ein Dach über dem Kopf zu schaffen, die Kinder vernünftig einzukleiden und vernünftig zu ernähren. Es gibt dort ja auch Hungererscheinungen bei den Kindern, und natürlich die Krankheiten zu heilen, die Krankheiten des Körpers und der Seele muss man wirklich sagen, weil auch sehr viele missbrauchte und misshandelte Kinder dabei sind.

In welchem Alter sind die Kinder?

Im Moment sind die Kinder vom Säuglingsalter bis etwa 4, 5 Jahre alt, die also im Zentrum leben. Es sind derzeit acht Kinder, die dort sind.

Was wird mit den Kindern konkret gemacht? Was sind, ja, Aktionen, die vor Ort konkret dann in dem provisorischen Kinderheim, was es ja nun zurzeit gibt, ablaufen?

Also, das ist individuell verschieden. Die Kinder kommen auch in verschiedener Verfassung, es kommen Kinder, denen man eigentlich nur noch die letzten Tage mit Liebe etwas verschönern kann, die also zum Sterben kommen, die selber an AIDS erkrankt sind. Es kommen aber auch Kinder, deren Entwicklung einfach gestört ist, und die versorgt werden müssen, die angezogen werden müssen, und überhaupt mal so etwas wie ein Zuhause erfahren müssen. Da sind die Mitarbeiter sehr engagiert, um denen ja auch so etwas wie eine Familie zu ersetzen, und ihnen das Gefühl zu geben, da zuhause zu sein und geliebt zu sein. Man kann also jetzt nicht sagen, es gibt ein festes Programm, sondern die Kinder werden je nach Bedarf versorgt, natürlich mit dem lebensnotwendigsten und mit dem was gerade ansteht. Man versucht darüber hinaus auch Partnerfamilien zu finden, die Kinder aufnehmen oder adoptieren, um da wirklich die bestmögliche Versorgung für die Kleinen da zu erreichen.

Jetzt ist, wenn die Kinder zu Ihnen kommen, oder gebracht werden im wahrsten Sinne des Wortes leider, ja auch gleichnamiges Kind schon in den Brunnen gefallen. Was gibt’s denn für Möglichkeiten, gerade was Aids angeht, eben präventiv was zu tun?

Also, das Wichtigste, denke ich, ist die Aufklärung der Bevölkerung überhaupt über die Ansteckungswege. Es ging ja auch vor einiger Zeit groß durch die Presse, dass in Afrika immer noch geleugnet wird, dass AIDS eine Infektionskrankheit ist, die man auch mit entsprechenden Vorbeuge-Maßnahmen verhindern kann. Es ist in dem Gebiet sehr weit verbreitet. Also über 80 % der Bevölkerung wird HIV-positiv getestet. Da ist Aufklärung sehr notwendig. Auch das machen die südafrikanischen Malteser, eben Aufklärungen, dass eben die hohe Promiskuität, die es gibt, einfach dem großen Vorschub leistet und da wirklich Böses bewirkt.

Sie waren selber – sie haben es gerade eben kurz erwähnt – in Südafrika, in Mandeni, dort wo das zurzeit provisorische, hoffentlich dann besser eingerichtete Kinderheim ist. Wie ist Ihr persönlicher Eindruck?

Ja, wenn man da aus Europa so hinkommt, dann ist man schon erst mal betroffen von den Verhältnissen, die man dort sieht. Das Umfeld, das man dort erlebt, ist schon ganz anders und es ist wirklich unvorstellbar, wie manche Menschen dort leben müssen. Umso begeisterter war ich vielleicht von dem, was ich dort erleben durfte. Die Hilfe wie sie dort ankam. Das ist nämlich wirklich ein immenser Erfolg, den man da hat, wenn man sieht, wie die Leute aus den Slumgebieten, die dort auch sind, gebracht werden und dann wirklich in einem vernünftigen Krankenbett gepflegt werden können. Da kommt die Hilfe wirklich direkt an. Das ist auch ein Grund, warum ich die Aktion eigentlich unterstütze, vor allem dann auch wenn es um Kinder geht.

Darüber hinaus wird sogar angeboten, dass man nicht nur spenden kann, sondern für eine Spende, die jenseits der zehn Mark – und weiß Gott möglich in unseren Breiten – liegt, dass man da sogar was gewinnen kann. Das wird heute Abend passieren. Da wird tatsächlich etwas ausgelost werden unter allen, die tatsächlich die zehn Mark aufgebracht haben.

Ja, es ist so, dass es gelungen ist, in Südafrika einen Sponsor zu finden, der gesagt hat: „Ich gebe Euch nicht Geld, sondern ich kann Euch einen Flug von mir geben.“ Das ist ein Reisebüro und dieses Reisebüro hat einen Flug Deutschland-Südafrika-Deutschland gespendet und eine Übernachtung in einem …, ja „Shakaland“ ist so ein touristisches Zulu-Dorf. Dies wird unter allen Spendern verlost werden. Für jeweils 10 Mark hat man praktisch ein Los erworben und das wird heute Abend dann die große Verlosung stattfinden, …

Wunderbar!

… die mit Spannung  unter allen Spendern wahrscheinlich erwartet wird.

Your browser does not support inline frames or is currently configured not to display inline frames. Das denke ich auch. Die ist heute Abend die Auslosung. Trotzdem lohnt es sich natürlich zu spenden. Wir werden gleich die Kontonummer bekannt geben. Wir, das heißt meine lieben Kollegen in der Redaktion, denn wir werden die Telefonnummer der Domradio-Hotline angeben. Dann ist es leichter, das alles mitzuschreiben, was die Kontoverbindung angeht, um zu spenden für die Erweiterung des Kinderheims in Mandeni in Südafrika. Das war Gabriele Rauecker, Mitarbeiterin der Malteser in München. Vielen Dank!

Ja, vielen Dank auch an Sie!

Tschüss!

Tschüss!


Predigt zum Weltmissionssonntag 1994

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